Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst
Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das war sie also, die 61. Berlinale. Die Preise sind vergeben und die Enttäuschung über die Filme im Wettbewerbsprogramm bleibt. Bisher glaubte ich, dass das große „B“ auf den Plakaten der Internationalen Filmfestspiele für „Berlin“ steht. Die Berlinale rühmt sich neben Cannes und Venedig das dritte „A-Festival“ zu sein. Wenn das so weitergeht, haben wir in Berlin nur noch ein „B“-Festival. Die Kriterien für die Auswahl der Filme waren nicht erkennbar. Kurz gesagt, der gesamte Wettbewerb war ziemlich dröge und schwerfällig.

Die Entscheidung, die drei wichtigsten Bären (Goldener Bär, Silberner Bär Beste Darstellerin und Bester Darsteller) einzig und allein an den iranischen Film “Jodaeiye Nader az Simin” zu vergeben, ist für mich nicht nachvollziehbar (siehe hier). Es dürfte eine politische Entscheidung gewesen sein, die manchen Kunstfreund grämen wird. Die größte Fehlentscheidung für mich war allerdings, den deutschen Film „Schlafkrankheit“ mit dem Silbernen Bären für die beste Regie auszuzeichnen. Der Film war zum Einschlafen (siehe hier) und drehte sich ausschließlich um sich selbst.

Das Mindeste wäre es gewesen, Miranda July für ihren künstlerischen Film „The Future“ auszuzeichnen. Ihre liebevolle Geschichte über ein Pärchen, das den Sinn des Lebens sucht, war der Jury wohl nicht ernst genug (siehe hier). Dafür erhält „The Turin Horse“ von Béla Tarr, Ungarn, den „Großen Preis der Jury (Silberner Bär)“. Diesen Film habe ich nicht gesehen, aber in den 146 Minuten (sic!) soll keine Handlung stattfinden. Im 45-sekundigen Trailer sieht man 30 Sekunden lang eine Lampe brennen mit anschließender Schwarzblende.

Der STERN urteilt: „Der Preis der Zukunft … geht leider an das Filmfest von Cannes. Die großen Namen unter den Regisseuren werden alle dort vertreten sein. Angeblich weil sie nicht eher fertig geworden sind – die Wahrheit ist aber natürlich das Klima und … Cannes: Terry Malick zeigt endlich seinen „Tree of Life“, Lars von Trier ‚Melancholia‘, Pedro Almodovar ‚The Skin I live in‘, David Cronenberg ‚The dangerous Method‘ und Steven Spielberg ‚War Horse‘.

Den Besuchern in Cannes wünsche ich ein lebhaftes und kontroverses Filmfest, dass Möglichkeiten und Perspektiven künstlerischer Gestaltung aufzeigt und nicht den permanenten Stillstand zelebriert.