Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Anthony McCall´s „Five Minutes of Pure Sculpture“ im Hamburger Bahnhof in Berlin

"Lichtdom", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Lichtdom“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs hat in der letzten Zeit bereits zwei spektakuläre Umwandlungen erfahren: Mit zwölf lebenden Rentieren (und allerlei Kleintier) verwandelte Carsten Höller mit „Soma“ die Halle zum Tableau Vivant und Tomás Saraceno baute vor kurzem seine hängenden, begehbaren Gärten „Cloud Cities“ in den Raum hinein.

Jetzt hat der in New York lebende Anthony McCall in der eigentlich lichtdurchfluteten Halle alle hohen Fenster lichtdicht verhängen lassen und sie in eine riesige, dunkle Höhle verwandelt.

Wenn man sich nach einiger Zeit an die totale Dunkelheit gewöhnt hat, sieht man in der mit feinem Nebel gefüllten Halle seine einzigartigen Lichtprojektionen – die „Solid Light Films“. Sie bestehen aus weiß auf schwarz gezeichneten, animierten Linien, so dass aus zwei-dimensionalen Zeichnungen drei-dimensionale Skulpturen werden.

Mit seinen neuen Arbeiten projiziert er die „Bilder“ aus zehn Metern Höhe von der Decke auf den Boden, so erinnern sie noch mehr an Skulpturen oder an hallenhohe Lichtdome. Der Besucher kann sie umgehen, mittendurch schreiten oder die Strahlen mit ihren Händen unterbrechen, wodurch sie die auf die Wand oder den Fußboden projizierten Konturen verändern.

„Anthony McCall, britischer Lichtkünstler mit Wohnsitz in New York, hat in seiner ersten Einzelschau in Deutschland etwas zu bieten, das aus Überwältigung und zugleich völliger Leichtigkeit und Flüchtigkeit besteht. Inhaltsschweres oder Theoretisches gibt es nicht in dieser Raumarchitektur aus Licht, Dunkelheit, Nebel.“ [Frankfurter Rundschau]

McCall´s frühere, waagerecht auf eine Wand projizierten Arbeiten, die gleichfalls zu sehen sind, erinnern an das Betrachten eines Films im Kino. Sein OEuvre existiert im Grenzbereich von Kino, Skulptur und Zeichnung. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – ist noch bis zum 12. August 2012 in Berlin zu sehen.

www.mccallinberlin.de