Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Juni 2012

Der Architekt des Lichts und des Minimalismus

Die Lichtinstallationen von Dan Flavin im Hamburger Bahnhof

Der Hamburger Bahnhof beherbergt seit 1996 das “Museum für Gegenwart” der “Nationalgalerie” in Berlin. Es werden dort Hauptwerke der Nationalgalerie, der Sammlung Marx und der Friedrich Christian Flick Collection gezeigt. Wenn man den dreiflügligen Ehrenhof betritt, fällt als erstes die Lichtinstallation von Dan Flavin an der historischen Fassade des ehemaligen Bahnhofs auf. Sie besteht aus 120 blauen und grünen fluoreszierenden Leuchtstoffröhren. Es ist das letzte ortsgebundene, zu Lebzeiten des Künstlers, ausgeführte Werk.

"Dan Flavin im Hamburger Bahnhof", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Dan Flavin im Hamburger Bahnhof", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Auf besonderen Wunsch des Künstlers ist diese Lichtinstallation rund um die Uhr im Betrieb. Den blaugrünen Gruß vom nächtlichen Hamburger Bahnhof kennen die Fahrgäste auf der nahe gelegenen Stadtbahnstrecke.

Jetzt wurden im Ostflügel des Museums die Werke des US-Amerikanischen Künstlers Dan Flavin (1933-1996) aus den Sammlungen des Museums zusammengeführt. Flavin begann 1961 mit Licht als künstlerischem Material zu arbeiten und nutzte hauptsächlich industriell gefertigte Neonröhren für die Installationen.

Seine Werke konstruierte er eng angepasst an die Raumstrukturen, Ecken und Gesimse der jeweiligen Standorte. Die Licht-Objekte spiegeln sich in der Deckenverkleidung und in den Fenstern. Stimmungsräume entstehen, die den Besucher mit einbeziehen: Die Farben “färben” auf die Betrachter ab. Für Fotografen haben diese Arbeiten eine hohe Anziehungskraft.

Flavin nahm an der “documenta” 1968 und 1977 in Kassel teil. Seine Werke “verlöschen” zwar, wenn die Lampen ihren Geist aufgeben – nach ca. 2000 Stunden. Das mag auf die einzelne Leuchtstoffröhre zutreffen, die man aber stets austauschen kann (zumindest solange es sie noch zu kaufen gibt!). Als Kunstwerke des Minimalismus aber sind seine Arbeiten von Dauer. Sie sind im besten Sinne zeitlos.

Seit beinahe 100 Jahren nutzen Künstler das immaterielle Medium “Licht” in Form von Glühbirnen, Neonröhren und Scheinwerfern. Dan Flavin lässt das Publikum Räume durch den Einsatz maschinell produzierter Neonröhren anders wahrnehmen. Anthony McCall hingegen formt mit Licht Skulpturen; seine Lichtprojektionen sind gleichzeitig in der Historischen Halle im Hamburger Bahnhof zu sehen (siehe “Die Lichtdome vom Hamburger Bahnhof“). Dan Flavin’s Werke finden Sie in dieser PDF-Datei der Universität Heidelberg.

Oh, bitte bleib bei mir, Diana!

“Diana” von Paul Anka gehört zu den zehn meist verkauften Singles aller Zeiten

I’m so young and you’re so old/ This, my darling, I’ve been told/ I don’t care just what they say/ ‘Cause forever I will pray/ Oh, please stay by me, Diana

Das kann einem wahrscheinlich nur in Amerika passieren – wenn man in die Babysitterin seiner Schwester verliebt ist: Paul Albert Anka (*1941, Ottawa) schreibt mit 16 Jahren ein schlichtes Liebeslied und wird zum mehrfachen Millionär. Bereits seit 55 Jahren verzaubert “Diana”, der Paul Anka-Klassiker schlechthin, die Zuhörer. Herausgesucht habe ich ein Video in schwarz-weiß, das einzige, das ich im Netz gefunden habe.

