Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Auch der Marlboro-Mann muss an der roten Ampel warten

Zunächst landet man, wenn man die Daimler Kunstsammlung im Haus Huth am Potsdamer Platz betritt, in der Retrospektive von Adolf Fleischmann, dem abstrakten Maler mit seinem in New York entstandenen Hauptwerk (1952 – 1965); aber wir sehen auch in Europa entstandene Arbeiten (1940er Jahre). Der Eingang zu den weiteren Ausstellungräumen ist nicht ohne Grund mit halbhohen Westernsaloon-Schwingtüren versehen. Sie beherbergen die Cowboy-Fotos des deutschen Fotografen Dieter Blum (geb. 1936).

Der Marlboro-Mann existiert bereits seit 1950, aber erst ab 1992 wurde mit echten Cowboys gefilmt. Dieter Blum fotografierte Cowboys mit Hut und Kippe beim Wäsche waschen, vor untergehender, blutroter Sonne als Silhouette, auf dem Pferd vor einer roten Ampel wartend, sowie drei Cowboys sitzend, einem hängt lässig die Zigarette zwischen den Lippen, in einem großen Waschzuber aus Holz.

"Westernsaloon Schwingtür mit Arbeiten von Dieter Blum", (Ausstellung "Dieter Blum – Cowboys. The First Shooting 1992), Daimler Kunst Sammlung, Potsdamer Platz Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler
„Westernsaloon Schwingtür mit Arbeiten von Dieter Blum“, (Ausstellung „Dieter Blum – Cowboys. The First Shooting 1992), Daimler Kunst Sammlung, Potsdamer Platz Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Die Fotos – und mit ihnen der Marlboro-Mann – sind heutzutage schon als Zeitdokument anzusehen, denn die Zigaretten-Werbung wurde bekanntermaßen eingestellt. Den Cowboy-Mann gibt es seit 2005 nicht mehr, trotzdem ist er noch in unseren Köpfen. Die bei Daimler ausgestellten Fotos „Cowboys. The First Shooting 1992“ sind nicht mit den späteren Werbebildern identisch. Die 1992 gemachten 70 Probeaufnahmen brachten Blum aber zehn Jahre lang als einzigem deutschen Fotografen lukrative Aufträge von Marlboro ein.

Ist das nun Kunst oder Kunsthandwerk? Daimler jedenfalls hat die Bilder für seine Sammlung erworben. Vielleicht sollte man sich selbst ein Bild machen: die Ausstellung ist noch bis zum 6. November 2016 am Potsdamer Platz zu sehen.