Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Juli 2011

Das große Reinemachen nach der “Based in Berlin”

"Besen in Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Besen in Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Vor längerer Zeit hatte ich mir die Ausstellung “Based in Berlin” im Atelierhaus im Monbijou-Park angesehen und war so enttäuscht, dass ich keine Lust hatte, darüber zu schreiben. Eigentlich wollte ich mir noch den Ausstellungsteil in den Kunstwerken anschauen. Bei diesem Vorsatz blieb es aber. Nun ist die Ausstellung zu Ende und das ist auch gut so, um mit Wowereits Worten zu sprechen, der das Geld für die Leistungsschau “Based in Berlin” locker machte.

Endlos Banales in einer überflüssigen Ausstellung für 1,6 Millionen zeigt keine Notwendigkeit für eine Kunsthalle in Berlin. “So viele Glaubensbekenntnisse des hilflosen Nachahmens hat es vielleicht noch nie in einer Ausstellung gegeben” schrieb Heiner Bastian in “Warum ‘Based in Berlin’ gescheitert ist“. Auch das Fotografieren ist mir in der Ausstellung vergangen, so bleibt nur das Bild vom Reinemachen im Park nach der Ausstellung.

Joel Sternfeld – Der Vertreter der “New Colour Photography” im Museum Folkwang in Essen

Sternfelds Bilder zeigen ein Amerika zwischen Utopie und Dystopie

"American Dream", Foto © Friedhelm Denkeler 2004

"American Dream", Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Das Museum Folkwang widmet zur Zeit (bis 23. Oktober 2011) dem amerikanischen Fotografen Joel Sternfeld (*1944, New York) die erste europäische Retrospektive mit rund 130 Arbeiten aus über drei Jahrzehnten.

Unter dem Titel “Joel Sternfeld – Farbfotografien seit 1970″ werden insgesamt elf Projekte gezeigt. Ein Schwerpunkt liegt auf 60 Fotografien aus seinem bisher unveröffentlichten Frühwerk, das von 1969 bis in die späten 1970er Jahre reicht.

Joel Sternfeld zählt neben Stephen Shore und William Eggleston zu den wichtigsten Vertretern der “New Colour Photography”, die in den 1970er Jahren die Farbe für die Kunstfotografie entdeckten. Sein Blick richtet sich immer wieder auf sein Heimatland Amerika mit seinen Eigenarten, den Menschen und seinen spezifischen Landschaften.

1978 begann Sternfeld seine Reise durch die USA in einem VW-Bus, um sich der sozialen Topografie seines Landes zu vergewissern. Auf dieser Odyssee entstand die Serie “American Prospects”, für die er im Jahr 1987 internationale Anerkennung erhielt.

In dem daraus folgenden Projekt “Stranger Passing” (1987–2000) konzentriert sich sein Blick auf die Menschen. Es entstand ein Gesellschaftsporträt, das an die Darstellung der Deutschen aus den 1920er Jahren von August Sander erinnert. Die Serie “On This Site” (1993–1996) zeigt Orte, die auf den ersten Blick nichts Auffälliges mitteilen. Erst der begleitende Text klärt darüber auf, dass es sich um Tatorte von Verbrechen handelt.

In “Walking the High Line” (2000–2001) nähert sich Sternfeld einer stillgelegten Bahnstrecke mitten in New York, wo sich die Natur ihr Refugium zurück erobert und nur noch stellenweise auf den ehemals regen Zugverkehr in Manhattens West Side schließen lässt. “Oxbow Archive” (2005–2007) ist eine fotografische Langzeitbeobachtung der East Meadows, Northampton und zeigt die Einzigartigkeit der Jahreszeiten sowie die Auswirkungen des menschlichen Eingreifens in die Natur.

Seit Beginn seiner fotografischen Arbeit ist das Buch für Joel Sternfeld die wichtige Präsentationsform. In den letzten 20 Jahren entstanden elf Fotobände zu seinen Projekten. Begleitend zur Ausstellung erscheint unter dem Titel “Joel Sternfeld – First Pictures” ein Buch zu seinen frühen, bislang nicht publizierten Arbeiten. Die von Ute Eskildsen kuratierte Ausstellung wird im Anschluss in Amsterdam, Berlin und Wien zu sehen sein.

