Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Dezember 2012

Von der Mitte in den Westen

Ein Weihnachtsgeschenk für C|O – Die Fotogalerie zieht ins Amerika-Haus

In den Song “Go West”, den die Pet Shop Boys auf der Silvester-Party 2012 am Brandenburger Tor ganz sicher spielen werden, werden die Macher von C|O Berlin zweifellos mit einstimmen. Endlich hat Stephan Erfurt, der Direktor und Mitgründer des Ausstellungshauses für Fotografie, kurz vor den Weihnachtstagen ein neues Domizil gefunden: Das Amerika-Haus in der Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Es ist sicherlich kein selbstloses Geschenk des Berliner Senats (Berliner Immobilien-Management GmbH) an das Fotografie-Forum, aber über die Höhe der Miete des auf 16 Jahre geschlossenen Mietvertrages wurde Stillschweigen vereinbart.

"Vom Demonstrationsziel 1968 zum Standort für Fotografie 2013 – Das Amerika-Haus", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Vom Demonstrationsziel 1968 zum Standort für Fotografie 2013 – Das Amerika-Haus", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

So entsteht in der Nähe des Museums für Fotografie/der Newton Foundation (Jebensstraße), der Galerie Camera Work (Kantstraße), der Universität der Künste (Hardenbergstraße) und demnächst auch im Bayer-Haus am Kurfürstendamm (siehe hier), ein einzigartiger Kultur-Cluster für fotografische Ausstellungen und Veranstaltungen. Der Einzug und die Eröffnung von C|O im Amerika-Haus mit einer Ausstellungsfläche von 2.000 Quadratmetern (ähnlich wie im bisherigen Postfuhramt) ist nach der Sanierung des denkmalgeschützten Amerika-Hauses für den Herbst 2013 geplant.

Eigentlich wollte man in Mitte bleiben, aber ein dauerhafter Verbleib im Postfuhramt war nicht möglich. Zwei Jahre hat C|O gesucht und jetzt die neue Bleibe gefunden. Zum Schluss wollte man in die Atelierhäuser in den Monbijoupark ziehen. Aber der Bezirk Mitte, dem C|O gerne treu geblieben wäre, machte Schwierigkeiten. Dagegen sind sie in Charlottenburg hoch willkommen: Die Zoogegend wird damit, neben dem neuen Waldorf-Astoria, auch kulturell aufgewertet.

Zurzeit ist bei C|O im Postfuhramt noch bis zum 13. Januar 2013 die Ausstellung “Joel Sternfeld – Retrospektive” zu sehen.

www.co-berlin.com

Freut Euch der Winter kommt …

"Freut Euch der Winter kommt …", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Freut Euch der Winter kommt …", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

… oder auch nicht!

So kann man angesichts der aktuellen Temperaturen an den Feiertagen, bei 20 Grad in München und 10 Grad in Berlin, sagen. Mein Foto zeigt den Berliner Dom während des ”Festival of Lights” Ende Oktober 2012.

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten (1)

Vorankündigung: Drei Ausstellungen auf vier Etagen –
Ein neuer Ort für Fotografie im Bayer-Haus am Kurfürstendamm

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2012

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2012

Die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler zeigen ab dem 25. Januar 2013 im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert.

Ralf Hasford präsentiert sein Werk “Sitzenlassen in Berlin”. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen.

Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio “Im Wedding”, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.

Horst Hinder stellt unter dem Titel “Berlin – zerlegt und collagiert” großformatige, farbige Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammen-gesetzt.

Die Vernissage findet am Donnerstag, 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr, statt. Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Fotografen: Ralf Hasford www.lichtrauschen.com, Friedhelm Denkeler www.denkeler-foto.de und Horst Hinder www.horst-hinder.de.

Für die Zukunft ist geplant, regelmäßig Fotografische Arbeiten mit wechselnden Künstlern im Bayer-Haus auszustellen. So wird es einen neuen Ort für Fotografie in Berlin geben – und endlich auch am Kurfürstendamm.

Eine Übersicht der weiteren Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

In Skyfall rettet Bond nicht die Welt, sondern sein Leben

“Wir machen eine Reise zurück in die Zeit,
dahin, wo wir noch im Vorteil waren.”

Nach 50 Jahren und nun zum 23. Mal bekommt der langlebigste Geheimagent der Filmgeschichte – James Bond – jetzt mit Skyfall ein Denkmal gesetzt und das ist insbesondere Daniel Craig zu verdanken. Bond muss sich in jedem neuen Film neu erfinden. Das ist 2012 vorzüglich gelungen: Neben den vielen Anspielungen an frühere Bondfilme spielt auch die Rückkehr zu den (neuen) alten Wurzeln eine große Rolle.

