Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

64. Berlinale (VII): „Wu Ren Qu (No Man´s Land)“: Eine chinesische Westernkomödie

Heute Nachmittag ging es im Berlinale-Palast, nach den vielen ernsten Filmen, in Ning Haos „No Man’s Land“ sehr humoristisch und selbstironisch zu. Nein, wir sahen keinen Italo-Western, sondern einen „Made-in-China-Western“ mit knalligen Farben in Breitwand-Format, mit viel aufgewirbeltem Staub, mit Cowboy-Stiefeln in Großaufnahmen und mit einer selbstgebauten Handfeuerwaffe.

"Potsdamer Platz-Arkaden", Foto © Friedhelm Denkeler
„Potsdamer Platz-Arkaden“, Foto © Friedhelm Denkeler

Die Landschaften sind fantastisch und erinnern an Sergio Leones Rocky Montains und die Fahrzeuge an George Millers Mad Max. Natürlich gibt es eine gottverlassene Tankstelle, in der verwegene und angsteinflößende Typen ihr Benzin direkt aus Fässern verkaufen und eine verfallene Geisterstadt in der der Showdown stattfindet. Ein Feuerzeug spielt eine große Rolle, man kann sich denken, wofür es benutzt wurde.

Der Film spielt im 21. Jahrhundert, also sehen wir viele Fahrzeuge wie PKWs, Trucks und LKWs, die sich in der Wüste Gobi ein wildes Rennen liefern; von den Fahrzeugen „überlebte“ kein einziges; alle gehen nach und nach in Flammen auf. Man könnte den Film auch also auch als Roadmovie bezeichnen oder als eine Farce nach Art der Coen-Brüder.

Unser Held, der aus der Großstadt stammende Rechtsanwalt Pan Xiao, reitet zum Ende hin auf einem gesattelten Pferd, das er mit einem GPS-Empfänger ausstattet, den zuvor aus einem Schrottfahrzeug rettet, in die nächste Stadt. Er hat vermeintlich alle seine grotesken wie hochgefährlichen Widersacher überlebt. Aber in chinesischen Western sterben alle zweimal und wie hieß es gleich am Anfang: „Du bist ein guter Mensch, aber guten Menschen passieren nicht nur gute Dinge“. Die einzige Überlebende ist eine westerntypische Salondame. Und das alles unter der Musik von Ennio Morricone? Nein, sie stammt von Nathan Wong. Sehenswert! www.berlinale.de