Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Januar 2013

Filmvorstellung “Karl-Ludwig Lange – Der Photograph”

Von Westfalen nach Berlin – Eine Stadt und ihr Photograph

Karl-Ludwig Lange gehört zu den wichtigsten Vertretern der Stadt- und Autorenphotographie. In dem neuen Film von Benjamin Ochse “Karl-Ludwig Lange – Der Photograph” (Produktionsjahr 2011/2012) erzählt er von seiner Entdeckung der Photographie zu Schulzeiten, berichtet über seine Ausbildung bei der Deutschen Presse Agentur, sein erstes verkauftes Bild in der Berliner Galerie Nagel, schildert seine Ansichten zur Photographie, benennt seine Vorbilder und beschreibt seine persönliche Sichtweise über Schwarzweiß- und Farb-Photographie und den Unterschied zwischen Malerei und Photographie.

"Karl-Ludwig Lange im Interview (Filmausschnitt)", Foto © Benjamin Ochse 2013

"Karl-Ludwig Lange im Interview (Filmausschnitt)", Foto © Benjamin Ochse 2013

Der aus Minden/ Westfalen stammende Karl-Ludwig Lange zog mit 17 Jahren nach Berlin (West), erhielt dort eine Ausbildung zum Photographen und arbeitete als Assistent bei der dpa und im Studio Will McBride (München). 1973 entstanden Langes erste freie Arbeiten. Es folgten: Gasometer Schöneberg, 1981, Neugotik in Berlin, 1982 - 1984, Berlin-Wedding, 1983 - 1984, Rekonstruktion Martin-Gropius-Bau, 1981 - 1986 und Märkische Ziegeleien. Nach 1990 erhielt er diverse Stipendien und Preise. Lange ist berufenes Mitglied der DGPh. Zahlreiche Ausstellungen und die Veröffentlichung von Fotobüchern folgten.

Einige ausgewählte Einzelausstellungen sind zu nennen: 1975 Galerie Nagel Berlin, 1984 Schloss Charlottenburg, 1992 Lebendiges Museum Berlin-Wedding, 1995 Kulturamt Berlin-Friedrichshain, 1997 Galerie in der Brotfabrik Berlin, 1999 Neuer Berliner Kunstverein Berlin, 2005 Berliner Mauer-Dokumentationszentrum Berlin , 2009 Max Liebermann Haus Berlin, 2010 Deutscher Bundestag.

"Filmausschnitt 'Karl-Ludwig Lange – Der Photograph'", Foto © Benjamin Ochse 2013

"Filmausschnitt 'Karl-Ludwig Lange – Der Photograph'", Foto © Benjamin Ochse 2013

Im Film werden während des Interviews Langes Photos aus den letzten 30 Jahren und Bilder anderer Photographen, auf die er sich inhaltlich im Gespräch bezieht, eingeblendet. Ausschnitte seiner Ausstellungseröffnungen und ein Besuch auf der Porta Westfalica (Kaiser-Wilhelm-Denkmal) in Minden runden das Portrait, das gleichzeitig eine Reise durch die Geschichte der Photographie ist, ab.

Den 53 Minuten langen Film “Karl-Ludwig Lange – Der Photograph” in Farbe/Schwarzweiß erhalten Sie online bei onlinefilm.de. Bei vimeo ist ein Trailer einsehbar. Über den Regisseur Benjamin Ochse erfahren sie mehr unter www.pixeltransfer.com.

Die Website zum Film

Über das “Wahre Unsichtbare in der Kunst”

Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart in der Ausstellung
“3 × Berlin – Fotografische Arbeiten” im Bayer-Haus

Gestern Abend wurde die Ausstellung “3 × Berlin – Fotografische Arbeiten ” mit den Werken von Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler im Bayer-Haus am Kurfürstendamm eröffnet. Nach einer Einleitung von Horst Hinder machte der Philosoph und Schriftsteller Reinhard Knodt vor über 80 Gästen einige Anmerkungen zu den einzelnen Arbeiten. Knodt bezog sich nicht auf das Vordergründige, das man in den Bildern auf einen ersten Blick hin sieht, sondern versuchte das “Wahre Unsichtbare in der Kunst” (Kant), das sich erst nach und nach zeigt, darzustellen. Im Folgenden stelle ich seine Betrachtungen in Auszügen vor.

