Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Mai 2014

Der Meister der Schwarzweiß-Fotografie

Michael Schmidt *6. Oktober 1945, †24. Mai 2014

“Der Fotograf Michael Schmidt, einer der renommiertesten Fotokünstler Deutschlands, ist mit 68 Jahren gestorben. Wie sein Galerist Claes Nordenhake der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag bestätigte, erlag Schmidt am Samstag in Berlin einer langen, schweren Krankheit.” Berliner Zeitung, 26.05.2014

“Die traurige Nachricht folgte unmittelbar einer guten. Am Mittwoch erst hatte Michael Schmidt in London den Prix Pictet zuerkannt bekommen … begleitet von einer Ausstellung seiner Bilder im Victoria & Albert Museum. Jetzt ist Schmidt … im Alter von 68 Jahren in Berlin verstorben … Es steckte von Anfang an ein tiefer Humanismus in der Arbeit Schmidts, der sich nur durch Schroff- und Kargheit effektiv gegen jede Rührseligkeit zu wappnen verstand.” Südeutsche.de, 26.05.2014

“Es gilt noch aufzuarbeiten, was Michael Schmidt für die künstlerische Fotografie in Deutschland geleistet hat. Nicht nur mit seiner singulären Bildsprache und seinen schonungslosen Vivisektionen des deutschen Bildgedächtnisses; auch in seinem Engagement für andere. Als die Fotografie noch um ihre Anerkennung als Kunstgattung rang, gründete er 1976 … in Kreuzberg die Werkstatt für Photographie und betrieb dort umfassende Diskurs- und Szenenbildung – mit Ausstellungen US-amerikanischer Klassiker wie Walker Evans oder Paul Strand und Seminaren internationaler Kollegen wie William Eggleston und John Gossage.” DER TAGESSPIEGEL, 25.05.2014

"Michael Schmidt in einem Gartenlokal in Köln anlässlich der Ausstellung 'Michael Schmidt und Schüler' in der Galerie der DGPh am 2. August 1980", Foto © Friedhelm Denkeler 1980

“Michael Schmidt in einem Gartenlokal in Köln anlässlich der Ausstellung ‘Michael Schmidt und Schüler’ in der Galerie der DGPh am 2. August 1980″, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

“Bekannt wurde Schmidt mit seinen kompromisslosen Porträts der Mauerstadt. Mit Bildern, über die das Magazin ‘New Yorker’ schrieb, sie ließen im Vergleich selbst Thomas Struths Arbeiten ‘dekorativ’ erscheinen. Mit der Serie ‘Waffenruhe’, die 1988 im Museum of Modern Art gezeigt wurde, feierte Schmidt seinen internationalen Durchbruch. Von 1991 bis 1994 entstand ‘EIN-HEIT’, eine radikale Collage aus Vorkriegszeit, Mauerzeit und Wendejahren; Honecker, Göring, Adenauer, RAF-Terroristen.” monopol, 24.05.2014

“Als Fotograf war er Autodidakt, als Künstler autonom. Michael Schmidt hat Berlin abgebildet wie es war, den Beton und die Punks … Schmidts Fotografien sind zutiefst persönlich, politisch und poetisch. Ohne narrativ zu werden, öffnen sie den Blick für gesellschaftliche Umbrüche, für Lebensbedingungen in der Stadt und in der Provinz. Sie sind durch vielfache Bezüge in der Fotografie- und Kunstgeschichte verortet und gleichsam völlig eigenständig” DIE WELT, 25.05.2014

“Im Alter von 20 Jahren begann er, sich das Fotografieren als Autodidakt beizubringen. Er selbst sah sich als neutralen Dokumentaristen. Bekannt wurde er vor allem durch seine umfangreichen Fotoserien, an denen er jeweils mehrere Jahre kontinuierlich arbeitete. 1975 gründete er die Werkstatt für Photographie an der VHS Kreuzberg, die zum bedeutendsten internationalen Forum für die Diskussion über Fotografie in West-Berlin avancierte. “  SPIEGEL ONLINE, 24.05.2014

“Für die zuletzt ausgezeichnete Serie “Lebensmittel” hatte er fünf Jahre lang 26 Reisen durch Europa unternommen. In Lachsfarmen, Brotfabriken, Milchviehbetrieben, Schlachthöfen und Gemüsebetrieben nahm er auf, wie Lebensmittel industriell produziert werden … Die Fotoserie war im vergangenen Jahr auch im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen.” Berliner Morgenpost, 25.05.2014

Siehe auch “Fragile – Lato Da Aprire

Waterloo, finally facing my Waterloo

Napoleon hatte sein Waterloo, aber für ABBA war es der Beginn einer Weltkarriere – Die ABBA-Trilogie (1)

Waterloo, I was defeated, you won the war/ Waterloo, promise to love you for ever more/ Waterloo, couldn’t escape if I wanted to/ Waterloo, knowing my fate is to be with you/ Waterloo, finally facing my Waterloo

ABBA "Waterloo", Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler

ABBA “Waterloo”, Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler

Zum 40. Jahrestag des Siegertitels “Waterloo” der vier Schweden Anni-Frid (“Frida”) Lyngstad, Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus und Benny Andersson, kurz ABBA genannt, beim “Grand Prix Eurovision de la Chanson” (heute heißt er schnöde “European Song Contest (ESC)” im englischen Seebad Brighton wird es Zeit, dass in meinem Rockarchiv auch ein ABBA-Song vorgestellt wird:

ABBA: “Waterloo”

Außerdem habe ich den Original-Beitrag des Grand Prix vom 6. April 1974 herausgesucht.

Der 6. April 1974 in Brighton war der Beginn einer 40jährigen Pop-Geschichte mit unsterblichen Songs, wie “The Winner Takes It All”, “Dancing Queen”, “Knowing Me, Knowing You”, “SOS”, “Take A Chance On Me” oder “The Day Before You Came” mit insgesamt 380 Millionen verkauften Tonträgern.

Bei ihrem Auftritt in Brighton vor 500 Millionen Fernseh-Zuschauern wirkten sie gegenüber ihren eher biederen Konkurrenten in Anzug und Abendkleid mit ihrem farbigen, hippiemäßigen Outfit wie eine Gruppe von einem anderen Stern.

Das kann man von der diesjährigen Gewinnerin des ESC Conchita Wurst auch sagen, aber ob er/sie in die Pop-Geschichte eingehen wird, ist eine andere Frage.

Nach ABBAs großartigem Sieg verkauften sich ihre Platten weltweit glänzend. In Schweden, aber auch in Deutschland, war die Skepsis groß; die Musik war vielen zu unpolitisch und kommerziell. Die berühmte Abbamania entwickelte sich erst in den nachfolgenden Jahren und begann mit den beiden Songs “SOS” und “Mamma Mia”, zu denen Lasse Hallström Videos in Farbe drehte. Gleichzeitig war dies auch der Beginn der Videoclip-Kultur. ABBAs Durchbruch begann in Australien, nachdem der Fernsehsender ABC 1975 beide Clips in Farbe ausstrahlte.

Was dann folgte ist eine weitere Geschichte wert.

Siehe auch ABBA-Trilogie (2): “Video Killed The Radio Star

Siehe auch ABBA-Trilogie (3): “Thank you for the music