Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Oktober 2016

Die Red-River-Rebellion

Instrumentals der frühen Rockgeschichte –
von “The Third Man Theme” zum “Egyptian Reggae” (3)

Heute möchte ich in meiner kleinen Serie “Instrumentals der Rock-Popgeschichte” einen weiteren Song vorstellen; den “Red River Rock”. Es ist nicht einfach, einen würdevollen Interpreten zu finden, denn es gibt mindestens 70 Coverversionen.

Johnny & The Hurricanes: "Red River Rock", 1959, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Johnny & The Hurricanes: “Red River Rock”, 1959
Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Da der Song Ende der 1950er Jahre weltweit bekannt wurde, mitten in der Rock & Roll-Zeit, liegt es nahe, die Version von Johnny & The Hurricanes auszuwählen. Es ist eine meiner Best-of-Songs der frühen Rockgeschichte. Die Single „Red River Rock“ kam im Juli 1959 auf den Markt und wurde kurz darauf von “Billboard” besprochen.

Johnny & The Hurricanes:
“Red River Rock”
, 1959, (Ersatzlink)

Während einer Aufnahmepause hörte der Manager der Hurricanes wie der Organist mit der Melodie experimentierte; er bat, die Passagen zu wiederholen. So entstand der einmalige Sound als Variation des Originals.

Der Grundmelodie wird von einer Hammond-Orgel getragen mit Licks vom Tenor-Saxophon und einem Mittelteil für Gitarre. In Deutschland und England erreichte der Song Platz 3 der Hitparade und in den Staaten den Rang 6. Es waren die höchsten Platzierungen aller Versionen des Folk- und Country-Lieds. The Hurricanes verkauften davon über 1 Million Singles.

Eine Vokal-Version handelt von der verbotenen Liebe einer Indianerin zu einem britischen Soldaten während der Red-River-Rebellion um 1870 in Kanada. Ethnische und religiöse Feindseligkeiten und Übergriffe der angelsächsisch orientierten kanadischen Zentralregierung gegen die europäisch-stämmigen Altsiedler sind das Thema.

1925 wurde der Song das erste Mal kommerziell als “Cowboy Love Song” vermarktet. Mit deutschem Text erschien 1959 “Komm zurück in das Tal unserer Träume” von Friedel Hensch und den Cyprys. Es folgten dann Aufnahmen von Connie Francis, Pete Seeger und The Ventures. Einen Live-Auftritt im Fernsehen gab es 1981 im Bayrischen Rundfunk.

Zur Einführung der “Instrumentals der Rock- Popgeschichte” siehe hier.

Nagelbrett

"Nagelbrett" (Zitadelle Spandau), Foto © Friedhelm Denkeler 2009

“Nagelbrett” (Zitadelle Spandau), Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Ewaipanoma

Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle, wo der Kopf ist

Das Loft war anscheinend nicht hoch genug, deshalb musste die kniende und kopflose Rihanna mit dem Hof der Kunstwerke (KW) in der Auguststraße vorlieb nehmen. Das sechs Meter hohe Werk “Ewaipanoma (Rihanna)” des Kolumbianers Sebastián Peláez zeigte im Rahmen der Berlin-Biennale 2016 eine quasi kopflose Rihanna. Im August war die 28jährige R&B-Sängerin zu einem Konzert in Berlin; besuchte bei dieser Gelegenheit quasi sich selbst und postete auf Instagram: “Went to visit my boobs the biggest they’ll ever be”.

"Ewaipanoma (Rihanna)", Juan Sebastián Peláez, Hof der Kunstwerke (KW), Berlin, Ausgustsraße, Foto © Friedhelm Denkeler

“Ewaipanoma (Rihanna)”, Juan Sebastián Peláez, Hof der Kunstwerke (KW), Berlin, Auguststraße, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Die Inspiration stammt laut Peláez von Zeichnungen der Kolonisatoren, wie Walter Raleigh, die diese im 16. Jahrhundert von ihren Reisen mitbrachten und die behaupteten, kopflose Eingeborene (Ewaipanoma) mit Gesichtern auf dem Oberkörper gesehen zu haben. Nachdem Raleigh wegen Spionage zum Tode verurteilt wurde, sollen seine letzten Worte gewesen sein: “Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle, wo der Kopf ist”.