Paul Anka: “Diana”

Anka ist ein Multitalent: Er schrieb nicht nur “Diana”, sondern komponierte für viele andere Künstler, wie Tom Jones (“She’s a Lady”), Frank Sinatra (“My Way”), Buddy Holly (“It Doesn’t Matter Anymore”) und Michael Jackson (This Is It). Insgesamt über achthundert Songs entstanden während seiner Karriere. Nebenbei war er auch als Schauspieler tätig und wirkte unter anderem in dem Film “Der längste Tag” mit.

"Am Möhnesee", Archiv © Friedhelm Denkeler 1950

“Am Möhnesee”, Archiv © Friedhelm Denkeler 1950

Es gibt zahlreiche Popsongs über eine unerfüllte Liebe, aber “Diana” kann man als Vorlage für all diese Songs betrachten. Paul war im Alter von 15 Jahren in die drei Jahre ältere Diana Ayoub verliebt, aber sie wollte von dem Jungen nichts wissen. Und er war zu schüchtern, ihr seinen neuen Song vorzuspielen.

Aber ein Jahr später, nach der Veröffentlichung von “Diana”, wollte alle Welt wissen, wer Diana sei. Die Presse fand es natürlich heraus und ein gewaltiger Rummel um Diana brach los. Michael Jackson griff das Thema der unerwiderten Liebe später in seinem Song “Dirty Diana” dann wieder auf.

Als 16-Jähriger reiste Paul Anka mit seinen Eltern nach New York, wo sie eine kleine Bar eröffneten. Von 1963 bis 2000 war er mit der Libanesin Anne DeZogheb und seit 2008 ist er mit der Schwedin Anna Aberg verheiratet. Die Familie lebt auf einer Ranch nahe Monterey und in Las Vegas, wo er als Entertainer auftritt. Regelmäßig erscheinen neue Alben von ihm.

Die Zusammenarbeit mit Frank Sinatra wurde besonders fruchtbar: Anka komponierte 1969 für ihn den Titel “My Way”, der zum Welterfolg wurde und der heute zu den zentralen Stücken der amerikanischen Unterhaltungsmusik zählt. Weitere bekannte Songs, die Anka gesungen hat sind: Lonely Boy, 1959, Put Your Head on My Shoulder, 1959, Zwei Mädchen aus Germany (in deutsch!), 1964.

Wann ich den Song das erste Mal im Radio hörte, ist nicht überliefert. Aber 1959 brachten mir meine Nachbarn aus dem Urlaub eine “Tönende Ansichtskarte” mit – sie enthielt den Song “Diana” von Paul Anka. Diese sogenannten Schallbildkarten waren in den 1950er- und 1960er-Jahren beliebt. Man konnte sie wie eine normale 45er-Schallplatte abspielen. Leider befindet sich diese “Karte” nicht mehr in meinem “Rockarchiv”. Schade! Auch welches Foto aufgedruckt war, ist nicht mehr rekonstruierbar. Ooooh please staaaay by meee, Diaaaana…

John Cage als bildender Künstler und die Aufbrüche der Malerei in den realen Raum in der Akademie der Künste

1 “John Cage und … Bildender Künstler – Einflüsse, Anregungen”

John Cage (1912-1992) war bisher als Komponist, Musiker, Philosoph und Literat bekannt, seine Werke als bildender Künstler und insbesondere sein Einfluss auf die Kunst hingegen weniger. Dies will die aktuelle Ausstellung, die Cages visuelles Werk mit der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft, korrigieren.

"Akademie der Künste", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Akademie der Künste", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Anlässlich des 100. Geburtstags von Cage zeigt die Akademie der Künste am Hanseatenweg ein ganzes Jahr über eine Reihe ausgezeichneter Ausstellungen.

Aktuell sind Klanginstallationen, Zeichnungen, Notationen, Foto- und Filmdokumente – von John Cage selbst, von Zeitgenossen und Freunden, darunter Richard Buckminster Fuller, Marcel Duchamp, Robert Rauschenberg, Nam June Paik und Mark Tobey.

Erstmals zeigt die Schau mit Werken von Paul Klee, László Moholy-Nagy und Anni und Josef Albers die Verbindung zwischen Cages bildkünstlerischer Entwicklung und den Aufbrüchen der klassischen Moderne, die man so noch nie beisammen sah.

