Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: August 2013

Fritz Rau hatte den Blues

… und brachte die Rockmusik nach Deutschland

"Jimi Hendrix im Berliner Sportpalast – Plakat", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Jimi Hendrix im Berliner Sportpalast – Plakat”
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Sein erstes Jazz-Konzert veranstaltete Fritz Rau 1955 mit Albert Mangelsdorff. Seit 1963 arbeitete er mit Horst Lippmann in der Konzertagentur Lippmann + Rau zusammen.Die Tourneen der Rolling Stones organisierte er ab 1970 und zum Dank erhielt Rau von ihnen ein silbernes Tablett mit der Inschrift “To Fritz with Thanks from the Rolling Stones”.Sein Lieblingslied war und blieb natürlich ein Bluessong aus dem Jahr 1960 von dem er sagte, den “könnt ihr einem Marsmenschen vorspielen, und sofort würde der begreifen, was Blues ist” [Der Tagespiegel].

Muddy Waters:
“Five Long Years”

Die Großen des Jazz und Blues, wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Duke Ellington, Muddy Waters, Miles Davis, Janis Joplin und später die Heroen des Rock und Pop, wie The Doors, Frank Zappa, Jimi Hendrix (siehe Plakat), Bob Dylan, The Who, Queen, Tina Turner, Madonna, Bruce Springsteen und viele andere holte Fritz Rau nach Deutschland.

Aber genau so engagiert setzte er sich auch für die deutsche Rock- und Popmusik, wie Udo Lindenberg und Peter Maffay, ein.

Wahrscheinlich wusste Rau selber nicht, wie viele Konzerte er veranstaltet hat; an die 6000 sollen es gewesen sein. 2004 zog sich Fritz Rau dann aus dem aktiven Geschäft zurück; letzte Woche ist er im Alter von 83 Jahren im Taunus gestorben.

Post festum

"Nach dem Schützenfest", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Nach dem Schützenfest", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Der Dümmer brennt noch immer

"Auf dem Campingplatz in Hüde (Dümmer-See)", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

“Auf dem Campingplatz in Hüde (Dümmer-See)”
Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Nach dem Bierbrunnenfest in Lübbecke (siehe hier) wartete in meiner Jugendzeit in Ostwestfalen vor fünfzig Jahren das nächste sommerliche “Highlight” auf mich: Der Dümmerbrand – Das traditionelle Höhen-Feuerwerk in Hüde am Dümmer-See. Den See gibt es auch heute noch und so wird er auch in diesem Jahr am 24. August 2013 mit vielen “Ahhs” und “Ohhs” den Dümmerbrand überstehen.Mit dem Fahrrad starteten wir stets einen Tag zuvor die 25 Kilometer von Rahden auf der Landstraße 765/346 quer durch das Oppenweher Moor bis Lemförde, dann noch ein kurzes Stück auf der Bundesstraße 51 bis Hüde. Auf dem Campingplatz am Dümmer See wurde das Zelt aufgeschlagen. Per pedes erkundeten wir auf dem Deich den See und per Tretboot sahen wir uns vom See aus das Ufer an. Am Samstagabend gegen 22 Uhr folgte dann der Höhepunkt: ein gigantisches Feuerwerk. Am Sonntag ging unser Fahrrad-Kurzurlaub zu Ende. Und der Montag war wie immer ein Montag.

"Sommer auf dem Dümmer-See", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

“Sommer auf dem Dümmer-See”, Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Das Bier entscheidet – Nicht nur die Bundestagswahl, sondern auch den Tag des Bierbrunnens in Lübbecke

"Lübbecke – Die Stadt des Bierbrunnens", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

“Lübbecke – Die Stadt des Bierbrunnens”
Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Wer sich mal wieder über die Überschrift wundert, dem sei gesagt, dass der SPD-Slogan “Das Wir Entscheidet” von den Jusos in “Das Bier Entscheidet” umgewandelt wurde. Und alljährlich findet im August auch in Lübbecke (Ost-Westfalen) ein dreitägiges Fest zu Ehren des Bieres statt – das berühmte Bierbrunnenfest.

