Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

“Haben sie hier keine Socken?“

Ein Mann befindet sich im Erdgeschoss der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz. Er fragt eine Verkäuferin: “Sagen Sie mal, haben sie hier keine Socken?“ Die Verkäuferin erklärt ihm: “Keine Socken haben wir im dritten Stock, hier gibt es keine Schuhe!”

"Nach Kategorien sortierte Socken", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Nach Kategorien sortierte Socken”, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Interferenzen

Bodypainting auf der “Ars Electronica”

“Wer bist Du? Bist Du Mensch oder Bot? Für uns, die Generation Smartphone, ist die Möglichkeit; immer und überall online sein zu können, ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit. Auch wenn wir oft nicht wissen, mit wem wir da kommunizieren, wir stellen uns zumindest ein menschliches Wesen vor. Unsere Vorstellungskraft ist es auch, die uns hilft, dass wir uns in einer mehr oder weniger immateriellen Welt zurechtfinden können. Die Arbeit “Body Paint” behandelt Körperlichkeit in einer Welt vernetzter Informationsgeräte. Durch die Aufhebung der Grenzen zwischen menschlichem Körper und Bildschirm, die beide dieselbe Farbe haben, stiftet die abgebildete Person Zweideutigkeit und Verwirrung und stellt in Frage, ob das Individuum auf dem Bildschirm Mensch oder doch nur eine Annäherung, eine möglich Abbildung ist.” [Quelle: Ausstellungsflyer "Ars Electronica "]

"Interferenzen", Body Paint (Serie) von Exonemo (JP), Drive (VW Forum), "Ars Electronica", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Interferenzen”, Body Paint (Serie) von Exonemo (JP), Drive (VW Forum), “Ars Electronica”, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

In der Physik versteht man unter Interferenz die Überlagerung beim Zusammentreffen zweier oder mehrerer Wellenzüge. Wenn bei bilderzeugenden Rasterverfahren, Beispiel Digital-Kamera, das Objekt bereits gerastert ist (Pixelbild, Bildschirm) entsteht der Moiré-Effekt (von marmorieren). Er bezeichnet ein grobes Raster, das aufgrund der Überlagerung von regelmäßigen, feineren Rastern entsteht. Das sich ergebende Muster ist den Mustern aus Interferenzen ähnlich ist. Dieser Effekt auf meinem Foto ist also nicht auf dem Original in der Ausstellung vorhanden, sondern schafft hier eine weitere Dimension des Werkes durch das Fotografieren. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober 2017 im Forum Drive der Volkswagen Group, Friedrichstraße 84, zu sehen.

Wiedergeburt aus Schrott

Schwere Skulpturen von Kang Mu-Xiang auf dem Potsdamer Platz

"Gelassenheit (Serenity)", Kang Mu-Xiang, Taiwan, 2016, Potsdamer Platz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Gelassenheit (Serenity)”, Kang Mu-Xiang, Taiwan, 2016, Potsdamer Platz, Berlin,
Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Kang Mu-Xiang, der Künstler aus Taiwan, ist vor allem für die Nutzung von alten und ausrangierten Stoffen wie Treibholz und recycelten Aufzugskabeln bekannt. Er sieht das verborgene Leben in den vor der Verschrottung stehenden Materialien und rettet sie, indem sie eine neue Bedeutung erhalten; vielleicht ähnlich wie Bildhauer, die die Gestalt der Skulptur bereits im Stein sehen können. Für die Skulpturen auf dem Potsdamer Platz in Berlin benutzte Kang ausgetauschte Fahrstuhl-Stahlseile aus dem ehemals höchsten Gebäude der Welt “Taipei 101“. Unter tausend Grad Celsius hohen Temperaturen werden sie verformt und die starren Kabel verwandeln sich in Skulpturen, die keinen Betrachter unberührt lassen.

Aufruhr in Brooklyn

Instrumentals der frühen Rockgeschichte –
von “The Third Man Theme” zum “Egyptian Reggae” (4)

Heute möchte ich in meiner kleinen Serie “Instrumentals der Rock-Popgeschichte” einen weiteren Song aus dem Jahr 1958 vorstellen: “Rumble” von Link Wray und seinen “Ray Men”. Es ist mit Sicherheit der einzige Instrumental-Song, der jemals von Radio-Stationen verbannt wurde, ohne Texte über Drogen oder Sex (sic!) zu beinhalten.

Der Titel allein, den man mit Aufruhr übersetzen kann, reichte aus, den Song nicht zu spielen, denn er “klang wie die Einladung zu einem Messerkampf” [Rolling Stone]. Um den rauen, verzerrten Klang herzustellen, soll Wray Löcher in den Lausprecher seines Gitarrenverstärkers geschlagen haben und verwandelte ihn damit in eine “Fuzzbox”, die es damals noch nicht gab.

Link Wray: “Rumble”, 1958 (Audio)

"Aufruhr" (Eröffnungsszene aus "The Delicate Delinquent), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Aufruhr” (Eröffnungsszene aus “The Delicate Delinquent), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

 

Aus der heutigen Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Liveaufnahme aus San Francisco von 1974 anhört, wird die Angst der Radiomacher, dass “Rumble” tatsächlich eine Gewalttätigkeit anregen könnte, schon deutlicher. Ein Fan schreibt zum Live-Video “Wray was cool before cool was cool”.

Link Wray: “Rumble”, 1974 (Live)

Im folgenden Video wird der Original-Song von 1958 passenderweise mit einem Ausschnitt aus dem Film: “The Delicate Delinquent” (Der Held von Brooklyn) von Don McGuire mit Jerry Lewis von 1957 unterlegt. Den ganzen Film finden Sie hier.

Link Wray: “Rumble”, 1958 (Video)

Als Fred Lincoln “Link” Wray im Jahr 2005 starb, spielten Bob Dylan und Bruce Springsteen ihm zur Ehre “Rumble” und Pete Townshend sagte, er hätte nie eine elektrische Gitarre gekauft, wenn es nicht Wrays “Rumble” gegeben hätte. 1958 erreichte der Song Platz 16 der “Billboard Hot 100″. Beim “Rolling Stone” landete der Song auf Platz 45 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Er beeinflusste viele Band wie die Yardbirds oder The Who.

Zur Einführung der “Instrumentals der frühen Rock- Popgeschichte” siehe hier.

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