Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: April 2012

Eine romantische Geschichte im Ballsaal … mit den Kinks

Vergiss nicht zu tanzen … im Zustand der Verwirrung

"Rote Rose", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

“Rote Rose”, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Sie gehörten in den 1960er Jahren neben den Rolling Stones und den Beatles zu den “Top 3″ der britischen Beat-Ikonen: “The Kinks” mit den Brüdern Ray und Dave Davies (beide Gesang und Gitarre).

Ihre 1964 erschienene Single “You Really Got Me” bescherte ihnen den musikalischen Durchbruch. Sie gingen damit als die Erfinder des “Hard Rock”, noch vor “The Who”, in die Geschichte der Rockmusik ein. Auch wenn die Musik ähnlich klingt, “Heavy Metal” kam erst später und ist noch “einen Zahn” härter.

Heute habe ich aus meinem Rock-Archiv einen sanfteren Song aus dem Jahr 1983, der gleichzeitig auch ihr letzter großer Erfolg wurde, herausgesucht. Er stammt aus dem Album “State Of Confusion”:

The Kinks:
“Don’t Forget to dance”

Ein wunderbarer Song mit einem passenden Video, das Erinnerungen an die “guten, alten Zeiten” hervorruft und sehnsuchtsvoll in Szene setzt, wie Musik und Tanz alle Generationen verbindet. Es ist ein “vergessener” Song, aber die Kinks-Fans kennen ihn natürlich. Ray Davis kann die traurigen Momente des Lebens wunderschön in Worte und Musik fassen.

Don’t forget to dance, no, no, no,/ Don’t forget to smile./
Don’t forget to dance, no, no, no,/ Forget it for a while.

Als zweiter Song aus dem 1983er-Album in vergleichbarer Qualität soll “Come Dancing” erwähnt werden. Die Band gründete sich, kurz nach dem Beatles-Boom, im Jahr 1963. Ray Davis gilt neben Lennon/ McCartney als einer der besten Songwriter. Zu seinen bekanntesten Songs gehören: Lola, Dead End Street, Death Of A Clown, Autumn Almanac, Sunny Afternoon, Waterloo Sunset.

“Dandy” war übrigens der erste Nummer-1-Hit der Kinks 1964 in Deutschland. 1990 wurde die Band in die “Rock and Roll Hall of Fame” aufgenommen. 1996 trennte sich die Gruppe. Der Regisseur Julien Temple plant unter dem Titel “You Really Got Me” einen Film über die Anfangsjahre der Kinks.

Der Koloss von Prora

"Promenade in Prora", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Promenade in Prora", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Der Name “Prora” bezeichnete ursprünglich den Höhenzug zwischen Schmaler Heide und Neu-Mukran nahe Binz auf der Insel Rügen und steht heute allein für einen riesigen, über fünf Kilometer langen, Gebäudekomplex. Prora sollte 1936 das größte Seebad der Welt werden und als Teil der Nazi-Massenorganisation “Kraft durch Freude – KdF” Ferienunterkünfte für 20 000 Menschen an der Prorer Wiek bieten. Mit Beginn des Krieges wurden die Arbeiten 1939 eingestellt und niemals fortgesetzt.

Von den acht erhaltenen Gebäuden, die jeweils eine Länge von 500 Metern haben, wird derzeit nur ein kleiner Teil genutzt. Im letzten Jahr wurde in einem Gebäude eine Jugendherberge eröffnet. Die Promenade zwischen den Gebäuden und dem Ostseestrand wurde mittlerweile von der Natur zurückerobert und auch der Blick aus den Zimmern auf das Meer wird heute durch einen Kiefernhain verdeckt. Das Kolossale des unter Denkmalschutz stehenden Komplexes ist fotografisch praktisch nicht zu erfassen.

Die Buchenwälder der ‘Granitz’ auf Rügen

"Buchenwald in der Granitz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Buchenwald in der Granitz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Zwischen den Ostseebädern Binz und Sellin liegt innerhalb des Biosphärenreservats Südost-Rügen das Naturschutzgebiet “Granitz”. Es besteht aus drei Kernzonen: dem Hochufer, dem Kesselmoor Große Wiese und dem Schwarzen See. Um den küstennahen Altwaldbestand aus Buchen, Moränenkliffs und den eingestreuten Kesselmooren in ihrer natürlichen Entwicklung zu unterstützen, wurde das Schutzgebiet 1990 eingerichtet. Da der Boden der Granitz aus bis zu 70 Meter dicken Sandschichten besteht, fehlen die Fließgewässer in dieser Region, die während der letzten Eiszeit entstanden ist.