Quelle: Pressemitteilung, www.museum-folkwang.de. Eine Foto-Auswahl durch Google.
Eine Ausstellungsbesprechung ist geplant.

Nancy Sinatra mit “Bang Bang” und Uma Thurman mit “Death List Five”

I was five and he was six • We rode on horses made of sticks

"Bang Bang", Grafik und Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Bang Bang”, Grafik und Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In meinem dritten und letzten Artikel (siehe “Are You Ready Boots? Start Walkin’!und “Ich werde dir etwas von meinem Sommerwein geben“) zu historischen Songs von Nancy Sinatra geht es um ihr Lied “Bang Bang (My Baby Shot Me Down)” aus dem Jahr 1966. Es ist ein Titel ihres zweiten Albums “How Does That Grab You?” und ein Remake von Chers gleichnamigem Song aus dem demselben Jahr. Beide Versionen erhielten seinerzeit kaum Anerkennung.

Auch ich konnte mich an den Song kaum erinnern, das änderte sich aber schlagartig. 2003 suchte Regisseur Quentin Tarantino die Version von Nancy Sinatra für seinen Film “Kill Bill – Volume 1″ aus und dadurch wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Nancy Sinatra: “Bang Bang (My Baby Shot Me Down)”

Uma Thurman (Foto), “Black Mamba” oder “Kiddo” genannt, ist Mitglied des von Bill (David Carradine) geführten Attentatskommandos “Tödliche Viper”. Sie erwartet ein Kind von Bill, verschwindet aber nach einem Auftrag und will das Kind in besseren Verhältnissen aufwachsen lassen.

Kiddo nimmt Arbeit in einem Geschäft an und will den Inhaber heiraten. Das Kommando überfällt aus Rache die Hochzeitsgesellschaft in der Kirche von Two Pines. Nur Kiddo überlebt schwer verletzt und liegt vier Jahre im Koma. Als sie erwacht, stellt sie eine Todesliste (Kill Bill) mit der Überschrift “Death List Five“ mit jenen Namen zusammen, die ihre Hochzeitsgesellschaft überfallen haben und arbeitet die Liste nach und nach ab. Allerdings braucht sie dazu noch den zweiten Teil “Kill Bill – Volume 2″ (2004) und hier ist der Titel wörtlich zu nehmen, sie tötet Bill.

Ich werde dir etwas von meinem Sommerwein geben

Nancy Sinatra, Uschi Obermeier, Natalia Avelon
und der “Summer Wine”

Strawberries cherries and an angel’s kiss in spring, my summer wine is really made from all these things. Take off your silver spurs and help me pass the time and I will give to you summer wine. Ohh-oh summer wine.

"Der wilde Sommer mit Mirjana", Foto © Friedhelm Denkeler 1968

“Der wilde Sommer mit Mirjana”, Foto © Friedhelm Denkeler 1968

Über Nancy Sinatras bekanntesten Song “These Boots Are Made For Walkin’”, meinen Sommer-Hit aus dem Jahr 1966, habe ich berichtet (siehe “Are You Ready Boots? Start Walkin’!”. Für ihre ersten Alben, “Boots” und “How Does That Grab You?”, arbeitete sie mit dem Singer-Songwriter und Produzenten Lee Hazlewood zusammen. 1967 nahmen die beiden erstmalig gemeinsam einen Song auf, der international bekannt wurde: “Summer Wine” und der über die Jahre zu ihrer berühmtesten Aufnahme wurde.

