Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: November 2010

Ist Berlin nur eine große Modellbahnanlage?

Im Film Little Big Berlin von Pilpop 
sieht Berlin wie eine Spielzeugwelt aus

"Ein Bücherturm mit Tilt Shift", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

"Ein Bücherturm mit Tilt Shift", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Der Kurzfilm Little Big Berlin von Pilpop, hinter dem Pseudonym steckt der Berliner Phillip Beuter, ist zur Zeit der Renner im Internet. Also, dann mache ich dafür auch noch ein bisschen Werbung. Der achtminütige Film nutzt die Tilt Shift-Technik zur gefühlvollen Inszenierung der Stadt und wird musikalisch untermalt mit der Hungarian Rhapsody No.2 von Franz Liszt. Bedingt durch technischen Trick und Zeitraffer erschafft Pilpop eine wunderschöne Miniaturoptik. So, jetzt sollten Sie sich diesen Film aber erstmal ansehen (bitte im Vollformat und in voller Länge):

Little Big Berlin.

Viele Alltagsszenen, prominente Gebäude und Plätze sind aus erhöhten Standpunkten, wie dem Fernsehturm am Alexanderplatz oder der Humboldt-Box am Lustgarten, gefilmt worden. Durch die Tilt Shift-Technik entsteht eine interessante Unschärfe, die das Geschehen auf ein einmaliges Kleinformat reduziert. Die Faszination dieser “neuen” Sinfonie der Großstadt wird durch die passende klassische Musik noch verstärkt. “Für die Japaner”, sagt Beuter, will er demnächst einen Film im Allgäu drehen –  über das Schloss Neuschwanstein.

Der Begriff Tilt Shift leitet sich von einem Spezialobjektiv für die Fotografie oder Projektion ab. Damit kann man das Linsensystem gegenüber der Filmebene verschieben und verschwenken. Durch das Verschwenken (Tilt) lässt sich die Schärfeebene verlagern (nach Scheimpflug). In der Regel wünscht man eine durchgehende Schärfe (Technik) oder eine selektive Schärfe (zur Bildgestaltung). Mit Hilfe der Verschiebung (Shift) lässt sich eine perspektivische Verzerrung korrigieren (stürzende Linien). Diese Effekte kann man natürlich, wie in Little Big Berlin, auch per Software erreichen.

Die verklebte Mitte

"Schwarz-gelbe Mitte", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Schwarz-gelbe Mitte”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Das Portfolio “Mittig” habe ich 2008 abgeschlossen, dennoch finde ich immer wieder neue Motive, wie hier auf der Baustelle am “Schöneberger Kreuz”. Das Photo ist gleichzeitig eine Reminiszenz an Andreas A. Koch und seine Serie “Geklebte Stadt“. Der Künstler stellte letzte Woche in dem Berliner Salon von Dr. Carola Muysers seine Arbeit ”Zufällig Philadelphia” im Gespräch mit dem Kurator und Kunstwissenschaftler Peter Funken auf lebendige, anschauliche und amüsante Weise vor.

Auf meiner Website “Denkeler Foto” finden Sie eine Auswahl von 25 Photos aus meiner Serie “Mittig”. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien im Format 21 x 29 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 96 Seiten im Format 16 x 21 cm erschienen.

Grete Stern – Gran Chaco

Fotoreportagen aus dem Norden Argentiniens 1958 bis 1964

"Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Im Ethnologischen Museum in Dahlem in der Lansstraße 8 sind bis zum 30.Januar 2011 Fotos von Grete Stern (Elberfeld 1904 – Buenos Aires 1999) zu sehen. Die Ausstellung zeigt hauptsächlich ihre dokumentarischen Sozialstudien der ethnischen Gruppen aus den Provinzen Gran Chaco, Formosa und Salta im Norden Argentiniens. Sie sind zwischen 1958 und 1964 während einer ethnologischen Expedition, im Rahmen eines Lehrauftrages und eines Stipendiums in den Dorfgemeinschaften der Indianer entstanden.