Zu Horst Hinder “Berlin – zerlegt und collagiert”

"5x5 Nr. 2", Foto © Horst Hinder 2009

"5x5 Nr. 2", Foto © Horst Hinder 2009

“Das Unsichtbare, aber grundlegend Wichtige in der Malerei, wie auch in der Fotografie, ist bekanntlich das Licht. Dass der Gesamteindruck eines Bildes sich aus kleinen Flächen oder sogar Punkten zusammensetzt, haben bereits die Impressionisten thematisiert (Monet, Renoir). Die mathematische Spitze dieser Auffassung stellt der Pointilismus dar (etwa Seurat) …

Nehmen wir die Fotografie, bzw. gehen jetzt einmal zu Horst Hinder über, dann fällt auf, dass er Hunderte von Einzelbildern zu größeren Einheiten zusammen-setzt, bzw. große Bildeinheiten und kleine, lichtpunktartige Fraktale ins Verhältnis bringt. Dieses Verfahren, könnte man strukturell mit einem Prinzip beschreiben, das René Descartes berühmt gemacht hat und das auch das leitende Prinzip der Moderne ist.

Descartes sagte: Wenn man ein komplexes Problem darstellen will (sagen wir Berlin), müsse man es in möglichst viele Teilprobleme zerlegen, diese Teilprobleme einzeln lösen und aus diesen Lösungen das Ganze wieder zusammensetzen. Die letzten dreihundert Jahre Europäische Geschichte leben von diesem Prinzip. Wir nennen es ‘Fortschritt’ und wir hoffen, dass das Prinzip der Zerlegung und Zusammensetzung in Politik, Technik und auf anderen Ebenen eine Verbesserung der Verhältnisse ermöglicht.

Wir sind also bei aufkommenden Problemen sofort bereit, zu unterscheiden, zu zergliedern, Speziallösungen zu suchen aus denen unsere Welt dann, so hoffen wir, durch Vertrauen in die Zukunft sich verbessert. Jeder weiß, dass diese neuzeitliche Fortschrittshoffnung bzw. Zukunftssehnsucht uns heute gelegentlich fragwürdig vorkommt – man nennt dieses Phänomen Postmoderne. Horst Hinders Arbeitsweise spiegelt das … Daher würde ich Horst Hinder nach einem Schema, das ich jetzt vorschlage, als einen Künstler bezeichnen, der die Zukunftssehnsucht der Moderne ins Bild bringt – nicht symbolisch aber doch methodisch.”

Zu Friedhelm Denkeler “Im Wedding”, 1978

"Kristallpalast", Foto © Friedhelm Denkeler 1977

"Kristallpalast", Foto © Friedhelm Denkeler 1977

“Bleiben wir beim Begriff der Sehnsucht und gehen zu Friedhelm Denkeler. Zwar möchte ich auch ihn als Sehnsüchtigen bezeichnen, seine Sehnsucht sollte man aber eher mit Nostalgie umschreiben, … also Heimweh, natürlich auch nach früheren Zeiten. Die Nostalgie wird in der fortschrittlichen Moderne etwas abfällig als Schwäche beurteilt. Gleichwohl ist sie eine starke Form der Sehnsucht, ja sogar eine wichtige Atmosphäre, ohne die es kaum Kunst oder Feste gäbe …

Das klingt banal, aber das sollte man nicht außer Acht lassen, wenn man sich mit nostalgischen Szenerien beschäftigt, selbst, wenn wir ahnen, dass wir manchen Dingen der Vergangenheit vielleicht zum Glück entkommen sind – was besonders für Berlin zutrifft. Auch die Technik der Schwarzweißaufnahme führt uns in die Vergangenheit … Die 35 Jahre alten Fotos Denkelers machen einen Aspekt deutlich, den man mit dem Anthropologen Roland Barthes als das ‘Palimpsest der Stadt’ bezeichnen könnte.

