Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Dezember 2013

Tempelhofer Kreuz – Eine Autobahn im Märkischen Sand

Neues Portfolio auf meiner Website über den Bau
des nicht realisierten Autobahnkreuzes Tempelhof

Der Berliner “Stadtring” als Autobahn A 100 führt in einem großen Bogen vom nördlichen Wedding bis zum südlichen Neukölln mitten durch den westlichen Teil der Stadt. Dieser Stadtring wird auch als innerer Ring bezeichnet, im Gegensatz zum äußeren Berliner Ring A 10, der größtenteils außerhalb von Berlin liegt. Die Trasse des Stadtringes folgt in weiten Teilen dem inneren S-Bahn- und Eisenbahnring.

Die halbrunde Struktur sollte im Fall der deutschen Wiedervereinigung zu einem Kreis vervollständigt werden. Spätere Planungen nach der Wiedervereinigung sind von diesem Plan abgerückt, da er große städtebauliche Einschnitte zur Folge gehabt hätte. Die Autobahn 100 wurde zwischen 1958 und 2004 gebaut.

Aus der Serie "Tempelhofer Kreuz", Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Aus der Serie "Tempelhofer Kreuz", Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Nach meinem abgeschlossenen Projekt im Wedding (siehe hier) habe ich 1979 den Autobahnbau zwischen Tempelhof und Neukölln für eine kurze Zeit fotografisch begleitet. Die Aufnahmen für das Portfolio “Tempelhofer Kreuz” entstanden zwischen den heutigen Anschlussstellen Tempelhofer Damm und Oberlandstraße, entlang des ehemaligen Flughafens Tempelhof, bis zur heutigen Anschlussstelle Gradestraße, der ehemals geplanten A 102 (hier sollte die Osttangente von Kreuzberg bis nach Buckow die A 100 kreuzen).

Geplant war ursprünglich, diesen Teil der A 100 vom Tempelhofer Kreuz als Hochstrecke bis nach Neukölln auszuführen. Alle Anschlussstellen waren bereits fertig gestellt. Um den Ortsteil Britz nicht in zwei Teile spalten zu müssen, wurden die Planungen später geändert und der Ortsteil mit einem Tunnel von 1,7 Kilometer Länge unterquert. Ein Teil der Bauten an der Gottlieb-Dunkel-Straße/ Ecke Tempelhofer Weg, die auf meinen Fotos zu sehen sind, wurden deshalb wieder rückgebaut.

Da auch die Osttangente nicht mehr realisiert werden sollte, entfiel auch der Bau des Tempelhofer Kreuzes. Heute erinnert nur die ein Kilometer lange Auffahrt von der Gradestraße zur A 100 an das geplante Tempelhofer Kreuz. Im Jahr 2004 wurde die A 100 bis zur Grenzallee fertiggestellt. Der Weiterbau der A 100 bis Treptower Park oder sogar bis zur Frankfurter Allee ist umstritten.

Auf meiner Website denkeler-foto finden Sie ab sofort in einer Auswahl von 30 Fotos (aus 74) das Portfolio “Tempelhofer Kreuz” aus dem Jahr 1978.

Zur Wintersonnenwende (1)

"Ein Weidenbaum während der Wintersonnenwende", aus der Serie "Photographien" (1982), Foto © Friedhelm Denkeler 1982

“Ein Weidenbaum während der Wintersonnenwende”, aus der Serie “Photographien” (1982)
Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Heute um 18.11 Uhr, zur Wintersonnenwende, ist der kürzeste Tag dieses Winters erreicht. Auf meiner Aufnahme aus dem Jahr 1982, gemacht um die Mittagszeit am 22. Dezember, wurde es scheinbar überhaupt nicht hell. Theoretisch scheint heute die Sonne ca. acht Stunden, in Berlin genau von 08.17 Uhr bis 15.51. Uhr. Aber: Theorie und Praxis liegen oft weit auseinander. Auf jeden Fall werden aber die Tage wieder länger.

Ein Folksänger mit Katze – begabt und erfolglos

“Inside Llewyn Davis“ – Der neue Film von Joel und Ethan Coen. Eine Hymne an das Scheitern

If it’s never new and doesn’t get old, it’s a folk song [Coen-Brüder]

Eine der vielen Wurzeln der Rockmusik ist der Folk (oder auch folk music, bitte nicht mit Volksmusik verwechseln) insbesondere der nordamerikanische Folk. Das Zentrum dieser Szene war in den 1960er Jahren das Künstlerviertel Greenwich Village in New York. Genau hier spielt der neue Film “Inside Llewyn Davis” von den Coen-Brüdern (“True Grit“) im Jahr 1961. Unabhängigkeit von den vorherrschenden musikalischen Strömungen und Authentizität des Sängers ist das große Credo der Folk-Epoche.

Diese Philosophie vertritt auch der fiktive Llewyn Davis (Oscar Isaac). Er treibt sich im eiskalten Winter 1960/61 im Village herum, übernachtet bei Freunden (u.a. bei Jim [Justin Timberlake]) und Bekannten, lebt von der Hand in den Mund und tritt mal hier, mal dort auf. Er hat zwar eine Plattenfirma, aber Geld hat er von ihr nicht zu erwarten. Und die Platten seines ersten Soloalbums mit dem Titel “Inside Llewyn Davis” liegen unverkauft in einer Kiste bei Freunden herum.