Zur Dokumentation der Lebens-bedingungen der Indios und ihrer handwerklichen Techniken hat Grete Stern Porträts von Personen und Gruppen, Kunsthandwerk, Hausformen sowie Landschaften aufgenommen. In der Ausstellung treten die Bilder in einen Dialog mit einer Auswahl von ethnographischen Objekten der indigenen Gruppen aus dem Ethnologischen Museum Berlin. Sie werden in vier Kapiteln vorgestellt: Kulturen in Bewegung, die Welt der Männer, die Welt der Frauen sowie Schamanismus und Religiosität. Eine Präsentation von ausgewählten Fotos habe ich hier gefunden.

Am Bauhaus lernte Grete Stern (hier ein Selbstporträt als Collage) ihren zukünftigen Ehemann, den argentinischen Fotografen Horacio Coppola kennen. 1934 emigrierte das Paar zunächst aus Nazi-Deutschland nach London, ein Jahr später nach Argentinien. 1936 eröffnete Grete Stern mit ihrem Ehemann in der Hauptstadt Buenos Aires ein Studio für Werbung und Fotografie. Das zeitgleich erworbene Haus wurde zum Treffpunkt für progressive Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle.

Bekannt wurde Grete Stern in den 1930er Jahren durch die gemeinsame Arbeit mit Ellen Auerbach und ihrer Porträt- und Werbefotografie im gemeinsam betriebenen Fotostudio ringl + pit in Berlin. Zwei Semester lang besuchte sie zusätzlich die Fotoklasse von Walter Peterhans am Berliner Bauhaus.

Ihre, in dieser Zeit erworbene Collage-Technik, fand später in Argentinien ihre Anwendung. Zwischen 1948 und 1951 erstellte sie wöchentlich eine Fotomontage für die Zeitschrift Idilio. Artikel, die der psychologischen Beratung dienten und sich mit Träumen beschäftigten, illustrierte sie. Diese Fotomontagen weisen unabhängig von ihrer ursprünglichen Funktion eine hohe künstlerische und für die damalige Zeit große handwerkliche Begabung auf (siehe Art of Photography – Grete Stern).

Diese zuletzt genannten Arbeiten sowie Grete Sterns Stillleben, Portraits und Landschaften werden in einem Einführungsteil zur Ausstellung nur zusammengefasst dargestellt. Insofern ist der Untertitel der Ausstellung “Vom Bauhaus zum Gran Chaco” eher irreführend, da hauptsächlich ihre dokumentarischen Arbeiten, die mehr für ethnologisch Orientierte interessant sind, zu sehen sind. Von den aus meiner Sicht künstlerisch interessanteren Fotos hätte ich gerne mehr gesehen. Das aber war nicht Ziel dieser Ausstellung. Eine Auswahl weiterer Fotos finden sie hier.

Hier kommt der neue Trend – Verpixelte Photos

"Verpixeltes Café Kranzler", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Verpixeltes Café Kranzler", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Nicht ohne meinen Rechtsanwalt –
Café Kranzler am Kurfürstendamm verpixelt

Bevor ich wieder eine “Berechtigungsanfrage wegen Urheberrechtsverletzung” von einem Rechtsanwalt erhalte, habe ich sicherheitshalber das Café Kranzler auf dem heutigen Photo, es zeigt das Neue Kranzler-Eck in Berlin, unkenntlich gemacht. Eine unverpixelte Version des Café Kranzler finden Sie aber mit dem gelben Google-Pegman auf Google Street View und das in einer 360 Grad-Panorama-Version der Ecke Kurfürstendamm/ Joachimsthaler Straße. Ich hoffe, dass die ganze Verpixelei bald kein Thema mehr ist.

Warum bewahren wir Photographien auf?

