Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Dezember 2010

Sächsischer Baguetteboden

"Neues Parkett mit Still-Leben", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

“Neues Parkett mit Still-Leben”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2011 wünscht Friedhelm Denkeler

Ein sehr kurzes Video zum Jahresausklang und passend zu meinem Foto habe ich im Internet gefunden: Sächsischer Baguetteboden. Es geht um ein klassisches Missverständnis beim Fußbodenlegen (hauptsächlich in Sachsen).

Der Duden erklärt übrigens Still-Leben und Parkett wie folgt:

Still|le|ben, Still-Le|ben, das; -s, – (Malerei bildl. Darstellung von Gegenständen in künstl. Anordnung)

Par|kett, das; -[e]s, Plur. -e und -s <franz.> (im Theater meist vorderer Raum zu ebener Erde; getäfelter Fußboden)

Winter am Slatsee

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Der Name Schlachtensee geht nicht auf eine “Schlacht” zurück, sondern auf einen slawischen Begriff und verweist auf die slawische Zeit in der Mark Brandenburg. In einer Urkunde des einflussreichen Klosters Lehnin des Zisterzienserordens findet sich 1242 die einzige Erwähnung als Dorf “Slatdorp” am “Slatsee”. Nach dieser Urkunde kaufte das Kloster den gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. Zehlendorf und Slatdorp mit zwei Seen und einem Wald für 300 Mark ab. Quelle: Wikipedia

David Bowie besucht Bing Crosby zu Hause

Der Kleine Trommler – Ein kleines weihnachtliches Märchen

Come they told me / pa-rum-pum-pum-pum / A new-born king to see / pa-rum-pum-pum-pum / Our finest gifts we bring / pa-rum-pum-pum-pum / to lay before the king / pa-rum-pum-pum-pum / so to honour him / pa-rum-pum-pum-pum / when we come.

Es war einmal ein bekannter Sänger namens Bing, der den Weihnachtsabend ganz alleine zu Hause verbrachte. Plötzlich läutete es an der Haustür und David, ein Nachbar, stand vor ihm. Dieser war auf der Suche nach einem Piano, um ein Weihnachtslied zu spielen. Das passte Bing sehr gut. Er wollte gerne eines singen.

"Weihnachtliches Karussell", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

“Weihnachtliches Karussell”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Sie unterhielten sich über zeitgenössische Songs von John Lennon und über traditionelle Weihnachtslieder wie “White Christmas”. Dann sah David auf dem Piano den Text zu einem Weihnachtslied liegen, das auch sein sechsjähriger Sohn gerne hörte und sang: “Little Drummer Boy”. So sangen der  damals 30-jährige David Bowie und und der 74-jährige Bing Crosby im Duett die obrigen Zeilen. Glücklicherweise – so ist es nun einmal im Märchen – war zufällig ein Kameramann zugegen, der diesen historischen Moment im Jahre 1977 aufzeichnete:

David Bowie & Bing Crosby: “Little Drummer Boy”

Das amerikanische Weihnachtslied, das bereits im Jahr 1941 komponiert wurde, ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder seit den Fünfziger Jahren geworden. Es handelt von einem armen Jungen, der nicht das Geld hatte, dem neugeborenen König ein Geschenk mitzubringen. Stattdessen spielte er mit dem Einverständnis der Jungfrau Maria für den Neugeboreren auf der Trommel. Für Bing Crosby wurde “Little Drummer Boy” neben “White Christmas”  von Irving Berlin sein erfolgreichster Song.

Carsten Höller – Ein Rentier im Zöllnerstreifenwald

 Weihnachtliches Blinkobjekt und optische Täuschungen in der Schering Stiftung

"Im Zöllnerstreifenwald", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Im Zöllnerstreifenwald", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Nachdem ich gestern bereits die Ausstellung im Deutschen Guggenheim “Color Fields” besprochen habe (siehe hier), folgt heute der Bericht des anschließenden Besuchs in der Schering Stiftung, Unter den Linden 32-34.

Carsten Höller “beleuchtet” mit seinem Werk “Rentier im Zöllnerstreifenwald” im Projektraum der Schering Stiftung das Phi-Phänomen. Dieses bezeichnet die Wahrnehmung einer real nicht existierenden Bewegung, die im Auge durch das in kurzen Frequenzen ein- und wieder ausgeschaltete Licht zweier stationärer Lichtquellen entsteht. In einem Video erklärt Carsten Höller, was es mit dem Phi-Phänomen auf sich hat und was ihn daran interessiert.

