Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ein mörderischer Sommer

Lady in Red – Drei Televisionen (2)

Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

In einem südfranzösischen Dorf taucht eine schöne junge Frau auf: Eliane (Isabelle Adjani). Wo sie auf ihren Stöckelschuhen im dünnen, kurzen Kleid zu sehen ist, bringt sie die Männer um den Verstand. Schließlich heiratet sie den schüchternen Automechaniker Pin-Pon (Alain Souchon), der nicht ahnt, was Eliane wirklich bewegt …

Der Film “Ein mörderischer Sommer” (L’été meutrier) von Jean Becker machte Isabelle Adjani 1983 über Nacht weltberühmt. Ich kenne sie bereits aus dem 1975 entstandenen Film “Die Geschichte der Adèle H.” von François Truffaut, in dem sie die Tochter von Victor Hugo spielt. Ähnlich wie in Roman Polanskis Thriller “Der Mieter” (1976) waren ihre Rollen immer die einer am Rande des Wahnsinns stehenden Frau. Mit dem Film “Ein mörderischer Sommer” hatte sich ihr Image von der Komödiantin zur femme fatale gewandelt.

Aus der Serie "Am Fenster", Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Aus der Serie “Am Fenster”, Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Der Film erzählt die Geschichte von der 19-jährigen Eliane, die versucht, ihre Mutter, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, zu rächen und daran zerbricht. Zunächst fällt sie durch ihr exaltiertes Benehmen und ihre freizügige Kleidung auf.

Die Männer begehren sie und auch “Pin-Pon” verdreht sie den Kopf. Eines Tages kommt Eliane überraschend in Pin-Pons Werkstatt unter dem Vorwand, ein Fahrrad reparieren zu lassen. Sie verabreden sich.

Was hat das nun mit meiner kleinen Szene “Am Fenster” zu tun? Als Pin-Pon vor ihrem Haus zur verabredeten Zeit erscheint, zeigt sich Eliane am Fenster und macht verschiedene Vorschläge, was sie anziehen soll. Dazu zieht sie im offenen Fenster ihr T-Shirt aus und ein Kleid an.

Nach der Verabredung verbringen sie eine Nacht in der Scheune von Pin-Pons Eltern. Dort entdeckt sie ein ramponiertes elektrisches Klavier mit der Aufschrift „M“, das sie auf die Spur der Vergewaltiger ihrer Mutter führt. Sie will sich mit einer arglistig eingefädelten Intrige rächen.

Eliane bedrängt immer wieder ihren Stiefvater bis dieser gesteht, die Vergewaltiger schon vor langer Zeit umgebracht zu haben. Die Vorstellung, dass ihr Leben nach der vollzogenen Rache wieder so sein würde, wie in ihrer glücklichen Kindheit, erfüllt sich nicht. Die Verstrickung in ein Verbrechen, dem sie ihr Leben verdankt und die angespannte Beziehung zu ihrer traumatisierten Mutter und die Sinnlosigkeit ihrer eingefädelten Rache bringen Eliane um den Verstand. Sie wird in eine Heilanstalt gebracht.

Auf meiner Website finden sie 40 ausgewählte Photographien aus der Serie “Lady in Red”. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 52 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2018). Den ersten Artikel zu “Lady in Red – Drei Televisionen” finden Sie hier.

Lady in Red – Drei Televisionen (1)

TV-Aufnahmen auf Polaroid SX-70 Filmmaterial aus den 1980er Jahren
Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema “Televisionen” stehen. Es handelt sich hierbei um Schwarz-Weiß-Fotografien, Leporellos, Klappbilder, Farbfotos und Polaroid-Bilder. Die vorliegende Arbeit “Lady in Red” besteht aus den drei Kapiteln “TV-Porträt”, “Am Fenster” und “Lady in Red”, die jeweils eine kleine Geschichte beinhalten. Da diese drei Televisionen auf Polaroid SX-70 hergestellt wurden, werden sie hier zusammengefasst.

aus der Serie "Lady In Red", Polaroid SX-70, Foto © Friedhelm Denkeler 1990

aus der Serie “Lady In Red”, Polaroid SX-70,
Foto © Friedhelm Denkeler 1990

Als im Jahr 2008 das Unternehmen Polaroid das Ende der Produktion von Sofortfilmen bekannt gab, war dies scheinbar auch das Ende der analogen Sofortbild-Fotografie. Umgehend fühlten sich Ausstellungsmacher beflügelt, Sofortbilder zu präsentieren, um ihnen eine neue Aufmerksamkeit zu schenken.

Insbesondere hat die Übernahme des europäischen Teils der berühmten, zwischen 1970 und 1990 entstandenen Polaroid-Sammlung des Unternehmens Polaroid durch die Wiener Fotogalerie “Westlicht” mit 4400 Sofortbildern von 800 Künstlern Aufsehen erregt.

Bedingt durch die technisch perfekten und überarbeiteten Digitalbilder, gibt es ein neues Interesse an Authentizität und Wirklichkeit, nach Originalen, nach Unschärfe und “falschen” Farben.

Die vorliegenden Polaroids erhielten, bedingt durch das Zeilensprungverfahren des Fernsehens und den damit verbundenen “Störungen”, wie z.B. Streifenstrukturen und Artefakten, einen zusätzlichen Reiz. Eine Auswahl meiner sonstigen Polaroids, die zwischen 1980 und 1990 entstanden sind, habe ich in dem Autorenbuch “Polaroids SX-70-Art 1980 – 1990″ im Jahr 2012 zusammengestellt.

Während eines Fernseh-Marathons vom 23. Dezember 1985 bis zum 3. Januar 1986, in der Zeit zwischen den Jahren, entstanden die zwanzig “TV-Porträts” der Filmschauspielerinnen aus diversen Spielfilmen. Die Aufnahmen des Kapitels “Am Fenster” stammen aus einer Szene des französischen Films “Ein mörderischer Sommer” (L’été meurtrier), der Isabelle Adjani 1982 über Nacht weltberühmt machte. Die dritte Episode “Lady in Red” entstand aus der Tanzszene eines Films, der heute nicht mehr rekonstruierbar ist.

Auf meiner Website finden sie 36 ausgewählte Photographien aus der Serie “Lady in Red”. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 52 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2018).

Über das Nachdenken

"Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie." A. Huxley, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie.
Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.”
A. Huxley, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

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