Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Eingepasst

Portfolio »Eingepasst – Die amtliche Bestätigung ins Gegenteil verkehrt«

Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

"Eingepasst – 1. Oktober 1968", Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 1987, aus dem Portfolio "Eingepasst"

„Eingepasst – 1. Oktober 1968“, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 1987, aus dem Portfolio „Eingepasst

Im Mittelalter besaßen Orden, Kardinäle und Fürsten Siegelstempel und Siegelringe, die zum Besiegeln verwendet wurden. Man kann sie als Vorläufer des Stempels ansehen; seit damals sind sie unverzichtbarer Bestandteil im Warenverkehr und bei Beurkundungen. Mit dem Einsetzen des Postverkehrs kam der Poststempel dann ab dem 17. Jahrhundert zum Einsatz. Durch das Stempeln der Briefmarken sollte verhindert werden, dass sie mehrfach verwendet wurden. Seit 1885 gehört das Foto zum Ausweis, damals war er aber eher urkundenartig. Diese erkennungsdienstlichen Fotografien waren sachlich und nüchtern. Sie sollten vor allem der Polizei zur Kontrolle zu dienen.

»Stempel August Meinert, Vorsitzender des  Vereins der Kaninchenzüchter«, Archiv © Friedhelm Denkeler 1956

»Stempel August Meinert, Vorsitzender des Vereins der Kaninchenzüchter«, Archiv © Friedhelm Denkeler 1956

In den 1950er Jahren besaß mein Onkel Heinrich, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins der Kaninchenzüchter, einen Stempel (siehe Bild), der mich als Kind faszinierte. Leider sind der Stempel und das dazugehörige Stempelkissen für immer verloren gegangen. Aber glücklicherweise befindet sich ein Stempelabdruck auf einer Ansichtskarte vom 22. Mai 1956 (siehe Foto). Den Stempelabdruck „Aug. Meinert (mit Kaninchen)“  neben dem Stempel der „Deutschen Bundespost“ dürfte ich damals aufgebracht haben. Das war sicherlich der Auslöser für meine „Stempelleidenschaft“.

Im Verlaufe meines Lebens haben sich diverse Passbilder, die für Personalausweise, Reisepässe, BVG-Monatskarten, Führerscheine, Wehrpässe, Jugendherbergsausweise (Bleibenausweis), etc. Verwendung fanden, angesammelt. Wie im wirklichen Leben wurde in solchen Dokumenten, als Nachweis für die amtliche Bestätigung, viel gestempelt. (insbesondere auf den Fahrten durch die DDR!).

Das habe ich ebenfalls mit meinen Passbildern symbolhaft gemacht, so dass durch das „rauschhafte“ Überstempeln mit jedem Stempel „die Identität Stück für Stück hinter den Dienststempeln, die für die Bürokratie, für das administrierte Leben im Sozialverbund stehen, verloren geht. Das Leben verlischt mehr und mehr hinter dem bildhaften Ikon … Dient das Passbild primär zur Identifikation und damit als Existenzbeweis (der Pass steht für den Menschen), wirken Denkelers Bilder nun entgegengesetzt“… „Der Bürokratismus, als typisch deutscher Wesenszug verschrien (ob zu Recht oder Unrecht spielt dabei schon keine Rolle mehr), kommt dem Betrachter dabei in den Sinn. Denkelers Eulenspiegelei macht ihn zur Karikatur“ [Zitate Enno Kaufhold, „Photographie hat Sonntag“, NGBK und „PHOTONEWS“, Oktober 1991]

Meine Arbeit „Eingepasst“ aus dem Jahr 1987 (mit einem Nachtrag 2009) steht so langsam für das baldige Ende der „schönen“ Stempelei, denn mit dem Einzug des Digitalen in unser Leben ist sie aus der Mode gekommen. Und deshalb habe ich die Serie mit dem Bild „01. April 2009“ endgültig abgeschlossen.