Ein Palimpsest war im Mittelalter ein altes Pergament, das abgeschabt und neu beschrieben wurde. Die alten Buchstaben leuchteten manchmal noch durch die neuen, die Vergangenheit war gewissermaßen präsent, so wie das auf Berliner Häuserfronten, die noch nicht übertüncht und frisch renoviert waren. Denkelers Arbeiten spielen mit der Stadt als Palimpsest, auf dem sich Altes und Neues zugleich zeigt, wo der Kohlenhändler, der vor zwanzig Jahren seinen Laden dichtmachte und die alte Brot- und Feinbäckerei eben noch spürbar sind, obwohl wir heute dort längst gestrichene Fassaden … sehen. Nostalgie – die Sehnsucht nach der Vergangenheit im Reich der Zeichen.

Vielleicht sollte man noch anfügen, dass Denkeler natürlich kein naiver Nostalgiker ist. Einer, sagen wir mal Laura Ashley-Nostalgie, würde er sogar kräftig entgegenarbeiten. Seine Bilder haben nichts Bergendes oder Idyllisches, eher schon zeigen sie das oft Hilflose, das Ungeborgene, Dürftige oder Bedürftige der Vergangenheit. Seine Sache ist also nicht die Sehnsucht nach der Vergangenheit allein, sondern auch das Wissen darüber, dass man sich in Nostalgie nicht einrichten kann.”

Zu Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin”

"Lustwandeln erschöpft", © Ralf Hasford 2008

"Lustwandeln erschöpft", © Ralf Hasford 2008

“Ich komme zum dritten Künstler und damit auch zu einer dritten Art der Sehnsucht: Eine Bank, ist ein Gegenstand, der zum Sitzen einlädt. Sie winkt sozusagen von Ferne, sie lädt ein. Die Einladung hat gelegentlich sogar eine gewisse Dringlichkeit, je nach Bank und je nachdem ob sie dürftig ist oder prächtig, bequem oder hart. Parkbänke sprechen uns stark an, wahrscheinlich, weil wir als stets müde Stadtwanderer immer wieder auf sie zurückkommen müssen.

Die Bank lädt nun aber nicht nur zum Ausruhen ein, sondern eben auch zur Kontemplation. Wir kontemplieren nicht nur auf der Bank, sondern gewissermaßen schon angesichts der Bank. Sie ist nicht nur das Mittel, sondern auch das Bild der Ruhe und Kontemplation. Kontemplation ist das Verharren im Jetzt und wenn ich mein zugegeben einfaches Schema der Sehnsucht anwenden darf, würde ich jetzt also sagen, nachdem wir uns mit der Sehnsucht nach Zukunft und nach Vergangenheit beschäftigt haben, stehen wir bei der Bank gewissermaßen vor der Sehnsucht nach dem ‘Jetzt’, nach Zeitlosigkeit, eine Sehnsucht, die übrigens der Berliner Philosoph Schopenhauer als die Sehnsucht ‘nach dem Nichts’ in die Diskussion brachte …

Der Meditations- und Liebesort des 19. Jh., der in dieser Ausstellung nun selbst zum meditativen Gegenstand geworden ist, nachdem ihn Ralf Hasford entdeckt hat, verkörpert also die Sehnsucht nach dem Jetzt, nach der Zeitlosigkeit. Und faktisch steht ja auch die Parkbank, die Gartenbank, oder die Friedhofsbank zwischen Vergangenheit und Zukunft im Jetzt.”

