Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Wo ist die Blaue Blume von Jeff Koons geblieben?

"Blaue Blume im Schnee", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

"Blaue Blume im Schnee", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Die „Neue Eiszeit“ kommt und „Balloon Flower (Blue)“ geht

Nichtsahnend kämpfe ich mich auf den neuen, schneebedeckten Berliner Trampelpfaden durch den Großstadtdschungel. Gibt es nicht ein neues Gesetz, das besagt, dass der Schnee weggeräumt werden muss? Egal, es ist genauso schlimm wie im letzten Winter – und das ist erst der Anfang, der kalendarische Winter beginnt schließlich erst am 22. Dezember. Deutet sich schon jetzt an, dass dieser Winter so frostig wird, wie es der vergangene war? Die Klimaexperten befürchten, jedenfalls in Europa, eine neue Eiszeit.

Auch auf der S-Bahn das übliche Chaos. Zunächst einmal fällt eine S-Bahn aus, aber irgendwann lande ich doch am Potsdamer Platz. Langsam wird es Weihnachten und ich sollte an die Weihnachtsgeschenke denken. Schon kommt der nächste Schock, die Skulptur „Balloon Flower (Blue)“ von Jeff Koons ist verschwunden. Die Plastik wurde im Jahr 2000 durch die Kunstsammlung der Daimler AG für 1,8 Millionen Euro direkt vom Künstler erworben und stand seitdem auf dem Marlene-Dietrich-Platz.

Die blaue „Balloon Flower“ ist eine von insgesamt fünf Skulpturen aus Koons Celebration-Serie. Die anderen Blumen wurden in magenta, orange, gelb und rot produziert und sind inzwischen in der ganzen Welt verteilt. 2008 wurde die magentafarbige Skulptur bei Christie’s in London für den Rekordpreis von 19 Millionen Euro versteigert. Ähnliches hatte sich Daimler jetzt bei einer Auktion von Christie’s in New York mit Einlieferung der blauen Balloon Flower erhofft. Es wurden aber „nur“ 13 Millionen Euro. So schön blau wie auf meinem Foto aus dem Winter 2006 wird es also nie wieder in Berlin glänzen.

Der US-Künstler Jeff Koons, 1955 geboren, hat in seiner Serie „Celebration“ die Formensprache von Kinderspielzeug und Geschenkartikeln in großformatige Skulpturen umgesetzt. 2008 wurde die „Celebration“-Serie in der Neuen Nationalgalerie Berlin ausgestellt (siehe Video). Das fast 3 x 3 x 3 Meter große und fünf Tonnen schwere Kunstwerk „Ballon Flower“, das wie eine Blume geformt ist, die Clowns und Straßenkünstler häufig aus Luftballons knoten, ist aus hochglanzpolierten Edelstahlgussteilen gefertigt und in einem leuchtenden Blau lackiert worden (hier ein weiteres Beispiel: „Balloon dog„).

Ein besonderes Problem bei der Herstellung war die gewünschte Lackierung. Edelstahl wird in der Regel nicht lackiert. Die thüringische Stahlbaufirma Arnold-Diller ließ daher ein spezielles Lacksystem entwickeln, das alle geforderten Ansprüche seitens des Künstlers erfüllte – hohe Transparenz und Brillanz bei gleichzeitiger Licht- und Wetterbeständigkeit. Um den speziellen optischen Effekt zu erzielen, der die brillante Tiefenwirkung ergibt, wurde die blaue Lasur in vier Schichten aufgetragen. Diese wurden anschließend angeschliffen, um wolkenähnliche Strukturen zu vermeiden. In zwei weiteren Schichten wurde der Klarlack aufgetragen und mit Zwischenschliff lackiert. Zum Abschluss wurde auf Hochglanz poliert. Die Farbigkeit der „Balloon Flower“ ist einmalig.

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