Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

64. Berlinale (V): „Zwischen Welten“ von Feo Aladag (Deutschland) und „Praia do Futuro“ von Karim Aïnouz (Brasilien)

"Die Film-Crew von 'Zwischen Welten'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Die Film-Crew von ‚Zwischen Welten'“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Der gestrige Berlinale-Tag ließe sich gut unter dem Titel „Männerwelten“ zusammenfassen: Der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Zwischen Welten“ mit Ronald Zehrfeld und Burghart Klaußner spielt unter deutschen Soldaten in Afghanistan und in „Praia do Futuro“ spielen Wagner Moura und Clemens Schick zwei schwule Männer, die sich in Brasilien kennenlernen und dann in Berlin leben. Die Überschrift „Zwischen Welten“ würde aber auch zu beiden Filmen passen und in beiden Filmen spielt übrigens eine Männerdisco eine wichtige Rolle.

"Filmplakat 'Zwischen Welten'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Filmplakat ‚Zwischen Welten'“
Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Feo Aladags „Zwischen Welten“ zeigt, wie sehr die Soldaten in Afghanistan fremd und unerwünscht sind. Das geht natürlich in erster Linie von den Fundamentalisten aus, die Sprengstoffanschläge auf Militärkonvois durchführen und jene Afghanen, die mit den Soldaten zusammenarbeiten, töten. Aber auch mit eher westlich orientierten Afghanen ist eine Annährung nur schwer möglich. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede und die Feinheiten der jeweiligen Sprache lassen sich nur annähernd durch die Übersetzer wiedergeben.Der Film enthält einige klischeehafte, unrealistische und unlogische Szenen. Die wichtige Frage, warum die Bundeswehr eigentlich in Afghanistan ist, beantwortet der Film nicht. Soll er ja auch nicht und so gesehen ist „Inbetween Worlds“ auch als allgemeiner Anti-Kriegsfilm anzusehen oder als Darstellung des Irrsinns militärischer Entscheidungshierarchien. In dem Moment, wo das eigene Gewissen gefragt ist und auch handelt, beginnt die eigentliche Katastrophe. Auf der Pressevorführung soll der Film ausgebuht worden sein.

Der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz hat mit „Praia do Futuro“ einen Film in den Wettbewerb geschickt, der gleichfalls zwischen den Welten spielt: Brasilien und Berlin sind die Schauplätze, ansonsten spielt er eher in der Welt der Schwulen. Zwei Männer lernen sich an dem „Strand der Zukunft“ in Brasilien kennen, durch ein Unglück können sie nicht voneinander lassen und gehen eine Affäre ein, die sich im winterlichen Berlin fortsetzt. Selten ist Berlin so trist und dennoch schön in einem Film dargestellt worden und umso trister wirkt die Stadt im Vergleich zu den herrlichen Farben der ersten Filmszenen in Brasilien. Die Schönheit der Tristesse steigerte sich zum Ende hin noch einmal: herrliche Landschaftsaufnahmen am Meer und noch nie gab es eine so schöne Nebelfahrt mit zwei Motorädern über die leere Autobahn. Dass es durch Ebbe und Flut auch zeitweise einen Strand ohne Meer geben kann, ist eine schöne Erkenntnis, die haften bleibt. Und wie sagte die Berliner Kneipenwirtin so treffend: „Allet wird jut, wenn die Zukunft kommt!“.

Der Tagesspiegel schreibt: „Oft streifen sich die Herren die Hemden vom Torso, so oft, dass es ein bisschen eintönig wird. Man weiß nicht, ob Aïnouz eine binationale Liebesgeschichte, ein schwules Melodrama oder gar eine Coming-of-Age-Story erzählen will. Der Plot ertrinkt in Schönheit.“ Der Song von David Bowie „Heroes/ Helden“, der während des Abspanns in voller Lautstärke durch den Berlinale-Palast brauste war schon toll.

Fazit: Beide Filme muss man nicht unbedingt im Kino sehen; da bei beiden die deutsche Filmförderung kräftig mitgeholfen hat, sind sie sicher demnächst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen. Aber, wer Lust auf Bilder hat, sollte immer ins Kino gehen, auch wenn der Inhalt vielleicht nicht immer so (wie gewünscht) herüber kommt.  www.berlinale.de

"Die Film-Crew von 'Praia do Futuro'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Die Film-Crew von ‚Praia do Futuro'“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014