Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: August 2011

Sechsunddreißig Tower

Neues Portfolio auf meiner Website

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Auf meiner Website

www.denkeler-foto.de

finden Sie ab sofort in einer Auswahl von 28 Fotos das Portfolio “Sechsunddreißig Tower” aus dem Jahr 2001. Die folgenden Texte und Fotos sind dem Autoren-Buch “Sechsunddreißig Tower”, 2001/2009, entnommen.

Warum Tower?

Das erste und bisher einzige Hochhaus auf Malta steht in St. Julians´s. Mit 28 Stockwerken erstreckt sich der Portomaso Business Tower rund 100 Meter in die Höhe. Von vielen Orten der Insel aus, ist er zu sehen. Auch nicht zu übersehen, und das war der Grund für ein Portfolio und ein Fotobuch.

2001 nicht gerade zur Freude der Malteser eröffnet, stößt das Gebäude bis heute auf wenig Gegenliebe. Die Glasscheiben des Towers sind dunkel. Brennendes Licht ist in der Nacht nicht zu erkennen. Er erscheint unbeleuchtet. Dach und Antennenanlagen hingegen werden rot-blau illuminiert. Zeitgleich und in der Nähe des auch Big Blue genannten Turmes entstanden Hilton-Hotel und Yachthafen.

St. Julian’s liegt im Distrikt Northern Harbour an der Nordostküste von Malta. Von einem kleinen Fischerdorf entwickelte es sich ab den 1930er Jahren durch die Ansiedlung wohlhabender Malteser zu einem wirtschaftlichen und, seit dem Aufkommen des Tourismus, auch zu einem von Inselbesuchern geschätztem Ferienort.

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Warum 36?

Die Strandpromenade zwischen St. Julian´s und dem Nachbarort Sliema wird gesäumt von durchnummerierten Sockeln, auf denen Straßenlaternen stehen. Die Zahl 36 soll an die 36 Bilder erinnern, die ein Kleinbildfilm in der Regel aufweist. Unter Verwendung von KODAK Tri-X-400-Filmen entstanden die Fotos des Portfolios. Es waren die letzten Tri-X-Filme, die ich vor dem “digitalen Zeitalter” benutzte.

Der KODAK Tri-X ist der wohl meistverkaufte Schwarzweißfilm der Welt. Da er für schwaches Licht und schnelle Bewegungen ausgelegt ist, weist er die klassische, feine Kornstruktur auf. Der Kleinbildfilm hat in der Fotografie mit der Erfindung der Ur-Leica durch Oskar Barnack 1913 einen festen und marktführenden Platz errungen.

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Das Kleinbildformat von 24 × 36 mm ergab sich damals aus der Verdopplung des 35 mm-Stummfilm-Kinoformats (18 × 24 mm) durch das “Querlegen“ des Films (Typ 135). Nach 1945 verbreitete sich das von Kodak eingeführte Format 135 auch in Deutschland rasch.

Auf meiner Website www.denkeler-foto.de sind 28 Bilder aus dem Fotobuch zu sehen.

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

aus "Sechsunddreißig Tower", Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Unter Druck

Druckgrafiken im Verein Berliner Künstler (VBK) bis 18.09.2011

Bei einer Druckgrafik handelt es sich dann um ein Original, wenn sie die einzig verbindliche Realisierung einer auf die angewandte Technik gerichteten künstlerischen Konzeption ist, wenn das Werk also nicht noch einmal in einer anderen Technik existieren kann. [Karl Graak].

"Der Fotograf Manfred-M. Sackmann vor seiner Werkgruppe 'Bogota' im VBK", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Der Fotograf Manfred-M. Sackmann vor seiner Werkgruppe 'Bogota' im VBK", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In der aktuellen Ausstellung des VBK “Unter Druck” werden die zeitgenössischen Möglichkeiten des Mediums “Grafik” anhand des Schaffens der Mitglieder des VBK vorgestellt. Die Arbeiten von Jutta Barth, Ute Faber, Hans Jürgen Gabriel, Claudia Hartwig, Ina Lindemann, Peter Th. Mayer, Monika Ortmann, Michael Schulze, Evelyn Sommerhoff, Hermann Spörel, Jürgen Tenz und Manfred-M. Sackmann sind mit Hilfe von druckgrafischen Techniken, vom Holzschnitt über die Monotypie bis zum digitalen Fotoprint, entstanden.

