Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Wie die Menschen in Tschernobyl erbarmungslos ihrem Schicksal überlassen wurden zeigt „V Subbotu“

Foto © Friedhelm Denkeler 2010
Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Mit wackelnder Handkamera, extremen Nahaufnahmen und vielen Unschärfen nähert sich der Regisseur Alexander Mindadze mit seinem Wettbewerbsbeitrag „V Subbotu“ (An einem Samstag) jener Nacht, die der Explosion im Block Vier des Kernkraftwerkes in Tschernobyl folgte.

Einige Parteigenossen wissen um den Ernst der Lage, andere ahnen etwas und der unwissende Rest trinkt und feiert an diesem Samstag weiter, aber es ist bereits ‚fünf nach Zwölf‘. Mindadze versucht, das Gefühl, keine Alternativen zu haben, nicht fliehen zu können oder nicht zu wollen, einfach weiterzufeiern und auf dem Vulkan zu tanzen (im doppelten Sinne) in einen künstlerischen Film/ ein Kammerspiel umzusetzen.

Die TAZ schreibt dazu: „Dabei gibt sich Mindadze wenig Mühe, nachvollziehbar zu machen, warum Valerij, Vera und die wenigen anderen, die begreifen, was geschehen ist, in Hyperaktivität verfallen, ohne je ernsthaft nach einem Ausweg aus der Stadt zu suchen. Fast scheint es, als hätte das alte Klischee von der Irrationalität der russischen Seele eine Halbwertszeit von 25 Millionen Jahren.“

Im Wettbewerb um den Goldenen Bären wirkt der Film für mich deplaziert. In einer anderen, etwas experimentelleren Sektion hätte ich ihn lieber gesehen und werde den Film unter der Rubrik „Die Wege eines Films in den Wettbewerb der Berlinale sind unerfindlich“ abhaken. Trotz alledem, der Film zeigt eine wahre Geschichte: Erst 36 Stunden nach der Katastrophe wurde die Stadt evakuiert, viele Menschen starben oder erlitten schwerste Strahlungsschäden. Dieses Geschehen kann nicht oft genug in Erinnerung gerufen werden.

Samstag, 26. April 1986: Im Kernkraftwerk Tschernobyl ist ein Reaktorturm explodiert. Die Parteileitung wiegelt ab. Aber Valerij Kabysh, früher Schlagzeuger, inzwischen junger loyaler Parteifunktionär, beobachtet die Panik der Verantwortlichen und begreift, dass jede Sekunde zählt … Zusammen mit seiner Geliebten und seinen Musikerfreunden versucht Valerij, die Stadt zu verlassen. Aber das Leben lässt ihn nicht los. Es ist Samstag, die Menschen gehen spazieren, machen Einkäufe, feiern Hochzeiten; Kinder spielen im Freien.

In diesem sorglosen Trubel bleibt jeder Versuch zu entkommen ohne Erfolg. Die Katastrophe ist eine allgegenwärtige, aber unsichtbare Figur in dieser Geschichte. Als wären da Handschellen, die nicht zu öffnen sind. Ein verlorener Pass, ein gebrochener Schuhabsatz, ein verpasster Zug. Eine Hochzeit, auf der zu Ende gespielt werden muss. Dort singt Vera mit ihrer Band, die früher auch Valerijs Band war, und Valerij springt für den betrunkenen Drummer ein.

Lebensgefahr? Tödliche Strahlung? Selbst als Valerijs Band weiß, was wirklich vor sich geht, feiern sie – noch einen Wodka, noch eine Flasche Wein! Für sie bleibt nur, weiterzumachen und glücklich zu werden für den einen Moment … Es ist ein Samstag der Unschuld, und die Menschen sind erbarmungslos ihrem Schicksal überlassen … … (Quelle: Filmbeschreibung)