Ob wie vor fünfzig Jahren im Sommer 1963, in dem meine Fotos vom Bierbrunnenfest entstanden sind, auch heute noch dieselbe Kapelle spielt, ist nicht festzustellen. Wir waren aber damals dabei und freuten uns ob knapper Kasse über die die Frei-Biere, die wir ergattern konnten.

"Der Bierbrunnen am Marktplatz in Lübbecke", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

“Der Bierbrunnen am Marktplatz in Lübbecke”, Foto © Friedhelm Denkeler 1963

1954 wurde der “Tag des Bierbrunnen” erstmals gefeiert. Brauer in ihrer Zunfttracht zapften sieben Stunden lang kostenlos Bier der Barre-Brauerei für die Besucher. In der damaligen Urkunde heißt es:

“Der Stadt Lübbecke in Westfalen stiftet die Familie Barre, Lübbecke, zum ehrenden Gedenken an den Brauereibesitzer Ernst Ludwig Barre (* 1881; † 1937) einen Bierbrunnen, der am 29. August 1954 eingeweiht wird”.

Damals stand das Freibier der Barre-Brauerei im Mittelunkt des Geschehens. Mittlerweile hat es sich zu einem dreitägigen Rummel entwickelt, der Gerstensaft ist natürlich auch nicht mehr kostenlos und ich bin froh 1968 nach Berlin gegangen zu sein.

Im Lustgarten

"Üppige Sitzende im Lustgarten" (Fernando Botero), aus  "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

“Üppige Sitzende im Lustgarten” (Fernando Botero), aus “Sonntagsbilder”
Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Die Schönheit des Dienstagnachmittag

Photographien von Hildegard Ochse in Potsdam

So gently swaying through the fairy-land of love, If you could just come with me and see the beauty of Tuesday afternoon. [Moody Blues]

Der heißeste Ort des Kalten Krieges war vor 52 Jahren Berlin: Die Mauer wurde am 13. August 1961 gebaut. Sie trennte die Stadt 28 Jahre. Seit 24 Jahren ist sie nur noch Geschichte. Heute, an einem schönen Dienstagnachmittag, war es auf der Fahrt nach Potsdam nicht ganz so heiß, aber immer noch sommerlich. Begleitet wurden wir mit der Musik von den Moody Blues. Passend zum heutigen Tag habe ich den Song “Tuesday Afternoon” aus dem Jahr 1968 herausgesucht:

The Moody Blues: “Tuesday Afternoon”  (Ersatzlink)

Und passend zum Gedenktag “13. August” haben wir die Ausstellungseröffnung “WENDEZEIT 1989-1991″ mit Photographien von Hildegard Ochse im “Landtag Brandenburg” in Potsdam (siehe ausführlicher Artikel Die “WENDEZEIT 1989-1991″ im Landtag Brandenburg) besucht.

“Tuesday Afternoon” wurde erstmals 1967 auf dem Album “Days of Future Passed” veröffentlicht. Dieses Konzeptalbum hatte unter der Mitwirkung eines Sinfonieorchesters großen Erfolg und gilt bis heute als Meilenstein unter den Konzeptalben. Zwei Singles wurden ausgekoppelt: “Nights in White Satin” und “Tuesday Afternoon”. Das sieben Minuten lange “Nights in White Satin” wurde zum berühmtesten Song der Band. Erst mit der Neuveröffentlichung der LP und Single im Jahr 1972 wurden die Moodys richtig bekannt.

"Glienicker Brücke", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

“Glienicker Brücke”, Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Nach einem Zwischenstopp auf dem Krongut Bornstedt und auf der Rückfahrt nach Berlin über die Glienicker Brücke, an der auch eine Gedenkveranstaltung zum Mauerbau stattfand, war unser Lieblingssong dann

The Moody Blues: “Question”

aus dem Jahr 1970. Der Song besteht aus einem rasanten (lauten) und einem langsamen (leisen) Abschnitt. Angeblich ist das Stück aus zwei “halb” abgeschlossenen Songs entstanden; mit einem einfachen Akkordwechsel wurden sie zu einem verschmolzen.