Zusammenfassung

“Damit bin ich am Ende. Ich behaupte, bei genauerem Nachdenken bemerkt man, die drei hier ausstellenden Künstler haben sich offenbar instinktiv zu einem gemeinsamen Thema zusammengefunden, welches oberflächlich ‘Berlin’, tatsächlich aber ‘Sehnsucht’ lautet, wobei sich jeder auffällig deutlich mit einem der drei Zeitaspekte der Sehnsucht beschäftigt hat: Horst Hinder mit der modernen Sehnsucht nach Zukunft, bzw. Fortschritt im Puls von Zerstückelung und Zusammensetzung, Friedhelm Denkeler mit der Nostalgie, also der Sehnsucht nach der Vergangenheit, und Ralf Hasford schließlich mit der Sehnsucht nach dem Jetzt, dem Stehenbleiben der Zeit …

Inwieweit das alles zutrifft, müssen Sie entscheiden. Es könnte sein, dass die Formen der Sehnsucht nicht ganz so sauber nach Zukunft, Vergangenheit und jetzt getrennt sind, wie ich das behauptet habe. Zum Beispiel betont bildende Kunst überhaupt eher das ‘Jetzt’ als andere zeitliche Orientierungen. Andererseits würden wir dann aber von Bildern als Gegenständen sprechen und nicht mehr von dem was sie als Gegenstände ausdrücken … Möge sich erfüllen, wonach immer Sie sich sehnen.”

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. März 2013, Mo-Fr 8-19 Uhr, im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, zu sehen. Eine Übersicht der weiteren Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

www.reinhard-knodt.de

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten (4)

Drei Ausstellungen auf vier Etagen – im Bayer-Haus Berlin.

Einladung zur Vernissage am 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr

Die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler laden zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr, ins Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, ein. Sie stellen ihre Sicht auf das alte und neue Berlin mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren dar. Die Einladungskarte finden Sie hier.

Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013

Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013

Horst Hinder stellt unter dem Titel “Berlin – zerlegt und collagiert” großformatige, farbige Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammen-gesetzt. Ralf Hasford stellt sein Werk “Sitzenlassen in Berlin” aus. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen. Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio “Im Wedding”, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Die Ausstellenden habe ich bereits hier in Kurzbiografien vorgestellt.

Um ca. 18.30 Uhr spricht Reinhard Knodt zur Ausstellung. “Künstler arbeiten im Zwischenreich von Profanität und Geheimnis. Sie hantieren mit scheinbar Banalem, mit Resten, mit alltäglichem Material. Sie bauen jedoch an einem Raum der Sehnsucht. Dieser kann in die Vergangenheit reichen, in die Zukunft weisen oder im Jetzt zur Kontemplation aufrufen. Warum wir fotografieren, warum künstlerische Arbeiten gelingen oder misslingen und warum sich Sammler mit ‘Kunst’ umgeben, das sind Fragen, zu denen einige philosophische Anmerkungen nützlich erscheinen …”

Reinhard Knodt (1951) ist Philosoph und Schriftsteller. Er ist als Universitätslehrer (UDK), Vortragsredner und Rundfunkautor tätig. Viele Essays zur Kultur- und Philosophiegeschichte. Literarische Arbeiten (Roman, Erzählung, Kurzprosa, zwei Oratorien), sowie zahlreiche Rundfunkarbeiten (Features, Hörspiele, Essays, Vorträge, experimentelle Formen). Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste. Kunstaktionen. Kunst- und Architekturkritik für Deutschlandradio Kultur. www.reinhard-knodt.de.

