Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: September 2012

Free Pussy Riot

"Free Pussy Riot", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Free Pussy Riot", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit. [Friedrich Schiller]

Seit kurzem weht eine neue Fahne auf dem Dach des Berliner Ensembles. Drei Musikerinnen der russischen Punkband “Pussy Riot” und das nun leicht abgewandelte Zitat von Schiller “Die Kunst ist die Tochter der Freiheit” sind zu sehen – aber nur wenn der Wind günstig weht. Das Berliner Ensemble unter Intendant Claus Peymann ergreift damit Partei für die drei zurzeit inhaftierten Aktivistinnen. Anfang des Jahres “sprachen” sie in der Hauptkirche der Russisch-Orthodoxen, der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ein “Gebet” gegen den Patriarchen, der zur Wahl von Putin aufgerufen hatte und gegen Präsident Putin selbst. Sie wurden wegen “Rowdytums” und “Anstiftung zu religiösem Hass” zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt wurden. “Mit ihrer Überreaktion stellen sich die russisch-orthodoxe Kirche und der russische Staat, beide eng miteinander verzahnt, außerhalb der Standards europäischer Kulturtraditionen”, erklärte Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste. Am 26. September 2012 wurde nun ein Gesetz in das russische Parlament eingebracht, das Gotteslästerung mit drei Jahren Haft bestrafen soll.

Anarchie der Bilder oder: Formal reduzierte Realität

Die subtile Wirkungsmacht des Visuellen: Jörg Sasse mit “Common Places” und “Speicher II” in der C/O-Galerie in Berlin bis zum 28. Oktober 2012.
Monat der Fotografie 2012 in Berlin (3)

Was mich interessiert, ist der Punkt, an dem man meint, etwas erkannt zu haben, das sich im nächsten Moment jedoch wieder entzieht.” [Jörg Sasse]
"Wanddetail im Postfuhramt", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Wanddetail im Postfuhramt", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Zum Ende des Besuchs der Ausstellung im Postfuhramt gab es noch eine Überraschung: Meine fachkundige Begleitung, mit geschultem Blick und gedanklich wohl noch in den Roman “8½ Millionen” von Tom McCarthy versunken, entdeckte auf einer Fotografie die abblätternde Farbe von einer Wand, ging einige Meter zurück, zeigte auf genau eine Stelle im Ausstellungsraum, die dieselbe Struktur und Farbe aufwies, lief wieder zu dem Foto zurück und während im Roman der Riss in einer Wand eine wahre Lawine an Ereignissen auslöst, war es hier die Freude über eine Entdeckung, denn exakt diese Stelle hat Sasse 2012 fotografiert und in Block 8, “P-12-02-01, Berlin” mit ausgestellt.

Da das Fotografieren der Fotos in der Ausstellung verboten ist, habe ich genau diese Stelle an der Wand fotografiert, aber das entsprechende Foto sollten Sie nun selber in der sehenswerten Ausstellung finden.

110 Fotos von Gemeinplätzen (“Commonplaces”) wie Trophäen, Heizkörpern, Waschbecken, Treppenabsätzen, Polstersofas, Lamellenvorhängen, Topflappen, Plastiktieren, Küchenradios, Stoffen in schrillen Mustern hat Jörg Sasse zu zehn Blöcken, zu gemeinsamen Orten (= Common Places) zusammengefügt. Die Bilder sind streng seriell, wie wir es auch von vielen anderen Becher-Schülern kennen und sie passen ausgezeichnet in die ehemalige Bibliothek des Postfuhramtes, die zu DDR-Zeiten als Basketballhalle genutzt wurde und mit den abgetretenen Spielfeldmarkierungen einen maroden Charme hat.

C/O schreibt zu Sasses Arbeiten: “Die Bilder der Blöcke geben eine ästhetisch perfekte, formal reduzierte Realität wieder, die aber leichte Brüche aufweist. Bei genauerem Hinsehen entstehen Irritationen, die auf Widersprüchen zwischen Alltagserfahrung und -wahrnehmung basieren. Die Objekte und Situationen wirken in den Abbildungen fremd und gleichzeitig vertraut. Die kompositorische Stringenz und Abstraktion sowie flächig-hypnotische Farbigkeit verstärken diesen Effekt zusätzlich. So verhandeln die Abweichungen von der Realität Aspekte von Malerei, loten Farben aus und setzen Formen neu zusammen. Die Ausschnitte sind teils so gewählt, dass sie entweder verschleiern oder fokussieren.”