Nach der o.a. Definition von Karl Graak könnte man die Fotografie mit zur Druckgrafik zählen. “Während nach landläufiger Auffassung der Begriff des Originals die Eigenschaft der Einmaligkeit beinhaltet, wird jeder druckgrafische Abzug (sofern es sich nicht um eine fotomechanische Reproduktion handelt) als Original angesehen. Dabei ist gleichgültig, wie viele Exemplare des Drucks vorhanden sind. Als Einmaligkeit wird hier der Ausdruck der künstlerischen Gedanken, Vorstellungen und Ideen verstanden, die nur mit den technischen Möglichkeiten des Drucks realisiert werden könne.” [Wikipedia]. Und dies trifft auf die Fotografie genauso zu.

Manfred-M. Sackmann ist einer der wenigen Fotografen unter den Mitgliedern des VBK. Er begann 1978 seine fotografische Laufbahn an der legendären Kreuzberger “Werkstatt für Photographie” bei Professor Ulrich Görlich. Im Jahr 1992 wurde er in den Verein Berliner Künstler (VBK) aufgenommen und 1994 in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen.

www.vbk-art.de

Seidenstücker – Nilpferde und andere Menschen

Die Berlinische Galerie zeigt ab dem 1. Oktober 2011
Friedrich Seidenstückers Fotografien aus den Jahren 1925-1958

"Großeltern in Lüttgen-Dortmund", Archiv © Friedhelm Denkeler 1926

Großeltern in Lüttgen-Dortmund, Archiv © Friedhelm Denkeler 1926

Diese erste umfassende Retrospektive Friedrich Seidenstückers unter dem Titel “Von Nilpferden und anderen Menschen” präsentiert rund 200 Originalfotografien.

Beinahe jeder Berliner kennt Seidenstückers Arbeiten. Diejenigen, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren, schätzen seine atmosphärischen Aufnahmen vom Berliner Alltagsleben der Weimarer Republik.

Unter den Tier- und Zooliebhabern erwarb er sich mit seinen einfühlsamen Tierstudien einen geradezu legendären Ruf, und für die Historiker sind die eindringlichen Aufnahmen des zerstörten Berlin eine kostbare Quelle.

Auch wenn Seidenstücker als typischer Berliner Fotograf gilt, ist er doch auch weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt – nicht zuletzt deshalb, weil er sich um eines ganz besonders verdient gemacht hat: Seine Bilder zeugen von Humor, und den findet man in der Fotografie selten.

Aus dieser Haltung heraus hat sich das Werk von Friedrich Seidenstücker entwickelt. Es ist von Optimismus getragen, ohne die Zumutungen und Härten, ohne die Armut und das Elend der Zeit zu verschweigen.

Mit der Retrospektive setzt die Berlinische Galerie ihre sehr erfolgreiche Ausstellungsreihe fort, die darauf ausgerichtet ist, das Werk von großen Fotografen des Zwanzigsten Jahrhunderts wissenschaftlich zu erschließen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Vorausgegangen sind Ausstellungen zu Heinrich Zille, Erich Salomon, Fritz Kühn und Herbert Tobias. Quelle: Presseinformation

Nachhaltige Lebenskunst in der Kongresshalle

"Schwimmende Salatfelder", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Schwimmende Salatfelder", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Von schwimmenden Salatfeldern und Dächern aus Plastikbechern

Am Haus der Kulturen der Welt in Berlin konnte man an diesem Wochenende Salat von schwimmenden Feldern auf dem Springbrunnen-Becken vor der Kongresshalle ernten. Vor Ort wurde der Salat “angemacht” und ließ sich neben weiteren kulinarischen Genüssen verzehren oder als “Blumentopf” mit nach Hause nehmen.