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

“Warum bewahren die Leute Fotos auf?” “Warum? Weiß Gott, warum. Warum bewahren sie alles mögliche auf – Trödel, Kitsch, dies und das? Sie tun’s eben.” “Bis zu einem gewissen Punkt stimme ich Ihnen zu. Es gibt Leute, die alles mögliche aufbewahren. Und es gibt Leute, die alles wegwerfen, sobald sie es nicht mehr brauchen. Das ist eine Frage des Naturells. Aber jetzt spreche ich ausdrücklich von Fotografien. Warum bewahren die Leute speziell Fotografien auf?” “Wie gesagt, weil sie eben nichts wegwerfen wollen. Oder weil es sie an etwas erinnert…”

Darauf hatte Poirot nur gewartet.

“Stimmt. Es erinnert sie an etwas. Und jetzt fragen wir wieder – warum? Warum bewahrt eine Frau eine Fotografie auf, die sie in ihrer Jugend zeigt? Ich behaupte, der Hauptgrund dafür ist die Eitelkeit. Sie war einmal ein hübsches Mädchen und bewahrt die Fotografie auf, um sich daran zu erinnern, was für ein hübsches Mädchen sie war. Es muntert sie auf, wenn der Spiegel ihr unangenehme Dinge erzählt. Sie sagt vielleicht zu ihrer Freundin: ‘So habe ich mit achtzehn ausgesehen’ und dann seufzt sie… Stimmen Sie mir zu?”

Aus “Vier Frauen und ein Mord (Mrs. McGinty’s Dead)” von Agatha Christie, 1952

Herbstgruß aus Krottorf

"Herbstgruß aus Krottorf", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Herbstgruß aus Krottorf", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Vor zwei Jahren ist mein Portfolio “Krottorf” in Krottorf entstanden. Seit mehreren Jahren bin ich immer Mitte November in dem Dorf im Harzvorland, inmitten der Magdeburger Börde, zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Harz.

Seit 1993 gehört Krottorf zur Verwaltungsgemeinschaft Gröningen. Erstmalig wurde die gleichnamige Burg Crottorf 1118 in einer Schenkungsurkunde des Bistums Halberstadt an “den Edlen Otto de Cruthup“ erwähnt. Zahlreiche Bodenfunde im Ortsgebiet beweisen eine frühe Besiedelung, wobei der wertvollste Fund eine Goldschale aus der Zeit um 1000 v. Chr. ist. 1896 wurde an einer ehemaligen Wassermühle ein Elektrizitätswerk gebaut. Heute ist dort der Sitz der e•on|Avacon AG-Akademie.

Auf meiner Website “Denkeler Foto” finden Sie eine Auswahl von 24 Photos aus der Serie “Krottorf”. Das gesamte Portfolio besteht aus 83 Photographien im Format 30×45 cm im Passepartout 50×60. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 88 Seiten im Format 21 x 27 cm erschienen.

Fotospaziergänge “Im Wedding” aus dem Jahr 1978

Neues Autoren-Fotobuch von Friedhelm Denkeler

"Schultheiss an der Aegirstraße", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1977

"Schultheiss an der Aegirstraße", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1977

Zwischen Oktober 1977 und März 1978 habe ich mehrere Fotospaziergänge im Berliner Bezirk Wedding unternommen, der seit der Gebietsreform im Jahre 2001 zum Bezirk Mitte gehört. Die 159 Fotos stammen somit ausschließlich aus dem damaligen Wedding. Die Auswertung und Veröffentlichung der Bilder nach 32 Jahren verdeutlichte mir, dass trotz ähnlicher Sujets meines damaligen Lehrers an der Werkstatt für Photographie, der selbst im Wedding fotografierte, meine Bilder eine eigene Sprache sprechen. Sicherlich ist das Buch auch als eine verspätete Trotzreaktion auf sein “Verbot”, weiter im Wedding zu fotografieren, zu sehen. Um die Fotos nicht nur nacheinander zu präsentieren, habe ich eine Aufteilung in fünf Kapitel vorgenommen, die Übergänge sind aber fließend.