Das Kesselmoor ‘Große Wiese’ in der Granitz

"Das Kesselmoor 'Große Wiese' in der Granitz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Das Kesselmoor 'Große Wiese' in der Granitz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Wenn man vom Ostseebad Binz durch das Naturschutzgebiet Granitz bis zum Ostseebad Sellin wandert, kommt man direkt am 15 Hektar großen Kesselmoor “Große Wiese” mit einem jungen Moorbirkenwald vorbei. Durch die zur Vor-Frühlingszeit noch blattlosen Birken bietet sich eine uneingeschränkte Sicht auf dies reizvolle Kleinod der Natur. Das Moor selbst wird durch die typischen Buchenwälder der Granitz begrenzt. Solch lebende Moore sind im Schutzgebiet, bedingt durch frühere Entwässerungsmaßnahmen der Nutzflächen, nur noch selten vorhanden.

Der Rettungsturm am Ostseestrand in Binz

"Der Rettungsturm am Ostseestrand in Binz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Der Rettungsturm am Ostseestrand in Binz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Man denkt an ein unbekanntes Flugobjekt, wenn man sich dem futuristisch anmutenden ehemaligen Rettungsturm am Strand von Binz auf der Ostsee-Insel Rügen nähert. Der als “Meister des Schalenbetons” bekannt gewordene und in Binz geborene Architekt Ulrich Müther (* 1934, † 2007) hat ihn neben 50 weiteren Schalenbauten entworfen. Das architektonische Kleinod am Binzer Strand wurde 1968 errichtet und heute wird als Außenstandort des Standesamtes Binz genutzt. Ulrich Müther kennen wir als Berliner sehr gut: Er entwarf die 1973 in Berlin-Mitte auf der Fischerinsel errichtete Gaststätte “Ahornblatt“. Leider wurde das denkmalgeschützte Gebäude trotz internationaler Proteste im Jahr 2000 abgerissen. Hingegen steht Müthers “Seerose” in Potsdam noch immer.

Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz

"Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Im Jahr 1902 wird eine 560 Meter lange Seebrücke aus Holz im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gebaut und drei Jahre später durch eine Sturmflut zerstört. Eine neue Brücke wird gebaut und 1942 durch gewaltige Eismassen erneut schwer beschädigt. Nach 52 Jahren ohne Brücke, gibt es seit Mai 1994 wieder eine Seebrücke in einer Länge von 370 Metern und sie steht noch immer.

Von Rosen getötet

Die Metamorphose Japans nach dem Krieg – Fotografie 1945–1964

Die Herausbildung der nationalen Identität und die Rolle der Fotografie

"Selbst in der Jebenstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

"Selbst in der Jebenstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2012

“Fotografie spielte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan eine wichtige Rolle bei der Herausbildung einer neuen nationalen Identität. Vom Schock der Atombombenabwürfe bis hin zur Neupräsentation des Landes bei den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 1964 wurde die Geburt der neuen japanischen Nation von bedeutenden Fotografen begleitet” schreiben einleitend die Kuratoren.

Vom Elend der unmittelbaren Nachkriegsjahre bis zum Wiederaufbau und den Folgen der Modernisierung reicht die inhaltliche Spannweite der Fotos. Dabei spielen die Fotografen der Bildagentur Vivo ab Mitte der 1950er Jahre eine tragende Rolle.

Ausstellungen zur japanischen Fotografie sind in Europa selten zu sehen. Allein aus diesem Grund lohnt sich der Besuch der Ausstellung, die in drei Kapitel eingeteilt ist: “Die Folgen des Krieges”, “Tradition versus Moderne” und “Ein neues Japan”.

Mit 123 Schwarz-Weiß-Fotografien werden die Arbeiten von elf japanischen Fotografen der Nachkriegszeit vorgestellt. Bekannt in Europa ist insbesondere Eikoh Hosoe. Sein Foto “Barakei (Von Rosen getötet)” steht stellvertretend für die künstlerischen Werke in der Ausstellung. Die Arbeiten der anderen Fotografen folgen eher einem bildjournalistischen Ansatz.

Ab Mitte der 1950er Jahre ändern sich die Arbeiten immer mehr in Richtung “subjektive Dokumentation”. Sie wandeln sich von der Dokumentation der Kriegszerstörungen hin zum Gegensatz zwischen dem traditionellen Japan und der Modernisierung des Landes, die gleichzeitig mit der amerikanischen Besetzung in Verbindung gebracht wird.

In einem Sonderteil der Ausstellung (“grauer Kubus”) werden amerikanische Fotografien des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, der atomaren Tests in den amerikanischen Wüsten und auf den Inseln im Pazifik gezeigt. Fotografien von dem japanischen Militärfotografen Yosuke Yamahata, die einen Tag nach dem Abwurf der Atombombe auf Nagasaki am 10. August 1945 entstanden sind, halten den unvorstellbaren Schock des vorangegangenen Tages fest (den 45-minütigen Film “Nagasaki – Der Tag nach der Apokalypse” finden Sie hier).

Die Ausstellung ist im Museum für Fotografie in der Jebenstraße in Berlin noch bis zum 17. Juni 2012 zu sehen.