Nancy Sinatra und Lee Hazlewood: “Summer Wine”

Dieser Klassiker wurde anschließend von vielen Musikern gecovert. Ich habe ihn als Titelsong des Films “Das wilde Leben” 2007 neu entdeckt. In dem Film geht es um das wilde Leben von Uschi Obermaier in den 1960er und 1970er Jahren. Die Hauptrolle spielt Natalie Avelon und Rainer Langhans wird von Matthias Schweighöfer dargestellt. Der Titelsong wurde von Ville Valo (Sänger von HIM) und Natalie Avelon gesungen. In dem Video

Ville Valo und Natalie Avelon: “Summer Wine” (Ersatzlink)

sind viele Szenen aus dem Film “Das wilde Leben” zu sehen. Einige wenige Stationen/Szenen der Uschi Obermeier/Natalie Avelon will ich nennen: Model für die Zeitschrift “Twen”, Bekanntschaft mit der Krautrock-Band “Amon Düül”, Mitglied der “Kommune 1″, Beziehung mit Rainer Langhans, 1968 Einladung der Rolling Stones nach London, Affären mit Keith Richards und Mick Jagger in München und ab 1974 mit Dieter Bockhorn auf einem Asien-Trip.

Are You Ready Boots? Start Walkin’!

Der Sommerhit aus dem Jahr 1966 –

Nancy Sinatras “These Boots Are Made For Walkin’”

"Badesteg am Wörther-See", Foto © Friedhelm Denkeler 1966

“Badesteg am Wörther-See”, Foto © Friedhelm Denkeler 1966

Wo bleibt der Sommerhit 2011? Nirgendwo kann ich ihn hören oder entdecken. Im letzten Jahr war es “We No Speak Americano” von Yolanda Be Cool & DCUP (siehe “Der Sommer kann kommen“). Gut, dann werde ich einmal 45 Jahre zurückblicken und schauen, was ich dort finde: “These Boots Are Made For Walkin’” von Nancy Sinatra war im Sommer 1966 am Wörther-See einer meiner Lieblingssongs in den Bars und Diskotheken.

Nancy Sinatra (* 1940 in Jersey City, New Jersey) ist die Tochter des Sängers Frank Sinatra. Ihre musikalische Karriere begann 1961 unter den Fittichen ihres Vaters – mit mäßigem Erfolg. Dieser stellte sich erst mit der Single “These Boots Are Made For Walkin’” ein. Er entwickelte sich zum Welthit und in den USA und in Deutschland stand er auf Platz 1 der Charts. Es ist ihr bekanntester Song geblieben.

Nancy Sinatra: “These Boots Are Made For Walkin”

1966 erschien unter der Regie von Lee Hazlewood ihr erstes Album “Boots”. Neben den Kompositionen von Hazlewood enthält das Werk auch Coverversionen, wie “Day Tripper” von den Beatles und “It Ain’t Me Babe” von Bob Dylan. 1967 sang Nancy im Duett mit ihrem Vater den Song “Somethin’ Stupid”. Für beide Sinatras war es ein großer Erfolg. Übrigens, 2001 haben Robbie Williams und Nicole Kidman “Somethin’ Stupid” neu interpretiert. Für den James-Bond-Film “Man lebt nur zweimal” mit Sean Connery sang Nancy Sinatra 1967 den Titelsong “You Only Live Twice”.

Nancy Sinatra spielte als Schauspielerin in verschiedenen Filmen mit. Ich kann mich aber nur an den Film “Die wilden Engel” von Roger Corman aus dem Jahr 1966 erinnern, insbesondere an die Eröffnungsszene des Films “Wild Angels” mit dem Song “Blues Theme” von Davie Allan and the Arrows. Nach der Wiederaufführung des Films im Jahr 2003 soll Nancy gesagt haben: “Mit diesem Film begann meine hoffnungsvolle Filmkarriere und endete zugleich.“

You keep saying you’ve got something for me.
something you call love, but confess.
You’ve been messin’ where you shouldn’t have been a messin’
and now someone else is gettin’ all your best.

Und es gibt noch zwei weitere Songs von Nancy Sinatra: Ein “Sommer-Song”, den sie zusammen mit Lee Hazlewood sang und den ich erst 2007 durch einen Film wieder entdeckte und zum anderen den Titelsong eines Films von Quentin Tarantino von 2003. Dazu demnächst mehr.

