Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: März 2011

Sommerzeit

"Volkspark Potsdam (BUGA-Park)", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

"Volkspark Potsdam (BUGA-Park)", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Auf die Funkuhren ist Verlass – alle Uhren waren heute Morgen eine Stunde im Plus. Zum Ausgleich dafür war mein Thermometer im Minus-Bereich. Also Winter-Temperaturen zur Sommerzeit. Nimmt man den Frühlingsanfang vom letzten Montag hinzu, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Sommer irgendwann kommen.

Die jetzige Regelung mit der Sommer-/Winterzeit gibt es seit 1980. Laut Studien passieren am Montagmorgen nach der Zeitumstellung mehr Verkehrsunfälle als an einem normalen Montag. Deshalb werde ich morgen früh auf den Brandenburger Landstraßen besonders vorsichtig fahren, also nicht schneller als die Polizei erlaubt.

Das Photo stammt aus meinem Portfolio “Sonntagsbilder”. Die gesamte Serie besteht aus 115 Photographien. Sie sind zwischen 2002 und 2005 entstanden. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 124 Seiten im Format 21 x 21 cm erschienen. Eine Auswahl von 25 Photos finden Sie auf meiner Website www.denkeler-foto.de.

Der Mann mit dem Schlapphut

"Der Mann mit dem Schlapphut", Archiv © Friedhelm Denkeler 1952

"Der Mann mit dem Schlapphut", Archiv © Friedhelm Denkeler 1952

Hermann Schmidt und sein Opel Kadett

Nein, dies ist kein Standfoto aus einem alten Hitchcock-Film, sondern mein vermutlich erstes Foto. 1952 entstanden, zeigt es die Hauptdarsteller Wilhelmine “Mimi” Schmidt und Heinrich “Heini” Meinert. Am Steuer eines Vorkriegsmodells des Opel Kadett sehen wir Hermann Schmidt. “Mecki” befindet sich als Talisman  am Rückspiegel. Wie Sie sehen, gab es bereits damals Product Placement.

Das Kraftfahrzeug stellte die Firma Opel aus Rüsselsheim als Dauerleihgabe zur Verfügung. Drei weitere Standbilder dieser Szene blieben gleichfalls erhalten. Ebenso die 6×9 cm-Negative, die ich in diesen Tagen eingescannt habe. Das Kameramodell ist leider nicht überliefert. Die Außenaufnahmen entstanden in Twiehausen Nr. 37 in Westfalen.

Mein erstes Fahrrad

"Mein erstes Fahrrad", Archiv © Friedhelm Denkeler 1954

"Mein erstes Fahrrad", Archiv © Friedhelm Denkeler 1954

“Die Sonne lacht, Blende acht”

An einem Sonntag im Frühling 1954 machten wir einige Fotos mit der 6×9-Box-Kamera meines Vaters. Wir Kinder wurden natürlich für die Aufnahmen extra “fein gemacht”. Nach der alten Fotografenweisheit “Die Sonne lacht, Blende acht” war an diesem Tag sehr helles Licht vorhanden, also ideale Bedingungen zum Fotografieren. Es entstand eine Serie mit sieben Fotos – für damalige Verhältnisse sensationell viel – auf einem Rollfilm, von dem die Negative erhalten sind. Ein Bild ist auch in unserer Wohnung entstanden, das war aber eher die große Ausnahme. Die Lichtverhältnisse waren dafür zu schlecht und ein Blitzgerät hatten wir damals nicht.

Auf dem Foto, das ich herausgesucht habe, präsentiere ich stolz mein erstes Fahrrad. Es handelte sich um ein umgebautes Damenfahrrad, das mein Vater aus einem mehr oder weniger schrottreifen Exemplar wieder aufgerüstet hatte. Eigentlich war das große Rad mit den 28-Zoll-Rädern viel zu groß für mich, deshalb wurde der Fahrradsattel “tiefer gelegt”. Mein größtes Problem war stets, die weißen Kniestrümpfe weit weg von der öligen Fahrradkette zu halten.

