Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Auf der Rückseite der East Side Gallery – sozusagen auf einer West Side Gallery, die bisher mit wildem Graffiti geschmückt war – sind unter dem Titel „Wall On Wall“ 36 Fotografien des Berliners Kai Wiedenhöfer jeweils in der Größe 3 x 9 Meter (!!) zu sehen. Für sein Projekt „Wall On Wall“ reiste er in acht Grenzgebiete, um das Leben in Städten wie Bagdad und Belfast, im Westjordanland und an der Grenze zwischen USA und Mexiko festzuhalten.

"Wall On Wall", Kai Wiedenhöfer, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
„Wall On Wall“, Kai Wiedenhöfer, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

„Es geht Kai Wiedenhöfer nicht nur um Mauern. Es geht ihm darum zu zeigen, dass Mauern keine politische Lösung eines Konfliktes bedeuten, sondern für das Versagen von Politik stehen, einen Konflikt zu lösen, überall in der Welt … Mauern sind deshalb unmenschlich, gleich in welcher baulicher Ausführung oder ideologischer Begründung sie daherkommen.“ [Franz Schulz, Bezirksbürgermeister Friedrichshain-Kreuzberg]. Die Ausstellung ist noch bis zum 13.09.2013 auf der Rückseite der East Side Gallery zu sehen, bis dahin dürfte sie aber, wie gehabt, mit wildem Gaffitti wieder verunstaltet werden.

Nicht nur die Mauer hat zwei Seiten, auch das Fotoprojekt ist umstritten, denn die Hinterlandmauer an der Mühlenstraße ist ein 1,3 Kilometer langes Denkmal. Solche Projekte werden dem Denkmalsgedanken sicher nicht gerecht und eine weitere Verwahrlosung der Gegend könnte die Folge sein. Das zeigt sich auch daran, dass für geplante Luxushäuser an der Spree bereits mehrere Breschen in das Mauerdenkmal geschlagen wurden. Das Spreeufer muss für alle frei zugängig bleiben. Aber die Forderung der Künstlerinitiative East Side Gallery, dass die Rückseite der Mauer, wie vor 1990, weiß bleiben muss, ist illusorisch. Weitere Graffiti und sich an der Mauer verewigende Touristen werden folgen.