Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Berlinale (XVI): Hong Sangsoo: „Nobody’s Daughter Haewon“ („Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon“), Korea

"Jung Eunchae", Foto © Friedhelm Denkeler  2013
„Jung Eunchae“, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Am letzten Tag der Berlinale fällt erfahrungsgemäß der Abschied schwer. Die beiden zuletzt gesehenen Filme „Nobody’s Daughter Haewon“ und „The Croods“ machten es uns dieses Mal leicht.

Zunächst zur koreanischen „Nobody’s Daughter Haewon“. Die Eingangsszene versprach etwas, was der anschließende Film nicht mehr erfüllte: Eine Touristin Jane Birkin (spielt sich selbst) fragt die Hauptdarstellerin Haewon nach dem richtigen Weg. Haewon, die irgendetwas mit Schauspiel studiert, bewundert Jane Birkins Tochter (Charlotte Gainsbourg) sehr. Am Ende des Gesprächs lagen sie sich in den Armen.

Dann entwickelte sich ein eher langweiliger „Eric Rohmer-Film“: Lange Dialoge über Beziehungen. Im Gegensatz zu Rohmer, der seine Filme in schönen Landschaftsbildern der Bretagne spielen lässt, sahen wir in Nobody’s Daughter tristes Stadtleben, langweilige Kulissen und betonierte Plätze, und das alles auch noch im Regen.

Dass der Film trotzdem sehenswert war, hat er hauptsächlich seiner wunder-schönen Hauptdarstellerin Jung Eunchae zu verdanken, die wieder eine der „starken Frauen“ der diesjährigen Berlinale spielte.

„Ist sie ihres Lebens, ihrer Liebe müde, oder warum schläft Haewon in einem Restaurant ein? Die Studentin fühlt sich allein gelassen. Ihre Mutter wird nach Kanada ziehen, die Affäre mit einem ihrer Professoren will Haewon beenden, weil sie ihr keinen Rückhalt bietet. Doch nicht nur, dass die Liasion von ihren Mitstudenten entdeckt wird – der verheiratete Mann akzeptiert die Trennung nicht.

Haewon ist irritiert und zieht sich zurück. Andere Männer kreuzen ihren Weg. Und dieser Weg führt sie zur einer alten Festung in den Bergen oberhalb von Seoul. Dort warten nicht nur Reiswein und eine vertraute Melodie, sondern auch ein gewagter Fluchtplan auf sie.

Untersuchte Hong Sangsoo in früheren Filmen die unergründlichen Pfade der Liebe und die Unmöglichkeit von Beziehungen zumeist aus der Sicht seiner männlicher Helden, hat er nun die Perspektive gewechselt. Die Gefühle der Protagonisten aber bleiben rätselhaft und unbeständig. Wie Haewon selbst, eine junge Frau, die gerne träumt.

Vielleicht ist dieser Film auch einer dieser Träume, aus denen sie ständig an den unmöglichsten Orten erwacht. Denn wer vermag zu sagen, wie irreal unsere Wirklichkeit ist und wie real unsere Träume sind?“ [Quelle: Filmbeschreibung] www.berlinale.de