Ein Gruß aus der Sommerfrische

"Schöne Aussicht mit Glashaus", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Schöne Aussicht mit Glashaus", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die “Sommerfrische” macht ihrem Namen hier alle Ehre: Es ist Sommer und gleichzeitig frisch. Aber die Natur scheint sich dabei wohl zu fühlen, sie hat das aufgegebene Gewächshaus am Rande des Hestenberges inzwischen zurückerobert. Die klassische Sommerfrische wird übrigens im Wörterbuch der Brüder Grimm definiert als “Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit”. Leider ist das wohlklingende Wort mit dem Aufkommen des modernen Tourismus dem banalen Begriff “Urlaub” geopfert worden.

Mittiges zur Mitte des Monats: Ein festgefressener Stuhl

"Der orangefarbige Pfosten", aus der Serie "Mittig", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

"Der orangefarbige Pfosten", aus der Serie "Mittig", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Zur Mitte des Monats mache ich heute einmal “Werbung in eigener Sache”. Zwischen 2002 und 2008 ist eine Reihe von Fotos entstanden, die ich 2008 zur Serie “Mittig” zusammengefasst habe. Die gesamte Serie besteht aus 152 Farbprints im Format 21×29 cm auf Fotopapier im Passepartout 30×40 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 96 Seiten im Format 16 x 21 cm erschienen. Auf meiner Website www.denkeler-foto.de ist eine Auswahl von 25 Fotos zu sehen. Den Begriff “mittig” verwenden hauptsächlich Ingenieure für zentrisch. Ein Zitat, über das sich vor allem “Geisteswissenschaftler” besonders freuen werden:

“Wenn der Regler nicht mittig ist, muss die Prozentzahl ganz unten korrigiert werden, da sonst der Stuhl evtl. in einen Endbereich kommt und sich dort festfressen kann.” [aus "Der Force Profiler"]

Melancholische und magische Momente des Lebens

“Sibylle Bergemann – Polaroids” in der C|O-Galerie
im Postfuhramt in Berlin bis zum 4. September 2011

“Mich interessiert der Rand der Welt, nicht die Mitte. Das Nichtaustauschbare ist für mich von Belang. Wenn etwas nicht ganz stimmt in den Gesichtern oder Landschaften.“ [Sibylle Bergemann]

"Keine Angst vor rot, blau, gelb", Polaroid SX-70, Foto © Friedhelm Denkeler 1987

“Keine Angst vor rot, blau, gelb”, Polaroid SX-70, Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Dieses Zitat der Fotografin Sibylle Bergemann (Selbstporträt) gibt den persönlichen Anspruch an ihre künstlerischen Arbeiten wieder: Sie zeichnet in ihren Bildern die Melancholie und die magischen Momente des Alltäglichen auf. Das Polaroid-Material, insbesondere der SX-70-Film, kam ihr dabei entgegen: Die Bilder weisen oft einen Farbstich und einen leichten Schleier auf und man spürt die Patina der Originale, eben Polaroids. Es sind schöne Bilder, die aussehen als seien sie spontan entstanden, denen aber stets kompositorische Überlegungen vorausgingen (Beispiel). Sibylle Bergemann ist mit der Modefotografie groß geworden und das hat ihr Auge geprägt.

Der Tagesspiegel schreibt zu Bergemanns Bildern: “Unscharf sind auch etliche Polaroids – oft die schönsten – mit denen die Fotografin, diese so zurückhaltende wie unverwechselbare Ausnahme-Erscheinung der deutschen Fotografie, dem Betrachter noch einmal persönlich entgegentritt. Die Momentaufnahmen aus allen Schaffensperioden sind zum Teil Begleiterscheinungen ihrer Modefotografie, zum Teil Notate von Reisen und Reportagen, oft auch private Augenblicke, in der legendären Wohnung von Sibylle Bergemann und Arno Fischer am Schiffbauerdamm oder im stillen brandenburgischen Landhaus, im Garten, am Feldrand oder nur der Blick aus dem Fenster. Getragen von einem Grundton des Schwebend-Verträumten, sind es Einblicke in ein Märchenland, das vor der Haustür liegt oder im Nachbarsgarten, schon zur Entstehungszeit nicht ganz von dieser Welt, heute mehr denn je.”

