Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Berlinale (II): „Victoria“ von Sebastian Schipper mit Frederik Lau

Sebastian Schippers zweieinhalb-Stunden-Film in den Holzsitzen der engen Stuhlreihen im Friedrichstadt-Palast und dann noch in einer einzigen Kameraeinstellung („One Take“) anzusehen, war Schwerstarbeit. Hat sich der Aufwand denn wenigstens gelohnt? Für Schipper war jedenfalls der Dreh „traumatisch“, danach war er zwei Monate lang zu nicht zu gebrauchen – Entspannungs-Depression. Bei uns hielt sie nur ein paar Stunden an.

Die Story handelt von vier Berliner Jungs („We’re not zugezogen, you know – we’re real Berliners“), die in der Nacht „ordentlich Party machen“ und einem Mädel aus Spanien, das seit vier Monaten in Berlin lebt und die alle gemeinsam im Morgengrauen eine Bank überfallen und durch die Stadt fliehen.

"Polizeieinsatz in der Weserstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 1980
„Polizeieinsatz in der Weserstraße“, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Hervorzuheben ist die große Leistung des Kameramanns (Sturla Brandth Grøvlen); in der Pressekonferenz wurde der Jubel besonders groß als er vorgestellt wurde. „Man sitzt und schaut und ist völlig überwältigt von dem, was man da sieht. Und schon bald auch von dem, was man nicht sieht, weil man sich vorstellt, wie das alles entstanden sein muss. Es ist es, als würde endlich ein großer Hunger gestillt“ [DIE ZEIT].

Zusammengefasst: Die fünf Protagonisten, wie in der Überschrift genannt, treten auf, die Kamera heftet sich an ihre Fersen und verlässt sie bis zum Filmende nicht mehr und dann schaltet die Kamera ein für allemal ab. So erwartungsvoll die Geschichte für die Berliner Ghettobrother beginnt – zum Schluss kann man von einem Happy-End nicht sprechen. Vielleicht kommt dieser bei der Vergabe der Bären.