“Mit dem für die Ausstellung in der Schering Stiftung hergestellten Rentier bestehend aus roten und grünen Glühlampen, die in Phi-Manier an- und ausgehen, setzt Höller die Betrachter einer doppelten Illusion aus: Das Rentier steht in einem mit Zöllnerstreifen bemalten Raum, welche zwar parallel zueinander verlaufen, aber als divergierende Streifen wahrgenommen werden. Die Ausstellungsbesucher werden zum Probanden ihrer eigenen Destabilisation. Sie erfahren, wie sich unstete Zwischenzustände auf das eigene Befinden und die Raumwahrnehmung auswirken. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Mechanismus der Illusionen. Wie kann es sein, dass springende Lichtpunkte gesehen werden, wenn die Lichtquelle, zu der der Lichtpunkt springt, noch gar nicht an ist? Wieso sehen die Zöllnerstreifen so aus, als würden sie nicht parallel zueinander verlaufen?” (Zitat Presseerklärung).

Die Ausstellung ist als Ergänzung zur großen Ausstellung “Soma” von Carsten Höller zu sehen. Meinen ersten Vorbericht “Ein Platz für Tiere – im Hamburger Bahnhof” finden Sie hier. Die ausführliche Besprechung anhand eines zweiten Besuchs erfolgt in den nächsten Tagen. Der Besuch der Schering Stiftung ist kostenlos und es darf fotografiert werden.

Farbfeldmalerei im Deutschen Guggenheim

Kenneth Noland, Mark Rothko, Frank Stella, u.a. mit “Color Fields”

"Rötliches Farbfeld", aus dem Portfolio "Das Prinzip der leeren Mitte", Foto © Friedhelm Denkeler 1994

"Rötliches Farbfeld", aus dem Portfolio "Das Prinzip der leeren Mitte", Foto © Friedhelm Denkeler 1994

Einen Spaziergang Unter den Linden nutzte ich, um mir die zurzeit aktuellen Ausstellungen im Deutschen Guggenheim “Color Fields” und in der Schering Stiftung “Ein Rentier im Zöllnerstreifenwald”, anzusehen. Zuerst zur Guggenheim-Ausstellung. Die Ausstellungsbroschüre leitet die Ausstellung wie folgt ein:

“In den Fünfzigern und Sechzigern begannen sich viele junge amerikanische Vertreter der abstrakten Malerei vom Kanon des Abstrakten Expressionismus und seiner Betonung des Gestischen und Emotionalen abzukehren. Dabei wandten sie sich neuen Ausrichtungen zu: einer radikal optisch orientierten Ausdrucksweise, die später unter dem Begriff “Color Field Painting/ Farbfeldmalerei” bekannt wurde, und der “Pop-Art”, die die Bilder der Massenmedien zu einem neuen Stil verarbeitete. Während sich die Pop-Art dabei kontinuierlich auf aktuelle Phänomene bezog, indem sie die Bilder der Konsumgesellschaft neu interpretierte, distanzierte sich die Farbfeldmalerei bewusst von jeglichen gesellschaftlichen Bezügen, um sich ganz auf das emotionale Potential der Farbe zu konzentrieren.”

Namhafte Künstler wie Kenneth Noland, Mark Rothko, Frank Stella und zehn weitere Künstler sind in der Ausstellung vertreten. Ein Video gibt einen kurzen, aber guten Überblick über die Ausstellung. Die nichtgegenständliche Farbfeldmalerei mit ihren großflächigen homogenen Farbfeldern ist nicht unbedingt meine bevorzugte Kunstrichtung. Einige Künstler tränken ihre großformatigen Leinwände mit Farbe, statt sie zu bemalen. Andere malen farbige Streifen auf die Leinwand oder besprühen sie. Am spannendsten fand ich noch Frank Stellas “Harran II” aus dem Jahr 1967 (siehe hier).

Der Besuch der Ausstellung war von kurzer Dauer. Es ließ sich alles auf den ersten Blick erkennen. Von dem anschließenden Besuch der Schering-Stiftung erhoffte ich mir mehr. Der Bericht folgt morgen.

PS. Das Deutsche Guggenheim bietet jeden Montag freien Eintritt und in der Ausstellung darf fotografiert werden.

