Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Impressionen von der dOCUMENTA 13 in Kassel (8)

Ebenfalls im Nordflügel des Kulturbahnhofs ist eine der eindrucksvollsten Inszenierungen des südafrikanischen Künstlers William Kentridge, der 2006 auch im Berliner Guggenheim mit der Black Box eine Einzelausstellung hatte, zu sehen. Mein Foto gibt nur einen unzureichenden Eindruck der fantastischen Multimedia-Installation „The Refusal of Time“, in der eine pneumatische Pumpuhr arbeitet, wieder.

"Documenta 13: Großes Zeittheater von William Kentridge", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Documenta 13: Großes Zeittheater von William Kentridge“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

„Das große Zeittheater“, wie Kentridges grandiose Installation auch heißen könnte, handelt von der Entwicklung verschiedener Verfahren zur Normierung der Zeit im Industrie-Zeitalter. Es tauchen viele aus seinen Werken vertraute Motive wieder auf: Pneumatische Uhren, weitere mechanische Gerätschaften, Zylindermegafone, die von riesigen projizierten Metronomen und Filmen begleitet werden. Unbeschreibliche 28 Minuten eines Gesamtkunstwerks.

"Documenta 13: Pneumatische Uhr von William Kentridge", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Documenta 13: Pneumatische Uhr von William Kentridge“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Weiter geht es in die angrenzende Halle, die ehemals von Güterzügen befahren wurde. Nebenan ist, getrennt durch einen Maschendrahtzaun, ein scheinbar noch aktiver Paketumschlagsplatz. Unmittelbar über den nicht mehr genutzten Gleisen hängen die schwarzen Jalousien der in Berlin lebenden Koreanerin Haegue Yang. Ihre Installation fügt sich perfekt in die Halle ein: „Approaching: Choreography Engineered in Never Past Tense“ verweist auf die Geschichte der Schwer- und Rüstungsindustrie in Kassel (siehe Foto).

"Documenta 13: Die Jalousien-Skulptur von Haegue Yang", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Documenta 13: Die Jalousien-Skulptur von Haegue Yang“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Alle motorisierten Aluminium-Jalousien werden computerunterstützt gesteuert. Nach einer geisterhaften Choreographie schließen und öffnen sich die beweglichen Lamellen, fahren herauf und hinunter. Sie halten in immer wieder neuen Formationen an und stehen für eine Weile still; jedes Mal entsteht dadurch eine neue Skulptur. In vergrößertem Maßstab erinnert dies auch eine Modell-Eisenbahnanlage, auf der die Züge immer einmal wieder fahren und anhalten. Sehenswert.

Morgen geht es dann um die Werke in der Karlsaue.