Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Die ungekrönte Königin der Wüste

Berlinale 2015 (I): „Queen of the Desert“ von Werner Herzog

"Felszeichnung in der tunesischen Sahara" (nahe Sousse), Foto © Friedhelm Denkeler 1999

„Felszeichnung in der tunesischen Sahara“ (nahe Sousse), Foto © Friedhelm Denkeler 1999

Herzog erzählt die Geschichte der realen Gertrude Bell (Nicole Kidman), die in Oxford studiert hat und als Historikerin, Archäologin, Ethnologin und Schriftstellerin um 1915 nach Teheran reist und nach der tragisch endenden Liebe zu dem Diplomaten Henry Cadogan (James Franco) als Forschungsreisende das zusammen-brechende Osmanische Reich erkundet.

Sie gewinnt mit Mut und Respekt das Vertrauen von muslimischen Würdenträgern und war 1920 als Vermittlerin zwischen dem Orient und dem British Empire entscheidend an der Weichenstellung für die politische Neuordnung des Nahen Ostens beteiligt.

Die herrlich weiten Wüstenlandschaften werden im Film zum „Seelenraum“ von Herzogs Hauptfiguren, überdeckt durch das Brüllen der Dromedare, ihre aufgerissenen Mäuler und ihren schaukelnden Gang.

Ein vielleicht zu perfekter Film, ein mit Hollywood-Glanz veredelter, wie man ihn von Herzog nicht erwartet hätte. Und die Kidman bleibt trotz Wüsten-Strapazen den ganzen Film über die schöne Frau, die sogar in der Wüsten-Oase ein Vollbad nimmt.

„Vielleicht macht Herzog, das alte Schlitzohr, auch eines Tages eine Dokumentation über die Dreharbeiten zu ‚Queen of the Desert‘. Die ist dann wahrscheinlich der echte Abenteuerfilm“ [DIE ZEIT], ähnlich wie sein Dokumentarfilm ‚Mein liebster Feind‘ über die Dreharbeiten zu ‚Fitzcarraldo‘ mit Klaus Kinski.

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