“John, die Brille!” oder: “Leben im Nirgendwo viele Genies?”

Nowhere Boy – Ein Film über John Lennons Jugendjahre

"Elli Meinert", ca. 1946, © Friedhelm Denkeler

"Elli Meinert", ca. 1946, © Friedhelm Denkeler

Zum 30. Todestag von John Lennon erinnert ein, im positiven Sinne, ruhiger und unspektakulärer Film an die Kinder- und Jugendjahre Lennons im Liverpool der späten Fünfziger.

“Nowhere Boy”, der zurzeit in den Kinos läuft, zeigt Lennon, wie wir ihn bisher nicht kannten: als sarkastischen Schüler und pubertierenden Rock ’n' Roll-Rebellen auf der Suche nach Orientierung, die er zu Hause nicht bekommt. Als er fünf ist, trennen sich seine Eltern, weil seine Mutter ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Den Trailer zum Film finden Sie hier.

John wächst bei Mimi, der Schwester seiner Mutter auf, die ihn mit Strenge erziehen möchte und deren Fürsorge in den leicht unbeholfenen Worten “John, die Brille!” zum Ausdruck kommt. Eines Tages trifft John jedoch seine Mutter Julia. Diese lebenslustige Frau führt John in die aufregende Welt des Rock ’n' Roll ein. Bei einem Ausflug nach Blackpool tanzt er mit ihr vor einer Musikbox nach “Rocket 88″ von Ike Turner.

Zwischen beiden Frauen, Tante Mimi und Mutter Julia, ist John hin- und hergerissen und bleibt es bis zum frühen Tod der Mutter, den er als gerade 17-jähriger verkraften muss. Sie stirbt bei einem Unfall, als sie gerade begannen, sich einander wieder anzunähern. “Es war das Schlimmste, was mir je widerfahren ist”, sagte Lennon später.

Liverpool ist in den späten fünfziger Jahren eine triste Stadt, in der die Erwachsenen ein strenges Regiment aufrechterhalten möchten. “Dein Leben wird im Nirgendwo enden”, prophezeit der Rektor dem Schüler John als er mit einem Magazin erwischt wird. John antwortet schlagfertig: “Leben im Nirgendwo viele Genies?”. Lennon passt sich im Rocker-Outfit, mit Lederjacke und nach hinten gegelten Haaren, immer mehr und dem Rock ’n' Roll an. Seine Mutter bringt ihm das Banjospielen bei, Tante Mimi schenkt ihm eine Gitarre und er gründet seine erste Band “Quarrymen” (1956).

Natürlich war ich gespannt auf die erste Begegnung zwischen dem emotionalen John Lennon und dem viel rationaleren und talentierteren Paul McCartney im Jahre 1957. Nach anfänglicher Konkurrenzsituation lernen sich beide als ideale Ergänzung zueinander schätzen.

Der Name Beatles wird im Film kein einziges Mal erwähnt. Nur in der Schlussszene ahnt man den Beginn der Popgeschichte mit der Gründung der Beatles vor 50 Jahren. Mit den Worten “Ich fahr nach Hamburg” (1960) verabschiedet sich John von Tante Mimi. “Mit deiner neuen Band?”, antwortet sie und im Abspann läuft Johns traurigster Song Mother you had me / But I never had you und im Kino fließen Tränen.

Siehe auch mein Artikel “Du wirst vielleicht sagen, ich bin ein Träumer” über John Lennons Hit Imagine.

Vorratshaltung für wärmere Zeiten und ein Versuch zur Wasseranomalie

"Vorratshaltung", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Vorratshaltung", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Man sollte bereits jetzt daran denken, Schneebälle für wärmere Zeiten einzufrieren, um im Sommer ein Experiment zur Wasseranomalie durchführen zu können. Man füllt eine Schüssel randvoll mit Wasser und legt die gefrorenen Schneebälle vorsichtig hinein. Die Bälle werden oben schwimmen und zum Teil aus dem Wasser ragen.

Die Dichte von gefrorenem Wasser ist niedriger als die von flüssigem Wasser. Diese Anomalie beginnt bereits, wenn das Wasser vier Grad Celsius oder weniger aufweist. Das kalte Wasser treibt nach oben und Gewässer frieren dadurch von oben nach unten zu – ein Glück für die Fische. Jedenfalls so oder ähnlich soll das funktionieren. Wer will, kann dies auf Wikipedia unter Dichteanomalie genauer nachlesen. Die Schneebälle habe ich in der Ausstellung “Soma” im Hamburger Bahnhof gefunden.