Eigentlich ging es um Klimaneutralität, Energieeffizienz und Wasserfilterung. Die Kongresshalle als ein Labor der Zukunft: Nomadische Nachtherberge, eigene Käseherstellung, Fahrrad-Disko, Honigbienen, Landkommune, mit anderen Worten: ein Fühl-dich-gut-Fest mit diversen Konferenzen und viel verbautem Holz. Das klingt jetzt nicht nur alternativ, das war auch so, wenn auch eher ohne “t” im zweiten Wortteil, im wahrsten Sinne also naiv.

www.ueber-lebenskunst.com

Alles Kannibalen – oder was?

“Consume, Produce, Die” im “me Collectors Room” in Berlin

"Eat, Shit And Die" von Dan Attoe, 1975", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Eat, Shit And Die" von Dan Attoe, 1975", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Ich habe dich zum Fressen gern.

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Zum Anbeißen schön.

Liebe geht durch den Magen.

Auf die Zunge beißen.

Rache ist Blutwurst.

Ich habe einen Narren an Dir gefressen.

Die Ausstellung “Alles Kannibalen?” im Berliner me Collectors Room, der Privatkollektion des rheinländischen Sammlers Thomas Olbricht, zeigt in 100 Arbeiten von 40 Künstlern, wie sich die Kunst dem Thema Kannibalismus – im erweiterten Sinne – in Form von historischen Gemälden und Zeichnungen, alten Fotografien und Kultobjekten genähert hat. Gleich in der Lounge finden sich zwei Neon-Arbeiten “Consume, Produce, Die” von Claire Fontaine und “Eat, Shit And Die” von Dan Attoe (siehe mein Foto) zu diesem Thema.

Die meisten Werke bewegen sich zwischen soziologischer Einordnung und der Sensationsgier nach grauenerregendem oder schönem Fleisch, zwischen Francisco de Goyas anklagendem Grafikzyklus “Desastres de la Guerra” und den collagierten/ gemalten Bildern der Kenianerin Wangechi Mutu. Die beiden auf Zuckerwatte-Wolken gebetteten nackten Schönheiten verkörpern die Redewendung “Ich habe dich zum Fressen gern” und Cindy Sherman bietet dem zeitgenössischen Betrachter in “Maria lactans” analog zur christlichen Ikonographie ihre künstliche Brust dar. Und plötzlich steht man vor einem übergroßen Quader aus ekligem Kunststoff-Fleisch (John Isaacs, 1968).

Der Titel der Ausstellung “Alles Kannibalen” bezieht sich auf den Text “Wir sind alle Kannibalen. Das einfachste Mittel, sich mit dem anderen zu identifizieren, ist noch, ihn zu essen” des Anthropologen Claude Lévi-Strauss. Zur Vernissage soll es übrigens “Rotwein und Gehacktes” gegeben haben. Die Schau, die vorher in Paris zu sehen war, steht unter der kuratorischen Leitung von Jeanette Zwingenberger und geht morgen zu Ende.

Ich habe das Besucherbuch eben durchgesehen und dabei festgestellt, dass viele der Zeichnungen in diesem Buch den Kannibalismus als sexuellen Akt zur Schau stellen. Wäre das kein Anzeichen dafür, dass Kannibalismus heute beim Sex ausgelebt wird? Eine schockierende Einsicht. Ein Besucher

www.me-berlin.com

Dominique Perrault – Kleingarten hinter Glas

Sechs Stunden Louisiana – Sechs Kunstwerke (6 und Schluss)

"Selbst im Kleingarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Selbst im Kleingarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Direkt durch die Giacometti-Halle des “Louisiana – Museum Of Modern Art” (siehe “Louisiana – Ein geniales Zusammenspiel zwischen Kunst und Natur“) erreicht man den See-Garten. Rund um den See verteilt, finden sich auf verschlungenen Pfaden die Werke von fünf internationalen Architekten. Aldo Rossi (Italien), Ralph Erskine (Großbritannien), Joseph Kleihues (Deutschland), Heikkinen-Komonen (Finnland) und Dominique Perrault (Frankreich) haben ihre Vorstellungen eines Gartenhäuschens auf jeweils sieben Quadratmetern auf ungewöhnliche Weise neu interpretiert. Nur Dominique Perrault nutzte die ihm zur Verfügung stehende Fläche für einen Kleingarten hinter Glas.

www.louisiana.dk

Yayoi Kusama: “The Gleaming Lights of the Souls”

