Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Kreischalarm am Roten Teppich – wegen Robert Pattinson. Declan Donnellan/ Nick Ormerod mit „Bel Ami“ (GB, 2011, außer Konkurrenz) mit Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas

"Robert Pattinson im Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Robert Pattinson im Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

So voll wie am Freitagabend war es in diesem Jahr noch nicht am roten Teppich vor dem Berlinale-Palast – und das alles wegen Robert Pattinson („The Twilight Saga“, „Harry Potter“). Der (Teenie-)Star nahm sich extra eine Stunde Zeit für seine Fans: Er gab Autogramme und ließ sich geduldig mit ihnen fotografieren. Die gefühlte Handy- und Kameradichte betrug an die 100%.

Damit zog nach Meryl Streep doch noch ein bisschen Glamour in den Berlinale-Palast ein, sieht man von Angelina Jolie, Juliette Binoche, Keanu Reeves und Shah Rhuk Khan u.a. einmal ab, deren Filme aber in anderen Sektionen liefen.

Robert Pattinson war zur Deutschlandpremiere von „Bel Ami“ (außer Konkurrenz) nach Deutschland gekommen. Leider war Uma Thurman nicht anwesend.

Robert Pattinson soll sich in seinen Twilight-Filmen mit der Erotik stark zurückgehalten haben, dafür legt er nun bei „Bel Ami“ richtig los. Warum sich allerdings die drei Frauen der reichen Pariser Gesellschaft, gespielt von Christina Ricci, Uma Thurman und Kristin Scott Thomas, zum armen Duroy hingezogen fühlen (sie konnten damals noch nicht wissen, dass es sich Robert Pattinson handelt!) konnten uns die beiden Regisseure in ihrem Erstlingswerk nicht klarmachen.

Auch der Zusammenhang zwischen der Absetzung der Regierung, dem französischen Einmarsch in Marokko und dem Millionengeschäft mit den Kriegsanleihen wird nicht nur vom Hauptdarsteller nicht durchschaut, sondern auch für den Zuschauer ist die Geschichte eher verwirrend. Die Story hangelt sich dafür von Bettszene zu Bettszene. Das ist dann doch ein bisschen „zu dünn“. Vielleicht sollte man mal wieder Guy de Maupassant lesen.

Nach zwei Jahren Militärdienst im nördlichen Afrika lebt Ex-Feldwebel Georges Duroy unter ärmlichen Bedingungen in Paris. Um seinem engen, schmutzigen Zimmer in einem Vorstadtviertel zu entkommen, ist ihm jedes Mittel recht. Zunehmend skrupelloser nutzt er einflussreiche Kampfgefährten und wohlhabende Frauen für seinen Aufstieg in die hauptstädtische Schickeria des späten 19. Jahrhunderts. Mit eiskalter Berechnung stürmt er die Machtpositionen kolonialistischer Börsenspekulanten und sucht zugleich nach amourösen Abenteuern in den Luxusetablissements der Neureichen. Es scheint, als habe Paris mit seinem politisch, moralisch und erotisch fragwürdigen Treiben nur auf ihn gewartet…

Nach mehreren erfolgreichen Verfilmungen, unter anderem 1938 von Willi Forst und 1955 von Louis Daquin, kehrt Guy de Maupassants gesellschaftskritischer Roman Bel-Ami von 1885 ein weiteres Mal auf die Leinwand zurück. Dicht an die literarische Vorlage angelehnt, porträtiert Declan Donnellan einen Parvenü und Karrieristen, der die Verfilzung von Politik und Ökonomie, Medien und Privatleben bedenkenlos für seine eigenen Interessen nutzt. Eine ebenso glamouröse wie sarkastische Gesellschaftskomödie über die Heuchelei als eines der Grundgesetze des bürgerlichen Zeitalters. [Quelle: Filmbeschreibung] Filmtrailer