Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Berlinale (XII): Danis Tanovic: „An Episode in the Life of an Iron Picker“ („Epizoda u zivotu beraca zeljeza“), Bosnien/ Herzegowina

"Der Regisseur (Mitte) mit den beiden Hauptdarstellern",  Foto © Friedhelm Denkeler  2013
„Der Regisseur (Mitte) mit den beiden Hauptdarstellern“
Foto © Friedhelm Denkeler 2013

„Eine Roma-Familie in Bosnien-Herzegowina, in einem Ort abseits der großen Stadt. Vater Nazif schlachtet alte Autos aus und verkauft die Metallteile an einen Schrotthändler. Mutter Senada hält das Haus sauber, kocht, bäckt und sorgt sich um die beiden kleinen Töchter.

Eines Tages verspürt sie einen stechenden Schmerz im Unterleib. In der Poliklinik erhält sie die Nachricht, dass etwas mit dem Baby in ihrem Bauch nicht stimmt: „Sie sagen, es sei tot.“ Eine Blutvergiftung droht, höchste Eile ist geboten.

Doch Senada besitzt keine Krankenversicherung. Die Operation kostet weit mehr, als die Familie aufbringen kann, und der Chef des Krankenhauses lehnt es ab, die Frau zu behandeln. Ein Wettlauf gegen die Zeit und die zunehmende Hoffnungslosigkeit Senadas beginnt …

Danis Tanović verdichtet die Dramatik der Ereignisse, die existenziellen Nöte und die Todesangst der Beteiligten zu einer winterlichen Novelle. Dass die Laiendarsteller eine Episode aus ihrem eigenen Leben spielen, trägt wesentlich zur Authentizität und zum sozialen Realismus bei. Zugleich zeigt der Film Lebensmut und Überlebenskunst einer Roma-Familie.“ [Quelle: Filmbeschreibung]

Das ist der fünfte Wettbewerbsbeitrag, der aus Ost-Europa stammt, aber ein Anwärter auf den Goldenen Bären ist nicht in Sicht. Die Frankfurter Rundschau (FR) hat im „schrittweisen Reduktionsverfahren“ einen „Bärenvorhersage-Algorithmus“ entwickelt, der den Berlinale-Gewinner bereits jetzt feststehen lässt. Er geht vereinfacht ausgedrückt so:

Von den 19 Wettbewerbsfilmen scheiden vorab schon einmal die drei US-amerikanischen Produktionen aus („Promised Land“, „Side Effects“ und „Prince Avalanche“); Deutsche Filme gewinnen nur, wenn die Hauptfigur einen Migrationshintergrund aufweist (diese Regel trifft zwar auf „Gold“ zu, aber nur für nicht-deutsche Migranten); Filme, die kürzer als 85 Minuten sind haben noch nie einen Preis gewonnen („A Long and Happy Life“, „An Episode in the Life of an Iron Picker“).

Und nach der Regel „Ein voller Bauch bewertet nicht gerne“ scheiden die sechs Filme aus, die zwischen 15 und 16 Uhr für die Presse oder Jury angesetzt waren. Für die noch verbleibenden Filme gilt: Der Film muss am Sonntag um neun Uhr gezeigt werden und es muss um den Selbstfindungsprozess einer Frau gehen (darf aber weder aus Europa, Japan oder Nordamerika stammen), daraus schließt die FR: Der Goldene Bär geht an „Gloria“. Am kommenden Samstag wissen wir mehr. www.berlinale.de