Das erste Kapitel trägt den unsichtbaren Titel Stadt mit einer dichten Bebauung in den Geschäfts- und Wohnstraßen. Alte Bausubstanz wechselt sich ab mit Flachbauten, die die kriegsbedingt fehlenden Eckhäuser ersetzten und in denen nunmehr neue Geschäfte und Dienstleistungen Einzug gehalten haben. Baulücken ermöglichen den Blick in Hinterhöfe. Erste türkische Läden tauchen auf und eröffnen zum Beispiel neben einer typisch deutschen Wienerwald-Filiale. Der Kohle- und Kokshändler Rudi Arlt steht für die zahlreichen mit Kachelöfen beheizbaren Wohnungen Berlins.

Unrenovierte Brandmauern stehen im Kontrast zu ersten Versuchen, die Hinterhöfe mit Hilfe von Verbundpflastersteinen “wohnlicher” zu gestalten. Typische Berliner Kneipennamen wie “Gropius-Quelle” oder “Humboldt-Eck” stehen für Altberliner Traditionen. Hochherrschaftliche Verwaltungs- und Gerichtsgebäude finden sich ebenso wie gut erhaltene und schöne Eckhäuser. Die Schering-Gebäude sind eng mit dem Wedding verbunden, gleichwohl wie S-Bahnhöfe, Brücken und der neue Brunnen an der Dankeskirche auf dem Weddingplatz, beide aus Beton gebaut.

Viele einzeln stehende Häuser, teilweise nur zweistöckig, prägen den zweiten Teil, der auch Pittoresken heißen könnte, wohlwissend, dass aus heutiger Sicht weniger eine Idylle, sondern eher Skurrilitäten und Grotesken gemeint sind. Remisen, Schuppen, Garagen und historische Gewerke wie Hufbeschlag und Wagenbau, ein Hundesalon, offene und verwilderte Gewerbehöfe, Schrottplätze und Altautos prägen dieses Kapitel.

"Leitern im Hinterhof", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1978

Meine Fotos zeigen weniger eine Dokumentation des damaligen Wedding, sondern geben Stimmungen wieder. Das zeigt sich insbesondere in den Fotos des dritten Kapitels, die ausschließlich im Winter bei Schneetreiben entstanden sind. Sie geben auch Zeugnis von den ersten Graffitis, wie “Freiheit für die Agitdrucker” oder den mit Kreide geschriebenen Hinweis an der Haustür, wann der Schornsteinfeger kommt. Die winterliche Panke, der historisch tiefe Benzinpreis von 91,9 Pfennigen und der geschlossene Laden “Spandauer Volksblatt”, der die endgültige Einstellung des Blattes im Jahr 1992 bereits vorweg zu nehmen scheint, sind weitere Themen im Winterkapitel.

Die Neubauten im vierten Kapitel zeigen das Sanierungsgebiet Wedding mit seinen neuen Wohnanlagen, von denen die ersten bereits Verwitterungsspuren aufweisen. Trostlose Kinderspiel- und Bolzplätze haben keine Benutzer gefunden und immer wieder stößt der Betrachter auf der einen Seite auf die Mauer mit dem Todesstreifen und auf der anderen liegt der Blick frei auf den Volkspark Humboldthain mit dem Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg und auf die von Bernau kommende und in die Spree mündende 29 Kilometer lange Panke mit den daran angrenzenden Kleingärten.

Die Fotos des letzten Kapitels sind bereits bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr entstanden. Lichte, freigeräumte Grundstücke, entkernte Häuser und Fabrikgebäude, die von Beschäftigung und Aufschwung zeugen, versuchen zu versöhnen, werden aber gestört durch das Graffito “Sender Terror” des Sendermanns, der damals auf Einkaufsstraßen und Demonstrationen verkündete, dass die Geheimdienste in jedem zweiten Haus Sender installiert hätten, die direkt in die Gehirne strahlen würden. Und immer wieder geht der Blick auf die Gebäude von Schering und deren Logo, das nun nach der Übernahme durch Bayer im Jahr 2006, endgültig getilgt wird.

Auf meiner Website denkeler-foto sind dreißig Bilder aus dem Fotobuch zu sehen.