Skyfall ist eine Mischung aus Western (spielend in Schottland) und “Kevin – Allein zu Haus”, eine Anspielung auf Wilhelm Tell und “The Dark Knight”. Regisseur Sam Mendes hat einen der besten Bonds der Geschichte geschaffen und Daniel Craig ist die perfekte Besetzung (gleich nach Sean Connery): Er ist nicht mehr so aalglatt, es geht auch einmal etwas schief, und er muss eine Menge einstecken. Außerdem gibt einen wunderbaren Soundtrack (zum Titelsong siehe “This Is The End – Adele’s Skyfall“) und der Film hält die Spannung auch ohne chaotische, hektische Schnittsequenzen.

“Mit Skyfall ist Bond thematisch im 21. Jahrhundert angekommen, ohne seine Wurzeln zu verraten – der Agent im Dienste Ihrer Majestät ist menschlich verwundbar und nahbarer denn je wieder angetreten, sich selbst zu finden – und dabei den Untergang immer im Nacken zu spüren. Brillant!” (Cyberbloc). Worum geht es in dem Film? Das ist nicht so wichtig, das kann man bei Wikipedia nachlesen. Langjährige Weggefährten und Stereotypen möchte ich kurz vorstellen.

"Skyfall am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Skyfall am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Die mittlerweile 77-jährige Judi Dench, die aufgrund ihres Alters im realen Leben unter Sehverlust leidet, dürfte ihren letzten Auftritt als Geheimdienstchefin “M” gespielt haben. Ihre Vergangenheit hat sie eingeholt: Sie stirbt im Kugelhagel in Bonds Elternhaus in den schottischen Highlands. Als ihr Nachfolger wird Gareth Mallory (Ralph Fiennes) eingeführt.

Auch die Ära der nicht mehr zeitgemäßen Bond-Girls scheint zu Ende zu sein. Sie tauchen nur kurz auf: Naomie Harris als Eve und Berenice Marlohe als Sévérine. Eve tauscht auf Anraten von Bond ihren Außendienst gegen einen Bürojob aus und wird die neue Miss Moneypenny.

Der neue, sehr junge Quartiermeister “Q” (Ben Wishaw), der Bond mit den Worten “Ich kann im Pyjama an meinem Laptop noch vor der ersten Tasse Tee mehr Unheil anrichten, als Sie je verhindert haben” begrüßt, läutet ebenfalls eine neue Ära ein. Ein Wandel der zukünftigen Bond-Filme deutet sich an. Von den früheren spektakulären Spezialwaffen scheint “Q” wenig zu halten: Bond erhält lediglich einen Sender und eine Pistole, die allerdings speziell auf ihn programmiert ist.

Und natürlich ist auch der neue Bösewicht Raoul Silva zu erwähnen, vorzüglich gespielt von Javier Bardem, ein König der Hacker, der in einer verlassenen Trümmer-Stadt auf einer Insel mit Hightech residiert und von Bond mit “Last rat standing” begrüßt wird. Gedreht wurden diese Aufnahmen übrigens auf der japanischen Insel Hashima, von der aus bis 1974 unterseeischer Kohleabbau betrieben wurde.

Autos spielen in jedem Bond-Film eine wichtige Rolle. In “Goldfinger” erhielt Bond seinen legendären Dienstwagen, einen Aston Martin DB5, der in Skyfall nun wieder aus einer Scheune hervorgeholt wird und zu alter Stärke aufläuft.

Mit dem DB5 flüchtet Bond mit “M” in seine alte Heimat, ein einsames Herrenhaus namens Skyfall, das in den schottischen Highlands liegt. Das Haus wird mit Sprengfallen und Fluchtwegen präpariert und man denkt unwillkürlich an “Kevin – Allein zu Haus”. Hier findet “Zwölf Uhr Nachts” der High Noon zwischen Bonds Verteidigung und Silvas Hubschrauberangriff, unter dem stampfenden Rhythmus von John Lee Hookers “Boom Boom” (man denkt unwillkürlich an “Apocalypse Now”), statt.

Nicht berichten werde ich über den fantastischen Vorspann mit den tollen Grafiken; nicht über die Verfolgungsjagd über den Dächern des Großen Bazars in Istanbul; nicht über den Kampf auf einem fahrenden Zug, der einen Bagger und viele Kleinwagen geladen hat; nicht wie ein Audi, verfolgt von Bond in einem Landrover, durch die vollen Gassen von Istanbul rast; nicht wie Bond als Wilhelm Tell auf den Drink auf Sévérines Kopf zielen muss und nicht wie das Hauptquartier des MI6 in die Luft fliegt.

