Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: November 2012

This Is The End – Adele’s Skyfall

Das ist das Ende. Halte den Atem an und zähle bis zehn

This is the end/ Hold your breath and count to ten/ Feel the earth move and then/ Hear my heart burst again/ For this is the end [aus 'Skyfall']

"Skyfall am Beisheim-Center (Potsdamer Platz)", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

“Skyfall am Beisheim-Center (Potsdamer Platz)”, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Fünfzig Jahre nach dem ersten James Bond-Film “James Bond jagt Dr. No” läuft zur Zeit der 23. Bond-Film in den Kinos und jedes Mal gab es einen Titelsong: Shirley Bassey mit “Goldfinger” (1964), Tom Jones mit “Thunderball” (1965), Nancy Sinatra mit “You Only Live Twice” (1967), Shirley Bassey mit “Diamonds Are Forever” (1971), Paul McCartney & Wings mit “Live and Let Die” (1973), Sheena Easton mit “For Your Eyes Only” (1981), Tina Turner mit “Golden Eye”(1995), Madonna mit “Die Another Day” (2002), um nur die wichtigsten zu nennen.

Seit Wochen steht nun der Titel-Song des neuen James Bond-Films “Skyfall” auf den vorderen Plätzen der Charts. Den Film habe ich immer noch nicht gesehen, dafür liebe ich aber bereits den Song mit der “neuen” klassischen Bond-Melodie und Adele´s wundervoller Stimme.

Adele: “Skyfall”

Der Song erinnert an die früheren großen Bond-Songs der sechziger und siebziger Jahre; an Shirley Basseys “Goldfinger”, der zum Gradmesser aller Bond-Songs geworden ist, reicht er nahe heran. Er beginnt mit einem erbebenden Intro (ähnlich wie in Goldfinger) und einem zurückhaltenden Piano bis er sich langsam zum vollen Orchestersound erhöht. Ich glaube, der Song hat die Qualität, in die Geschichte der Film-Songs einzugehen.

Das “James Bond Theme”, das auch in “Skyfall” herauszuhören ist, wurde in vielen Bond-Filmen in immer wieder anderen Versionen verwendet. Dieses Ursprungsarrangement von John Barry ist nunmehr 50 Jahre alt und wurde zum akustischen Synonym für die Bond-Figur. Man schätzt, dass die Hälfte der Weltbevölkerung einen Bond gesehen und das praktisch alle davon diese Melodie kennen. Sollte jemand unter meinen Lesern das Theme wider Erwarten noch nicht kennen, hier ist es.

Oh Boy – A Day In The Life in Berlin

Alles Bio oder was? Ein urbanes Kammerspiel vom
Praktikanten des Regisseurs von ‘Good Bye, Lenin!‘

Bist ‘n einsamer Wolf wa! Ich weiß gar nicht, wovon die überhaupt reden! [Michael Gwisdek in "Oh Boy"]

Der Debütfilm “Oh Boy” von Jan Ole Gerster lässt uns einen “Day In The Life” von Niko, einem Endzwanziger in Berlin miterleben. Eine Paraderolle für Tom Schilling. Die Melancholie des Films, nicht nur wegen der schwarz-weißen-Bilder, deutet sich bereits im Titel an: Ein Zitat aus dem Beatles-Song „A Day In The Life“.

Niko ist wenig aktiv, sein Jurastudium hat er abgebrochen, aber ihm geschieht so einiges in der Metropole innerhalb von 24 Stunden: Der Geldautomat behält die Karte ein, der Vater streicht ihm die Unterstützung, der Nachbar wird mit den Hackfleischbällchen seiner Frau aufdringlich, Niko fällt beim Idiotentest durch, er muss vor den Controletties der BVG flüchten und es scheint in der ganzen Stadt keinen normalen Filterkaffee mehr zu geben – insbesondere nicht bei der schwäbelnden Bio-Latte-Macchiato-Verkäuferin.

"Oh Boy", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Oh Boy", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Das alles führt zu einem Stimmungsbild von Berlin, das ich bisher so fantastisch noch nicht im Film gesehen habe. Eigentlich ein Anti-Portrait, das sich wohltuend entfernt von dem aktuellen Hype um die Start-Up-Unternehmen und dem permanten “gut-drauf-sein”. Der Trailer gibt das nur unzureichend wieder; er zeigt mehr die komische Seite des Films. Die eigenwillige Filmsprache des Kameramanns zeigt in einer klassischen Ästhetik, erstaunlich für einen Debütfilm, die Straßen- und Menschenbilder der Metropole Berlin, in der man für wenig Geld in den Tag hineinleben und von “Projekten” und “Terminen” träumen kann.

Neben Tom Schilling spielt Berlin ebenso eine Hauptrolle. Die Frankfurter Rundschau schreibt in ihrem Fazit “Und noch einen Klassiker müssen wir nennen: Walter Ruttmanns “Berlin – Die Sinfonie der Großstadt” hat nun einen Nachfolger! Was wurde dieser Klassiker bei seiner Premiere 1927 nicht kritisiert, weil ihm angeblich die Menschen fehlten. Nun, hier sind sie. Etwas spät vielleicht. Aber es ist ja nie zu spät für ein Generationenporträt, das für ein Gefühl von heute in der Zeitlosigkeit die rechten Bilder findet.”

Jan-Ole Gerster hat als Produktionsassistent bei ‘Good Bye, Lenin!‘ von Wolfgang Becker angefangen, deshalb wollte er auch zuerst auf die Filmplakaten drucken lassen “Vom Praktikanten des Regisseurs von ‘Good Bye, Lenin!’” Übrigens: Zum Schluss des Films findet Niko in einem Krankenhaus einen Kaffeeautomaten, der die Taste “Schwarzer Kaffee” besitzt – irgendwie ein versöhnliches Ende und nicht nur deshalb ein sehenswerter Film.

