Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Pistoletto und das Second Hand Model

Michelangelo Pistaletto vor den Photographien »Second Hand Modell«  von Friedhelm Denkeler im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Michelangelo Pistoletto vor den Photographien »Second Hand Modell« von Friedhelm Denkeler
im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Das Italienische Kulturinstitut ehrt jedes Jahr einen Künstler mit einer Veranstaltungsreihe und einer Ausstellung. “Michelangelo Pistoletto und Cittadellarte – Spiegelungen und Widerspiegelungen” (bis zum 29. September 2018) heißt die diesjährige Hommage an Pistoletto, den Wegbereiter der Arte Povera. Im Zuge der Veranstaltungen fand im LichtSpielTheater KLICK-O-TonArt eine Präsentation des Dokumentarfilms in Anwesenheit des Künstlers statt. Kurz nach dem Film und dem anschließenden Künstlergespräch wurde es privater und so konnte ich Michelangelo Pistoletto vor einem Teil meiner fotografischen Arbeiten der Serie “Second Hand Model” ablichten. Ausführliches finden Sie im Artikel “Second-Hand-Model – Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über vier Jahre“. Die Ausstellung im Theater ist noch bis zum 31. Juli 2018 zu sehen.

Memento Mori

"Memento Mori", Chicart Bailly zugeschrieben, um 1520, Elfenbein, Bode-Museum, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Memento Mori”, Chicart Bailly zugeschrieben, um 1520, Elfenbein, Bode-Museum, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Die Gruppe ist ein raffiniertes Beispiel eines Memento Mori (“Bedenke, dass du sterben musst!”), einer Darstellung der Unausweichlichkeit des Todes, und zugleich der Aufforderung, sein Leben sinnvoll und sündenfrei zu gestalten. Offensichtlich tut die dargestellte Frau dies nicht: Mit dem rechten Mittelfinger weist sie auf ihre Scham. Die gegensätzliche Darstellung der Frau und des Todes ist eine deutliche Mahnung, dass ein sorgenloses, unkeusches Leben mit Verdammnis bestraft wird.” [Bode-Museum]. Allerdings, ob keusch oder unkeusch: an der Unausweichlichkeit des Todes ändert das nichts. [FD]

Gegensatz oder Ergänzung?

"Gegensatz oder Ergänzung?", Zwei Figuren mit Schale, Warua-Meister, Luba (Kongo), Holz, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Gegensatz oder Ergänzung?”,
Zwei Figuren mit Schale, Warua-Meister, Luba (Kongo), Holz,
Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Das Luba-Königtum im südöstlichen Kongo war vom Gedanken der geschlechtlichen Dualität geprägt. Traditionell galten Frauen als Botinnen und Beraterinnen der Könige, was ihre Anwesenheit auf Emblemen männlicher Herrschaft – wie diesem Objekt – erklärt. Weiblich und männlich werden hier im Gleichgewicht gezeigt, als zwei Komponenten eines idealen und positiven Ganzen, als Zeichen einer einzigen Herrschaft, die göttlich legitimiert ist.” [Bode-Museum Berlin]

Weiße Streifen auf weißem Untergrund

"Weiße Streifen auf weißem Untergrund"("Kunst" von Yasmina Reza im Berliner Ensemble), Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Weiße Streifen auf weißem Untergrund” (“Kunst” von Yasmina Reza im Berliner Ensemble)
Foto © Friedhelm Denkeler 2018

“Serge hat sich für eine beachtliche Summe ein Gemälde gekauft: weiße Streifen auf weißem Untergrund. An diesem Bild entzündet sich der Streit zwischen drei Freunden, in dessen Verlauf sich ihr Leben und ihre Beziehungen grundlegend ändern. Serge begeistert sich für das Gemälde, Marc bekämpft es auf das Heftigste und Yvan bezieht, da er es sich mit keinem der anderen verderben will, keine Stellung. Das Kunstwerk dient als Katalysator, mit dessen Hilfe Yasmina Reza auf psychologisch fein gezeichnete Weise die drei Männer, ihre Gefühle, ihre Befindlichkeit, ihre Freundschaft, ja ihr gesamtes bisheriges Dasein auf den Prüfstand stellt – eine wortgewandte Komödie über die Halbwertszeit von Freundschaften für ein furioses Schauspieler-Trio.” [Berliner Ensemble]

“Lachen schützt, entschärft, erleichtert, rettet. Sinn für Humor zu haben, in der erhabenen Bedeutung des Wortes, also nicht nur über Witze zu lachen, sondern über sich selbst lachen zu können, ohne Tabu, und jederzeit von Lachen geschüttelt zu werden – das ist eine beneidenswerte Gabe. Wer sie hat, ist vom Schicksal oder von den Göttern gesegnet. Das Lachen stellt das Vertrauen in uns selbst wieder her, es erhebt uns über die Situation. Das Drama von ‘Kunst’ ist ja nicht, dass sich Serge das weiße Bild kauft, sondern dass man mit ihm nicht mehr lachen kann. Wenn Sie mit einem Freund lachen können, dann können Sie alle möglichen Differenzen mit ihm haben. Sie können sogar schwarzweiß denken, bis zu einem gewissen Grad, wenn Sie über diese Differenzen lachen können, denn eine Freundschaft ist jenseits von Meinungen begründet. Wenn man nicht mehr lachen kann, gewinnt die Meinung die Oberhand, und es gibt nichts mehr jenseits von ihr.” [Yasmina Reza]

Wenn zwei je einen Apfel haben …

"Wenn zwei Partner je einen Apfel haben …", Foto & Grafik Friedhelm Denkeler 2003

“Wenn zwei Partner je einen Apfel haben …”, Foto & Grafik Friedhelm Denkeler 2003

“Wenn zwei Partner je einen Apfel haben, und diese Äpfel austauschen, haben beide am Ende immer noch je einen Apfel. Wenn sie aber je eine Idee haben und diese Ideen austauschen, wird am Ende jeder zwei Ideen haben.”
[Georg Bernard Shaw, 1856-1950, irischer Dramatiker und Schriftsteller]

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