Jörg Sasse ist ein Sammler, das merkt man insbesondere an seiner Arbeit “Speicher II”, die aus 512 gerahmten Bildern besteht, die man sich, mit Hilfe einer Aufsichtsperson, zu einer eigenen, persönlichen Ausstellung zusammenstellen und aufhängen lassen kann. Der “Speicher” selbst ist eine drei-dimensionale Skulptur, zugleich Archiv und Datenbank von Fotos, die der Künstler als Amateurfotografien aus dem Ruhrgebiet aus den letzten 60 Jahren gesammelt hat. Die Bilder wurden in 56 Kategorien zusammengefasst und jedes Bild mit mindestens drei Schlagworten versehen, wie Freizeit, Wasser, Porträts, Industrie, Handel, Abstraktes, usw. Der Speicher stellt die Frage nach dem Umgang mit dem Archiv: Das Sichtbare ist immer nur ein Teil des Vorhandenen, dem Zufall und dem subjektiven Geschmack unterworfen.

Der 1962 in Bad Salzuflen geborene und seit 2006 in Berlin lebende Jörg Sasse, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 1987 Meisterschüler bei Bernd Becher war. Er arbeitete als Professor für Dokumentarfotografie an der Universität Duisburg-Essen/ Folkwang Hochschule. 2005 wurde er für den Deutsche Börse Photography Prize nominiert. Seine Werke wurden u.a. im Musée de Grenoble, in der Kunsthalle Zürich, im ZMK Karlsruhe, im Musée d’Art Moderne, in der Kunsthalle Hamburg und in der Photographers’ Gallery London ausgestellt.

Tatsächlich gefällt mir der Begriff “Anarchie“ im Bezug auf Bilder, nicht im Bezug auf das Tun eines Künstlers. Ich habe an anderer Stelle gesagt, dass es eine “Anarchie der Bilder“ gibt, eine Herrschaftslosigkeit, unorganisiert halt, die ich für das wesentliche Potential halte. Was aber sind die Bilder selbst, wie sehen sie aus, wenn wir uns vom „denkenden Sehen“ lösen und ein sehendes Sehen zulassen? [Jörg Sasse]

Eine Übersicht von ausgewählten Ausstellungen des “European Month of Photography – EMoP” finden Sie auf meiner Übersicht.

Der Kirschgarten als Sehnsuchtsort der Jugend …

… oder als Metapher für unsere Zeit, in der
ganze Staaten über ihre Verhältnisse leben?

Ohne den Kirschgarten würde ich mein eigenes Leben nicht mehr verstehen
[Die Ranjewskaja im Kirschgarten]

Der Sommer ist vorbei, die Kirschen sind abgeerntet, aber letzte Woche am Berliner-Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm “blühte” beides als Tragikomödie noch einmal auf dem Gut der Ranewskaja auf: “Der Kirschgarten” von Anton Tschechow mit Cornelia Froboess und Jürgen Holtz, in der Fassung von Thomas Brasch und unter der Regie von Thomas Langhoff. Der Kirschgarten wirft keine Ernte mehr ab, er steht nur noch für das Schöne, das am Ende abgeholzt wird.

"Der Kirschgarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Der Kirschgarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Das Stück spielt um 1900 auf einem russischen Landgut mit einem schönen alten Kirschgarten. Anja, die Tochter der Gutsbesitzerin Ranjewskaja, holt ihre Mutter aus Paris zurück, weil das Anwesen hoch verschuldet ist und versteigert werden muss. Rettung kommt vom Kaufmann Lopachin, dem ehemaligen Leibeigenen der Familie. Er will allerdings den Kirschgarten abholzen lassen und Datschen darauf bauen, die er an Sommergäste vermieten will. Die Ranjewskaja (Cornelia Froboess) glaubt an die Verschonung ihres voller Kindheitserinnerungen steckenden Kirschgartens und hofft, mit dem Kirschgarten nach ihren Pariser Jahren dort wieder eine Heimat zu finden.

