Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Gundula Schulze Eldowy im Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestages

Im Berliner Elisabeth-Lüders-Haus sind im „Kunst-Raum“ unter dem Titel „Verwandlungen. Fotografische Serien nach 1990“ und im Mauer-Mahnmal mit einzelnen Werken aus der Serie „Den Letzten beißen die Hunde“ bis zum 11. Januar 2012 Arbeiten von Gundula Schulze Eldowy zu sehen. Bekannt wurde die 1954 in Erfurt geborene Fotografin mit ihren sozialkritischen Fotografien, die ihren Ruf lange Zeit prägten, da alle noch in der DDR entstanden sind.

"Die doppelte Nofretete", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
„Die doppelte Nofretete“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Das veränderte sich mit der Maueröffnung 1989. Seitdem verbringt sie ihr Leben auf Reisen oder besser gesagt, sie lässt sich eine ganze Zeitlang woanders nieder, so dass in ihrer Biographie geschrieben steht: „Sie lebt in Berlin, Peru und auf Reisen“.

1985 begegnete sie in Ost-Berlin dem amerikanischen Fotografen Robert Frank, der sie förderte und 1990 nach New York einlud. Es folgten weitere Reisen in die USA (1990-1993), nach Italien (1991), nach Ägypten (1993–2000), nach Japan (1996/97), nach Moskau (1997), nach Istanbul (1997) und 2001 schließlich nach Peru, Bolivien und Ecuador.

Im Kunstraum wurde ich von den mannsgroßen Arbeiten von Gundula Schulze Eldowy überrascht: Es scheint, dass sie die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie gekonnt vollzogen hat. In der Serie der Konstantinopel-Bilder überarbeitete sie Aufnahmen von Mosaiken und Fresken der byzantinischen Zeit an den jeweiligen Fehlstellen großflächig mit Blattgold und gibt den verblassten Heiligenbildern ihre eigentümliche Aura zurück. Allein wegen dieser Arbeit ist diese Ausstellung sehenswert (Beispiel).

Auf den in New York entstandenen Tafelbildern Spinning on my Heels überlagern sich in Mehrfach-Belichtungen New Yorker Straßenszenen und klassische Gemälde zu Bildern großstädtischen Lebens (Beispiel). Von den Moskauer Friedhöfen hat Schulze Eldowy die medaillongroßen und völlig verblassten Portraitfotos Verstorbener auf den Grabsteinen als Vorlage für ihre Serie Das Blatt verliert den Baum genommen. Die Arbeiten aus der Serie Der Wind füllt sich mit Wasser sind „normal“ vergrößerte Aufnahmen, die zwischen 1977 und 1989 entstanden sind. Es handelt sich um wundervolle, stimmungsvolle Nebelbilder.

Im Mauer-Mahnmal selbst ist die Fotoserie Den Letzten beißen die Hunde zu sehen. Sie zeigt die Tage vor, während und nach dem Mauerfall. Im Dezember 2011 wird in der C/O-Galerie das Frühwerk von Gundula Schulze Eldowy, insbesondere ihre frühen Farbfotografien, zu sehen sein.

Interview mit Gundula Schulze Eldowy: Teil 1, Teil 2, Teil 3,
Kunst-Raum des Deutschen Bundestages, Website Schulze Eldowy