Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Kleine Geschichte der Werkstatt für Photographie (3)

1976 bis 1986 – Zehn Jahre, die die Photographie veränderten

Im Jahr 2016 jährt sich zum 40. Mal die Gründung der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg (1976) und gleichzeitig deren Ende vor 30 Jahren (1986). Aus diesem Anlass habe ich die Photographien rund um die Werkstatt-Aktivitäten aus meinem Bildarchiv ausgewertet und zu einer Serie mit 164 Photographien unter dem Titel “Szenen aus der Werkstatt für Photographie 1976-1986″ zusammengestellt. Eine Auswahl von 35 Bildern finden Sie hier. Heute geht es um die Bildbesprechungen und Ausstellungen der Werkstatt.

3 Bildbesprechungen

Das Arbeiten und Leben an der Werkstatt für Photographie wurde bestimmt durch die verschiedensten Aktivitäten. Am wertvollsten waren die Bildbesprechungen an den Kursabenden. Es lagen immer mehr Arbeiten der Teilnehmer vor, als in den drei Kursstunden des Abends besprochen werden konnten. In älteren Artikeln über die Werkstatt wird vereinzelt der „außerordentliche raue Ton“ (Enno Kaufhold in „Photographie hat Sonntag“) oder der „strenge, autoritäre, intolerante Unterricht“ (Marlies Mertens in „Fotografie und Erwachsenenbildung“) bei den Bildbesprechungen bemängelt.

So habe ich es in den Kursen nie empfunden. Und wenn, dann war er aber auch oft gerechtfertigt, denn die Werkstatt hatte sich einen hohen künstlerischen Anspruch auferlegt. Wie man in den vorliegenden Katalogen der Werkstatt und anderen Einrichtungen und auch an den heutigen Arbeiten der noch aktiven, ehemaligen Werkstättler sehen kann, war dieser Anspruch auch berechtigt. Klar wies Schmidt einmal auf Otto Steinert hin, der einen Stempel besessen haben soll, mit dem er vereinzelt Photos mit „Sch…“ zeichnete, aber vielleicht ist das auch nur eine Anekdote.

Vernissage "Sammlung Tillmann und Vollmer – Meisterwerke der Fotokunst", Werkstatt für Photographie,  20.09.1985 (Gosbert Adler, Hermann Stamm, Joachim Schmid), Foto © Friedhelm Denkeler 1985

Vernissage „Sammlung Tillmann und Vollmer – Meisterwerke der Fotokunst“, Werkstatt für Photographie, 20.09.1985 (Gosbert Adler, Hermann Stamm, Joachim Schmid), Foto © Friedhelm Denkeler 1985

4 Ausstellungen

In den zehn Jahren der Werkstatt für Photographie gab es an die fünfzig Ausstellungen. Während der Vernissagen, die gleichzeitig auch kleine „Feste“ waren, wurden natürlich die Werke der Ausstellenden diskutiert, ebenso an den einzelnen Kursabenden. Zum Start der Werkstatt gab es eine erste Ausstelllung, in der journalistische Arbeiten der „Stern“-Photographen zu sehen waren und gleich danach folgten „Dokumente des 19. und 20. Jahrhunderts“. Weitere Einzelausstellungen zeigten Arbeiten von Heinrich Riebesehl und Georg A. Tice. Mit Tice begann denn auch, fast bis zum Ende der Werkstatt, eine Serie zeitgenössischer amerikanischer Photographen. Fast jedes Jahr gab es drüber hinaus eine Überblicksausstellung der „Photographien der Hörer und Dozenten“, sowie insgesamt fünf Einzelausstellungen von Werkstättlern in den 10 Jahren .

Nach der Ausstellung von Georg A. Tice folgten weitere US-amerikanische Fotografen. Der Januar 1978 begann mit den fünf amerikanischen „New Topographics“ Lewis Baltz, Joe Deal, Stephen Shore und Carl Toth in einer Gruppenausstellung. Es folgten: Ralph Gibson, John R. Gossage, Robert Adams, Stephen Shore, Paul Caponigro, Larry Clark, Larry Fink und William Eggleston. Zu allen Ausstellungen gab es ein Plakat oder einen Katalog, die alle qualitätsvoll und professionell von Gabriele A. Götz graphisch gestaltet wurden. 35 Plakate und neun Kataloge befinden sich in meinem Archiv. Die erfolgreichste Ausstellung mit über 1000 Besuchern war sicherlich jene mit den Photographien von Diane Arbus im Mai 1981.

Alle bisher erschienenen Artikel finden Sie auf hier auf einer Website.  Fortsetzung folgt

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