Lion Feuchtwanger schrieb über das Stück: “Aber dieses handlungsarme Stück ist das Reichste und Reifste, Süßeste und Bitterste, Weiseste, was Tschechow je geschrieben. Diese Tragikomödie ist ganz einsam, es geht ein Lächeln durch sie, mild, sehnsüchtig und dennoch voll Hohn.” Von alledem ist leider in Thomas Langhoffs Inszenierung wenig zu spüren. Dazu trägt auch das karge Bühnenbild bei: Neon-Ringleuchten an der Decke und seitliche, von innen beleuchtete, bewegliche Bühnenbegrenzung und schäbige Sitzmöbel passen nicht zum Gutshaus. Der blühende Kirschgarten ist nur auf meinem Foto zu sehen.

Das Drama passt in unsere Zeit, in der ganze Staaten über ihre Verhältnisse leben und in den Bankrott rutschen. Nicht umsonst wird es zurzeit auf zahlreichen Bühnen gespielt. Das Geld ist weg, die Staaten sind hoch verschuldet, aber man will davon nichts wahrhaben. Für den Diener Firs ist die “neue Freiheit ein Unglück”; gut, das könnte ein Hinweis auf die Wiedervereinigung sein, aber eigentlich sind diese Aspekte für Langhoff nicht von Interesse. Als Zuschauer musste man sich diese Andeutungen selbst zusammendenken.

Liegt es an der Bearbeitung des Stückes durch Thomas Brasch, an Langhoffs Inszenierung oder an den Schauspielern, dass das Stück seltsam “blutleer” in Erinnerung bleibt und uns die Figuren nicht allzu nahe gingen? Warum man zum Beispiel Cornelia Froboess für die Hauptrolle verpflichtet hat, hat sich mir nicht erschlossen: Sie füllt die zentrale Figur der Gutsbesitzerin nur unvollkommen aus. Wer einmal die Inszenierung von Peter Stein an der Berliner Schaubühne gesehen hat, wird ohnehin alle weiteren Inszenierungen daran messen und sie alle werden es schwer haben.

Zwei Schauspieler kann man aber herausstellen: Jürgen Holtz, der den stummen Diener Firs verkörpert und Robert Gallinowski in seiner Rolle als Unternehmer Lopachin. Nach dem Aufbruch der ehemaligen Gutsbewohner bleibt der greise Diener Firs allein und vergessen im Haus zurück und Lopachin ist nicht nur der gefühllose Geschäftemacher, sondern traurig über die Tragik des Lebens, die den einen nach oben zieht, den anderen zu Boden wirft.

Den gesamten Text des Drames finden Sie übrigens im Projekt Gutenberg.

Vom Businessmann, über eine Bettlerin zum Akkordeonspieler

Rätselhaft, surreal, fantastisch – Der neue Film von Leos Carax: “Holy Motors” lässt an Wim Wenders und Eugène Atget denken

Celine, wir müssen unbedingt noch lachen vor Mitternacht. – Wir werden es versuchen, Monsieur Oscar. – Wer kann schon sagen, ob wir mal im Jenseits lachen? [Filmzitat]

Auf meinem Foto fährt eine schwarze Stretch-Limousine über den Pariser Platz in Berlin; in Leos Carax aktuellem Film “Holy Motors” ist es eine weiße Stretch-Limousine, die einen ganzen Tag lang kreuz und quer durch Paris fährt. Carax, der mit seinem wunderbaren Drama “Die Liebenden von Pont-Neuf” 1991 für Furore sorgte, hat einen eher kleinen Film gedreht, mit dem er all die Realität liebenden Zuschauer alleine lässt. Für die Anderen aber schafft er eine rätselhafte, noch lange nachwirkende Verzauberung. Ein Film, der anstatt mit Worten fast nur mit Bildern kommuniziert – jeder muss sich selber einen Reim darauf machen.