Friedhelm Denkeler | www.denkeler-foto.de | “Im Wedding”, 1978 (Fotografien)
Horst Hinder | www.horst-hinder.de | “Berlin – zerlegt und collagiert(Fotografische Collagen)
Ralf Hasford | www.lichtrauschen.com | “Sitzenlassen in Berlin” (Vorkoloriert – Papierpulp und Pigment)

Eine Übersicht der bisherigen Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

Winter im Wedding (2)

Aus der Serie “Im Wedding”: “Die Panke im Winter”, Foto © Friedhelm Denkeler 1977

Aus der Serie “Im Wedding”: “Die Panke im Winter”, Foto © Friedhelm Denkeler 1977

Meine Serie “Im Wedding”, die 1977/1978 entstanden ist, zeigt weniger eine Dokumentation des damaligen Wedding, sondern spiegelt Stimmungen. Insbesondere Fotos, die im Winter bei Schneetreiben aufgenommen wurden, fangen eine eigentümliche Atmosphäre, fern der Großstadt ein. Sie geben auch Zeugnis von den ersten Graffitis, wie “Freiheit für die Agitdrucker” oder den mit Kreide geschriebenen Hinweis an der Haustür, wann der Schornsteinfeger kommt. Die winterliche Panke, der historisch tiefe Benzinpreis von 91,9 Pfennigen und der geschlossene Laden “Spandauer Volksblatt”, der die endgültige Einstellung des Blattes im Jahr 1992 bereits vorweg zu nehmen scheint, sind weitere Themen im Winterkapitel der Serie.

Ab 25.01.2013 zeige ich in der Ausstellung “3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen” im Bayer-Haus am Kurfürstendamm eine Auswahl von 22 Fotos aus der Serie “Im Wedding”, davon acht Winterbilder. Die Fotos sind jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen und Teil des Portfolios und Autorenbuchs mit 159 Bildern (siehe hier). Auf meiner Website denkeler-foto  sind dreißig Bilder aus dem Fotobuch zu sehen. Die Ausstellungseröffnung findet am 24. Januar 2013, 18 – 21 Uhr, statt. Dazu morgen mehr.

Eine Übersicht der weiteren Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten (3)

Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus Berlin ab 25.01.2013:

Horst Hinder “Berlin – zerlegt und collagiert”,

Friedhelm Denkeler “Im Wedding”, 1977, und

Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin”

Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel “3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen” mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert. Heute möchte ich die drei Ausstellenden mit ihren Kurzbiografien vorstellen.

Selbstporträt, © Horst Hinder 2012

Selbstporträt, © Horst Hinder 2012

Horst Hinder  (*1961) lebt seit 1985 in Berlin. Nach dem Abitur in Hessen absolvierte er zunächst eine Lehre als Korbmacher und übte das Handwerk einige Jahre aus. Es folgte 1989-94 das  Studium an der Hochschule der Künste Berlin und die berufliche Beschäftigung mit Fotografie und Grafik. Seit 1993 arbeitet er in seinem Grafikbüro und Atelier. Die Fotografischen Collagen entstehen seit 2008. “Horst Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt”,  “So entstehen persönliche Stadtlandschaften, die neue Blicke auf Berlin und die Geschichte der Stadt ermöglichen, geschaffen von einem aufmerksamen und feinnervigen Beobachter…”. Bisherige Ausstellungen: “So gesehen – 1.824 Fotografien aus Berlin”, Bayer-Haus, Berlin (2009), “EINDRUCK – Ausstellung grafischer Arbeiten und keramischer Drucktechniken”, Gemeinschaftsausstellung mit fünf Keramikern in Höhr-Grenzhausen (2009), “Paris | Berlin – So kann man es auch sehen”, Fotografisches aus zwei Städten mit Philippe Saunier, Bayer-Haus, Berlin (2012).
www.horst-hinder.de