Das Sofortbild an sich scheint zur Zeit ein kleines Revival zu erleben: Helmut Newtons Polaroids sind aktuell im Museum für Fotografie zu sehen (siehe “Das Unvollkommene am Perfekten“), letztes Jahr zeigte Julian Schnabel seine Polaroids in Düsseldorf, in Siegen werden ab dem kommenden Sonntag im Museum für Gegenwartkunst die vergrößerten Polaroid-Fotos von Cy Twombly ausgestellt, in Wien ist die historische Polaroid-Sammlung im Museum “WestLicht” zu sehen und jetzt Sibylle Bergemann bei C/O.

Katharina Thalbach und Nina Hagen erinnern sich in diesem Film an die Fotografin Sibylle Bergemann, die im November 2010 verstorben ist.   www.co-berlin.com

“Aufschlüsse über einen Menschen finde ich in den Dingen, mit denen er sich umgibt. Der Mensch ist da, auch wenn er auf dem Foto nicht zu sehen ist.“ Sibylle Bergemann

Kleider machen Leute – und manchmal auch Kunst

“Visions & Fashion – Bilder der Mode 1980 bis 2010″
im Kulturforum am Potsdamer Platz in Berlin

"Selbst (Paolo Simonazzi: 'Time Passages')", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Selbst (Paolo Simonazzi: 'Time Passages')", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In Berlin dreht sich zur Zeit nicht nur auf der Fashion Week alles um die Mode, sondern auch in der Kunst. In den Sonder-Ausstellungshallen im Kulturforum am Potsdamer Platz gibt es noch bis zum 9.10.2011 eine feine und sehr sorgfältig zusammengestellte Ausstellung zu sehen: “Visions & Fashion – Bilder der Mode 1980 bis 2010″. Die meisten Arbeiten stammen aus der Sammlung ‘Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek’, die 1899 als Schenkung an die Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, übereignet wurde.

Die künstlerische Interpretation von Mode in Fotografie und Illustration wird anhand von rund 200 Originalen international bekannter Fotografen, Grafiker und freier Künstler, darunter Helmut Newton, Tony Viramontes, Sarah Moon, Michel Comte, Eric Traoré, Lorenzo Mattotti, François Berthoud, Cem Bora, Gregor Hohenberg, Martin Mago, Carola Seppeler, François Cadière und Christin Losta vorgestellt. Das spannungsreiche Verhältnis zwischen Mode und ihrem Abbild wird anhand dieser Arbeiten über den Zeitraum der letzten 30 Jahre aufgezeigt.

In der oberen Sonderausstellungshalle, so finde ich, sind die interessanteren Arbeiten, in 40 Werkgruppen eingeteilt, zu sehen. “Die Zusammenstellung erfolgte in bewusst selektiver und kuratorischer Auswahl mit einem Augenmerk auf Ungewöhnlichem, auf bislang Ungesehenem sowie auf Bildern, die dem kollektiven Bildgedächtnis schon wieder entglitten sind” so die Kuratoren.

Im unteren Raum wird “die Vielfalt der medial verbreiteten Modebilder mit ihren visuellen Codes anhand unterschiedlichster Objektgattungen dargestellt: von der exklusiven Modezeitschrift Visionaire über Plakatserien (Benetton, Comme des Garçons) und Lookbooks bis hin zu Medienstationen mit ausgewählten Imagefilmen und Internetseiten” (aus der Pressemitteilung).

Mein Foto zeigt einen Ausschnitt aus der Arbeit von Paolo Simonazzi. In seiner Werkgruppe “Time Passages” stellt er Objekte der heutigen Haute Couture historischen Gemälden gegenüber, in denen Kleider als Statussymbole ebenfalls eine Rolle spielen. Die Ausstellung lädt zu einem zweiten Besuch ein.

www.smb.museum, siehe auch “Das Unvollkommene am Perfekten”