Sechs Stunden Louisiana – Sechs Kunstwerke (5)

"Im Universum von Kusama", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Im Universum von Kusama", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Auf dem Kunstspaziergang durch den Skulpturenpark im “Louisiana – Museum Of Modern Art” (siehe “Louisiana – Ein geniales Zusammenspiel zwischen Kunst und Natur“) trifft man zwischen vielen alten und wunderschönen Bäumen immer wieder auf Galeriegebäude, die durch gläserne Gänge miteinander verbunden sind. Einige der Gebäude weisen ein unterirdisches, zweites Geschoss auf. Dort fanden wir hinter einer Tür die fantastische Installation von Yayoi Kusma “The Gleaming Lights of the Souls”.

Öffnet man diese Tür, steht man mitten im Universum von Yayoi Kusama. Maximal zwei Personen dürfen gleichzeitig in den komplett schwarzen und verspiegelten Raum gehen. Man steht auf einem schmalen Steg mitten im Wasser und sieht die glänzenden Lichter der “Seelen”, die aus leuchtenden, abwechselnd in verschiedenen Farben sanft scheinenden Kugeln kommen. Die Endlosigkeit der sich spiegelnden Lichter, die über dem Wasser schweben  und die Installation an sich, macht atemlos.

Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts. Yayoi Kusama

 www.louisiana.dk, Yayoi Kusama auf Wikipedia

Richard Serra – Das Tor in der Schlucht

Sechs Stunden Louisiana – Sechs Kunstwerke (4)

"Richard Serra: The Gate in the Gorge, 1986", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Richard Serra: The Gate in the Gorge, 1986", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der labyrinthische Gang durch den Skulpturenpark im “Louisiana – Museum Of Modern Art” (siehe “Louisiana – Ein geniales Zusammenspiel zwischen Kunst und Natur“) in Ny Humlebæk, Helsingør, ist ein wichtiger Teil des Museumsbesuches und eine visuelle Erfahrung der besonderen Art. Hinter jeder Ecke erwartet den Besucher ein neuer Blick auf den Øresund oder auf eine Plastik, meist sogar auf beides. Über eine Brücke, die über eine kleine Schlucht führt, erreicht man Richard Serras Stahl-Skulptur “The Gate in the Gorge”. Diese ist in Absprache mit dem Künstler standortspezifisch entstanden und aufgestellt worden. Dieses Konzept trifft auch auf die meisten anderen Skulpturen im Park zu.

Richard Serra, geboren 1939 in San Francisco, wurde insbesondere durch seine monomentalen und tonnenschweren Arbeiten aus wetterfestem Corten-Stahl mit der dafür typischen rostigen Oberfläche, bekannt. So schuf er 1977 für die Documenta VI in Kassel das Werk “Terminal”, vier trapezförmige Platten aus Stahl, die vor dem zentralen Ausstellungsort, dem Fridericianum, aufgestellt zum “Wahrzeichen” der Documenta wurden. Heute steht die Skulptur in Bochum vor dem Hauptbahnhof. Weitere Werke finden Sie in einer Bilderschau auf flickr. Der Kortenstahl, wie er auch genannt wird, bildet unter der Rostschicht eine dichte Sperrschicht aus festhaftenden Sulfaten, die das Werk vor weiterer Korrosion schützen.

www.louisiana.dk

Die Scherben der Schönheit – Die Tell Halaf-Zeit

Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf durch Max von Oppenheim im Pergamonmuseum Berlin

"Palette mit Fragmenten aus Tell Halaf", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Palette mit Fragmenten aus Tell Halaf”,
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Sechs Monate sind für eine Ausstellung eine lange Zeit. Zum Glück habe ich gestern noch, die heute leider zu Ende gehende, grandiose Ausstellung der 3000 Jahre alten Monumentalskulpturen aus dem Palast vom Tell Halaf sehen können.

Aus 27 000 Fragmenten wurden die im Krieg zerstörten 40 Figuren aus dem privaten Museum des Archäologen Max von Oppenheim wieder rekonstruiert.

Er hatte die Skulpturen von 1913 an aus der Tempelanlage vom Tell Halaf in Syrien ausgegraben und ab 1930 in von ihm finanzierten Ausstellungsräumen in Berlin ausgestellt.