The Apparatjik Light Space Modulator

Eine Mischung zwischen Kunst und Popmusik –

Schattenspiele in der Neuen Nationalgalerie Berlin

"Selbst im Apparatjik Light Space Modulator", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Selbst im Apparatjik Light Space Modulator", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Zwei Wochen lang ist in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie ein – ja was denn, ein Kunstwerk, eine Installation mit Videos oder eine Musikperformance? – der Künstlergruppe Apparatjik zu sehen. Sie besteht aus vier Musikern: Guy Berryman (London) aus der Band “Coldplay”, Jonas Bjerre (Kopenhagen), Sänger der dänischen Indie-Rocker “Mew”, Magne Furuholmen (Oslo), Keyborder von “a-ha” und Martin Terefe (London).

“Apparatjik versteht sich als experimentelle Plattform und kooperiert mit einem Pool von Künstlern, Medien-Technikern, Designern, aber auch Wissenschaftlern wie dem Astrophysiker Max Tegmark oder der Kunstwissenschaftlerin Ute Bauer (MIT, Cambridge, USA)”, so der Text der Einladung. Während dieser zwei Wochen gibt die Künstlergruppe 3 Konzerte in der Nationalgalerie. Das dürfte sicher spannender werden als meine Besichtigung des weißen Kubus am Samstagmittag.

Der Kubus steht in der Mitte der ansonsten leeren, oberen Halle der Nationalgalerie und ist mit milchiger Folie überspannt. Um den Kubus herum sind auf dem Boden Spiegel ausgelegt. So hat man herrliche Blicke kreuz und quer durch die Halle (siehe Foto). Auf die Folie werden von innen heraus diverse abstrakte, farbige Bilder projiziert. Besonders in der Dämmerung dürfte dies gut aussehen, denn die Projektionen strahlen durch den Mies van der Rohe-Bau bis in den Stadtraum hinein.

“Die Aufführungen knüpfen in ihrer medialen und performativen Ausrichtung an die visuellen Experimente von László Moholy-Nagy an, der wie Mies van der Rohe, dem Architekten der Neuen Nationalgalerie, am Bauhaus lehrte … Apparatjik bezieht sich damit konkret auf den elektrisch bewegten ‘Licht-Raum-Modulator’, den Moholy-Nagy im Jahr 1930 geschaffen hatte”, so der Pressetext.

Das Werk ist noch bis zum 25. März 2011 zu sehen. Kleine Filme zum Projekt habe ich hier und hier, sowie ein Interview mit Magne Furuholmen hier entdeckt.  Die beiden nächsten Konzerte finden am 26. Und 27. März 2011 für 29 Euro statt. Das “Light-Space Modulator Mobile” von Laszlo Moholy-Nagy können Sie hier in Bewegung sehen.

… Harrisburg … Tschernobyl … Fukushima …

"Atomkraft? Nein, danke", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Atomkraft? Nein, danke", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar

Während des Autofahrens hörte ich heute im Radio, dass deutsche Atomkraftwerke nicht versichert sind. Warum? Den Versicherungsgesellschaften ist das Risiko zu groß (sic!). Eigentlich gibt es dazu nichts Weiteres zu sagen. Gut, sie sind mit 2,5 Millionen Euro versichert. Für Bagatellunfälle mag das reichen, aber ein GAU würde vielleicht 1000 Milliarden Euro Kosten.

Allein die Laufzeitverlängerung “unserer” Regierung beschert den Betreibern zusätzliche Gewinne von 119 Milliarden Euro. Müssten die AKW-Betreiber wie jeder Hundebesitzer und jeder Autofahrer eine ausreichende Haftpflichtversicherung abschließen, könnte kein Mensch den Atomstrom bezahlen. Das Problem hätte sich von allein gelöst. Fazit: Die Risiken der Atomenergie mit ihrem unschätzbaren Schadenspotenzial sind nicht beherrschbar. Atomkraft! Nein danke.

Das Paradies liegt im Baumarkt und die Apokalypse bereits hinter uns

“I (don’t) like Mondays” bei Agathe Snows “All Access World”
im Deutschen Guggenheim (bis zum 30. März 2011)

"Doppelbogen mit Brandenburger Tor", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Doppelbogen mit Brandenburger Tor", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das Deutsche Guggenheim in Berlin hat seit 1997 insgesamt 16 Auftrags-Arbeiten an zeitgenössische Künstler vergeben. Jeff Koons (2000), Bill Viola (2002), Gerhard Richter (2002), John Baldessari (2004), Jeff Wall (2007) und jetzt die New Yorkerin Agathe Snow gehören zu den Auserwählten. Unter dem Motto “I Like Mondays” ist im Guggenheim jeweils montags der Eintritt frei. Da die Ausstellungen dann meistens sehr voll sind, mag ich das nicht so sehr, aber dieses Mal, bei Agathe Snows “All Access World” ist das anders. Die Ausstellung kommt durch die zahlreichen Besucher erst so richtig zur Wirkung und lebt auf.