Du wirst vielleicht sagen, ich bin ein Träumer

John Lennons “Imagine” – Imagine there’s no heaven/ It’s easy if you try/ No hell below us/ Above us only sky

"Graffito", Foto © Friedhelm Denkeler 1979

“Graffito”, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

In diesem Monat vor 30 Jahren wurde John Lennon in New York vor seinem Appartement im Alter von 40 Jahren ermordet. Muss man heute erwähnen, dass er als Mitgründer, Sänger und Gitarrist der Beatles weltberühmt wurde? Nein, das ist bekannt. Anfang der 1960er Jahre trat John Lennon mit den Beatles im Star-Club Hamburg und später im Cavern Club in Liverpool auf. Während dieser Zeit heiratete er Cynthia Powell und ihr Sohn Julien wurde geboren.

Die Beatles feierten in kurzen Abständen ihre weltberühmten Hits: Love Me Do (die erste Single, 1962), Please Please Me (Single und erstes Album), I Want to Hold Your Hand (1964), A Hard Day’s Night (1964, Single, Spielfilm), Michelle (1965), Eleanor Rigby (1966), Strawberry Fields Forever (1966), All You Need Is Love (1967), Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Konzeptalbum, 1967), Hey Jude (1967), Back in the USSR (1968), Lady Madonna (1968) und Let It Be (1969), um nur einige zu nennen.

1969 heiratete John Lennon in Gibraltar die Japanerin Yoko Ono, die er 1966 kennenlernte. Es folgte ihr berühmtes einwöchiges Bed-In in Amsterdam und sie gründeten gemeinsam die Plastic Ono Band. John Lennons letztes Projekt mit den Beatles war Abbey Road. Es wurde eines der erfolgreichsten Alben. 1970 verkündete Paul McCartney das Ende der Beatles.

1971 zogen Lennon und Ono nach New York. Sie traten gemeinsam in Konzerten auf und veröffentlichten erste Schallplatten. John Lennons zweites Album Imagine war das kommerziell erfolgreichste. Es erzielte weltweit Spitzenplätze in den Charts. Der Titelsong, der in der Bestenliste 500 Greatest Songs of All Time der Zeitschrift Rolling Stone auf Platz drei steht, ist Lennons bekanntester Song:

John Lennon: “Imagine”

John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 von dem Attentäter Mark David Chapman in New York vor seinem Haus, dem Dakota Building in der 72. Straße, erschossen. Wenige Stunden vor seinem Tod gab Lennon seinem späteren Mörder noch ein Autogramm. Einer der zahlreichen Fans, die sich stets vor seinem Appartement aufhielten, machte an diesem Tag das letzte Foto von John Lennon, das gleichzeitig im Hintergrund Chapmann zeigt.

Seit dieser Woche läuft im Kino der Film Nowhere Boy, der Lennons Kindheit und Jugend in Szene setzt. Ich werde ihn mir ansehen.

PS. Das Photo “Graffito” stammt aus meinem Portfolio “Photographien”, 1979. Auf meiner Website denkeler-foto finden Sie eine Auswahl von 25 Photos aus dieser Serie.

Wo ist die Blaue Blume von Jeff Koons geblieben?

"Blaue Blume im Schnee", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

"Blaue Blume im Schnee", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Die “Neue Eiszeit” kommt und “Balloon Flower (Blue)” geht

Nichtsahnend kämpfe ich mich auf den neuen, schneebedeckten Berliner Trampelpfaden durch den Großstadtdschungel. Gibt es nicht ein neues Gesetz, das besagt, dass der Schnee weggeräumt werden muss? Egal, es ist genauso schlimm wie im letzten Winter – und das ist erst der Anfang, der kalendarische Winter beginnt schließlich erst am 22. Dezember. Deutet sich schon jetzt an, dass dieser Winter so frostig wird, wie es der vergangene war? Die Klimaexperten befürchten, jedenfalls in Europa, eine neue Eiszeit.