"Berliner Illustrirte Zeitung vom 17.08.1930 mit einem Foto von Martin Munkacsi", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Berliner Illustrirte Zeitung vom 17.08.1930 mit einem Foto von Martin Munkacsi”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Anlässlich der Museumseröffnung in einer ehemaligen Fabrikhalle in Charlottenburg machte der ungarische Fotoreporter Martin Munkacsi ein Foto von Oppenheim.

Er stellte ihn direkt neben eine Figur-tragende Löwenskulptur, die die Monumentalität der rekonstruierten Palastfassade deutlich werden lässt (siehe Foto).

Die aktuelle Berliner Ausstellung im Pergamonmuseum setzt nun dem Sammler und Orientforscher Max von Oppenheim ein würdiges Denkmal.

Wenn der vierte Flügel des Pergamonmuseums im Jahr 2025 zum Kupfergraben hin fertig ist, werden Oppenheims Götter und Fabelwesen ihren endgültigen Platz in Berlin erhalten.

"Löwe aus Tell Halaf", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Löwe aus Tell Halaf”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Vorgehensweise bei den Ausgrabungen ist in dem Film Das Mädchen mit der Karneolkette gut dokumentiert und die Website der Ausstellung “Die geretteten Götter gibt einen weiteren guten Überblick.

“Während die Karamel-Karawane im Schritt marschiert, mussten wir, auf Pferden beritten, jeden Augenblick Abstecher im Galopp zur Rechten und Linken der Route machen, teils zur Erkundung der Gegend, zur Rekognoszierung alter Ruinenorte usw., teil wegen der Feindesgefahr.” [Max von Oppenheim]

“Auch Berlin steckt voller Merkwürdigkeiten. Eines der merkwürdigsten Museen, um das uns die Welt beneiden könnte, einzigartig durch Kunst- und Kulturschätze, wie sie nie wieder gefunden wurden, ist das Tell-Halaf-Museum von Max Freiherrn von Oppenheim.” [aus 'Berlin hört und sieht', 1932]

“Meine Expeditionen führten immer durch mohammedanische Hoheitsgebiete. In islamischen Ländern darf ein Mann fünf Ehefrauen nebeneinander haben. Aus diesem Grund sage ich oft im Spaß zu meinen Freunden: Auch ich habe vier Frauen.

Die Erste ist sehr groß und sehr heiß. Sie hat oft versucht, mit das Leben zu nehmen, aber sie ist immer noch diejenige, die ich am meisten liebe. Sie ist meine geliebte Wüste.

Die Zweite ist interessant, sehr gelehrt und klug. Man nennt sie Erkenntnis oder Forschung. Die Dritte ist sehr schön. Jeder liegt ihr zu Füßen. Sie ist durchaus international. Ihr Name ist Kunst.

Meine vierte Ehefrau ist die große thronende Frau vom Tell Halaf mit dem Lächeln aus der Vergangenheit.” [Max von Oppenheim]

Halt! Zonengrenze!

"Halt! Zonengrenze!", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Halt! Zonengrenze!", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Auch drüben ist Deutschland", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Auch drüben ist Deutschland", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

Heute vor 50 Jahren wurde Berlin durch die Mauer geteilt und wie auf diesen, nahe Braunlage im Harz entstandenen Fotos zu sehen ist, wurde nach und nach die Zonengrenze, der “Eiserne Vorhang”, errichtet. Diese sogenannte “Demarkationslinie” wurde aber bereits seit 1952 verstärkt abgeriegelt. Der Grenzzaun bestand zunächst nur aus einfachem Stacheldraht. Ab 1961 wurde ein nur schwer überwindbarer doppelter Stacheldrahtzaun angebracht. Um die Massenflucht in den Westen zu verhindern, wurden dazwischen Minenfelder und später auch zeitweise Selbstschussanlagen installiert.