Die “WENDEZEIT 1989-1991″ im Landtag Brandenburg

Photographien von Hildegard Ochse in Potsdam
Vernissage am 13. August 2013

Die Ausstellung “WENDEZEIT 1989-1991“ mit Arbeiten der Berliner Fotografin Hildegard Ochse beleuchtet die ereignisreichen Monate der friedlichen Revolution in vier Sequenzen: Die Berliner Mauer während der Öffnung im November 1989, ein Rundgang durch die Dörfer und Städte Brandenburgs im Frühjahr 1990, Kinderportraits von 1990/91 und der Zerfall von Mauer und Grenzanlagen im Jahr 1990. Die in dokumentarischem Schwarz-Weiß gehaltenen Fotografien verklären nichts. Greifbare Erleichterung der ersten Tage nach der Maueröffnung mischt sich mit den Zumutungen der Provisorien dieser Tage.

"Metamorphose", 1990, bei Potsdam, Foto © Hildegard Ochse

"Metamorphose", 1990, bei Potsdam, Foto © Hildegard Ochse

In starkem Kontrast zu dem schnellen Gang der Ereignisse steht der Alltag im Brandenburgischen. Die Menschen in Ochses Bildern sind aufgebrochen, aber noch nicht angekommen. Am Ende liegt die Mauer sinnentleert, vergessen und von erstem Unkraut überwuchert im ehemaligen Todestreifen. In der gezeigten Auswahl von rund 40, zum Teil bisher unveröffentlichten, Vintage-Fotoarbeiten klingt die Wucht des gesellschaftlichen Auf- und Umbruchs nach, ohne dass Neues Zeit hatte zu wachsen.

Über die Fotografin Hildegard Ochse

Nach ersten autodidaktischen Versuchen beginnt Hildegard Ochse ihre fotografische Ausbildung 1979 in der seit einigen Jahren etablierten Werkstatt für Photographie in der Friedrichstraße. Neben dem regulären Unterricht besucht sie die Workshops der Amerikaner Lewis Baltz, John Gossage, Ralph Gibson und Larry Fink. Zur selben Zeit kommt im Zusammenhang mit dem fotografischen Dokumentarismus der von Klaus Honnef eingeführte Begriff der Autorenfotografie auf.

"Hildegard Ochse während des Workshops mit Andre Gelpke in der Werkstatt für Photographie" (Ausschnitt), Berlin-Kreuzberg, 06.12.1980, Foto © Friedhelm Denkeler

"Hildegard Ochse während des Workshops mit Andre Gelpke in der Werkstatt für Photographie" (Ausschnitt), Berlin-Kreuzberg, 06.12.1980, Foto © Friedhelm Denkeler

Auch Hildegard Ochse macht sich das auf die Autonomie des Fotografierenden zielende Grundverständnis zu eigen, nachvollziehbar in der Serie der Stadtvegetation. Neben den hier erstmals geschlossen vorgestellten Wendezeit-Themen fotografiert sie mehrere Serien im Ausland. Stilistisch bleibt Hildegard Ochse dem fotografischen Dokumentarismus weiter verbunden; sie behandelt die im Zentrum ihres Interesses stehenden Sujets Natur, Porträt und Topographie jedoch weniger als ästhetische Oberflächen denn als Sinnbilder mit metaphorischen Dimensionen. Ihre Fotografien zielen auf das, was sich hinter dem Augenscheinlichen befindet. [Quelle: Presseerklärung]

Ausstellung vom 13. August bis zum 24. September im Präsidialbereich des Landtages Brandenburg, Am Havelblick 8, 14473 Potsdam, Mo-Fr 8 bis 17 Uhr.
Die Eröffnung findet am 13. August 2013 um 12.30 Uhr statt.

www.hildegard-ochse.de, siehe auch Artikel “Das Vermächtnis einer Autorenfotografin“.