"Stretch-Limousine auf dem Pariser Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Stretch-Limousine auf dem Pariser Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Denis Lavant schlüpft in “Holy Motors” als Monsieur Oscar in elf mysteriöse, surreale Rollen, in denen er jeweils einen “Auftrag” erledigen muss: Seine erste Rolle, ist die eines Bankiers, der morgens auf dem Weg zur Arbeit seine Kinder verabschiedet. Dann steigt er in die Limousine und seine Chauffeurin Celine (Edith Scob) hat in einer Mappe bereits seinen nächsten Auftrag vorbereitet: Er muss eine blinde Bettlerin auf der Pont-Neuf spielen. Zu spielen wäre aber zu einfach gesagt, Oscar ist jeweils die ihm zugeteilte Rolle. Irgendwann einmal erinnert der Film auch an Wim Wenders’ “Der Himmel über Berlin”.

Zwischen seinen verschiedenen Identitäten nutzt Oscar die fahrende Limousine, die mit Masken, Perücken und Schminktischen ausgestattet ist, als Arbeitsplatz, um sich auf kommende Rollen vorzubereiten. Er macht genau das, was Schauspieler, seit es sie gibt, machen: Das Leben imitieren.

In der verrücktesten Szene tobt Oscar als haariges Schreckgespenst über den berühmten Pariser Friedhof Père-Lachaise: Er reißt Blumen von den Gräbern, auf denen “Visit my website” steht, beobachtet ein Mode-Shooting und entführt das Model (Eva Mendes) in die Unterwelt, in die Kanalisation.

Alle Szenen Oscars will ich hier nicht verraten, aber die zwei schönsten möchte ich noch erwähnen: Da ist zum einen die Szene in der Oscar einen Akkordeonspieler darstellt. Er zieht durch das alte Paris und immer mehr Akkordeonspieler gesellen sich dazu. Unwillkürlich erinnern mich die Häuser und Plätze an “Das alte Paris” von Eugène Atget.

Ähnliche Gefühle stellen sich ein, wenn Denis Lavant, gemeinsam mit seiner ehemaligen Geliebten (Kylie Minogue) durch das alte, leergeräumte Kaufhaus Samritaine wandert und Kylie ihm das zu Tränen rührende, tröstende Lied “Who Were We?” singt. Welcher Film kann in diesem Jahr mit der puren Lust am Erzählen “Holy Motors” das Wasser reichen?

Auch Michel Piccoli hat als Mann mit dem Muttermal einen Gastauftritt: Er scheint der Vertreter jener geheimnisvollen Organisation zu sein, die die “Aufträge” vergibt und er sorgt sich um die Gesundheit von Oscar. In der Schlussszene fahren nach getanerer Arbeit, pünktlich um Mitternacht alle Stretch-Limousinen der Stadt in eine gemeinsame Garage, über der die Leuchtschrift “Holy Motors” flackert und tatsächlich: die Limousinen palavern per Blinkzeichen miteinander – und sie beten. Amen.

Der Film ist eine Hommage an die Filmkunst auf höchstem Niveau, ein Verweis auf den Reichtum der Filmgeschichte. Eine letzte Episode: Als Oscar in der Rolle eines Vaters seine halbwüchsige Tochter von einer Party abholt, erzählt sie ihm nicht die Wahrheit; er wird sie bestrafen müssen. Und diese Strafe scheint auch das Motto des ganzen Films zu sein:

Die Strafe besteht darin, Du selbst zu sein und damit leben zu müssen. [Filmzitat]

Film-TrailerFilm-WebsiteSoundtrack,

Die total verrückte Umzugskiste des Paul McCarthy

In “The Box” wird die Schwerkraft in der Neuen
Nationalgalerie Berlin auf den Kopf gestellt

Die Neue Nationalgalerie präsentiert sich in der oberen Halle in unerwarteter Leere: Neben den festen Holzeinbauten, die zum Untergeschoss führen, steht in der gläsernen Halle nur eine riesengroße Holzkiste. Erst wenn man um die Kiste herum geht, kann man durch ein “Fenster” den Inhalt der Box sehen: Er besteht aus dem realen kompletten Arbeitszimmer von Paul McCarthy, so wie er es 1999 ausgeräumt hat.

