Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ist Berlin nur eine große Modellbahnanlage?

Im Film Little Big Berlin von Pilpop 
sieht Berlin wie eine Spielzeugwelt aus

"Ein Bücherturm mit Tilt Shift", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

"Ein Bücherturm mit Tilt Shift", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Der Kurzfilm Little Big Berlin von Pilpop, hinter dem Pseudonym steckt der Berliner Phillip Beuter, ist zur Zeit der Renner im Internet. Also, dann mache ich dafür auch noch ein bisschen Werbung. Der achtminütige Film nutzt die Tilt Shift-Technik zur gefühlvollen Inszenierung der Stadt und wird musikalisch untermalt mit der Hungarian Rhapsody No.2 von Franz Liszt. Bedingt durch technischen Trick und Zeitraffer erschafft Pilpop eine wunderschöne Miniaturoptik. So, jetzt sollten Sie sich diesen Film aber erstmal ansehen (bitte im Vollformat und in voller Länge):

Little Big Berlin.

Viele Alltagsszenen, prominente Gebäude und Plätze sind aus erhöhten Standpunkten, wie dem Fernsehturm am Alexanderplatz oder der Humboldt-Box am Lustgarten, gefilmt worden. Durch die Tilt Shift-Technik entsteht eine interessante Unschärfe, die das Geschehen auf ein einmaliges Kleinformat reduziert. Die Faszination dieser „neuen“ Sinfonie der Großstadt wird durch die passende klassische Musik noch verstärkt. „Für die Japaner“, sagt Beuter, will er demnächst einen Film im Allgäu drehen –  über das Schloss Neuschwanstein.

Der Begriff Tilt Shift leitet sich von einem Spezialobjektiv für die Fotografie oder Projektion ab. Damit kann man das Linsensystem gegenüber der Filmebene verschieben und verschwenken. Durch das Verschwenken (Tilt) lässt sich die Schärfeebene verlagern (nach Scheimpflug). In der Regel wünscht man eine durchgehende Schärfe (Technik) oder eine selektive Schärfe (zur Bildgestaltung). Mit Hilfe der Verschiebung (Shift) lässt sich eine perspektivische Verzerrung korrigieren (stürzende Linien). Diese Effekte kann man natürlich, wie in Little Big Berlin, auch per Software erreichen.

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