Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«. Künstlerbuch »Die ersten zehn Jahre«, Kapitel »Varlheide Nr. 204«

"Mein erstes Fahrrad", Archiv © Friedhelm Denkeler 1954
»Die Sonne lacht, Blende acht – Mein erstes Fahrrad», Foto © Archiv Friedhelm Denkeler 1954

An einem Sonntag im Frühling 1954 machten wir einige Fotos mit der 6×9-Box-Kamera meines Vaters. Wir Kinder wurden natürlich für die Aufnahmen extra „fein gemacht“. Nach der alten Fotografenweisheit „Die Sonne lacht, Blende acht“ war an diesem Tag sehr helles Licht vorhanden, also ideale Bedingungen zum Fotografieren. Es entstand eine Serie mit sieben Fotos – für damalige Verhältnisse sensationell viel – auf einem Rollfilm, von dem die Negative erhalten sind. Ein Bild ist auch in unserer Wohnung entstanden, das war aber eher die große Ausnahme. Die Lichtverhältnisse waren dafür zu schlecht und ein Blitzgerät hatten wir damals nicht.

Auf dem Foto, das ich herausgesucht habe, präsentiere ich stolz mein erstes Fahrrad. Es handelte sich um ein umgebautes Damenfahrrad, das mein Vater aus einem mehr oder weniger schrottreifen Exemplar wieder aufgerüstet hatte. Eigentlich war das große Rad mit den 28-Zoll-Rädern viel zu groß für mich, deshalb wurde der Fahrradsattel „tiefer gelegt“. Mein größtes Problem war stets, die weißen Kniestrümpfe weit weg von der öligen Fahrradkette zu halten.

Aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«. Künstlerbuch »Die ersten zehn Jahre«, Kapitel »Varlheide Nr. 204«

»Im Gegenlicht - Die einzige Aufnahme in unserer Wohnung Varl Nr. 204«, Foto Archiv © Friedhelm Denkeler 1954
»Im Gegenlicht – Die einzige Aufnahme in unserer Wohnung Varl Nr. 204«, Foto Archiv © Friedhelm Denkeler 1954

1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«.

T-Bone Walker – der Pionier des Jump und des Electric Blues

Die Melodie eines Songs ist mir aus der Kindheit immer mal wieder in Erinnerung gekommen; ich konnte sie aber nie zuordnen. Nun hat es geklappt! In der amerikanischen Hitparade »The Billboard« vom Oktober 1947 bin ich fündig geworden. Der Song »Near You« von Francis Craig and his Orchester stand hier auf Platz 1 und war 1947 die meistverkaufte Platte in den USA. 17 Wochen hintereinander stand er auf dem ersten Platz und gehört seitdem zum Standard der US-Popmusik. Demnach dürfte er Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre auch in Deutschland im Radio zu hören gewesen sein.

In dem Song geht es um nichts anderes, als den Rest des Lebens in unmittelbarer Nähe der Geliebten zu verbringen – und das in verschiedenen Variationen. Auf der A-Seite der Single war allerdings Craigs Erkennungsmelodie »Red Rose« zu hören; die Radiostationen spielten aber auf Wunsch der jugendlichen Hörer hauptsächlich die B-Seite mit «Near You«. Im ersten Teil des Songs spielt Craig die Melodie auf dem Klavier, erst im Mittelteil singt der blinde Bob Lamm, der Trompeter der Band, das Stück »Near You« und zum Schluss gibt es wieder das Klaviersolo von Craig aus dem ersten Teil.

Eigentlich sollte diese Single Francis Craigs (*1900, †1966) Abschiedsgeschenk an die Fans werden, denn er spielte mit seiner Bigband 21 Jahre als Hausband in einem Hotel in Nashville. Ihre Auftritte wurden landesweit vom Radiosender NBC übertragen. Nach dem sagenhaften Erfolg ging Craigs Karriere noch weiter. Das verdiente Geld investierte er in das erste Schallplatten-Presswerk in Nashville. Neben dem Nummer-eins-Hit war dies die Grundlage für den Aufstieg Nashvilles zur Musikmetropole.