Zur Zeit des 13. August 1961 wohnte ich in einem kleinen Ort in Westfalen. Meine Eltern waren an diesem Tag verreist und die Errichtung der Mauer im fernen Berlin bekam ich im Laufe des Tages durch Radiomeldungen mit. Ein Jahr später, im August 1962, unternahm ich mit einem Freund eine Fahrradtour durch den Harz. Wir übernachteten in den Jugendherbergen (siehe auch “Als Elvis noch mit Puppen spielte …“). Während unserer Station in Braunlage machten wir auch einen Ausflug an die Zonengrenze. Die Mauer in Berlin sah ich dann 1968 das erste Mal persönlich. Sie existierte 28 Jahre.

Jean Dubuffet: “Dynamic Manor”

Sechs Stunden Louisiana – Sechs Kunstwerke (3)

"Selbst mit Jean Dubuffets 'Dynamic Manor', 1969/82", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Selbst mit Jean Dubuffets 'Dynamic Manor', 1969/82", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Direkt aus dem “Louisiana – Museum Of Modern Art” tritt man über einen Steg, der über einen kleinen Teich führt, in einen Innenhof mit der Skulptur von Jean Dubuffet “Dynamic Manor” aus dem Jahr 1969/82 (siehe Louisiana – Ein geniales Zusammenspiel zwischen Kunst und Natur), die praktisch den gesamten Innenhof ausfüllt. Nur ein kleiner Weg führt um die Plastik herum. “Dynamic Manor” ist ein schwarz-weiß bemaltes, felsartiges Gebilde aus Polyester, das beim Umrunden jeweils unterschiedliche Perspektiven bietet.

Der Maler, Bildhauer und Collage-Künstler Jean Dubuffet, der 1985 im Alter von 84 Jahren in Paris starb, war der prominenteste Vertreter der französischen Nachkriegskunst. Er nahm in Kassel an der documenta 2 bis 4 teil und engagierte sich für die Art Brut, die eine autodidaktische und antiakademische Richtung bezeichnet. Seine “Collection de l´Art Brut” in Lausanne ist eine der größten Sammlungen von Kunst sogenannter sozialer Außenseiter. Sie diente ihm oftmals als Vorlage für seine eigene Kunst.

www.louisiana.dk

Arne Quinze: “My Home, My House, My Stilthouse”

Sechs Stunden Louisiana – Sechs Kunstwerke (2)

Arne Quinze: "My Home, My House, My Stilthouse", 2011, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Arne Quinze: "My Home, My House, My Stilthouse", 2011, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das Auge sucht nach dem Betreten der Eingangshalle des “Louisiana – Museum Of Modern Art” zugleich den Blick nach draußen, in Richtung auf den Öresund und auf den vor dem Ufer liegenden herrlichen Landschaftspark mit Skulpturen der berühmtesten Bildhauer der Moderne (siehe Louisiana – Ein geniales Zusammenspiel zwischen Kunst und Natur). Und somit fällt der Blick gleichzeitig auf eine farbig markante und überdimensional große Installation von Arne Quinze: “My Home, My House, My Stilthouse”. Der 1971 in Belgien geborene Quinze sammelt gebrauchte Materialien aus Holz und stellt sie mit Hilfe von fluoreszierenden Malfarben zu Objekten zusammen.

Für das Burning Man-Festival, das alljährliche Freak-Treffen in der Wüste von Nevada, hatte Quinze 2006 eine gigantische, begehbare Sperrholzskulptur entworfen, die am Ende der verrückten Tage abgebrannt wurde. Er bewegt sich als Künstler im Grenzgebiet von Kunst, Architektur und Design und hat für den Umbau des “Bikini-Hauses” in Berlin die künstlerische Leitung übernommen. In Deutschland ist er bisher – Achtung Klatsch und Tratsch! – in erster Linie als der neue Mann an der Seite von Barbara Becker bekannt geworden.

Ich liebe Regeln, denn wenn ich sie erst einmal kenne, weiß ich, wie ich sie umgehen kann. Ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter von Chaos, dem Fehlen eines Systems. Chaos ist der Motor für meine Arbeit als Designer. Ich schaffe Chaos, das für mich am Anfang einer totalen Unabhängigkeit steht. Arne Quinze

Eine Auswahl von Quinzes verrückten “Bauten” finden Sie in der Google-Bildersuche, auf seiner Website und im Video beim Aufbau der Installation “My Home, My House, My Stilthouse” im Louisiana-Museum im Juni 2011.

www.louisiana.dk

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