Ob alle diese Werke essenziell etwas mit Cage zu tun haben, sei dahingestellt, aber es macht Freude die Ausstellung zu sehen; und Cage Denk- und Arbeitsweise wird ein Stück sichtbarer.

“Der gebürtige Kalifornier behauptete, es geschähe immer etwas, das Klänge erzeuge. Und aus Klängen bestehen auch alle seine Blätter: grafische Arbeiten an der Grenze zwischen Partitur und Bildkunst: Rhythmisch gesetzte Striche, Noten, die wie Kalligrafien aussehen, Linien, die zu kringelnden, tanzenden, sich verknotenden oder sturmartig über den Karton wirbelnden Chiffren werden.” [DIE ZEIT]

In der Ausstellung kann man einen Klangraum betreten, den John Cage bereits 1987 auf der Documenta vorgestellt hat. Hier liegen 300 Schallplatten von Rock mit bis Klassik aus. Auf fünf Schallplattenspielern können zeitgleich die Besucher “ihre” Musik abspielen und dem so entstandenen Konzert lauschen.

2 “Aufbruch. Malerei und realer Raum”

Mit der zweiten Ausstellung will die Akademie anhand von 100 Arbeiten aufzeigen, was seit der Mitte des 20. Jahrhunderts unternommen wurde, um die Flächigkeit, den Rahmen und das alte Spiel von Vorder- und Hintergrund zu überwinden: Günther Uecker schlägt Nägel in die Leinwand, Gotthard Graubner wattiert Leinwände zu Kissenbildern, Lucio Fontana durchstieß die Leinwand mit einem Locheisen und Frank Stellas Bilder verlieren das Rechteck und wachsen in den Raum.

Die Gemeinsamkeit aller Arbeiten der europäischen und nordamerikanischen Künstler: Der Blick des Besuchers geht nicht mehr ins Bild, sondern aus dem Bild heraus zum realen Raum. Das Tafelbild besitzt eine fiktive Räumlichkeit, es vermittelt eine Raumillusion; Skulpturen dagegen werden aufgrund ihrer Dreidimensionalität als tatsächliche Faktoren im realen Raum wahrgenommen.

Beide Ausstellungen sind in der Akademie der Künste, im Hansaviertel am Hanseatenweg 10, 10557 Berlin zu sehen: John Cage nur noch bis zum 17. Juni 2012, Aufbruch bis zum 1. Juli 2012. www.adk.de

Roman Ondák: “Do Not Walk Outside This Area”

Unter den Linden verschwindet die Kunst in den Wolken –
Deutsche Guggenheim vor dem Rückzug

Die Deutsche Bank und das New Yorker Guggenheim schließen den Ausstellungsort Unter den Linden in Berlin zum Jahresende – nach 15 Jahren erfolgreicher Ausstellungsgeschichte. Über einige der Ausstellungen der letzten zwei Jahre habe ich hier im Journal berichtet (siehe hier und hier).

Für die Kunstinteressierten ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar: Die Bank verliert mit dem Deutschen Guggenheim ein Alleinstellungsmerkmal und die Linden verlieren ihre wichtigste Kunstadresse. Die Bank will in den Räumlichkeiten weg von Kunst, hin zu “Wirtschaft und Politik”. Aber diese “Dialoge mit der Wirtschaft” haben wir in Berlin zur Genüge, in unmittelbarer Nachbarschaft alleine Bertelsmann, Allianz und die DG-Bank.

Das Deutsche Guggenheim in Berlin hat seit 1997 insgesamt 16 Auftrags-Arbeiten an zeitgenössische Künstler vergeben. Jeff Koons (2000), Bill Viola (2002), Gerhard Richter (2002), John Baldessari (2004), Jeff Wall (2007), Agathe Snow und in diesem Jahr Roman Ondák. Einen Künstler des Jahres soll es aber weiterhin geben und er soll auch eine Ausstellung erhalten. Roman Ondák zeigt aktuell seine eigens für den Ausstellungsraum konzipierte Arbeit.