Das Billboard-Magazin ist das bedeutendste Fach- und Branchenblatt für Musik und Entertainment in den USA. Es ermittelt und veröffentlicht die offiziellen Verkaufscharts für Singles (The Billboard Hot 100) und Musik-Alben (The Billboard 200), sowie diverse andere Hitlisten. Die erste Hitparade erschien im Blatt 1936. Heute werden die Platzierungen in einem komplizierten Verfahren ermittelt, welches CD-Verkäufe, bezahlte Downloads und Abspielungen im Radio und TV berücksichtigt (siehe kleines Dreier-Bild)

1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkler
1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkler

Meine heimliche Nr. 1 für 1947 ist eher der »Bobby Sox Blues« von T-Bone Walker (*28.05.1910 , †16.03.1975), der als einflussreicher Pionier im Bereich des Jump/Electric Blues gilt. Hier sprach man noch nicht von Rock-Musik, sondern es ist ein Stück aus den Anfängen des Blues, ein überaus gemütlicher und ausgefallener Song. Walker trat als Sänger, Gitarrist und Songwriter auf. Außergewöhnlich waren seine artistischen Bühneneinlagen; er spielte Gitarre auf den Knien und hinter seinem Rücken und Jahre vor Jimi Hendrix auch mit den Zähnen.

Trotz seiner Erfolge konnte Walker zu dieser Zeit nie das Teenager-Publikum erreichen, wie beispielsweise Chuck Berry oder Fats Domino. In Deutschland wurde Aaron Thibeaux ›T-Bone‹ Walker bekannt, als er in den 1960er Jahren auf den vom Konzertveranstalter Horst Lippmann organisierten »American Folk Blues Festivals« auftrat. 2003 wurde er von der »Rolling Stone» auf Platz 47 der Liste der »100 größten Gitarristen aller Zeiten« geführt. 1980 wurde er posthum in die »Blues Hall of Fame« und 1987 in die »Rock and Roll Hall of Fame« aufgenommen.

There’s just one place for me, near you
It’s like heaven to be, near you
Times when we’re apart
I can’t face my heart
Say you’ll never stray
More than just two lips away

[aus »Near You«]

Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
You’ve got a head full of nothin‘
But stage, screen and radio
You chase autographs every night
You write fan mail through the day
You keep your great big head in the scrapbook
Yes, and you throw the cookbook away

[aus »Bobby Sox Blues«]

Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

»ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« (3). Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»Silhouette eines Domes« (Dorotheenstädtischer Friedhof, Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1991
»Silhouette eines Domes« (Dorotheenstädtischer Friedhof, Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1991

Das Flachrelief steht künstlerisch zwischen der Bildhauerkunst und der Malerei. Ein Relief besteht meistens aus einer Grundfläche (oder Körper) aus dem Figuren oder Formen hervorstehen. Je nachdem, wie stark das Hervorstehen geformt ist, spricht man von einem Flachrelief, Halbrelief oder einem Hochrelief (Sonderform: versenktes Relief). Durch die Dreidimensionalität ergibt sich entsprechend des Licht-Schattenspiels eine große Plastizität.

Die Orte meiner Relief-Bilder sind heute nicht mehr alle rekonstruierbar; viele sind aber an den Denkmälern in Berlin, Unter den Linden, entstanden: Reiterstandbild Friedrich des Großen, Denkmäler Wilhelm von Humboldt und Alexander von Humboldt und die Standbilder Friedrich Wilhelm von Bülow und Gerhard David von Scharnhorst.

»Abschied« (Denkmal Unter den Linden, Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1991
»Abschied« (Denkmal Unter den Linden, Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1991

Um das Jahr 1990 habe ich von Werken der Bildhauerkunst an verschiedenen Orten in Schleswig, Neustrelitz, Fehrbellin, Eberswalde, Donaustauf, Wien, Rhodos, Potsdam und Berlin Lichtbilder produziert. Die Bildwerke habe ich in die drei Kapitel Grazien (Reihe 1 und 2), Victorien (Reihe 3 und 4) und Flachreliefs (Reihe 5 und 6) eingeteilt, wobei die Victorien von Christian Daniel Rauch in der Walhalla bei Regensburg die Hauptrolle spielten (siehe ausführlichen Artikel »ad sorores III«).

Das gesamte Portfolio besteht aus 76 Photographien 30 x 45 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 84 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2019). Auf meiner Website »Lichtbilder« wird das Portfolio »ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« ausführlicher vorgestellt.

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