Selbstporträt, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Selbstporträt, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Friedhelm Denkeler (*1946) lebt und arbeitet seit 1968 in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Ingenieur hat er an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und als Schüler von Michael Schmidt seine Fotografische Ausbildung erhalten. Seit 1978 stellt er freie fotografische Arbeiten in Form von Portfolios und Autorenbüchern her. Denkelers Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen: Rudolf Kicken Galerie, Köln, the ffoto gallery, Cardiff, Wales, Fotogalleriet, Oslo, Castelli Graphics, New York, Jones/Troyer Gallery, Washington D.C., Galerie Fotohof, Salzburg, Centre de la photographie, Genf, Berlinische Galerie, Berlin, Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin, Yale University Art Galerie, New Haven. In den öffentlichen Sammlungen der Berlinischen Galerie, Bibliothèque nationale de France und Allan Chasanoff Photografic Collection im Museum of Fine Arts Houston, ist Denkeler vertreten. Seit 2002 zeigt er seine Arbeiten auf der Website “www.denkeler-foto.de” und betreibt seit 2010 den Foto-Blog “Journal – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst”.
www.denkeler-foto.de

Selbstporträt, © Ralf Hasford 2012

Selbstporträt, © Ralf Hasford 2012

Ralf Hasford (*1965) zu seiner Philosophie: “Ich arbeite mit Vorhandenem, destilliere politische und mythische Begebenheiten in meinen Werken. Aus alten Brüchen und verbrauchten Materialien entstehen so Werke zur Genusssteigerung”. Der Erhalt von Natur und Freiheit sind ihm eine Verpflichtung. Seine Werke sind seit 2005 an unterschiedlichen Orten in ständigen wie temporären Ausstellungen in Berlin und dem Bundesgebiet zu sehen. Eine immerwährende Neugier auf die Weiterentwicklung des Gesehenen treibt ihn in seinem Schaffen an. Dabei stellt er sich den scheinbaren Begrenzungen, die in Handwerk und Material ruhen, um diese zu überwinden und neue Formen zu erlangen. Mit “Vorkoloriert” schuf er sich eine eigene Technik, mit der er seine Werke erstellt.  2002 definierte Hasford  den Begriff und entwickelte die Technik dann  in unterschiedlichen Weisen weiter. Großformatige Bilder sowie raumgreifende Plastiken gehören dazu. “Liebe und gutes Essen begleiten mich dabei.” sagt Hasford mit einem Lachen. “Vorkoloriert” voraus gingen Kommunikations-design, Interieurgestaltungen und Entwürfe für Lampen. Unter  Lichtrauschen® vereint er Kunst, Design und Kommunikation. Als “Fels oder Brandung“ erschafft er als Berater Marken und Kommunikationsmittel für Mittelstand und Konzerne.
www.lichtrauschen.com

Eine Übersicht der bisherigen Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten (2)

Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus am Kurfürstendamm:
Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin”, Horst Hinder “Berlin – zerlegt und collagiert” und Friedhelm Denkeler “Im Wedding, 1977”

Im Westen von Berlin ist ein neuer, einzigartiger Kultur-Cluster für fotografische Ausstellungen und Veranstaltungen im Entstehen begriffen: Die weltberühmte C|O-Galerie zieht in das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo (siehe “Von der Mitte in den Westen“), fast direkt neben das Museum für Fotografie/die Newton Foundation, die Galerie Camera Work  in der Kantstraße und die Universität der Künste in der Hardenbergstraße sind seit langem etabliert und am Kurfürstendamm gibt es den Photoplatz im Hotel Bogota. Seit kurzem entsteht ein weiterer Ort für Fotografie: die Galerie im Bayer-Haus am Kurfürstendamm.

"3 x Berlin – Fotografische Arbeiten", Grafik © Horst Hinder 2013

"3 x Berlin – Fotografische Arbeiten", Grafik © Horst Hinder 2013

Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel “3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen” mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert.

Horst Hinder stellt unter dem Titel “Berlin – zerlegt und collagiert” großformatige, farbige Foto-Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt. Ralf Hasford stellt sein Werk “Sitzenlassen in Berlin” aus. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen. Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio “Im Wedding”, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.

