Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Februar 2014

Die Bären sind los

64. Berlinale (X): Die Gewinner Filmfestspiele Berlin 2014

"Der Berlinale Teddy-Bär", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

"Der Berlinale Teddy-Bär", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Jury, bestehend aus James Schamus (Präsident), Barbara Broccoli, Trine Dyrholm, Mitra Farahani, Greta Gerwig, Michel Gondry und Christoph Waltz hat gestern Abend die acht Wettbewerbs-Preise der diesjährigen Berlinale vergeben.

Der Favorit von allen Kritikern, “Boyhood” von Richard Linklater, landete “nur” auf dem dritten Platz. Die Berlinale hat mit 330 000 verkauften Karten dieses Jahr wieder einen neuen Publikumsrekord aufgestellt.

Die Preisträger

Goldener Bär für den besten Film: “Black Coal, Thin Ice” von Diao Yinan, China

Großer Preis der Jury – Silberner Bär:The Grand Budapest Hotel“, von Wes Anderson, USA

Silberner Bär – Beste Regie: Richard Linklater für “Boyhood“, USA

Silberner Bär – Beste Darstellerin: Haru Kuroki in “The Little House”, Japan

Silberner Bär – Bester Darsteller: Liao Fan in “Black Coal, Thin Ice”, China

Silberner Bär – Bestes Drehbuch: Dietrich Brüggemann, Anna Brüggemann für “Kreuzweg”, Deutschland

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet: Alain Resnais für “Life of Riley”

Silberner Bär – Herausragende künstlerische Leistung: Zeng Jian für die Kamera in “Blind Massage”, China

Die Berlinale kennt im Grunde genommen nur zwei Gesetze. Erstens: Arktische Temperaturen und Schnee im ohnehin schon frostigen Berliner Winter. Zweitens: Die Jurys zerschmettern mit lustvoller Regelmäßigkeit vermeintliche Topfavoriten und untergraben formvollendet die Erwartungen der Kritiker. Ersteres muss nach den frühlingshaften Temperaturen während der 64. Ausgabe der Filmfestspiele korrigiert werden, letzteres: nicht. [RBB]

Die Frau im roten Kleid

64. Berlinale (IX): “La belle et la bête (Die Schöne und das Biest)” von Christophe Gans mit Vincent Cassel, Léa Seydoux und André Dussollier

“Die Schöne und das Biest” ist dem Märchen- und Filmfreund aus zahlreichen Verfilmungen hinreichend bekannt, was sich aber Christophe Gans und das Studio Babelsberg in “La belle et la bête” nun geleistet haben – da konnte der ganze Saal bei der Wiederholung des Films im Friedrichstadtpalast heute Nachmittag nur noch lachen. Ein Glück, dass der Film außer Konkurrenz lief. Dass dieser Kinderfilm aber überhaupt in der Sektion Wettbewerb lief, ist fast eine Beleidigung für die anderen ernsthaften Beiträge und Premieren.

"Das Biest im Friedrichstadtpalast (unsichtbar)", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Das Biest im Friedrichstadtpalast (unsichtbar)”
Foto © Friedhelm Denkeler 2014

So richtig schlimm wird der Film erst, als Belle in das Schloss des Biests ankommt: Jede Landschaftseinstellung ist eine Kitsch-Ansichtskarte, goldene Zauberstrahlen mit Glühwürmchen-Effekt wabern durch die Lüfte (es fehlte nur noch deren 3D-Darstellung; in “Avatar” hat das noch funktioniert), Riesen-Steinstatuen erwachen zum Leben, Riesen-Schlingpflanzen verschlingen alles und niedliche (leider digital animierte) Beagle-Karikaturen wuseln ohne Sinn unter dem Sofa herum.”Christophe Gans bietet beinahe alles auf, was die digitale Technik hergibt. Jean Cocteau hätte es kaum für möglich gehalten. Doch das Paradoxe geschieht: Je voller dieser Film, desto leerer wird er. Was für ein seltsamer horror vacui, dem Gans am Ende mit offensivem Kitsch zu begegnen sucht.” [Der Tagesspiegel]. Dies ist nun die dritte Großproduktion aus dem Studio Babelsberg im Wettbewerb (nach “Grand Budapest Hotel” und “The Monuments Men”). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Die eigentliche Botschaft dieser Erzählung über Schuld und Mitleid und dass die Voraussetzung für die Erlösung der Verzicht auf Eigennutz ist, das nimmt man nicht mehr war. Und als Belle am Ende der Bestie dann sagt, dass sie sie liebe, glaubt das kein Zuschauer mehr. Obwohl die großartige Léa Seydoux (“Blau ist eine warme Farbe”, “Grand Budapest Hotel”) als Schöne in ihrem roten Kleid im verschneiten Wald fantastisch aussah; sie hatte sich nicht nur im Wald verirrt, sondern auch in diesen Film. Am Ende wurde die Bestie wieder Mensch, aber der Film blieb ein reines Technik-Spektakel.

