Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ein halbes Jahrhundert “Rolling Stones”

The Rolling Stones mit „Mona (I Need You Baby)“

Dieses Jahr feiern die Rolling Stones das Jahr ihres 50. Bühnenjubiläums. Eine neue Tour wird es allerdings frühestens im nächsten Jahr geben und dann könnte Bassist Bill Wyman wieder mit dabei sein, wie der „Rolling Stone“ jetzt meldete. Das Jubiläum nehme ich zum Anlass, um auf meine persönlichen Highlights, auf die „schönsten“ Songs der Stones in den vergangenen 50 Jahren zurückzublicken. Den Anfang macht ihr erstes Studioalbum, das am 16. April 1964 in Deutschland und Großbritannien unter dem Titel „The Rolling Stones“ veröffentlicht wurde.

Die bekanntesten Songs dieser LP sind „(Get Your Kicks On) Route 66“, „Carol“ (geschrieben von Chuck Berry), „Tell Me (You’re Coming Back)“ (dies ist der erste Titel bei dem als Komponisten Jagger/Richards angegeben sind), „Little by Little“ (Phelge/Spector) und „Mona (I Need You Baby)“.

I tell you Mona what I wanna do/ I’ll build a house next door to you/ Can I see you sometimes?/ We can blow kisses through the blinds/ Yeah can I out come out on the front/ And listen to my heart go bumpety bump

"Das erste Rolling Stones-Album", 1964, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

„Das erste Rolling Stones-Album“, 1964, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Der Track „Mona“ ist eine wundervolle Blues-Aufnahme mit Live-Atmosphäre aus dem Studio. Er entstand als fünf weiße Jungs sich den Rhythm und Blues der Schwarzen zum Vorbild nahmen und damit die Jugend in den „Beatschuppen“ zum Tanzen brachte.

The Rolling Stones: „Mona“

In diesem Clip sind die Stones bei ihrem Auftritt am 19. März 1964, also heute vor 48 Jahren, im Camden Theatre in London zu sehen. Der Film „passt“ aber nicht zum Song: Sie singen nicht „Mona“, sondern angeblich „Not Fade Away“. Es ist dennoch ein Zeitdokument.

1964 bestand die Band aus Mick Jagger (Gesang, Harmonika), Keith Richards (E-Gitarre, akustische Gitarre), Charlie Watts (Schlagzeug), Brian Jones (E-Gitarre, Harmonika, Tamburin) und Bill Wyman (E-Bass). Für ihr erstes Album waren zusätzlich Gene Pitney (Klavier), Phil Spector (Gitarre) und Ian Stewart (Orgel, Klavier) mit dabei. Die Debüt-LP wurde von Andrew Loog Oldham produziert und ist bei Decca Records erschienen.

In Großbritannien erreichte das Album, das in Europa nur in Mono erhältlich war, Platz 1 der Charts (in Deutschland kam die LP bis auf Platz 2). Auf der Vorderseite der LP sind nur die fünf Bandmitglieder in Farbe abgebildet zu sehen, sonst nichts. Weder der Name der Band noch der Album-Titel wurden angegeben. Für die damalige Zeit eine äußerst ungewöhnliche Design-Idee, heute würde man sagen innovativ. Der Bandmanager Andrew Loog Oldham war von der Zukunft der Band überzeugt. Am liebsten hätte er sicher noch das Decca-Label entfernt.

Auf der Rückseite des Covers, ganz in schwarz-weiß gehalten, finden sich fünf kleine Porträts der Bandmitglieder, fotografiert von David Bailey und die Titelliste. Die USA-Version erschien wenig später unter Titel „England’s Newest Hit Makers The Rolling Stones“ in einer sogenannten „reprocessed stereo“-Version. Außerdem wurde ausgerechnet „Mona“ durch den Song „Not Fade Away“ (Norman Petty/Buddy Holly) ersetzt.

1964 war auch der Sommer, in dem die ersten Piratenschiffe aus der Nordsee sendeten. Hauptsächlich erinnere ich mich an Radio Caroline. Der erste Titel, den sie sendeten, soll „Not Fade Away“ von den Rolling Stones gewesen sein. In diesem Sommer mussten wir Teenager eine wichtige Frage beantworten, eine Frage des Charakters: Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein? Die Beantwortung zog sich dann doch noch einige Jahre hin. 1970 erwarb ich mein erstes Album der Stones „The Rolling Stones“ aus dem Jahr 1964.

„Everything went young in 1964“ (Andy Warhol, „Popism“)

„Die Geschichte der Rolling Stones ist die Erfolgsgeschichte der Popkultur“ (Georg Diez,“The Rolling Stones“)

„Wir machen aus euch genau das Gegenteil dieser netten, sauberen ordentlichen Beatles. Und je mehr die Eltern euch hassen, desto mehr werden euch die Kids lieben. Wartet nur ab.“ (Andrew Loog Oldham)

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