Während der monatelangen Vorbereitung dürfte Snow Stammkundin in den Berliner Baumärkten geworden sein. Ihre Skulpturen und Wandcollagen von Bauwerken und Konsumtempeln aus der ganzen Welt hat sie aus unterschiedlichsten Materialien, wie Pappe, Schaumgummi, Luftpolster, Maschendraht, Zweigen, Stoffen und Fellen, Harz oder Zement zusammengebaut.

Für Käufer bietet Snow ihre Werke nach deren Wünschen auch als individuelle Sonderanfertigung an. Wobei die Frage zu klären wäre, ob die in ihren Werken als Kritik angerissene Frage nach der Beliebigkeit und Austauschbarkeit von weltbekannten Bauwerken, nicht dadurch ad absurdum geführt wird. In der Ausstellung selber können Besucher die Objekte, die mit Rollen versehen auf einer Weltkarte stehen, einander neu zuordnen und anfassen. Snow hat den kühlen Raum im Deutschen Guggenheim in ein “Kinderzimmer” verwandelt. Kinder nehmen das schon einmal zu wörtlich und das Aufsichtspersonal ist stark gefordert.

Die aus Korsika stammende Agathe Snow sieht in ihrer Arbeit die Chance, bei Null anzufangen und ihre eigene Gesellschaft zu schaffen. Ihre Botschaft lautet, wir brauchen die Apokalypse nicht zu fürchten, sie hat bereits stattgefunden. Sortieren wir also die Welt nach eigenem Belieben neu.

Mein Foto zeigt einen Ausschnitt aus Agathe Snows Werk “Arches, Memories Collection, Artist at 10″. Auf Berlin-Woman finden Sie eine weitere Ausstellungsbesprechung. Einen Film (16 min.) mit einem Porträt der Künstlerin Agathe Snow und das Entstehen ihrer Arbeit “All Access World” finden sie hier.

Kompass – Zeichnungen aus dem MoMA New York

Eine Bestandsaufnahme der “Arbeiten auf Papier” aus dem Museum of Modern Art im Martin-Gropius-Bau, Berlin

"Akt auf Papier", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

"Akt auf Papier", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Ein wenig skeptisch bin ich zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstagabend in den Martin-Gropius-Bau gegangen. Wollen die Kuratoren wie bereits im Sommer 2004 mit dem Etikett “MoMA” einen erneuten Hype entfachen? Die Online-Eintrittskarten sollen für die ersten Tage schon ausverkauft sein. All das alles ließ Schlimmstes für die Vernissage vermuten: lange Schlangen mit ewigen Wartezeiten wie bei Frieda Kahlo.

Aber alles war, wie es sein sollte: Eine rundum gelungene Eröffnung mit fünf kurzen, prägnanten Ansprachen, darunter der amerikanische Botschafter und Kuratoren aus New York, ein angenehm fachkundiges Publikum und – das ist schließlich das Wichtigste – eine sehr gute Ausstellung mit 250 “Arbeiten auf Papier” von 120 Künstlern aus dem Fundus der “Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection“, die mittlerweile dem Museum of Modern Art gehört. Die Nadel des “Kompass” zeigt zwar hauptsächlich gen Westen – New York, Los Angeles, Köln und Düsseldorf sind die Zentren aus denen die meisten Werke stammen – aber man erhält einen sehr guten Überblick über die “Arbeiten auf dem Papier” nach der Zeit des Kubismus, von 1950 bis heute.