www.berlinale.de

Das kann man nur im Kino sehen

64. Berlinale (VIII): “Boyhood” von Richard Linklater

Man kann schon misstrauisch werden, wenn man so einen perfekten Film gesehen hat und sich nach fast drei Stunden wünscht, der Film möge noch weiter gehen. In Richard Linklaters “Boyhood” stimmt aber auch alles: Die Schauspieler agieren, als wenn es das richtige Leben wäre, die warmen Farben unterstützen das Wohlfühl-Feeling, die Story ist logisch und knapp aufgebaut; man möchte keine Minute des Films missen, in dem es eigentlich nur um das Aufwachsen eines Jungens namens Mason geht.

"Berlinale-Plakat", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

"Berlinale-Plakat", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Ein Mut machender Film für das Leben an sich, auch wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist. Masons Mutter war gefühlte drei Mal mit einem Alkoholiker verheiratet. Linklaters vorhergehende “Before …”-Film-Trilogie (Before Sunrise, 1995, Before Sunset, 2004, Before Midnight, 2013) deutete diese Richtung bereits an.

Zwölf Jahre lang hat Linklater die Protagonisten von “Boyhood” verfolgt und jedes Jahr einige Szenen gedreht (insgesamt 39 Drehtage). Ganz nebenbei wurde der Film auch zu einer Geschichtsstunde: Vom Irak-Krieg, über den Obama-Wahlkampf zur NSA-Affäre.

Auf Zwischentitel konnte Linklater verzichten; der Zuschauer erkennt anhand der neuen Häuser nach mehrmaligen Umzügen, den wechselnden Frisuren und dem Musikgeschmack sofort den aktuellen Stand der neuen Patchwork-Familie.

Die FAZ schreibt: “Es gibt in “Boyhood” nichts zu sehen, was man nicht in anderen Filmen schon gesehen hätte, und doch sieht man alles wie zum ersten Mal, weil es aus der fiktiven in die wirkliche Zeit versetzt ist und zugleich die Erzählform der Fiktion bewahrt. Boyhood ist der herausragende Beitrag im Wettbewerb der Berlinale, weil er ein Versprechen wahr macht, das so alt ist wie die bewegten Bilder selbst, weil er etwas zeigt, dass man so nur im Kino zeigen kann.” Und eben nur im Kino, weil im wirklichen Leben leider alles doch nicht so glatt läuft und familiäre Brüche mehr Spuren hinterlassen als im sonnendurchfluteten Texas des Films. Traumfabrik trifft Doku-Soap.

“Seit 2002 arbeitet Richard Linklater an diesem einmaligen Spielfilmprojekt, das alljährlich die gleichen Darsteller vor der Kamera versammelt. So bekommt der Zuschauer die Möglichkeit, Menschen über einen längeren Zeitraum beim Leben zuzuschauen – mit allem was dazugehört. Experimentierfreudig und mit offenem Blick folgt er dem Jungen Mason (Ellar Coltrane) aus Austin von den schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College. Er muss mit einer anstrengenden Schwester (Lorelei Linklater ) und geschiedenen Eltern fertig werden.