Der Transportbehälter wurde allerdings nicht “normal” aufgestellt, sondern, nachdem McCarthy alle Gegenstände und das Interieur seines Ateliers auf dem “Boden” des Containers fest verschraubt hatte, um 90 Grad gekippt aufgestellt. So “hängen” jetzt alle, ursprünglich auf dem Boden stehenden, Gegenstände an einer Wand des Behälters, die Deckenlampen an der gegenüberliegenden Wand und die Fenster, durch die man nun einen Blick auf die Stahlträger der Nationalgalerie werfen kann, befinden sich an der Decke des Containers.

"Paul McCarthys 'The Box' in der Neuen Nationalgalerie", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Paul McCarthys 'The Box' in der Neuen Nationalgalerie", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Paul McCarthy hat den gesamten Inhalt seines Ateliers – Tische, Geräte, Werkzeuge, Videoschnittpulte, Kisten, Bücher, Fotos, Bilder, Bleistifte – fotografiert und etikettiert. Nahezu dreitausend Gegenstände aus drei Jahrzehnten künstlerischen Schaffens kamen zusammen und wurden in denselben Maßen wieder neu zusammengebaut.

Der Blick ins Innere der Box irritiert. Die jetzt seitlich angebrachten Neon-Deckenlampen könnte man für eine Lichtskulptur von Dan Flavin halten und der Lüftungsschacht der ehemaligen Atelierdecke wirkt an der Wand wie eine minimalistische Skulptur. Die Atelierausstattung an der anderen Wand hingegen erscheint wie ein dreidimensionales Raumbild.

"Blick in Paul McCarthys 'The Box' in der Neuen Nationalgalerie", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Blick in Paul McCarthys 'The Box'", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Atelierdarstellungen hat es in der Kunstgeschichte schon mehrfach gegeben: Dürer, Menzel und Courbet haben dies getan und nun reiht sich auch der 1945 in Salt Lake City geborene McCarthy ein. “The Box” ist nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder zu sehen, solange ruhte sie in den Archiven der Neuen Nationalgalerie. Der Sammlung nach gehört sie zu den Dauerleihgaben der “Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof”. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. November 2012 im Kulturforum am Potsdamer Platz zu sehen.

Ein Denkzeichen für Georg Elser in der Wilhelmstraße

"Denkzeichen Georg Elser in der Wilhelmstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Denkzeichen Georg Elser in der Wilhelmstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

In den Straßen von Berlin (10)

(…) dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. [Georg Elser im Gestapo-Verhör am 21. November 1939]

Am 8. November 1939 versuchte Georg Elser mit einer selbstgebauten Bombe Hitler, Göring und Goebbels im Bürgerbräukeller in München zu töten. Da sie den Versammlungssaal früher als geplant verließen, verfehlte sie die Explosion. Nach jahrelanger Haft wurde Georg Elser 1945 im Konzentrationslager Dachau umgebracht. Seit einem Jahr erinnert nun ein Denkzeichen des Bildhauers Ulrich Klages über den Baumkronen in der Wilhelmstraße/ Ecke An der Kolonnade an Georg Elser.

Hier stand im ehemaligen Regierungsviertel bis zum Kriegsende Hitlers Neue Reichskanzlei. Die 17 Meter hohe Silhouette aus Stahl, die das Profil von Georg Elser aufweist, ist auch in der Nacht gut zu sehen; sie leuchtet beidseitig in der Dunkelheit. Die beiden Zitate sind als Leuchtstreifen in den Gehweg auf beiden Seiten der Straße in den Bürgersteig eingelassen. Der Wettbewerb um ein Denkmal für Georg Elser ging vom Schriftsteller Rolf Hochhuth aus. Georg Elser wird nun, 70 Jahre nach seinem Versuch Adolf Hitler zu töten, mit diesem Denkzeichen geehrt.

Ich habe den Krieg verhindern wollen. [Georg Elser, Ende November 1939]

Die Fett-Feuerwehr kommt!

Die Fett-Feuerwehr am Potsdamer Platz, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Die Fett-Feuerwehr am Potsdamer Platz, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Am Potsdamer Platz ist immer viel los: Neulich rammte ein fallendes Auto den Platz (siehe hier) und heute musste die Fett-Feuerwehr anrücken. Die Adresse sollte man sich für den Notfall unbedingt merken.

Archiv