Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

„Bizim Büyük Çaresizligimiz“ von Seyfi Teoman im Wettbewerb

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Den Titel des Wettbewerbsbeitrages „Our Grand Despair“ sollte man nicht wörtlich nehmen: Die beiden Protagonisten Ender und Çetin fühlen sich in ihrem heiteren Zusammenleben und beim gemeinsamen Bohnenschnippeln ganz wohl. Die, aufgrund eines Trauerfalls für eine befristete Zeit, hinzukommende junge Nihal stört erst ein bisschen das seit Studientagen gut eingespielte Team, aber kurz darauf verlieben sich beide Männer in sie. Es beginnt eine ménage à trois in Gedanken. Jeder leidet ein wenig, aber am Ende übersteht die jahrelange Männerfreundschaft auch die Abreise von Nihal.

Türkische Männer sind auch nicht mehr das, was sie dem Klischees nach einmal waren. Seyfi Teoman jedenfalls zeigt Ender und Çetin jenseits von allem Macho-Gehabe: Sie kochen gerne, verstehen die Frauen, schreiben sogar Gedichte und gehen gerne spazieren. Und zum Dank „betrügt“ Nihal die beiden Männer letztendlich auch noch mit einem unangenehmen, aber attraktiven Möchtegern-Dichter.

Seyfi Teoman kennt sicher die Filme von Eric Rohmer und so ist auch sein Film ein bisschen zu lang geraten. Aber es ist ein schöner und stiller Film mit leisem Humor und eine Ode auf das romantische Freundschaftsideal, das keine noch so schöne Frau zerstören kann. Eine Chance auf die Bären hat er wahrscheinlich nicht, dafür ist er nicht politisch genug.

Ender und Çetin – beide Ende 30 – sind seit ihrer gemeinsamen Schulzeit enge Freunde. Çetin war lange Jahre fort. Jetzt kommt er zurück nach Ankara und zieht bei Ender ein, genau wie es sich die Freunde in ihrer Jugend immer vorgestellt haben. Ihr bester Freund Fikret, der in Deutschland lebt und seinen Urlaub in der Türkei verbringt, wird hier in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem seine Eltern ums Leben kommen, er selbst wird verletzt. Als er nach Deutschland zurück muss, bittet er Ender und Çetin, seine Schwester Nihal in ihre Männer-WG aufzunehmen, bis sie in voraussichtlich zwei Jahren ihr Studium abgeschlossen haben wird.

Nur widerwillig stimmen die beiden Freunde diesem Wunsch zu. Anfangs fühlen sie sich von der Anwesenheit der jungen Frau gestört – Nihal empfinden sie als Eindringling. Die wiederum ist durch den Verlust der Eltern schwer traumatisiert und verweigert jeglichen Kontakt mit den beiden Männern. Nach einer Weile jedoch entwickelt sich eine Vertrautheit zwischen den dreien; das alltägliche Zusammenleben in den gemeinsamen vier Wänden schweißt sie zusammen, und sie genießen es, Zeit miteinander zu verbringen.

Nihals Beziehung zu Ender, der als Übersetzer zu Hause arbeitet, ist eher intellektueller Natur, während sie mit Çetin, von Beruf Ingenieur, die alltäglicheren Unterhaltungen führt. Etwas später geschieht, was geschehen muss: Ender und Çetin, die sich liebevoll um Nihal kümmern, verlieben sich in die junge Frau, ohne von der Liebe des anderen zu wissen … (Quelle: Filmbeschreibung)