Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Mitten im Biosphärenreservat Spreewald kann man in Lübben vor dem Reha-Zentrum in der Postbautenstraße die Kunst der Münchnerin Nina Hoffmann bewundern. Ihre zwanzig lebensgroßen, gelben Windhunde lesen in dicken Folianten. Im Kunstverein München war das Werk 1990 unter dem Titel „Ideale Kreaturen in idealer Landschaft“ ausgestellt, allerdings im Innenraum.

Hoffmanns Arbeiten – Malerei, Skulptur und Performance – drehen sich immer wieder um die Themen Natur- und Kulturzerstörung. Die zwanzigfache Wiederholung soll auf die von Menschen „erzeugte“ Natur – hier die Züchtung von Windhunden – hinweisen. Die unnatürliche Farbe („Cadmium-Gelb“) erinnert an eine Giftwolke.

"Die lesenden Windhunde", Nina Hoffmann, Arbeit: "Ideale Kreaturen in idealer Landschaft", Foto © Friedhelm Denkeler 2016
„Die lesenden Windhunde“, Nina Hoffmann, Arbeit: „Ideale Kreaturen in idealer Landschaft“, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Bei den „geklonten“ Hunden denkt man unwillkürlich an eine industrielle Serienfertigung; in Wirklichkeit ist aber jeder in Handarbeit hergestellt. Eine spezielle Kaschiertechnik aus kleinen Papierstückchen wurde bei jedem einzelnen Tier angewandt. Für Nina Hoffmann ist diese Herstellung eintönig und gleichzeitig meditativ. Einen Polyesterguss würde sie nicht anfertigen lassen.

Das große Thema in Hoffmanns Arbeiten ist die Natur; sie gehört aber nicht zu den „Ökokünstlern“. Ihre Vorbilder sind eher Amseln Kiefer (mit seinen Bleibüchern) oder Bruce Naumann (bei dem auch das Hundemotiv auftaucht). Die Tiere lesen in Büchern, die leer sind und der Mensch speichert sein Wissen heute auf externen Trägern. „In letzter Konsequenz – die Kontrolle des Menschen über sich selbst erweist sich als Illusion – hat er sein Wissen delegiert, konserviert und – verloren.“ [Nina Hoffmann]

"Ein lesender Windhund", Arbeit von Nina Hoffmann, Foto © Friedhelm Denkeler 2016
„Ein lesender Windhund“, Arbeit von Nina Hoffmann, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

„Der menschliche Geist kann sich viel leichter an die Vorstellung gewöhnen ein Informationssystem herzustellen, als darin einen HUND herzustellen. Noch leichter wird das ganze Unternehmen, wenn man endlich die Überzeugung gewonnen hat, dass es in Wahrheit einen HUND in der herkömmlichen Bedeutung des Wortes gar nicht gibt. Für das kommende Zeitalter wird es sehr viel zutreffender sein, einen HUND als ein spezifisches Informationsmuster zu beschreiben, das sich über einen bestimmten Zeitraum entfaltet. Das Leben als Informationsfluss ist die endgültige und restlose Entheiligung der Natur!“ [aus: Jeremy Rifkin „Genesis zwei. Biotechnik – Schöpfung nach Maß“, zitiert in Katalog „Nina Hoffmann, Kunstverein München].