Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Die Urwälder der Welt zu Gast in Düsseldorf

“Thomas Struth: Fotografien 1978 − 2010″ in Düsseldorf (2)

Wenn man im Dschungel stehen bleibt, betrachten einen die Pflanzen nach fünf Minuten als Nahrung!

"Junger Urwald", Foto © Friedhelm Denkeler 2009

“Junger Urwald”, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Alle Paradiese der Welt, denn es gibt nicht nur eins, scheinen zu Gast in Düsseldorf zu sein. Beim ersten Betreten der Grabbehalle der “Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20″ hat man das Gefühl mitten im Urwald, in den Wäldern von Brasilien, Peru, Australien, China, Japan, Florida und, ja auch in Deutschland, im Bayrischen Wald zu stehen und zwar gleichzeitig (Beispiel Thomas Struth: Paradise 29, Perù, 2005).

Trotz der zwölf Meter (sic!) hohen, aber sehr schmalen und damit schwierig bespielbaren Halle, hat Struth die Räumlichkeiten optimal mit den elf gemäldeartigen Arbeiten aus der Serie “Paradise”, die bis zu  2,5 x 3,5 Meter (sic!) groß sind und den eher “klein”-formatigen (60×80 cm) früheren schwarz/weißen Stadtbildern aus den Städten wie Düsseldorf, New York, Paris, Rom, Neapel, Tokio, Chicago oder Shanghai aus den Jahren 1978 bis 1986 sehr gut in den Griff bekommen.

“Ab 1996 entwickelte sich bei Struth der Plan für die Paradise-Bilder. Sie waren fast von Anfang an als raumgreifende Installation mehrerer, den Betrachter umgebender Werke konzipiert … Die Produktionsmethode dieser Arbeiten unterschied sich stark von derjenigen der ‘Museums Photographs’, bei denen Struth oft eine große Zahl von Aufnahmen machte, stets in neuer Variation aufgrund der ständigen Bewegung der Menschen, ehe er ein bestimmtes Bild auswählte. Bei den ‘Paradise’-Bildern konnte er sehr viel ökonomischer Vorgehen, mehr als die Hälfte der Aufnahmen wurden tatsächlich verwendet.” Zitat Ausstellungskatalog.

"Wedding, Neue Hochstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 1977

“Wedding, Neue Hochstraße”, Foto © Friedhelm Denkeler 1977

Auf den Paradies-Bildern ist der Blättervorhang so dicht, dass der Blick unmittelbar auf der Oberfläche des Bildes hängen bleibt. Im Gegensatz dazu stehen Struths zentralperspektivisch aufgebaute, meist menschenleere Straßenschluchten aus den 1970/80er Jahren (BeispielThomas Struth, Crosby Street, New York, 1978). Seine Heimatstadt Düsseldorf richtet Struth nun erstmalig eine Einzelschau aus und die frühen Werke der Serie Düsseldorfer “Straßen” können auch als Hommage an die Landeshauptstadt betrachtet werden.

Die kleinformatigen und blockweise gehängten Schwarz/Weiß-Straßenfotografien entsprechen den typischen Stadtfotografien der 1970/80er Jahre, als Beispiel seien Michael Schmidt in Deutschland und die Fotografen der “New Topographics” in den USA genannt. Als P.S.1-Stipendiat setzte Struth diese Serie in New York, und später auch in Münster, Rom, Neapel, Paris und Edinburgh fort.

Die “Paradise”-Bilder (und die “Audience”-Serie) liegen Struth besonders am Herzen. Er weist in den begleitenden Texten darauf hin und auch für mich stellen beide Serien Höhepunkte der Ausstellung dar. Im nächsten Artikel werde ich über Struths Werkgruppen in der Kleehalle, die Museums-Fotografien, die “Audiences”, seine Familienportraits, die Fotos von Kultstätten und die neuen “Industrieansichten” berichten.

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