Kennst du das, wenn man das Gefühl hat, dass die Menschen um einen herum irgendwie merkwürdig sind, aber wenn du länger darüber nachdenkst, wird dir klar, dass nicht die anderen, sondern dass du selbst das Problem bist
[Niko in "Oh Boy"]

Was die Löwengruppe im Tiergarten und der neue Flughafen in Schönefeld nicht gemeinsam haben

"Vorzeitiger Fertigstellungstermin", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Vorzeitiger Fertigstellungstermin", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Der Fertigstellungstermin des neuen Flughafens in Schönefeld ist in weite Ferne gerückt. Neuerdings spricht man davon, dass auch der Termin im Oktober 2013 nicht zu halten ist. Dagegen ist das Bezirksamt Mitte von Berlin von der schnellen Truppe. Kaum ist die “Löwengruppe” im Tiergarten in der Nähe des Brandenburger Tores im Oktober 2012 zur Restaurierung abtransportiert worden, wird sie im März 2012, also sieben Monate vorzeitig, fertig restauriert wieder aufgestellt.

Toll, was in Berlin so alles möglich ist. Gefunden auf dem sonntäglichen Herbstspaziergang im Tiergarten. Die “Löwengruppe” ist eine Bronzeplastik von Wilhelm Wolff und stellt eine von einem Pfeil getroffene Löwin dar, die sterbend am Boden liegt, flankiert von einem hochaufgerichteten zornigen männlichen Löwen und zwei Löwenjungen. Sie wurde im Jahr 1878 aufgestellt.

“9. November 1989 – Berlin, nun freue dich”

Das Zitat des Jahres 1989:
“Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich” …

… so Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros des ZK der SED, am 9. November 1989 auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Reiseregelung in Kraft trete. Und kurze Zeit später war ich am Grenzübergang Sonnenallee, um die endlose Trabbi-Karawane, die sich aus dem Ost-Sektor kommend die ganze Nacht Richtung Westen wälzte (und später auch wieder zurück) zu fotografieren. Am 12. November 1989 wurden die Betonelemente der Mauer am Potsdamer Platz entfernt und ein provisorischer Übergang geschaffen und zum 23. November 1989 erfolgte die Öffnung am Brandenburger Tor/ Pariser Platz. Auch diese beiden Ereignisse habe ich fotografisch festgehalten.

Aus dem Portfolio “9. November 1989 - Berlin nun freue dich”, Foto © Friedhelm Denkeler 1989/2009

Aus dem Portfolio “9. November 1989 - Berlin nun freue dich”, Foto © Friedhelm Denkeler 1989/2009

Das Portfolio “9. November 1989 – Berlin, nun freue dich” besteht aus 53 Photographien auf Fotopapier im Format 30×45 cm, im Passepartout 50×60. Alle Aufnahmen entstanden im November und Dezember 1989 in Berlin. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 84 Seiten im Format 27 x 20,5 cm erschienen. Portfolio und Buch wurden anlässlich der 20. Wiederkehr der Maueröffnung im Jahr 2009 neu zusammengestellt. Eine Auswahl der Fotografien finden Sie auf meiner Website unter “9. November 1989 – Berlin, nun freue dich“.

Berlin, nun freue dich! [Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Berlin, am 23.12.1989 anlässlich der Öffnung der Mauer am Brandenburger Tor]

Zeitlos schön – Some Like It Haute

100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino bei C/O.

Monat der Fotografie 2012 in Berlin (6)

"Vogue", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Vogue", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Auf den letzten Drücker, noch eine Empfehlung für den Besuch der Fotoausstellung “Zeitlos schön” im Rahmen des Monats der Fotografie in der Berliner C/O-Galerie im Postfuhramt. Die Ausstellung geht am Sonntag, den 4. November 2012 zu Ende.

Für diese Ausstellung hat der Condé Nast Verlag, der Magazine wie «Vogue» und “Vanity Fair” herausgibt, seine Archive in New York, Paris, London und Mailand geöffnet. Innerhalb von 50 Tagen hat die Fotoschau mehr als 35 000 Besuchern angezogen und ist damit eine der erfolgreichsten Ausstellungen im 12-jährigen Bestehen des privaten internationalen Fotografie-Forums in Berlin.

150 Vintage-Prints sowie originale Magazine, die noch nie zuvor präsentiert wurden – von seltenen Fotografien der Anfänge bis hin zu spektakulären zeitgenössischen Werken unter anderem von Edward Steichen, George Hoyningen-Huene, Erwin Blumenfeld, Irving Penn, Helmut Newton, Peter Lindbergh, Mario Testino, Cecil Beaton, Man Ray, Diane Arbus, Horst P. Horst, George Platt Lynes, Lee Miller, Sarah Moon, William Klein, Sarah Moon, Herb Ritts, Terry Richardson und Bruce Weber sind zu sehen.

“Ist Modefotografie Kunst oder ist sie es nicht? Vieles spricht dafür, dass sie es nicht ist: Es handelt sich in der Regel um Auftragsarbeiten, es geht darum, Kleider zu verkaufen, die Bilder werden unter kommerziellen Gesichtspunkten komponiert. Und doch, wenn man die mehr als 150 Modefotografien in der Ausstellung “Zeitlos schön” betrachtet, so hat man das Gefühl durch eine Kunstausstellung zu wandeln, eine soziologisch und historisch hochinteressante obendrein.” [rbb Kultur]

Eine Übersicht von ausgewählten Ausstellungen des “European Month of Photography – EMoP” finden Sie auf meiner Übersicht.

www.co-berlin.info