Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Natalie Portman in Black Swan zwischen Genie und Wahnsinn

„In dem Psychotriller Black Swan bekommt die junge, aufstrebende Ballerina Nina Sayer (Natalie Portman) die Doppelrolle ihres Lebens: In Schwanensee soll sie sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan verkörpern. Während sie die perfekte Besetzung für den weißen Schwan ist, muss sie für den Gegenpart der Figur lernen loszulassen und die dunkle Seite in sich hervorbringen … Ninas Verzweiflung wächst und sie stößt einen ebenso befreienden wie selbstzerstörerischen Prozess an, bei dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Aber ungeachtet aller Gefahren treibt Nina ihre Vorbereitungen für die Premiere des Stücks weiter – denn für sie zählt nur eines: Vollkommenheit.“ (so der Pressetext).

"Black Swan", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Black Swan“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der Verleih kündigt den Film auf dem Filmplakat in einer Unterzeile als „Psycho-erotischen Horror-Thriller“ an. Das Wort Horror nahmen wir leider erst direkt vor dem Kino zur Kenntnis! Nina lebt zwischen zwei Welten: rosa Plüschtiere im Kinderzimmer und eine ehrgeizige Übermutter, die wachend davor steht, sowie ein Ballettmeister, der sie zu Höchstleistungen antreibt.

Das Drama zwischen dem weißen und dem schwarzen Schwan, zwischen Gut und Böse müsste hauptsächlich im Kopf stattfinden. Stattdessen hat Regisseur Darren Aronofsky der langsam in den Wahn tanzenden Ballerina einen unnötigen, sehr realistischen Horror ins Drehbuch geschrieben. Und zwar mit der Holzhammermethode, damit auch der letzte Zuschauer begreift, dass er einem faustischen Drama beiwohnt.

Liebe Regisseure: Der Zuschauer ist gebildeter als ihr denkt und würde auch subtile Andeutungen verstehen! Durch diesen Psychothriller-Einschlag verliert der Film gewaltig an Authentizität, und Erotik war weit und breit nicht zu erkennen. Unverständlicherweise weist der zur Verfügung stehende Trailer in keiner Weise auf die bevorstehenden Szenen hin, sondern suggeriert ein klassisches Künstlerdrama zwischen Genie und Wahn.

Mein Fazit: Nicht empfehlenswert, wäre nicht Natalie Portman. „Mit Anmut und feuchten Augen durchmisst Portmans Nina das Martyrium, so glaubhaft – man könnte mit ihr wahnsinnig werden. Wer würde in diesem sich selbst reflektierenden Spiegelkabinett nicht den Blick dafür verlieren, was herbei phantasiert und was real ist, wer Opfer und wer Täter ist? Es ist beeindruckend zu sehen, wie die fragile Unschuld ihre Metamorphose zum stolzen, schwarzen Schwan vollzieht. Natalie Portman ist an dieser großen darstellerischen Aufgabe über sich hinaus gewachsen. Nina Sayers, die alles perfekt machen wollte, zerbricht an ihr, als der Vorhang fällt“ so urteilt DIE ZEIT.

DER SPIEGEL schreibt „Sie ist in diesem Jahr das Maß aller Dinge“. Die 29-jährige Natalie Portman hat kürzlich den Golden Globe als beste Drama-Darstellerin erhalten und ist Kandidatin für den Oscar in der Kategorie Beste Weibliche Hauptdarstellerin. Deswegen und vor allem, weil ich ihr Debüt als Zwölfjährige in „Léon – Der Profi“ von Luc Besson in bester Erinnerung habe, bin ich überhaupt in diesen Film gegangen.

Meine beiden Begleiterinnen hatten nach dem Kinobesuch aufgrund der Horrorszenen keinen rechten Appetit auf etwas Essbares. Ja, sie wollten sogar ein Drittel des Eintrittspreises zurückfordern, weil sie während dieser Zeit nicht auf die Leinwand gesehen hätten. Nach einer Kaffeepause im Büro eines klugerweise nicht mitgegangenen Menschen entdeckten wir aber den „Jäger und Sammler“, ein neues, schlicht-elegantes Restaurant in der Grundwaldstraße 81 in Schöneberg. Hier gibt es eine kleine, feine Speisekarte mit täglich wechselnden Leibgerichten des Kochs und der Wirt gibt gerne persönlich Auskunft über die ein oder andere Zutat. Das vorzügliche Essen und die schauspielerische Leistung von Natalie Portmann gaben dem Abend einen versöhnlichen Ausklang. Eindrücklich sei noch einmal gesagt, dass Black Swan kein Film für Ballettliebhaber ist!