Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Berlinale (VIII): Calin Peter Netzer: „Child’s Pose“ („Pozitia Copilului“), Rumänien

"Calin Peter Netzer",  Foto © Friedhelm Denkeler  2013
„Calin Peter Netzer“, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

„An einem kalten Märzabend rast Barbu mit 50 Stundenkilometern mehr als erlaubt über die Straßen und reißt dabei ein Kind mit sich. Der Junge stirbt kurz nach dem Unfall. Als Strafe droht Barbu eine Gefängnishaft zwischen drei und 15 Jahren.

Höchste Zeit für seine Mutter Cornelia, ins Geschehen einzugreifen. Die gelernte Architektin, eine Frau aus der rumänischen Oberschicht, die die Romane von Herta Müller ungelesen ins Regal stellt und gern mit ihrer Brieftasche voller Kreditkarten hantiert, beginnt ihren Feldzug zur Rettung des lethargisch vor sich hin brütenden Sohnes. Zeugen, so hofft sie, könnten durch Bestechung zur Falschaussage gebracht werden. Und vielleicht lassen sich sogar die Eltern des toten Kindes durch Geld beschwichtigen.

Călin Peter Netzer zeigt eine von Eigenliebe besessene Mutter beim Kampf um ihren verlorenen Sohn und die eigene, längst zerrissene Familie. Der mit semidokumentarischen Mitteln minutiös rekonstruierte Ablauf einer Nacht und der folgenden Tage eröffnet nicht nur Einblicke in die moralische Verfassung der rumänischen Bourgeoisie, sondern wirft auch Schlaglichter auf den Zustand gesellschaftlicher Institutionen wie Polizei und Justiz.“ [Quelle: Filmbeschreibung]

Auch für Calin Peter Netzer gab es heute Nachmittag am Marlene-Dietrich-Platz einen Höflichkeitsapplaus. Sein Film „Child’s Pose“ behandelt ein Thema, das nicht gerade neu ist. Ein Unglück geschieht; Beziehungen kommen auf den Prüfstand; ihre Brüchigkeit wird offensichtlich. Matthias Glasner hat auf der letzten Berlinale mit „Gnade“ hervorragend gezeigt, was man daraus machen kann.

Eine Läuterung kann nicht mit Geld erkauft werden, sondern setzt auf gleicher emotionaler Entwicklungsstufe stehende Menschen und Denkprozesse voraus. Fazit: Besser spät als nie, aber begeistert war ich nun nicht gerade von dieser Milieustudie. Die Hauptdarstellerin hat allerdings die unsympathische Mutterrolle genial umgesetzt.

Halbzeit bei der Berlinale und kein Bär, geschweige denn ein Goldener Bär, in Sicht. An die 6000 Filme sollen für die Berlinale eingereicht worden sein. Die Erwartungen sind hoch! www.berlinale.de