Was wir zu sehen bekommen, hat die Märkische Allgemeine sehr gut zusammengefasst: “… mit Bleistift Gekritzeltes von Joseph Beuys, Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art Collagiertes von Martin Kippenberger, Foto- und Papiergeschnetzeltes von Sol LeWitt oder Eva Rothschild. Für seinen ‘Honigstand’ benutzte Jörg Immendorff Filzstift und Kugelschreiber. Cy Twombly tropfte 2001 Polymerfarben auf ein ungetiteltes Blatt, Sigmar Polke 2003 ebenfalls, nur gegenständlicher. Cady Noland bevorzugte Kopien von Pressebildern. Robert Crumb pinselte ‘The Complete Fritz the Cat’ mit Tusche. David Hockney fand Grafit für nackte Männer passender. Marcel Odenbach klebte grünstichige Starporträts von Elvis Presley, James Dean oder Marilyn Monroe mit Noten- und Zeitungsfetzen zu einem Birkenwald zusammen und nannte das Ergebnis ‘Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen’.”

Hat es jemals eine Ausstellung mit solcher Fülle an zeitgenössischen Zeichnungen gegeben? Ich kann mich nicht erinnern. Früher galt die Zeichnung eher als Vorstadium für Gemälde, Skulpturen oder Bauwerke. Inzwischen wird sie als eigenständige Bildgattung anerkannt und geschätzt. Dabei wird der Begriff “Zeichnung” zu einengend benutzt. Alle Formen der Collage-Technik, bedruckte Elemente, Fotografien und Materialien werden mit einbezogen. Die Grundlage allein ist der Bildträger Papier, deshalb sprechen wir lieber von “Arbeiten auf Papier”.

Fazit: Eine sehr sehenswerte Ausstellung. Voller Esprit und mit bisher nie gesehenen Arbeiten. Deshalb plane ich einen zweiten Besuch und werde dann gerne auf einzelne Werke, bzw. Künstler, die mir besonders gut gefallen haben, eingehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Mai 2011 im Berliner Martin-Gropius-Bau. Einen kleinen Überblick mit 16 Zeichnungen finden Sie hier.

Robert Mapplethorpe und der Mann im Polyesteranzug

Patti Smith: “Ich war Roberts erstes Modell, sein zweites war er selbst!”

Die C|O-Galerie kann bis Ende 2011 im Postfuhramt bleiben.

Retrospektive Robert Mapplethorpe bis zum 1. Mai 2001 verlängert.

Foto © Friedhelm Denkeler 2005

Foto © Friedhelm Denkeler 2005

“Streng sezierend, radikal reduziert – Robert Mapplethorpes Stillleben und Porträts sind ruhige, formal vollendete Kompositionen in klinischer Reinheit. Bewegungen harmonieren bis ins Detail, makellose Körper werden zu Landschaften und explizit sexuelle Handlungen und Nacktheit zu kühlen, fast unerotischen Körperstudien, bei denen die technische Perfektion im Vordergrund steht. Diese auf die Spitze getriebene Ästhetisierung nimmt dem Inhalt seine Schärfe. Sie isoliert und öffnet den Blick auf das Wesentliche. Genau diese Konzentration und Sachlichkeit verleihen seinen Fotografien noch heute eine Aktualität.”

So kündigte die C/O-Galerie die retrospektive Mapplethorpe-Ausstellung an. Eigentlich ist zu Robert Mapplethorpe (1946 bis 1989) alles gesagt worden. Deshalb habe ich hier nur einige Links zu seinen Bildern Selbstporträt mit einem Knaufstock mit silbernen Totenkopf, Mapplethorpes berühmtes Foto “Der Mann im Polyesteranzug” und Patti Smith und Robert Mapplethorpe in jungen Jahren, gesetzt. In der Ausstellung ist den Portraits von Patti Smith ein eigener Raum gewidmet.

Patti, die zuerst Roberts Geliebte und nach seinem Coming-Out seine Freundin wurde, ist mit dem großartigen und, wie ich finde, ihrem schönstem Portrait zu sehen: Patti mit Anzugsjacke. Dieses Foto ist gleichzeitig auch das Cover-Bild ihrer LP “Horses” aus dem Jahr 1975. Auch das Foto Patti mit zwei weißen Tauben, das dann das Cover der LP “Waves” (1979) zierte, ist ausgestellt. Ein weiteres Portrait von Mapplethorpe zeigt Patti auf ihrer LP “Dream Of Life” (1988).

