Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ist es Tanz, ist es Theater oder einfach nur Leben? Ein Film von Wim Wenders für Pina Bausch

Foto © Friedhelm Denkeler
Foto © Friedhelm Denkeler

Habe ich schon einmal einen reinen Tanzfilm gesehen? Jedenfalls ist es nicht mein bevorzugtes Filmgenre. Aber „Pina“, eine kinematografische Hommage an die Choreografin Pina Bausch von Wim Wenders, in der dritten Dimension zu sehen, war ein bewegender und visueller Hochgenuss. Wenders hat in seinem ersten 3D-Film, der leider außer Konkurrenz vorgestellt wurde, das Medium ohne technische Spielereien fulminant eingesetzt. Im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel, erhielt das Filmteam nach der Premiere begeisterten Beifall.

Wenders ließ das Pina Bausch-Ensemble mit seinen Stücken „Café Müller“, „Le Sacre du Printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“ in herrlich skurrilen Locations im Ruhrgebiet agieren. In erster Linie natürlich in Wuppertal, der Heimstatt des Pina Bausch-Tanztheaters. An einer Straßenkreuzung führt ein Paar einen Liebestanz auf und auf der Zeche Hohenzollern bespielt eine Tänzerin den Raum im klassischen Ballettstil. Weitere Außendrehs entstanden in einer fahrenden Schwebebahn (das sieht in 3D fantastisch aus), auf einer alten Abraumhalde und in einem Bergwerksstollen.

„In ‚Pina‘ erzählt Wenders von wirklichen Menschen und zugleich von den Rollen, die sie spielen, und er lässt beides so souverän ineinanderfließen, als hätte er nie etwas anderes gemacht als Filme über Tänzer und Tanz, über die Kunst und ihren Preis, das Leben“ so die FAZ. Das liegt sicher auch an den visuellen Möglichkeiten der neuen Technik. James Cameron gelang mit „Avatar“ zum ersten Mal die überzeugende Einsetzung – und jetzt Wim Wenders mit „Pina“. Durch diese dritte Dimension scheinen die Tänzer fast aus der Leinwand herauszutreten, man ist fast versucht, die Hand auszustrecken, so nahe fühlt man sich ihnen.

„Pina“ ist ein Film für Pina Bausch. Der abendfüllende Tanzfilm wurde mit dem Ensemble des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch in 3D gedreht und handelt von der mitreißenden und einzigartigen Kunst der großen, im Sommer 2009 verstorbenen Choreografin. Er lädt die Zuschauer ein auf eine sinnliche und bildgewaltige Entdeckungsreise in eine neue Dimension: mitten hinein auf die Bühne des legendären Ensembles und mit den Tänzern hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal – dem Ort, der mehr als 35 Jahre lang für Pina Bausch Heimat und Zentrum ihres kreativen Schaffens war.

Wenders war tief beeindruckt und bewegt, als er 1985 mit „Café Müller“ erstmals ein Stück der Choreografin Pina Bausch sah. Aus der persönlichen Begegnung der beiden Künstler erwuchs eine langjährige Freundschaft und auch der Plan für einen gemeinsamen Film. Doch scheiterte die Umsetzung lange an den verfügbaren Möglichkeiten des Mediums: Wenders spürte, dass er noch keine Form gefunden hatte, Pina Bauschs einzigartige Kunst aus Bewegung, Gestik, Sprache und Musik im Raum adäquat umzusetzen.

Erst „U2-3D“, der 2007 von der irischen Rockband U2 digital produzierte 3D-Konzertfilm, machte Wenders schlagartig klar: „Mit 3D wäre es möglich! Nur so, unter Einbeziehung der Dimension des Raumes, könnte ich mir zutrauen (und eben nicht nur anmaßen), Pinas Tanztheater in einer angemessenen Form auf die Leinwand zu bringen.“  (Quelle: Filmbeschreibung)

Den Trailer zum Film finden Sie hier. „Pina“ startet am 24. Februar 2011 in unseren Kinos.

Wettbewerbsfilm „Les contes de la nuit“. Die Wege eines Films in den Wettbewerb der Berlinale sind unerfindlich

Am gleichen Tag hatte ich bereits nachmittags einen 3D-Film im Wettbewerb gesehen: „Les contes de la nuit“ von Michel Ocelot. Warum ein Animationsfilm Scherenschnittfiguren in 3D herstellt, bleibt für mich allerdings rätselhaft. Leben Scherenschnitte nicht von 2D? Auch wie es der Film in den Wettbewerb um den Goldenen Bären geschafft hat, bleibt unverständlich. Er wäre in der Sektion „Generation“, Filme für Kinder und Jugendliche, besser aufgehoben.