Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

„Sommer in einer Hand“ – Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

Die Natur muss gefühlt werden [Alexander von Humboldt]

Im Sommer 1985 fuhr ich mit dem Fahrrad die Spuren meiner Kinderzeit und Jugendjahre auf dem Lande in Ost-Westfalen ab. Auch wenn ich seit Jahren in der Stadt lebe, spielte in dieser Serie die Natur, so wie ich sie auch heute noch in Erinnerung habe, die Hauptrolle. Meine eigene Hand in den Bildern deutet natürlich den persönlichen Bezug an, aber auch ein mir und den Orten fremder Betrachter kann sich, so glaube ich, mit den Bildern identifizieren. Das Betasten und Erkunden der Natur mit der Hand ist eine Sache für sich, aber gleichzeitig wird die Natur grundsätzlich so gelassen wie sie ist.

"Ährenfeld", aus der Serie "Sommer in einer Hand" Foto © Friedhelm Denkeler 1985
„Ährenfeld“, aus der Serie „Sommer in einer Hand“ Foto © Friedhelm Denkeler 1985

Die Erinnerungen an die erlebte Natur der Kindheitstage sind vielfältig und die vorliegenden Photographien können nur einen kleinen Einblick davon geben. Frühmorgens mit dem Fahrrad auf dem Butterblumenweg unterwegs; die Sonne hat es noch nicht ganz geschafft, den aufsteigenden Nebel von den feuchten Wiesen an der Großen Aue zu vertreiben. An der Pappelalle beginnt der „Hafer zu stechen“, der Mais blüht und das Kornfeld wogt leise im Wind.

Im angrenzenden Torfmoor ist die Versuchung groß, einen Strauß „Scheiden-Wollgras“ (Eriophorum vaginatum) zu pflücken und dazu passenderweise einen „Schwarzen Lampenputzer“ (Pennisetum alopecuroides) mitzunehmen. Auf dem Rückweg bot sich eine Pause an, um an der Brombeerhecke wohlschmeckende Beeren zu pflücken. Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel und auf den Wiesen war das Heu bereit für die Ernte. Der Geruch des frischen Heus wird für ewig in Erinnerung bleiben.

Ähnlich der zwei Jahre zuvor entstandenen Serie „Møns Klint“ geht es auch in der vorliegenden Serie „Sommer in einer Hand“ nicht nur um das visuelle Erlebnis auf dem Lande, sondern auch um die haptische Wahrnehmung der Natur. Wieder spielte die Hand eine große Rolle, etwa durch Überstreichen der Oberfläche, Nachfahren der Konturen und Umfassen und Drücken. Die sinnliche Erfahrung als Ergänzung zu der visuellen Wahrnehmung.

Sommer in einer Hand”, 1985, 30×45 cm, Fotopapier im Passepartout 50×60 cm. Die Aufnahmen entstanden 1985 im Landkreis Minden-Lübbecke in Ost-Westfalen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 80 Seiten im Format 45×30 cm erschienen (2015). Die gesamte Serie besteht aus 64 Photographien.

Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte [Bertolt Brecht]