Die FAZ schreibt in ihrem Fazit: “Mendes hat an Ironie, Verbeugungen und Dialektik aufgefahren, was in einen Film passt, und Roger Deakins hat dazu Bilder geschaffen, die manchmal flach und überscharf sind wie ein Computerscreen, dann wieder pastell getönt und in die Tiefe gestaffelt wie im Western. Oft steht Bond im Anzug am Rand dieser Bilder, breitbeinig, still, ikonisch. Am Ende, wenn er über London blickt, das verblüffenderweise immer noch steht, trägt er einen Mantel. Ein Verlorener, der friert.”

www.skyfallfilm.de

Der Watzmann

"Alte Nationalgalerie (Caspar David Friedrich: Der Watzmann)", Foto © Friedhelm Denkeler 2004

"Alte Nationalgalerie (Caspar David Friedrich: Der Watzmann)", Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Winter im Wedding (1)

"Weddinger Eckhaus im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 1978

"Weddinger Eckhaus im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Zwischen Oktober 1977 und März 1978 habe ich mehrere Fotospaziergänge im Berliner Bezirk Wedding unternommen. 32 Jahre später habe ich die dabei entstandenen Fotos ausgewertet und zu einem Portfolio und Autorenbuch mit 159 Fotos zusammengestellt (siehe auch hier). Zu den fünf Kapiteln gehört auch ein Abschnitt mit Winterbildern. Diese Winterbilder werden passend zur Jahreszeit, zusammen mit anderen Fotos, ab Januar 2013 im Bayer-Haus am Kurfürstendamm ausgestellt, doch dazu demnächst mehr. Auf meiner Website denkeler-foto sind dreißig Bilder aus dem Fotobuch zu sehen.

Eine Übersicht der weiteren Artikel zur Galerie im Bayer-Haus Berlin finden Sie hier.

Das Heilige, das Rotlichtviertel und eine Nacht in Schwarz-Weiß

Jerry Berndt mit “Sacred/Profane” im Haus am Kleistpark

Monat der Fotografie 2012 in Berlin (7)

Ich bin der Mann der Negative, aber ich mache Positive! [Jerry Berndt]

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Der offizielle Titel der Ausstellung “Sacred/Profane” suggeriert, dass der US-Amerikaner Jerry Berndt (*1943), der jetzt in Paris lebt, hauptsächlich zwei Themenkomplexe in der Ausstellung im Haus am Kleistpark zeigt. Die, für mein Empfinden, schöneren und gefühlvolleren und in einem perfekten “Sound” abgezogenen Fotos, sind gleich im ersten Raum zu sehen: “Nite Works” (auch “Nite Side” genannt). Seit vierzig Jahren fotografiert Berndt in der Morgendämmerung menschenleere Stadträume. Die abgebildeten Objekte, Gebäudeteile, Straßenzüge zeigen mehr oder weniger ihre Geheimnisse und Beziehungen zueinander.

Interessanter sind aber die Empfindungen, die Berndt mit den Nite Works dem Betrachter übermittelt. Beschreibbar sind sie nicht, man muss sie “sehen”: der Fotograf bei der Aufnahme und der Besucher beim Betrachten. Hier trifft die Aussage: “Das wirksamste Element im Kunstwerk ist nicht selten das Schweigen” von Susan Sontag besonders zu. Allein diese neueren Werke (1973-2012) lohnen den Besuch der Ausstellung.

Auch in der Serie “Combat Zone” (1967-1974) herrscht meistens Dunkelheit: Wir sehen Zuhälter, Prostituierte und Transvestiten im Rotlichtbezirk von Boston. Das erste Foto der Serie mit einem “Amusement-Center” nimmt den Inhalt der folgenden Fotos bereits vorweg. Berndt geht über einen journalistischen/ dokumentarischen Blick hinaus auf die Einsamkeit und auch das Miteinander der Menschen an diesem Ort. Die im dritten Raum ausgestellten Bilder “Sacred” (1980-2003)) zeigen eine ähnliche Sehnsuchtswelt der Gläubigen und Bekehrer in ihrem spirituellen Habitus, ihrer Ekstase, Hingabe und Einkehr.

Zur Finissage der Ausstellung gibt es am Sonntag, 16. Dezember, 16 Uhr, eine Künstlerführung durch Jerry Berndt und so kann man sich selbst ein Bild über das Spannungsfeld zwischen den Huren, dem Heiligen und der Nacht machen und einmal mehr einen “neuen” Fotografen entdecken, den bisher kaum Jemand kannte. Eine Übersicht von ausgewählten Ausstellungen des “European Month of Photography – EMoP” finden Sie auf meiner Übersicht.

www.hausamkleistpark.deAuswahl von Berndts Fotos über Google

Archiv