Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Wini-Wini, Wana-Wana, die Trommel ruft zum Tanz

Die Tahiti Tamourés – von Blütenketten, Baströckchen,
Palmen und den Trommeln der Südsee

Tamouré, der Tanz ist mehr als nur ein Spiel / Es sagt uns beiden viel zu viel / Uns beiden ganz allein / Tamouré, wenn tausend Zaubersterne glüh’n / Dann klingen Liebesmelodien / Sie sagen ich bin dein

"Palmenweg", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

„Palmenweg“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Tahiti Tamourés waren mit diesen Zeilen vor ca. 50 Jahren für 24 Wochen in den deutschen Charts (1963). Es waren auf der einen Seite die deutschen Schlager, die mich zu dieser Zeit interessierten (zwangsweise, denn die wurden meistens im Radio gespielt), z.B. Rudi Schuricke („Capri-Fischer“, „Florentinische Nächte“), Kilima Hawaiians („Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“), Fred Bertelmann („Der lachende Vagabund“) und auf der anderen Seite die englischen Songs (AFN, Radio Luxemburg) wie Paul Anka („Diana“, “Lonely Boy“), Chubby Checker („The Twist“), Tony Sheridan & The Beat Brothers („My Bonnie“) und The Rolling Stones mit “Mona”.

Ab 1964 finden sich in meiner Songliste dann hauptsächlich nur noch Rock- und Popsongs.

Heute kann man sagen, die Tahiti Tamourés waren die erste Girlgroup Deutschlands. Im englischsprachigen Raum gibt es Girlgroups bereits seit den 1950er Jahren, wie The Chordettes („Lollipop“, „Mr. Sandman), The Shangri-Las („Leader of the Pack“) und The Crystals („Da Doo Ron Ron“, „Then He Kissed Me“). Die Tahiti Tamoures bestanden aus Charlotte Marian, Monika Grimm und als Leadsängerin Doris Wegener, die später als Manuela Karriere machte („Schuld war nur der Bossa Nova“). Es war eine reine Studioband, die zwischen 1963 und 1964 vier Singles aufnahm.

„Wini-Wini“ stand 1963 in Deutschland vier Wochen auf Platz 1. Leider ist der Original-Titel im gesamten Internet nicht zu finden, deshalb hier der Link auf die Cover-Version von den Waikiki-Tamoures (Pseudonym von Charlotte Marian (ja, die von den Tahiti Tamourés!), die hier im Duett mit sich selbst singt):

Waikiki Tamourés: „Wini-Wini“

1964 kam von den Tahiti Tamourés noch die Single „Mañana (Roter Mond vom Rio Negro)“ heraus. An den Erfolg von „Wini Wini“, der in die Schlagergeschichte einging, kam er aber nicht mehr heran. Der Name der Gruppe soll sich vom damaligen Modetanz „Tamouré“ ableiten, von dem ich aber nie etwas gehört habe. DER SPIEGEL schrieb in der ihm üblichen Weise in der Ausgabe 40/1963: „In die 60 Meter lange Rille der Tamouré-Platte sind zu angeblichen Südseeklängen insgesamt 72 verständliche Worte eingeritzt, außerdem 64-mal Wini und Wana“. Wie auch immer, heute ist der Ohrwurm eine Erinnerung an Zeiten, die man nicht mehr zurück holen möchte.

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