Den freakigen Vater, der irgendwann doch erwachsen wird, spielt Ethan Hawke, Patricia Arquette die alleinerziehende Mutter, die stets an die falschen Männer gerät und nebenbei ihr Studium erledigt. Mitten in diesem Lebens- und Gefühlschaos steht Mason, dessen kluge Kommentare mit jedem Jahr klüger werden. Mit weitreichendem erzählerischem Atem inszeniert, geht es hier um kleine und große Sehnsüchte und Sorgen, um die Bedürfnisse und Ängste eines Heranwachsenden, die sich zu einem hellsichtigen und kurzweiligen Panorama einer amerikanischen Kindheit und Jugend fügen.” [Quelle: Filmbeschreibung]

Das Ende eines jeden perfekten Films kommt zwangsläufig zu früh
[Frankfurter Rundschau zum Ende des Films]

www.berlinale.de

Der erste Cowboy mit einem GPS-Empfänger

64. Berlinale (VII): “Wu Ren Qu (No Man´s Land)”: Eine chinesische Westernkomödie

Heute Nachmittag ging es im Berlinale-Palast, nach den vielen ernsten Filmen, in Ning Haos “No Man’s Land” sehr humoristisch und selbstironisch zu. Nein, wir sahen keinen Italo-Western, sondern einen “Made-in-China-Western” mit knalligen Farben in Breitwand-Format, mit viel aufgewirbeltem Staub, mit Cowboy-Stiefeln in Großaufnahmen und mit einer selbstgebauten Handfeuerwaffe.

"Potsdamer Platz-Arkaden", Foto © Friedhelm Denkeler

"Potsdamer Platz-Arkaden", Foto © Friedhelm Denkeler

Die Landschaften sind fantastisch und erinnern an Sergio Leones Rocky Montains und die Fahrzeuge an George Millers Mad Max. Natürlich gibt es eine gottverlassene Tankstelle, in der verwegene und angsteinflößende Typen ihr Benzin direkt aus Fässern verkaufen und eine verfallene Geisterstadt in der der Showdown stattfindet. Ein Feuerzeug spielt eine große Rolle, man kann sich denken, wofür es benutzt wurde.

Der Film spielt im 21. Jahrhundert, also sehen wir viele Fahrzeuge wie PKWs, Trucks und LKWs, die sich in der Wüste Gobi ein wildes Rennen liefern; von den Fahrzeugen “überlebte” kein einziges; alle gehen nach und nach in Flammen auf. Man könnte den Film auch also auch als Roadmovie bezeichnen oder als eine Farce nach Art der Coen-Brüder.

Unser Held, der aus der Großstadt stammende Rechtsanwalt Pan Xiao, reitet zum Ende hin auf einem gesattelten Pferd, das er mit einem GPS-Empfänger ausstattet, den zuvor aus einem Schrottfahrzeug rettet, in die nächste Stadt. Er hat vermeintlich alle seine grotesken wie hochgefährlichen Widersacher überlebt. Aber in chinesischen Western sterben alle zweimal und wie hieß es gleich am Anfang: “Du bist ein guter Mensch, aber guten Menschen passieren nicht nur gute Dinge”. Die einzige Überlebende ist eine westerntypische Salondame. Und das alles unter der Musik von Ennio Morricone? Nein, sie stammt von Nathan Wong. Sehenswert!

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Der Tag der verlorenen Söhne

64. Berlinale (VI): “La tercera orilla (The Third Side of the River)” von Celina Murga und “Aloft” von Claudia Llosa

 

Heute war der Tag der verlorenen Söhne und der argentinischen und peruanischen Regisseurinnen im Wettbewerb der 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin. In beiden Filmen spielten jeweils Söhne die Hauptrolle: In “Das dritte Ufer” rebelliert der Sohn gegen den Vater, indem der die Farm und den Pick-up des Vaters niederbrennt und in “Aloft” hadert der Sohn ein Leben lang mit seiner Mutter, weil sie ihn als Kind verlassen hat und sie sich lieber dem Spirituellen zuwendet hat.