Auch auf der S-Bahn das übliche Chaos. Zunächst einmal fällt eine S-Bahn aus, aber irgendwann lande ich doch am Potsdamer Platz. Langsam wird es Weihnachten und ich sollte an die Weihnachtsgeschenke denken. Schon kommt der nächste Schock, die Skulptur “Balloon Flower (Blue)” von Jeff Koons ist verschwunden. Die Plastik wurde im Jahr 2000 durch die Kunstsammlung der Daimler AG für 1,8 Millionen Euro direkt vom Künstler erworben und stand seitdem auf dem Marlene-Dietrich-Platz.

Die blaue “Balloon Flower” ist eine von insgesamt fünf Skulpturen aus Koons Celebration-Serie. Die anderen Blumen wurden in magenta, orange, gelb und rot produziert und sind inzwischen in der ganzen Welt verteilt. 2008 wurde die magentafarbige Skulptur bei Christie’s in London für den Rekordpreis von 19 Millionen Euro versteigert. Ähnliches hatte sich Daimler jetzt bei einer Auktion von Christie’s in New York mit Einlieferung der blauen Balloon Flower erhofft. Es wurden aber “nur” 13 Millionen Euro. So schön blau wie auf meinem Foto aus dem Winter 2006 wird es also nie wieder in Berlin glänzen.

Der US-Künstler Jeff Koons, 1955 geboren, hat in seiner Serie “Celebration” die Formensprache von Kinderspielzeug und Geschenkartikeln in großformatige Skulpturen umgesetzt. 2008 wurde die “Celebration”-Serie in der Neuen Nationalgalerie Berlin ausgestellt (siehe Video). Das fast 3 x 3 x 3 Meter große und fünf Tonnen schwere Kunstwerk “Ballon Flower”, das wie eine Blume geformt ist, die Clowns und Straßenkünstler häufig aus Luftballons knoten, ist aus hochglanzpolierten Edelstahlgussteilen gefertigt und in einem leuchtenden Blau lackiert worden (hier ein weiteres Beispiel: “Balloon dog“).

Ein besonderes Problem bei der Herstellung war die gewünschte Lackierung. Edelstahl wird in der Regel nicht lackiert. Die thüringische Stahlbaufirma Arnold-Diller ließ daher ein spezielles Lacksystem entwickeln, das alle geforderten Ansprüche seitens des Künstlers erfüllte – hohe Transparenz und Brillanz bei gleichzeitiger Licht- und Wetterbeständigkeit. Um den speziellen optischen Effekt zu erzielen, der die brillante Tiefenwirkung ergibt, wurde die blaue Lasur in vier Schichten aufgetragen. Diese wurden anschließend angeschliffen, um wolkenähnliche Strukturen zu vermeiden. In zwei weiteren Schichten wurde der Klarlack aufgetragen und mit Zwischenschliff lackiert. Zum Abschluss wurde auf Hochglanz poliert. Die Farbigkeit der “Balloon Flower” ist einmalig.

Ein Platz für Tiere – im Hamburger Bahnhof

Ein Platz für Tiere – im Hamburger Bahnhof

"Ein Platz für Tiere – im Hamburger Bahnhof", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Tableau vivant – ein lebendes Bild

Im Zentrum der aktuellen Ausstellung “Soma” von Carsten Höller im Hamburger Bahnhof steht die Suche nach dem Soma, dem Göttertrank. Dazu hat Höller im Doppelblindversuch in der großen Halle, links und rechts der Mittelachse, jeweils sechs Rentiere aus der Uckermark, zweimal sechs Kanarienvögel in Voilieren, je ein Mäusepärchen in schwarz und weiß, sowie jeweils eine  Stubenfliege in einer Vitrine dem “Soma-Test” ausgesetzt.

In der Mitte sieht man das Hochbett, in dem Gäste übernachten können. Sie werden ebenfalls Teil des lebenden Bildes. Ob sie auch Teil des Versuches sind, war nicht herauszufinden. Dass es sich um lebende Tiere handelt, konnte ich beim Betreten des Hamburger Bahnhofs bereits merken, ein deutlicher Stallgeruch liegt in der Luft.

Die Installation sieht man erst, wenn man die Zuschauertribüne umrundet hat (von dieser aus ist mein Foto entstanden) und in die Historische Halle blickt. Der erste Eindruck ist überwältigend. Eine Bewertung möchte ich deshalb erst nach einem zweiten Besuch der Ausstellung vornehmen. Eine Ausstellungsbesprechung folgt  in Kürze.

www.hamburgerbahnhof.de

Archiv