Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Berlinale (XV): George Sluizer: „Dark Blood“, Niederlande

"Regisseur George Sluizer (li.) und Jonathan Pryce, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
„Regisseur George Sluizer (li.) und Jonathan Pryce
Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Zwanzig Jahre, nachdem der Film nicht fertiggestellt werden konnte, lief er heute Abend als Weltpremiere (außer Konkurrenz). Jonathan Pryce, einer der damaligen Hauptdarsteller begleitete den mittlerweile 80-jährigen Regisseur George Sluizer in den Berlinale-Palast. River Phoenix, der während der Dreharbeiten verstarb, erwies sich auch posthum als ideale Besetzung für den, wie er sich selbst bezeichnete, Viertelindianer „Boy“.

Der Film wirkt, als wäre er in der Jetzt-Zeit gedreht. Nur gab es noch keine rettenden Handys. Die Berliner Zeitung schreibt dazu: „Aber das postapokalyptische Szenario des Films, der Zusammenstoß der weißen und indigenen Kultur, die Hilflosigkeit westlicher Arroganz wirken heute bedeutungsvoller, brisanter und aktueller als damals, als die Welt noch 20 Jahre jünger war.“

Für Sluizer muss es die Erfüllung eines Lebenstraums gewesen sein, diesen Film zu beenden. Von Krankheit geschwächt konnte er die Bühne nicht mehr betreten, sondern bedankte sich unten im Saal mit ergreifenden Worten für die Chance dieser Aufführung. Es gab stehenden Applaus.

„Boy (River Phoenix), ein verwitweter junger Mann mit indianischen Wurzeln, lebt in einer durch Nukleartests verseuchten Wüste in den USA. Hier wartet er auf das Ende der Welt, umgeben von Voodoo-Puppen der Ureinwohner, die magische Kraft besitzen sollen.

In dieses Refugium brechen unerwartet Harry (Jonathan Pryce) und Buffy (Judy Davis) ein, die eine späte zweite Hochzeitsreise angetreten haben, um zu prüfen, ob ihre Ehe noch eine Zukunft hat. Als ihr Bentley streikt, bietet Boy seine Hilfe an. Doch dann beginnt er, die beiden wie Gefangene zu halten, weil er hofft, gemeinsam mit Buffy in eine bessere Welt hinüberwechseln zu können.

Nach dem plötzlichen Tod des Hauptdarstellers River Phoenix zehn Tage vor Abschluss der Dreharbeiten 1993 fiel das Filmmaterial zu Dark Blood an die Versicherung, die für den Drehabbruch aufkam. Jahre später konnte Regisseur George Sluizer das Material vor der endgültigen Vernichtung bewahren.

Im Januar 2012 begann er mit der Endfertigung seines Films, wobei er sich entschloss, die fehlenden Szenen im Off aus dem Drehbuch vorzulesen. Sein Film ist ein existenzialistischer Spätwestern von suggestiver Kraft, die nicht zuletzt von der Präsenz seiner am Rande des Todes balancierenden Hauptfigur ausgeht.“ [Quelle: Filmbeschreibung] www.berlinale.de