1965 – The Summer of Motown

Diana Ross und die Supremes: Stop in Hitsville USA im Namen der Liebe

Im Sommer 1965 entdeckten wir den Motown-Sound aus den USA. Eigentlich war Motown die inoffizielle Bezeichnung für Detroit als Stadt der Autos. 1959 gab Berry Gordy dem von ihm gegründeten Plattenlabel den Namen “Motown”. Zwischen 1961 und 1971 erzielte sein Label konkurrenzlose 110 Top-10-Hits in den USA.

Den “Sound des jungen Amerika”, so sein Slogan, erzielte Gordy mit Bands wie Diana Ross & The Supremes, Four Tops, Martha Reeves & the Vandellas, The Temptations, Smokey Robinson & The Miracles, Marvin Gaye, The Marvelettes, Stevie Wonder, Jr. Walker & the All Stars, Tammi Terrell, The Isley Brothers, Gladys Knight & the Pips, Rare Earth und vielen anderen.

"Motown auf dem  Kurfürstendamm", Foto © Friedhelm Denkeler 2013

“Motown auf dem Kurfürstendamm”, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Der “Tamla Motown”-Sound, wie er in Europa genannt wurde, war eine Mischung aus Blues, Soul, Gospel, Rhythm & Blues (R&B) und Pop. Mein Lieblingslied war im Sommer 1965 “Stop! In the Name of Love” von den “Supremes” mit Diana Ross als Lead-Sängerin. Die Supremes hatten sich inzwischen zu den Superstars des Labels entwickelt. “Stop! In the Name of Love” wurde ihr vierter Nummer-1-Hit in den US-Charts. Später folgten “I Hear a Symphony”, 1965 und “You Keep Me Hangin’ On”, 1966.

The Supremes: “Stop! In the Name of Love”, (Ersatzlink)

Wie in den Autofabriken produzierte Motown-Records die Hits am laufenden Band; sein Studio nannte Berry Gordy folgerichtig “Hitsville USA”. Feste Songwriter, insbesondere das Trio Holland-Dozier-Holland, entwickelten die Songs, die zum Inbegriff für schwarze Musik wurden, die natürlich auch von weißen Jugendlichen konsumiert wurde. In der damaligen Aufbruchsstimmung stand die die Musik für ein aufstrebendes Amerika jenseits der Rassentrennung. Heute stehen die Automobilfabriken in Detroit vor der Pleite und die Werker vor dem Nichts.

Der Musikkritiker Jon Landau definiert Motown so: “1. einfach strukturierte Songs mit origineller Melodik und Harmonik, 2. eine Vierviertel-Schlagzeugfigur, 3. Gospelstimmen im Background, 4. kultivierter Einsatz von Bläsern und Streichern, 5. Sänger, die auf der Grenze zwischen Pop- und Gospelmusik artikulieren, 6. eine Gruppe von Studiomusikern, die zu den besten in den USA gehören, 7. elektronische Misch- und Studiotechnik, die den Klang ‘komprimiert’ (d.h. dynamische Spitzen kappt und Täler anhebt)”.

Welche Songs waren 1965 noch “on top”? Wanda Jackson “Santo Domingo”, Renegades “Cadillac”, Barry McGuire “Eve Of Destruction”, Beach Boys “Help Me, Rhonda”, Beatles “Ticket to Ride, Byrds “Mr. Tambourine Man”, Elvis Presley “Crying in the Chapel”, Everly Brothers “The Price of Love”, Hollies “I’m Alive”, Len Barry “1-2-3″, McCoys “Hang On Sloopy”, Petula Clark “Downtown”, Righteous Brothers “You’ve Lost That Lovin’ Feeling”, Rolling Stones “The Last Time” + “(I Can’t Get No) Satisfaction” + “Get Off Of My Cloud”, Sandie Shaw “Long Live Love”, Seekers “The Carnival is Over”, Sonny & Cher “I Got You Babe” und Yardbirds “For Your Love”.

Archiv