Celina Murgas “La tercera orilla” war der bisher schwächste Berlinale-Wettbewerbs-Film. Hängt das etwa mit den umfangreichen deutschen und europäischen Fördermitteln zusammen, die der Film erhalten hat? Auch das Martin Scorsese als Produzent genannt wurde, hat dem Film aus meiner Sicht nicht viel genutzt. Der Filmbeschreibung nach hätte es aber ein interessanter Film aus der Perspektive eines Jugendlichen werden können.

Der Vater, ein Arzt in der argentinischen Provinz, führt ein Doppelleben mit zwei Familien. Nicolás, der Sohn der Familie, die vom Vater weniger gut finanziell ausgestattet ist, kümmert sich um die Mutter und die Geschwister. Dann fordert der Vater Nicolás auf, auch Arzt zu werden und ihn während seines Urlaubs auf der Farm zu vertreten. Er soll später die Ranch übernehmen.

Jan Schulz-Ojala schreibt im Tagesspiegel “Mag sein, dass Celina Murga … Kritik an Machismo und Doppelmoral üben wollte; ihr Film beglaubigt das kaum. Viel zu lange hält sie sich mit … dem familiären Alltag auf, viel zu schwächlich entwickelt sie den Vater-Sohn-Konflikt, weshalb denn auch die hochdramatisch gemeinte Explosion in einem letztlich faden Bild verpufft.” Dass sich eine Katastrophe anbahnt, lässt sich von der ersten Minute des Filmes an in den Augen des Sohnes ablesen. Man fragt sich nur warum? Wenn es um eine feine emotional ausgefeilte Entwicklung gehen sollte, dann wäre in diesem Fall, wohl ein Buch das bessere Medium gewesen.

"Filmplakat 'Aloft'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

"Filmplakat 'Aloft'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

In Claudia Llosas “Aloft” spricht die Mutter zwar viel über Liebe, aber ihr älterer Sohn Ivan hat eher eine zärtliche Beziehung zu seinem Falken Inti. Als bei einem von ihm aus Versehen verursachten Autounfall sein jüngerer Bruder, der unheilbar krank ist, ums Leben kommt, lässt die Mutter den verbliebenen Sohn beim Großvater und zieht als Wunderheilerin durch Kanada. Zur Heilerin wurde sie, als sie aus Zufall ihre Kräfte bei der “Sitzung” eines Heilers entdeckte. Gemeinsam bauen sie fragile “Strukturen” aus Zweigen und geben Eltern und ihren kranken Kindern einen Hoffnungsort.

Das alles erfahren wir erst durch Rückblenden. In der Jetzt-Zeit sucht Ivan, zusammen mit einer Journalistin, die sich in Wirklichkeit auch Heilung verspricht, die Mutter in der Einöde Kanadas. Am Ende eines Sees hat diese ihr Zelt aufgeschlagen und empfängt Heilsuchende.

Der rbb schreibt: “Die Geschichte … vertraut auf die Kraft ihrer Bilder und Symbole: die spürbare Kälte, das rissige Eis wird zu einem Sinnbild für die erstarrten Gefühle der Protagonisten, deren Isolation und Einsamkeit aber nie absolut ist, sondern immer wieder aufbricht … Eines der schönsten und wildesten Sinnbilder des Films ist der Flug von Ivans gezähmten Falken. Mit breiten Schwingen stößt er in den Himmel und kreist hoch über der Erde, für Momente herrlich frei. ‘Aloft’ – weit oben. Tief in uns. ” Nach “La teta asustada”, der 2009 den Goldenen Bären gewann ist dies der zweite Wettbewerbsbeitrag von Claudia Llosa und wieder findet sie gewaltige Bilder für das, was sie sagen möchte.

