Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst
Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der Österreicher Wolfgang Murnberger hat mit seinem Film „Mein bester Feind“ als Welturaufführung im Wettbewerb außer Konkurrenz eine solide Arbeit vorgestellt. Die Darsteller Moritz Bleibtreu, Uwe Bohm, Udo Samel, Georg Friedrich, Ursula Strauss und Susanne Lothar spielen professionell, der Film ist temporeich, die Szenen wechseln zwischen Ernst und schwarzem Humor, Drehbuch und Regie sind gut. Bis zum Schluss bleibt der Film mit seinen zahlreichen Wendungen um eine Michelangelo-Zeichnung spannend.

Murnberger: „Es war in diesem Film sehr schwierig, die Balance zu halten zwischen der Komödie und der Tragödie.“ Die beiden Hauptprotagonisten wechseln mit ihren Kleidern auch ihre Identitäten. Entstanden ist der Film nach der Romanvorlage von Paul Hengge „Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben“. Ein heikles Thema an das sich der Österreicher herangetraut hat und ob Kleider wirklich immer Leute machen, bleibt eine andere Frage.

TAZ: „Murnberger inszeniert teilweise gewohnt komisch und ironisch. Hörbar erheitert er sein Publikum. Er arbeitet auch schön das spezifisch österreichische Kriechertum heraus (Smekal: „I hoabs net so leicht ghobt, auf die Buttrseiten zu wechseln wie a Frau“). Doch der wohlgenährte Bleibtreu wirkt in dem Nazi-Kostümfilm viel zu relaxt, um einen jüdischen Häftling nach fünfjährigen KZ-Aufenthalt darzustellen. Darüber täuscht auch ein an Tarantinos ‚Inglorious Basterds‘ geschulter Humor nicht hinweg.“

WELT: „In ‚Mein bester Feind‘ wird Moritz Bleibtreu durch einen Kleidertausch zum Nazi. Fest steht: Bleibtreu sollte keine Uniform mehr tragen … Es gibt immerhin einen schönen Moment, wenn Moritz Bleibtreu in SS-Uniform sich einmal selbst im Spiegel entdeckt. Und plötzlich Respekt vor sich selber hat. Das ist mal ein wirklich perfider Witz. Kleider machen Leute.“

Wien, 30er Jahre. Victor Kaufmann, der Sohn eines weltoffenen und wohlhabenden jüdischen Ehepaares, ist in der Kunstgalerie seines Vaters tätig. Seit Kindertagen ist er der nahezu unzertrennliche Freund von Rudi Smekal. Die attraktive und lebenslustige Lena ist mit Victor liiert, aber auch mit Rudi befreundet. In einem Moment des Übermuts zeigt Victor seinem Freund ein gutgehütetes Familiengeheimnis: Eine verschollen geglaubte Zeichnung von Michelangelo.

Umso größer ist der Schock, als herauskommt, dass Rudi schon vor langer Zeit der NSDAP beigetreten ist und nach dem Anschluss Österreichs jetzt auf eine Karriere bei den Nazis hofft. Die Kaufmanns haben den richtigen Moment zur Flucht versäumt und sitzen in Wien fest. Sie überschreiben ihr Vermögen an Lena, um es vor der Beschlagnahme zu schützen. Rudi hat mit seinem Wissen um das Michelangelo-Bild angegeben. Prompt folgt der Befehl aus Berlin, das Bild sicherzustellen. Um seine alten Freunde zu retten, schlägt Rudi einen Tausch Bild gegen Freiheit vor. Doch er hat seinen Einfluss überschätzt.

Kaum taucht das Bild auf, wird die Familie Kaufmann ins KZ geschickt. Rudi verlobt sich mit Lena. Jahre später wendet sich das deutsche Kriegsglück. Die Michelangelo-Zeichnung soll als Geschenk des Führers an den Duce die Waffenbrüderschaft mit Italien festigen. Doch das Bild erweist sich als gefälscht, und der echte Michelangelo muss her. Rudi bekommt den Befehl, Victor aus dem KZ zu holen und nach Berlin zum Verhör zu bringen. Doch das Flugzeug wird abgeschossen. Die Besatzung stirbt, nur die beiden Freunde überleben … (Quelle: Filmbeschreibung)

Den Trailer zum Film finden Sie hier.