Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Es gibt Möglichkeiten für mich, gewiss, aber unter welchem Stein liegen sie? [Franz Kafka]

Du, dessen Schatten Schatten licht macht, sag.
Was zeigt dein Schatten für Bilderwelt [Shakespeares Sonett 43]

Die Serie “Ich Binz” ist noch bis zum 27. September 2013 im Kabinett des “Katharinenhof am Preußenpark” zu sehen (siehe hier). Sie besteht aus sechs Triptychen, die in Binz auf Rügen entstanden sind. Ein in Jahrhunderten durch Wind und Wetter geformter und geschliffener Stein; das in jeder Sekunde sein Aussehen verändernde Wasser und ein Schatten, der langsam mit dem Stand der Sonne weiter wandert. Das Ewige, das sich Bewegende und die Vergänglichkeit des Augenblicks.

Triptychon aus der Serie "Ich Binz", Foto © Friedhelm Denkeler 2007
Triptychon aus der Serie „Ich Binz“, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Die kleinste Bewegung ist für die ganze Natur von Bedeutung; das ganze Meer verändert sich, wenn ein Stein hineingeworfen wird. [Blaise Pascal, Gedanken]

Der Stein, das Wasser und der Schatten sind ständige Begleiter in der Welt der Kunst und der Philosophie. Der Stein behält über Jahrhunderte seine Form bei, nur durch Wind und Wetter wird er weiter geformt und geschliffen (oder durch den Bildhauer). Aber der Volksmund sagt auch, jeder Tropfen höhlt den Stein. Damit sind wir beim Wasser. Es verändert jede Sekunde sein Aussehen und wenn es besonders still ist, ist es auch besonders tief. Nur durch die Fotografie wird es eingefroren, wie hier als Fontäne. Und der Schatten? Er verändert langsam mit dem Stand der Sonne (wenn sie denn scheint) sein Aussehen und seine Lage. Hier ist der Schatten quasi die Unterschrift des Fotografen, er ist das einzige Immaterielle, das eine sichtbare Form hat.

„Zunächst erscheinen die Arbeiten fast identisch. Die Fotos erschließen sich erst aus der Serie, aus der Reihe. Beim aufmerksamen Betrachten erkennt man die verschiedenen Bildinszenierungen. Die Veränderungen, die kleinen und die großen werden dann sichtbar und verstehbar. Es sind unterschiedliche Facetten des Selbstporträts, inszeniert mit der Gestalt des Fotografen und ihm wichtigen Elemente: das Wasser in Form einer Fontäne und der Stein. Das Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“ wäre hier viel zu banal und doch sind es diese beiden Gegenspieler, die ihn u.a. faszinieren, mit denen er in seinen Fotografien spielt.“ [Beate Spitzmüller während der Eröffnungsrede im Katharinenhof]. Die sechs Triptychen sind auf meiner Website denkeler-foto zu sehen.

Suche nicht von vornherein nach einem Licht,
das ein Gegenstand unter anderen Gegenständen wäre:
Das Licht des Tempels krönt die Steine. [Antoine de Saint-Exupéry]