Als Eulenspiegelei bezeichnet wird ein Schelmenstreich nach Art des Till Eulenspiegel, den jemand einem anderen spielt, indem er dessen Anweisungen wörtlich nimmt und ausführt. Darüber hinaus wird dieser Begriff auch zur Bezeichnung einer künstlerischen Darstellungsform verwendet, die von der historischen bzw. literarischen Figur des Eulenspiegels abgeleitet ist [Wikipedia]

»Ansichtskarte aus Bödefled im Hochsauerland an Familie Hermann Schmidt in Lüdenscheid vom 22. Mai 1956«  mit Zusatzstempel »Aug. Meinert (mit Kaninchen)« Archiv Friedhelm Denkeler 1956

»Ansichtskarte aus Bödefled im Hochsauerland an Familie Hermann Schmidt in Lüdenscheid vom 22. Mai 1956« mit Zusatzstempel »Aug. Meinert (mit Kaninchen)« Archiv Friedhelm Denkeler 1956

Kraftfigur

"Mangaaka" (Kraftfigur), Yombe, Region des Flusses Chiloango, Kongo oder Angola, 19. Jh., Holz, Eisen, Porzellan, Farbpigmente, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

„Mangaaka“ (Kraftfigur), Yombe, Region des Flusses Chiloango, Kongo oder Angola, 19. Jh., Holz, Eisen, Porzellan, Farbpigmente, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Mit ihrer Kraft protzend sich dem Betrachter entgegenstellend, sollte diese mangaaka-Kraftfigur helfen, Gerechtigkeit und Ordnung in der der Yombe-Region nördlich des unteren Flusses Kongo aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig war es Ihre Aufgabe, Unheil abzuwehren und, in einer Zeit traumatischer Umwälzungen als Folge des „Wettlaufs um Afrika“ der europäischen Großmächte, die gesellschaftliche Ordnung zu stärken. [Bode Museum Berlin]

Ein Roter Fingerhut auf dem Kahlen Asten

"Ein Roter Fingerhut auf dem Kahlen Asten" (Winterberg im Hochsauerlandkreis), Foto © Friedhelm Denkeler 2002

„Ein Roter Fingerhut auf dem Kahlen Asten“ (Winterberg im Hochsauerlandkreis),
Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Beim Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) sind alle Pflanzenteile hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zu einer tödlichen Vergiftung führen. Der Rote Fingerhut wurde 2007 zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Er wächst meist als zweijährige, krautige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sie eine Grundblattrosette, aus der im Folgejahr ein bis zu 200 cm hoher, meist unverzweigter, beblätterter Stängel austreibt. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 56, seltener 112 – was auch immer das bedeuten mag. Fälschlicherweise hatte ich die Pflanze zunächst als Glockenblume angesehen – für den Hinweis danke ich Ulrich Fritz.

Pistoletto und das Second Hand Model

Michelangelo Pistaletto vor den Photographien »Second Hand Modell«  von Friedhelm Denkeler im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Michelangelo Pistoletto vor den Photographien »Second Hand Modell« von Friedhelm Denkeler
im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Das Italienische Kulturinstitut ehrt jedes Jahr einen Künstler mit einer Veranstaltungsreihe und einer Ausstellung. „Michelangelo Pistoletto und Cittadellarte – Spiegelungen und Widerspiegelungen“ (bis zum 29. September 2018) heißt die diesjährige Hommage an Pistoletto, den Wegbereiter der Arte Povera. Im Zuge der Veranstaltungen fand im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt eine Präsentation des Dokumentarfilms in Anwesenheit des Künstlers statt. Kurz nach dem Film und dem anschließenden Künstlergespräch wurde es privater und so konnte ich Michelangelo Pistoletto vor einem Teil meiner fotografischen Arbeiten der Serie „Second Hand Model“ ablichten. Ausführliches finden Sie im Artikel „Second-Hand-Model – Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über vier Jahre„. Die Ausstellung im Theater ist noch bis zum 31. Juli 2018 zu sehen.

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