Die C/O-Galerie sollte ursprünglich die Räume im denkmalgeschützten Postfuhramt zum 31. März 2011 verlassen. Jetzt konnte sie mit dem Investor, einer Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (siehe hier), erreichen, das noch bis mindestens zum Ende diesen Jahres der Ausstellungsbetrieb weitergehen kann. Vier weitere Ausstellungen, unter anderem von Fritz Eschen “Berlin unterm Notdach – Fotografien 1945 bis 1955″ (7. Mai bis 19. Juni 2011), können zum Glück noch gezeigt werden.

Wer am höchsten fliegt, sieht am weitesten

"Blick vom Tempelhofer Feld auf Neukölln", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Blick vom Tempelhofer Feld auf Neukölln", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (3)

1945 übernahm die US-Air-Force den Flughafen Tempelhof von den sowjetischen Besatzern. Vom Juni 1948 bis zum Mai 1949 wurden alle Zufahrtswege nach Berlin (West) durch die Sowjets blockiert. Der Flughafen bekam während dieser Zeit eine völlig neue Bedeutung – die Berliner Luftbrücke entstand. Teilweise im 90-Sekunden-Takt starteten und landeten die Flugzeuge (“Rosinenbomber”), um die Versorgung von Berlin sicherzustellen. Ab 1950 wurde der Flughafen auch für die zivile Nutzung freigegeben. Die drei westalliierten Fluggesellschaften Pan Am, BEA und Air France flogen nun regelmäßig Tempelhof an. Mit dem Ende der Teilung Deutschlands und dem Baubeginn des neuen Flughafens Schönefeld endete am 30. Oktober 2008 der Flugbetrieb in Tempelhof.

Seit Mai 2010 ist das ehemalige Flughafen-Gebiet öffentlich zugänglich. Der Volksmund sagt “Wer am höchsten fliegt, sieht am weitesten”, das stimmt sicherlich. Für uns Städter allerdings ist auch der Besuch des Tempelhofer Feldes schon ein Ereignis an sich. Endlich können wir einmal den Horizont wahrnehmen und an die 2.500 Meter weit sehen. Kein Baum, Strauch und oder Gebäude, nichts stört die Sicht. 386 Hektar freies Feld bieten mitten in  der Stadt eine grandiose Fernsicht. In der Mitte des Platzes herrscht praktisch absolute Ruhe und beim Blick von der südlichen Rollbahn gegen Osten auf den Bezirk Neukölln (Foto) bekommt man einen vagen Eindruck von der Größe der Stadt. Fortsetzung folgt.

Nur Fliegen ist schöner

"Nur Fliegen ist schöner", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Nur Fliegen ist schöner", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (2)

Die Geschichte des Fliegens auf dem Tempelhofer Feld begann um 1900 mit der Stationierung der militärischen Luftschifferabteilung. Im August 1909 startete hier während einer mehrwöchigen Flugschau der erste Zeppelin und landete anschließend in der Jungfernheide. Der Luftfahrtpionier Orville Wright führte Demonstrationsflüge durch und stellte dabei den Höhenweltrekord von 172 Metern auf. Der Ruf nach einem richtigen Flugplatz wurde immer lauter und es entstand ein erster in Johannisthal. Zu weit von der Stadtmitte entfernt, stellte man bald darauf fest und so begann 1922 der Bau eines Flughafens in Tempelhof.

1923 wurde der Flughafen Tempelhof offiziell in Betrieb genommen. Im ersten Jahr starteten 150 Flüge mit insgesamt 100 Passagieren. Tempelhof entwickelte sich zum wichtigsten Flughafen Europas und wurde auf Dauer zu klein. Planungen für den Zentralflughafen Tempelhof mit der heutigen Bebauung begannen. 1942 wurde der Weiterbau eingestellt. Die Gebäude wurden Teil der von den Nazis geplanten Nord-Süd-Achse für die “Welthauptstadt Germania”. Ingesamt war Tempelhof zu dieser Zeit der größte zusammenhängende Gebäudekomplex der Welt. Fortsetzung folgt.

Unter dem Pflaster liegt der Strand

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (1)

Zwischen den Orten Schöneberg und Tempelhof lag bis zum 18. Jahrhundert ein Landstück, “Großes Feld” genannt, das von den Bauern als Ackerfläche genutzt wurde. Um 1800 diente dann ein bestimmter Teil des Gebietes dem Militär als Parade- und Exerzierplatz und Manövergelände. Ein anderer Bereich war bei den Berlinern als Naherholungsgebiet beliebt. Hier gab es den kleinen See “Schlangenpfuhl”, in dem die Besucher baden konnten.