Das Unvollkommene am Perfekten

“Helmut Newton – Polaroids” im Museum für Fotografie, Berlin

"Tina 2", Polaroid SX-70, Foto © Friedhelm Denkeler 1990

"Tina 2", Polaroid SX-70, Foto © Friedhelm Denkeler 1990

Nach längerer Pause gibt es zum Wochenende wieder einen Artikel: Nein, ich war nicht auf der Berliner Fashion Week oder bei Bread & Butter unterwegs, sondern habe mich anlässlich der zwei aktuellen Ausstellungen mit Polaroids von Helmut Newton und Sybille Bergemann in Berlin mit den eigenen Polaroid-Fotos, die in den 1980er-Jahren entstanden sind, beschäftigt. Eine Auswahl von 92 Fotos, Polaroids SX-70, ist mittlerweile eingescannt und ein Buch in Vorbereitung.

Mein Zitat des Monats und die beiden Ausstellungen mit Polaroid-Fotos passen zur Modewoche in Berlin: Helmut Newton und Sybille Bergemann haben sich mit Mode beschäftigt. Zunächst zu Newton. Die Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie, Berlin, zeigt noch bis zum 20. November 2011, aus Tausenden von Bildern ausgewählt, 300 Fotos. Zwei Polaroids habe ich herausgesucht: Shooting für die Zeitschrift “Paris Match“, Monte Carlo, 1985 und für den Stern, St. Tropez 1987 sowie ein Video zur Ausstellung mit dem Kurator Matthias Harder.

Für Newton (1920 – 2004) waren die Sofortbilder mit handschriftlichen Ergänzungen eher Skizzen und Schnappschüsse aus seinen Mode-Shootings und dienten der Überprüfung der Bildkomposition und der konkreten Lichtverhältnisse. Diese Vorstudien seiner danach entstandenen perfekten Fotos zeigen eher das Unvollkommene: oft sind sie farbstichig, unscharf, überbelichtet oder verkratzt, aber sie weisen die Patina der Originale auf, eben Polaroids.

In der Ausstellung hängen allerdings nicht die originalen Sofort-Bilder, sondern großformatige, einschließlich des weißen Polaroid-Randes, aufgezogene Prints auf Alu-Dibond als Bildträger. Das charmant Unvollkommene, das Polaroid-Fotos ausmacht, ist aber im Großen und Ganzen erhalten geblieben. Eine Auswahl der “kleinen” Unikate wird in zwei Vitrinen ausgestellt und lässt sich mit den aufgezogenen Prints gut vergleichen.

Als Newtons Polaroids 1992 erstmals in der Publikation “Pola Woman“ im Schirmer/Mosel Verlag vorgestellt wurden, reagierte die Presse eher verhalten bis ablehnend, heute werden sie auf den großen Kunstauktionen mit einem Preis von bis zu 25.000 Euro gehandelt.

“Auf den Probefotos kann man Eva Herzigova, Nadja Auermann, Monica Belluci und den anderen langbeinigen Superfrauen dabei zuschauen, wie sie zusammen mit dem Fotografen quasi ihre Fingerübungen vor dem eigentlichen Shooting absolvieren: In luxuriös-dekadentem Ambiente, angetan mit High-Heels, ansonsten meist spärlich bis gar nicht bekleidet, präsentieren sie in gewohnt provokantem Newton-Stil selbstbewusst ihre schönen Körper – manchmal mit ironischem Augenzwinkern und manchmal in ihrer Qualität kaum vom späteren Foto zu unterscheiden.” (FOCUS Online).

“Provokation gehört seit jeher zur Arbeitsweise Newtons, der auch in seinen Auftragswerken stets an die Grenze des Gewohnten führte. Durch seine provokanten und gleichzeitig höchst ästhetischen Motive hat er einen immensen Einfluss auf die Mode- und Aktfotografie ausgeübt, der bis heute ikonografisch nachwirkt.” (Handelsblatt).

Siehe auch meine Ausstellungsankündigung “Helmut Newton – Polaroids” am14. Juni 2011.

Was ist Mode?

"Mode ist, was man selber trägt. Was unmodern ist, tragen die anderen", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Mode ist, was man selber trägt. Was unmodern ist, tragen die anderen", Foto © Friedhelm Denkeler 2010