Werkstatt für Photographie 1976 – 1986

Ausstellungs-Vorankündigung “Kreuzberg – Amerika” bei C/O Berlin (2)

Plakat zur Ausstellung "John R. Gossage – Gardens"  in der Werkstatt für Photographie, 30.10. bis 01.12.1978

Plakat zur Ausstellung “John R. Gossage – Gardens”
in der Werkstatt für Photographie, 30.10. bis 01.12.1978

Im Jahr 2016 jährt sich zum 40. Mal die Gründung der “Werkstatt für Photographie” in Berlin-Kreuzberg (1976) und gleichzeitig deren Ende vor 30 Jahren (1986). Aus diesem Anlass präsentieren das C/O Berlin, das Museum Folkwang Essen und das Sprengel Museum Hannover im Dezember 2016 ihr gemeinsames Ausstellungsprojekt “Werkstatt für Photographie 1976 – 1986″ (siehe auch hier).

C/O Berlin arbeitet in der Ausstellung “Kreuzberg – Amerika” die Geschichte der Werkstatt für Photographie auf. In der von Thomas Weski und Felix Hoffmann kuratierten Ausstellung werden ca. 250 Exponate gezeigt, darunter von international renommierten Fotografen, die in der Werkstatt ausgestellt haben: Robert Adams, Diane Arbus, Lewis Baltz, Larry Clark, William, Eggleston, Larry Fink, John Gossage und Stephen Shore.

Diese Auswahl wird in einen Dialog gesetzt mit Bildern von Fotografen, Dozenten und Gästen der Werkstatt wie Gosbert Adler, Friedhelm Denkeler, Wolfgang Eilmes, Thomas Florschuetz, Ulrich Görlich, Ursula Kelm, Wilmar Koenig, Thomas Leuner, Christa Mayer, Eva Maria Ocherbauer, Hildegard Ochse, Gundula Schulze Eldowy, Michael Schmidt, Hermann Stamm, Klaus-Peter Voutta, Manfred Willmann und Ulrich Wüst.

Die Ausstellung wird am 9. Dezember 2016 bei C/O Berlin im Amerika-Haus in der Hardenbergstraße 22 ab 19 Uhr eröffnet. Ausstellungsdauer 10. Dezember 2016 bis 12. Februar 2017. www.co-berlin.org

Der Traum vom Fliegen

Die Insel der besonderen Kinder

Seit einigen Tagen ist sie als Cut-Out in den Straßen von Berlin zu sehen: Eine blonde, schwebende Frau im blauen Kleid, mit einem um die Hüfte geknoteten Seil. Es hat schon schlechtere Stadtverschönerungen gegeben. Der Hashtag “BleibBesonders” deutet es bereits an: Es handelt sich um Werbung für den Film “Die Insel der besonderen Kinder” (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children) von Tim Burton.

"Der Traum vom Fliegen" (U-Bahnhof Prinzenstraße), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

“Der Traum vom Fliegen” (U-Bahnhof Prinzenstraße)
Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Der Fantasyfilm erzählt von Kindern aus einem Heim, die geheime Superkräfte haben und gemeinsam gegen eine Armee des Bösen kämpfen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Werbung – hier in Form von Guerilla-Marketing – sich der Streetart und der Graffiti bemächtigte. Ob diese Werbemethode eine einmalige Aktion ist oder ab sofort inflationär in den Städten auftaucht; eine Bereicherung oder Verschandelung ist, wird sich alsbald zeigen.

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