Später wurde das Feld durch verschiedene Luftfahrtaktivitäten bekannt. Ballonfahrten starteten hier und es entstanden die ersten fotografischen Luftbildaufnahmen. 1897 fand der weltweit erste Flug eines Starrluftschiffes statt. Heute, nachdem der Flugplatz Tempelhof nicht mehr existiert und seine historische Funktion, auf die ich später noch eingehen werde, verloren hat, sprechen wir wieder vom “Tempelhofer Feld”. Für die kommende Zeit plane ich eine kleine Serie mit Impressionen vom heutigen Tempelhofer Feld.

Lyonel Feininger: “Meinen Kubismus nenne ich lieber Prisma-ismus”

Große Retrospektive Lyonel Feininger, Kupferstichkabinett Berlin, bis 15. Mai 2011 (Teil 2: Die Zeichnungen)

"Am Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Am Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Unter dem Titel “Feininger aus Harvard. Zeichnungen, Aquarelle und Fotografien” hat das Kupferstichkabinett dem deutsch-amerikanischen Maler und Grafiker Lyonel Feininger (1871-1956) eine Doppelausstellung in der Sonderausstellunghalle im Kulturforum ausgerichtet. Zum einen sehen wir Feiningers “Photographien 1928 – 1939″ (über die ich gestern bereits berichtete), zum anderen seine Zeichnungen und Aquarelle. Im heutigen Beitrag gehe ich auf die Zeichnungen und Aquarelle ein.

Die Ausstellung vermittelt einen guten Überblick über Feiningers künstlerische Entwicklung von den Anfängen um 1890 bis zu den Exil-Jahren in den Staaten ab 1937. Die Werke werden in der Ausstellung zeitlich entsprechend gegliedert: “Die frühen Jahre (Natur, Karikatur, Begegnung mit dem Kubismus und Futurismus), “Die Zeit am Bauhaus 1919-1932 und folgende innere Emigration”, “Zeichnungen und Aquarelle des Berliner Kupferstichkabinetts” und “Emigration 1937. Das Spätwerk in New York”.

Von Lyonel Feiningers Zeichnungen kannte ich bisher hauptsächlich die Werke, die das Berliner Kupferstichkabinett besitzt. Wenn ich mir jetzt alle 77 ausgestellten Aquarelle und Zeichnungen ansehe, sind die Berliner eher die schwächeren Werke. Grundsätzlich habe ich mit vielen Werken des Kubismus Probleme. Bei Feininger sieht das anders aus: Seine von ihm selbst so genannte Malweise “Prisma-ismus” empfinde ich als angenehmen und, im positiven Sinne, dem Auge gefälligeren und weiterentwickelten Kubismus. Fazit: Eine sehenswerte Ausstellung, die ich gerne ein zweites Mal sehen möchte.

Die Ausstellung des Harvard Art Museum/ Busch-Reisinger Museum, Cambridge, Massachusetts, entstand in Kooperation mit dem Berliner Kupferstichkabinett und der Staatlichen Graphischen Sammlung, München. Nach dem Ausstellungsende in Berlin wird sie anschließend in der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen sein.

Einen Film mit Feiningers Zeichnungen finden Sie hier. Über die Online-Sammlungsdatenbank des Museums in Harvard sind die Werke öffentlich zugänglich. Das Foto auf dem Plakat am Kulturforum zeigt eine Zeichnung von Feininger, vermutlich mit dem Ort Umpferstedt im Landkreis Weimarer Land. Im Hintergrund ist die St. Matthäikirche nahe des Berliner Kulturforums zu sehen. www.smb.museum

Mein Kubismus … ist genau das Gegenteil dessen, was die französischen Kubisten anstrebten. Er beruht auf dem Prinzip der Monumentalität und Konzentration bis zum Äußersten, auf meinen Visionen … Meinen Kubismus nenne ich lieber “Prisma-ismus”. (Lyonel Feininger 1913)

Ich fühlte mich 25 Jahre jünger, seit ich weiß, dass ich in ein Land gehe, wo Phantasie in der Kunst und Abstraktion nicht als absolutes Verbrechen gelten wie hier. (Lyonel Feininger im Mai 1937, wenige Tage vor seiner Emigration aus Deutschland)

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