Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Der Michael Kohlhaas-Vorhang des Frank Stella

Wenn ein Künstler und ein Ingenieur gemeinsam Kunst produzieren …

"Stellas Michael Kohlhaas-Panorama", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Stellas Michael Kohlhaas-Panorama", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der amerikanische Maler Frank Stella und der spanische Ingenieur Santiago Calatrava haben gemeinsam ein Kunstwerk geschaffen, das die Neue Nationalgalerie in Berlin, ein bisschen übersteigert vielleicht, als Weltpremiere vorstellt: “The Michael Kohlhaas Curtain”. Wie man auf meinem Photo sieht, hat das Werk im Obergeschoss einen hervorragenden Platz gefunden.

Im Zentrum der Halle steht das kraftvolle, leuchtende Monumentalbild von Frank Stella aus dem Jahr 2008. Als Malgrund diente ihm eine 40 Meter lange Lastwagenplane. Stella ist seit dem Studium mit der deutschen Kultur vertraut, deshalb wählte er als Grundlage für das Bild Heinrich von Kleists Geschichte des “Michael Kohlhaas”. Stella malt rein abstrakt, deshalb muss man schon sehr viel Phantasie besitzen, um eine Geschichte zu erkennen.

Santiago Calatrava hat für das Wandbild eine feingliedrige Architektur aus Stahl entworfen, die das Bild zu einem ringförmigen Panorama in luftiger Höhe werden lässt. Man kann es von beiden Seiten betrachten, also auch aus dem inneren Ring heraus. Michael Kohlhaas, der Rebell griff zur Selbstjustiz und ging daran zu Grunde − in Stella/Calatravas Werk gibt es, bedingt durch das Rund-Panorama, aber weder Anfang noch Ende.

Die Kuratoren schreiben: “Grelle Plastikfarben, dynamische Muster und Strukturen durchbrechen die rigide Strenge des Mies van der Rohe-Baus. Kunst, Literatur und Architektur verbinden sich zu einer energetisch ausstrahlenden Installation, die jenseits aller Kategorien steht.”

Berühmt wurde Frank Stella mit den “Shaped Paintings” − ausgeschnittenen malerischen Formen, mit denen er in den Raum vorstößt. Fast immer sind die Arbeiten literarisch oder philosophisch begründet. Calatrava nimmt stets eine Form, oft eine tierische oder organische, zum Ausgangspunkt seiner Arbeit. Er schafft gleichfalls als Architekt filigrane Brücken und Bogenbauten, so z.B. in Berlin die Kronprinzenbrücke im Regierungsviertel.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. August 2011 in der Neuen Nationalgalerie zu sehen. Den zweiten Teil der Ausstellung, Frank Stellas Mappenwerk aus den 1980er Jahren “Illustrations after El Lissitzky’s Had Gadya”, das gemeinsam mit den Vorbildern, den Lithografien von El Lissitzky im Untergeschoss der Neuen  Nationalgalerie präsentiert wird, werde ich übermorgen vorstellen.

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