Die Vernissage findet am Donnerstag, 24. Januar 2013,  18 – 21 Uhr, im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, statt. Zur Begrüßung um ca. 18.30 Uhr spricht ein Vertreter der IVG Asset Management GmbH des Bayer-Hauses und der Philosoph Reinhard Knodt, der unter anderem für Deutschlandradio Kultur arbeitet, wird sich und die Gäste fragen, “warum wir Bilder malen,  warum sie gelingen oder misslingen, warum sie uns ansprechen und warum sich Sammler mit Kunst umgeben”.

Eine Künstlerführung wird es am Freitag, 1. März 2013, 15 Uhr, geben und die Finissage findet am Donnerstag, 21. März 2013, 18 Uhr, statt. Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Fotografen: Horst Hinder www.horst-hinder.deRalf Hasford www.lichtrauschen.com und Friedhelm Denkeler www.denkeler-foto.de. Für die Zukunft ist geplant, regelmäßig fotografische Arbeiten mit wechselnden Künstlern im Bayer-Haus auszustellen. So wird es einen neuen Ort für Fotografie in Berlin geben.

Eine Übersicht der bisherigen Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

Jenseits der Touristenpfade – Eine Reise durch die USA

Joel Sternfeld – Pionier der künstlerischen Farbfotografie bei C|O.

Monat der Fotografie 2012 in Berlin (8)

Die Ausstellung bei C|O zeigt, dass Joel Sternfeld (*1944), neben William Eggleston und Stephen Shore, zu Recht zu den “Big Three” der amerikanischen Farbfotografen zählt. Da die Ausstellung nur bis zum 13. Januar zu sehen ist, empfehle ich unbedingt noch einen Besuch der Galerie. Die Drei gehören zu den Vertretern der New Color Photography, die seit den 1970er Jahren Farbe in der künstlerischen Fotografie einsetzen. Die Bilder der klassischen Kunstfotografie waren bis dahin eher schwarz-weiß. In der populären Fotografie für Mode und Werbung und auch in der Amateurfotografie war Farbe natürlich schon länger angesagt.

Die Retrospektive zeigt die wichtigsten abgeschlossenen Projekte von Sternfeld. Sie beginnt mit “Nags Head, North Caroline” (1976). Ohne Farbe würden diese Bilder nicht funktionieren (so wie auch auf meinem Foto). In zwei weiteren Frühwerken “Happy anniversara Sweeetie Face!” (1970-1978) und “Rush Hour” (1976) arbeitet Sternfeld in der Tradition der Street Photography. Mit diesen Bildern habe ich Sternfeld in den späten 1970er Jahren kennen und schätzen gelernt.

“Ina und ihre drei Möpse”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Ina und ihre drei Möpse”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

In der Serie “Stranger Passing” (1987-2000) hat Sternfeld das menschliche Porträt in den Mittelpunkt gestellt. Aber im Gegensatz zu dem legendären August Sander zeigt er die Menschen nicht ihrer beruflichen Situation untergeordnet, sondern in ihren oft skurrilen (Selbst)-Inszenierungen. In der Summe ergeben sie ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Während einer mehrjährigen Reise mit einem VW-Bus entstand die Serie “American Prospects” (1978-1986), in der er die Beziehung zwischen den Menschen und der Umgebung zeigt. Im Gegensatz zu den frühen Aufnahmen entstanden diese mit einer Großbildkamera. Die Fotos sind dementsprechend groß abgezogen und man muss sie auch so sehen und genießen.

Im “Oxbow Archiv” (2005-2007) sind Landschaften in der Einzigartigkeit der Jahreszeiten zu erleben; sie zeigen aber auch die Narben der Zerstörung. In “On This Site” (1993-1996) werden Schauplätze von Verbrechen abgelichtet. Die Verbrechen selbst werden nicht dargestellt, aber Texte erläutern sie. In “Walking the High Line” (2000-2001) zeigt Sternfeld eine stillgelegte zwei Kilometer lange Hochbahnstrecke mitten in Manhattan, die von der Natur zurückerobert wurde.

Eine Übersicht von ausgewählten Ausstellungen des “European Month of Photography – EMoP” finden Sie auf meiner Übersicht.