Der Lindwurm von Klagenfurt

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

Der Lindwurm, ein schlangen- und drachenartiges Fabelwesen (Nibelungen-Saga), ist das Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt und stellt zugleich das Wappentier der Stadt dar. Aus einem einzigen Block Chloritschiefer wurde das 124 Zentner schwere Ungetüm herausgearbeitet und im Jahr 1593 aufgestellt. Auf diesem Photo, das 1965 anlässlich eines Camping-Urlaubs am Wörthersee in Österreich entstand, ist noch der ursprüngliche Standort zu sehen. 1972 wurde der Brunnen im Zuge des Baus einer Tiefgarage versetzt, aber noch immer strömt das Wasser aus dem geöffneten Maul heraus.

Licht und Schatten von László Moholy-Nagy

Die Arbeiten des frühen Pioniers der Lichtkunst sind noch bis zum
16. 01.2011 in einer Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, Berlin, zu sehen

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Gestern Abend wurde eine große Gesamtschau mit über 200 Arbeiten von László Moholy-Nagy, im Beisein seiner aus den USA angereisten Tochter Hattula Moholy-Nagy, im Martin-Gropius-Bau eröffnet. Mit ihrer Hilfe gelang es auch, die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Besitz von 30 internationalen Leihgebern zu bestücken.

Das Centre Pompidou, die New Yorker Rosen Gallery, die Tate Gallery in London und niederländische Museen verliehen ihre Arbeiten nach Berlin. Bereits 1929 zeigte Moholy-Nagy im selben Gebäude, dem damaligen Kunstgewerbemuseum, in der Werkbundschau “Film und Foto” seine Bilderwand, die in der aktuellen Ausstellung annähernd rekonstruiert wurde.

Laszlo Moholy-Nagy war fasziniert vom Licht. In den 1920er Jahren schuf er seine “Fotogramme”, experimentierte mit Licht und Schatten in der Fotografie und entwarf Bühnenbilder aus Licht. Die  Berliner Ausstellung geht jetzt dieser besonderen Faszination Moholy-Nagys nach. “Als ich die Idee zur Ausstellung entwickelte, fiel mir auf, das in Moholy-Nagys bisheriger künstlerischer Rezeption etwas fehlte: Immer waren die Ausstellungen retrospektiv angelegt, und zeigten Werke aus allen Schaffensphasen. Ich wollte dagegen vorführen, dass es in seiner Arbeit eine Idee gibt, die alle seine künstlerischen Bereiche verbindet: Die Kunst des Lichts”, so die Kuratorin Olivia Maria Rubio.

Moholy-Nagys Arbeiten weisen ein breites Spektrum an Ideen auf. Malerei, Fotografie und Werbung und Industriedesign sah er als gleichwertig an. Zeitgleich zu Man Ray erfand er das “Fotogramm”, die Herstellung von Bildern nur mit Licht, ohne Kamera. Das Berlin jener Jahre hat ihn stark geprägt, einzelne Fotos erinnern an Bilder von Heinrich Zille. “Man würde ihn heute nicht kennen, wenn er nicht in Berlin gelebt und gearbeitet hätte” (Hattula Moholy-Nagy).

Auf der Website des “George Eastman House – Still Photograph Archive” finden Sie eine große Auswahl an Photos von Moholy-Nagy (als Thumnails, lassen sich vergrößern). Vier Fotos möchte ich herausstellen: Spring, Berlin”, 1928, “Study with pins and ribbons”, 1937, “Chairs at Margate”, 1935 und “Two nudes”, ca. 1925.

Der Fotograf, Maler und Designer László Moholy-Nagy wurde 1895 in Ungarn geboren und starb 1946 in Chicago. Nach einem abgebrochenen Jurastudium kam er 1920 nach Berlin. Zwischen 1923 und 1928 lehrte er am Bauhaus in Weimar und Dessau.  1934 emigrierte er vor den Nazis zunächst nach Amsterdam, dann nach England und später in die USA. In Chicago gründete und leitete er das New Bauhaus.

www.gropiusbau.de