Zwischendurch fährt er im Auto des Jazzmusikers Roland Turner (John Goodman) mit nach Chicago. Hier will er sein Glück versuchen und bei dem legendären Produzenten Bud Grossman vorspielen (reales Vorbild ist Albert Grossman, der Entdecker von Peter, Paul & Mary). Grosman lobt zwar Gitarrenspiel und Gesang, aber “er sieht kein Geld”. Qualität und Karriere haben also schon immer wenig miteinander zu tun. “Jeder kennt doch Menschen, die extrem gut sind mit dem was sie tun – und trotzdem werden sie nie erfolgreich. Das ist eben so.” [Joel Coen].

"Odysseus", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Odysseus", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Coen-Brüder zeigen in ihren Filmen stets die harte Wirklichkeit. Dieses Mal sind die Helden Bohemiens, eher Looser, im Greenwich Village. Am Ende des Films sieht und hört man auf der Bühne einen Folkmusiker, der wie der junge Bob Dylan aussieht, singen. Mit Bob Dylan begann dann die neue Ära der Kommerzialisierung der Protestsongs. Die Diskussion, unabhängig und authentisch zu bleiben oder Kompromisse einzugehen und Geld zu verdienen, geht bis heute weiter. Der Film zeigt in der Anfangs- und Schlussszene drastisch, was den meisten Jung-Künstlern noch bevorstehen wird.

Was hat das nun alles mit meinem Katzenbild zu tun? Einfach diese Verlierergeschichte ohne Happy-End, dafür aber mit lakonischem Humor, anschauen. Und das insbesondere, wenn man den Folk liebt, denn alle Songs werden im Film voll ausgespielt. Die Katze im Film heißt übrigens “Odysseus”.

Trailer

“Etwas ist faul im Staate Dänemark!”

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. Oder: The Death is not the End

Oh, the tree of life is growing/ Where the spirit never dies/
And the bright light of salvation shines/ In dark and empty skies [Bob Dylan]

Vor Beginn der Aufführung leuchtet auf dem noch geschlossenen Vorhang im Berliner Ensemble, wie von Zorros Säbel in den Stoff geschnitten, der helle Schriftzug “Hamlet” auf. Wir sind also im richtigen Theater und freuen uns auf Leander Haußmanns Interpretation von William Shakespeares “Hamlet – Prinz von Dänemark” und auf die Musik von “Apples in Space”.

Und wir sehen und hören für 3½ Stunden “richtiges” Theater: Blitze zucken und der Donner grollt, Nebel wabert über die Bühne, Pistolenschüsse peitschen durch den Raum, Säbel rasseln, der alte König (oder ist es nur sein Geist?) tritt nackt auf, obwohl er ermordet wurde, ein “Zuschauer” wird auf die Bühne gezerrt, Hamlet liegt mit seiner Ophelia nackt im Liebesbett, Theaterblut wird in Mengen vergossen und verspritzt (für die Zuschauer in den ersten Reihen liegen Decken bereit), Mord aus Rache, Selbstmord aus Liebeskummer, eine Theatertruppe tritt zwischendurch auf; also alles was das Theater hergibt hat Haußmann aufgefahren.

Die Geschichte von Hamlet, die ich hier sicherlich nicht erzählen muss, spielt auf dem Schloss Helsingör, das dank der Drehbühnentechnik mit einem aufgebauten Labyrinth aus unterschiedlich hohen Wänden von den Schauspielern viel an Bewegung verlangt. Einzig das Gitarren-Akkordeon-Duo “Apples in Space” bringt die notwendige Ruhe in das Spiel. “Lange hat man die Schauspieler des Hauses nicht so stark gesehen. Am Berliner Ensemble wird Theater gespielt.” [Der Tagesspiegel]. Der Rest ist Schweigen.

"Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

“Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage”, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Am Ende der Aufführung leben alle ermordeten und verstorbenen Figuren wieder auf und springen munter auf der Bühne zur Musik von “Apples in Space” mit dem Song “The Death is not the End” herum. Das Duo, das zwischendurch auch im Engelskostüm auftritt, besteht aus Julie Mehlum und Philipp Haußmann (Leander Haußmanns Sohn). Bekannt wurden die beiden aus dem Film “Hai-Alarm Am Müggelsee” (Sven Regener/ Leander Haußmann) mit ihrem Song “Vespa“. In Hamlet begleiten sie das Stück mit viel düsterer Rockmusik von “The Death is not the End” bis “The Carneval is over”.

Der Song von Bob Dylan “The Death is not the End” erschien 1988 auf seinem Album “Down In the Groove”. Herausgesucht habe ich aber die, wie ich finde, bessere Version von Nick Cave & The Bad Seeds mit Kylie Minogue aus dem Jahr 2011 (vom Album “Murder Ballads”):

Nick Cave & The Bad Seeds: “The Death is not the End”

Die australischen Pop-Gruppe “The Seekers” hatte 1965 mit dem Song “The Carnival Is Over” einen Nummer-1-Hit in England. Auch diesen Song hat Nick Cave gecovert. Aber hier ist der Original-Song:

The Seekers: “The Carnival Is Over”

This will be our last goodbye/ Though the carnival is over/
I will love you till I die [The Seekers]

Metropolis

"Metropolis", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

"Metropolis", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

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