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Zwischen den Welten: Afghanistan – Berlin – Brasilien

64. Berlinale (V): “Zwischen Welten” von Feo Aladag (Deutschland) und “Praia do Futuro” von Karim Aïnouz (Brasilien)

"Die Film-Crew von 'Zwischen Welten'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Die Film-Crew von ‘Zwischen Welten’”, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Der gestrige Berlinale-Tag ließe sich gut unter dem Titel “Männerwelten” zusammenfassen: Der deutsche Wettbewerbsbeitrag “Zwischen Welten” mit Ronald Zehrfeld und Burghart Klaußner spielt unter deutschen Soldaten in Afghanistan und in “Praia do Futuro” spielen Wagner Moura und Clemens Schick zwei schwule Männer, die sich in Brasilien kennenlernen und dann in Berlin leben. Die Überschrift “Zwischen Welten” würde aber auch zu beiden Filmen passen und in beiden Filmen spielt übrigens eine Männerdisco eine wichtige Rolle.

"Filmplakat 'Zwischen Welten'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Filmplakat ‘Zwischen Welten’”
Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Feo Aladags “Zwischen Welten” zeigt, wie sehr die Soldaten in Afghanistan fremd und unerwünscht sind. Das geht natürlich in erster Linie von den Fundamentalisten aus, die Sprengstoffanschläge auf Militärkonvois durchführen und jene Afghanen, die mit den Soldaten zusammenarbeiten, töten. Aber auch mit eher westlich orientierten Afghanen ist eine Annährung nur schwer möglich. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede und die Feinheiten der jeweiligen Sprache lassen sich nur annähernd durch die Übersetzer wiedergeben.Der Film enthält einige klischeehafte, unrealistische und unlogische Szenen. Die wichtige Frage, warum die Bundeswehr eigentlich in Afghanistan ist, beantwortet der Film nicht. Soll er ja auch nicht und so gesehen ist “Inbetween Worlds” auch als allgemeiner Anti-Kriegsfilm anzusehen oder als Darstellung des Irrsinns militärischer Entscheidungshierarchien. In dem Moment, wo das eigene Gewissen gefragt ist und auch handelt, beginnt die eigentliche Katastrophe. Auf der Pressevorführung soll der Film ausgebuht worden sein.

Der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz hat mit “Praia do Futuro” einen Film in den Wettbewerb geschickt, der gleichfalls zwischen den Welten spielt: Brasilien und Berlin sind die Schauplätze, ansonsten spielt er eher in der Welt der Schwulen. Zwei Männer lernen sich an dem „Strand der Zukunft“ in Brasilien kennen, durch ein Unglück können sie nicht voneinander lassen und gehen eine Affäre ein, die sich im winterlichen Berlin fortsetzt. Selten ist Berlin so trist und dennoch schön in einem Film dargestellt worden und umso trister wirkt die Stadt im Vergleich zu den herrlichen Farben der ersten Filmszenen in Brasilien. Die Schönheit der Tristesse steigerte sich zum Ende hin noch einmal: herrliche Landschaftsaufnahmen am Meer und noch nie gab es eine so schöne Nebelfahrt mit zwei Motorädern über die leere Autobahn. Dass es durch Ebbe und Flut auch zeitweise einen Strand ohne Meer geben kann, ist eine schöne Erkenntnis, die haften bleibt. Und wie sagte die Berliner Kneipenwirtin so treffend: „Allet wird jut, wenn die Zukunft kommt!“.

Der Tagesspiegel schreibt: “Oft streifen sich die Herren die Hemden vom Torso, so oft, dass es ein bisschen eintönig wird. Man weiß nicht, ob Aïnouz eine binationale Liebesgeschichte, ein schwules Melodrama oder gar eine Coming-of-Age-Story erzählen will. Der Plot ertrinkt in Schönheit.” Der Song von David Bowie “Heroes/ Helden”, der während des Abspanns in voller Lautstärke durch den Berlinale-Palast brauste war schon toll.

Fazit: Beide Filme muss man nicht unbedingt im Kino sehen; da bei beiden die deutsche Filmförderung kräftig mitgeholfen hat, sind sie sicher demnächst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen. Aber, wer Lust auf Bilder hat, sollte immer ins Kino gehen, auch wenn der Inhalt vielleicht nicht immer so (wie gewünscht) herüber kommt.  www.berlinale.de

"Die Film-Crew von 'Praia do Futuro'", Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Die Film-Crew von ‘Praia do Futuro’”, Foto © Friedhelm Denkeler 2014