Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Der Turner-Preisträger Anish Kapoor im Martin-Gropius-Bau

Aus "Selbst: Schatten und Spiegel", Foto © Friedhelm Denkeler 1976
Aus „Selbst: Schatten und Spiegel“, Foto © Friedhelm Denkeler 1976

1992 auf der documenta IX erstmals gesehen („Descent into Limbo“) und 2013 sogleich wieder erkannt. Anish Kapoor bespielt noch bis zum 24. November 2013 das gesamte Untergeschoss des Martin-Gropius-Baus inklusive Lichthof.

Bespielen ist für diese Ausstellung das passende Wort. Der Betrachter schrumpft förmlich angesichts der monumentalen Arbeiten. „The Death of Leviathan“ allein erstreckt sich über drei Ausstellungräume und „Symphony for a Beloved Sun“ im Lichthof ist nur mit einer kompletten Umrundung desselben zu erfassen.

Kapoor spielt wieder einmal gekonnt mit optischen Täuschungen, die den Begriff „Realität“ hinterfragen. Über-dimensionale Spiegel verzerren und irritieren die gewohnte optische Wahrnehmung des Selbst und des Raumes; schwarze Löcher ziehen den Betrachter magisch an und gleichzeitig in die Tiefe (wenn diese denn überhaupt real vorhanden ist); Objekte aus Tonnen von Zement suggerieren fragile Sandhaufen („Splush“, „Splodge“, Spittle“, „Splat“); organisch anmutende und uns bekannte Formen werden aus Kunstharz nachgebildet und riesenhaft vergrößert.

Und immer wieder die Farbe Rot. Im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen, die eher statisch wirken und trotz visueller Irreführung ihre Ausgangsformen behalten, ist das Rot stets mit Bewegung und Aktion verbunden. Es sind Objekte aus Wachs, die – maschinell bewegt- verkleinert, geschliffen oder geschleudert werden und sich im Laufe der Ausstellung immer wieder neu formieren. Video „Anish Kapoor in Berlin“