"Do Not Walk Outside This Area", aus "Horizonte", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Do Not Walk Outside This Area", aus "Horizonte", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Mit seinen Installationen, Performances und Zeichnungen untersucht Ondák die Grenzen zwischen Kunst und alltäglichem Leben. Das beginnt gleich am Beginn der Ausstellung: Das erste Werk, das man erblickt, ist das rote Besetzt-Zeichen einer altmodischen Türklinke. Das Gegenstück ist auf der Rückseite der Ausstellungswand zu finden (“Wall Being a Door”).

Der Mittelpunkt der Ausstellung ist jedoch der Tragflügel einer Boing 737 über den man balancieren kann. Und endlich kann man auch den Warnhinweis lesen, den man aus dem Kabinenfenster bisher nicht so richtig zuordnen konnte: “Do Not Walk Outside This Area”. Für die spektakulärste Arbeit dieser Ausstellung ließ Ondák in Holland den riesigen Flügel einer Original-Boeing 737-500 absägen und ihn passgenau in einen Raum der Ausstellungshalle in Berlin einfügen. Wenn man über den Flügel vom ersten in den zweiten Raum geklettert ist, ist die Ausstellung auch schon zu Ende. Ein Zurückgehen ist nicht erlaubt.

Wer kommt eigentlich auf die Idee in 20 000 Fuß Flughöhe auf dem Flügel herumzuwandern? Und was genau macht das “outside” der schwarzen Linie so verboten? Und noch etwas ist verboten – nämlich das Fotografieren in den Ausstellungsräumen, übrigens zum ersten Mal im Deutschen Guggenheim. Deshalb habe ich ein Foto aus meinem Fundus zum Thema Fliegen herausgesucht. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Juni 2012.

www.deutsche-guggenheim.de

Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten

"Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage", Foto © Friedhelm Denkeler, 2003

"Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage", Foto © Friedhelm Denkeler, 2003

Franz Beckenbauer: “Es gibt nur eine Möglichkeit:
Sieg, Unentschieden oder Niederlage!”

  • Rudi Völler: “Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!”
  • Heribert Faßbender: “Es steht im Augenblick 0:0. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können.”
  • Horst Hrubesch: “Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!” (schildert die Entstehung eines seiner Tore)
  • Andy Möller: “Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!”
  • Lothar Matthäus: “Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt.”
  • Marco Rehmer: “Wir sind hierher gefahren und haben gesagt: Okay, wenn wir verlieren, fahren wir wieder nach Hause.”

Have You Ever Seen The Rain?

Ein wunderschöner, melancholischer Song aus dem Jahr 1971

Someone told me long ago
There’s a calm before the storm, I know!
It’ll rain on a sunny day, I know!
Shining down like water.
I wanna know, have you ever seen the rain?

Have You Ever Seen The Rain? Ja, wenn ich aus dem Fenster sehe, irgendwann im Sommer, irgendwo im Sauerland. Na gut! Wir haben die Schafskälte. Aber nach dem Regen kommt der Sonnenschein und der bekannte Klassiker “Have You Ever Seen The Rain?” aus dem Jahr 1971 von John Fogerty von den Creedence Clearwater Revival (CCR) verbreitet auch heute noch seine gute Laune. Ein einfaches Stück mit einer großen Wirkung.

"Gewitterwolke über Kornfeld", aus "Horizonte", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Gewitterwolke über Kornfeld", aus "Horizonte", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Herausgesucht habe ich das Video, in dem John Fogerty den Song 2010 mit großem Orchester in der Night of Prooms darbietet:

John Fogerty: “Have You Ever Seen The Rain?”

Das Original, das in England 1971 auf Platz 1 der Musikcharts stand, ist einer der besten Songs von CCR und ein Stück Musikgeschichte geworden. In Deutschland war eher die B-Seite “Hey Tonight” bekannt, die inzwischen auch ein Klassiker ist. John scheint den Regen zu lieben, später sang er noch “Who´ll Stop The Rain”.

Wo bleibt eigentlich der diesjährige Sommerhit? Ich kann ihn nirgends finden. 1971 war mein Sommerhit jedenfalls “Have You Ever Seen The Rain”.

