Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Liegt die Realität der Welt in ihrem Bild?

Betrachtungen zum photographischen Bild

„Photographieren heißt sich das photographierte Objekt aneignen“
[Susan Sontag]

Aufgrund der Massen von photographischen Bildern, die uns heutzutage umgeben, könnte man meinen, wir halten uns noch immer in „Platons Höhle“ [Susan Sontag] auf und erfreuen uns an den Abbildern der Welt. Was hat sich durch die Erfindung der Photographie an der Betrachtung der Bilder und am Umgang mit ihnen, gegenüber Zeichnungen und Gemälden, verändert? Ein wesentlicher Unterschied ist, bedingt durch die Industrialisierung des photographischen Prozesses, die Demokratisierung der Bilderwelt.

"Realist und Romantiker", Workshop mit Robert Cumming (Werkstatt für Photographie, 25. bis 26.09.1982), Foto © Friedhelm Denkeler 1982

„Realist und Romantiker“, Workshop mit Robert Cumming (Werkstatt für Photographie, 25. bis 26.09.1982), Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Photographieren ist mit dem Aufkommen des Kleinbildfilms und der Digitalisierung (Kamera, Smartphone, Computer) ein Massenphänomen geworden; die meisten Menschen betreiben die Photographie wie alle “Massenkunst“ nicht als Kunst, sondern als Zeitvertreib oder Hobby. Wichtige Ereignisse im Leben wurden und werden von ihnen photographisch festgehalten, das sind insbesondere Familienfeste, Geburt, Hochzeit und Urlaub. So liegt bei den meisten Leuten eine visuelle Lebensgeschichte, oft allerdings mit Lücken und oft unsortiert im „Schuhkarton“, vor.

Da ein Photo eine glatte Oberfläche aufweist (im Gegensatz zum Gemälde), kann es gut als Buch oder Zeitschrift vielfach verbreitet werden. Manchmal ist das Photobuch bereits selbst das Medium (Autorenbuch, Künstlerbuch, siehe hier). Sowohl das eigentliche Photo als auch das Photobuch lassen sich sammeln; wenn Photos im Film dargestellt werden, trifft das nur noch eingeschränkt zu.

Die Photographie hat als nachahmendes Medium einen deutlich höheren Bezug zur Realität als zum Beispiel ein Gemälde oder eine Prosaschilderung, die eher eine Interpretation der Wirklichkeit sind. Susan Sontag sieht eine Photographie hingegen „als engbezogenes Spiegelbild“ der Realität an, wenn man die Kamera nur als eine Maschine betrachtet. Aber hinter der Kamera steht stets ein Mensch und damit ist auch ein Photo oder eine Serie von Photos im Grunde auch nur seine Interpretation der Wirklichkeit. Das beginnt bereits bei der Wahl des Motivs und endet bei der Auswahl einer bestimmten Anzahl von Photos oder eines Ausschnitts.

"Ein sehenswertes Ereignis" Foto © Friedhelm Denkeler 2010

„Ein sehenswertes Ereignis“ Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Photographiert wird etwas Sehenswertes und etwas Sehenswertes ist ein Ereignis. Auf meinem Photo scheint auch ein Ereignis stattzufinden. Eine Gruppe von Touristen sieht diesem anscheinend zu und mindestens zwei halten es mit der Kamera fest. Das Ereignis ist längst Geschichte, aber durch das Photo wurde es bedeutend und unsterblich. [Literatur: Susan Sontag „Über Fotografie“, hier: „In Platos Höhle“]

„Das Photographieren ist dem Wesen nach ein Akt der Nicht-Einmischung“
[Susan Sontag]

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