Quadrotura – Lomographien

"Sony-Center", aus "Quadrotura – Lomographien", Foto © Friedhelm Denkeler 2000

"Sony-Center", aus "Quadrotura – Lomographien", Foto © Friedhelm Denkeler 2000

Kunst oder Nicht-Kunst – das ist hier die Frage

Der Fotoapparat “Lomography Action Sampler” ist der Revolverheld unter den Kameras: Ein Schuss – vier Bilder. Bei einer Belichtungszeit von einer Sekunde belichtet der Apparat vier Bilder in Serie auf einem Fotoprint. Alles, was in dieser einen Sekunde passiert oder nicht passiert, wird auf einem 35 mm-Kleinbildfilm festgehalten. Und wenn nichts passiert, bewegt man während der Belichtungszeit einfach die Kamera und das möglichst aus der Hüfte heraus.

Die “Lomo” hat mit der herkömmlichen Fotografie wenig gemeinsam: Sie versucht zwar mittels Brom und Silber auf vier Bildern, die oft unterschiedlich belichtet sind, die Wirklichkeit festzuhalten. Eine Wirklichkeit, die vierfach existiert, die verwackelt ist, durch Bewegungsunschärfe gezeichnet, durch falsche Farben brilliert, aus unmöglichen Positionen aufgenommen wird und das eigentliche Motiv oft abschneidet. Das alles übt einen besonderen Reiz auf “Künstler” aus.

Bisher galt es, die schärfsten Fotografien zu machen und mit realistischen Farben wiederzugeben. Mit der Lomographie, wie sie genannt wird, erreicht man genau das Gegenteil. Und da hat die Lomographie etwas mit der Polaroid-Sofortbild-Fotografie gemeinsam. “Bedingt durch die technisch perfekten und überarbeiteten Digitalbilder, gibt es ein neues Interesse an Authentizität und Wirklichkeit, nach Unschärfe und ‘falschen’ Farben und es geht auch um Nostalgie” (siehe Neue Aufmerksamkeit für die Polaroid-Fotografie) und das alles trifft auf die Lomographie ebenso zu.

"Lomography Action Sampler", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Lomography Action Sampler", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Anfang der 1990er Jahre begann im Wiener Underground der Siegeszug der Lomographie. Studenten entdeckten die einfach gebaute, mit einer billigen Linse versehene und für den Massenmarkt vorgesehene, russische Kamera LOMO LC-A. Sie gründeten 1992 unter dem Motto “Die Zukunft ist analog” die Lomographische Gesellschaft, die seitdem jedes Jahr neue Lomographische Kameras auf den Markt bringt. Große Ausstellungen in allen Teilen der Welt, bei denen bis zu 100.000 Lomographien gezeigt wurden, haben die Lomographie inzwischen international bekannt gemacht.

Zwischen den Jahren 2000 und 2004 habe auch ich mit der “Lomo” experimentiert. Die Ergebnisse sind inzwischen anhand von 200 Lomographien in einem Autorenbuch zusammengestellt. Eine Auswahl der Fotos ist auf der Website www.denkeler-foto.de zu sehen. Die Fotos sind in Berlin im Britzer Garten, im Botanischen Garten, im Zoologischen Garten, am Potsdamer Platz, in den Potsdamer Platz-Arcaden, im Sony-Center, am Kulturforum, auf dem Alexander Platz, Unter den Linden sowie in Babelsberg, Linum, Teltow, im Sauerland und auf Malta, entstanden.

Zum Schluss noch die zehn goldenen, aber simplen Regeln der Lomographie:

Nimm deine Kamera überall mit hin!

Verwende sie zu jeder Tages- und Nachtzeit!

Lomographie ist nicht Unterbrechung deines Alltags,
sondern ein integraler Bestandteil desselben!

Übe den Schuss aus der Hüfte!

Nähere dich den Objekten deiner lomographischen Begierde so weit wie möglich!

Don’t think!

Sei schnell!

Du musst nicht im Vorhinein wissen, was dabei herauskommt!

Im Nachhinein auch nicht!

Vergiss die Regeln!

www.lomography.com