Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Die Eule und die Raute

»Die Eule und die Raute«, Foto © Friedhelm Denkeler 1999

»Die Eule und die Raute«, Foto © Friedhelm Denkeler 1999

Die Eulen sind eine Ordnung der Vögel, zu der ungefähr 200 Arten gezählt werden. Vertreter der Gruppe sind auf allen Kontinenten außer der Antarktis anzutreffen. Die meisten Arten sind nachtaktiv. Eine Raute ist ein ebenes Viereck mit vier gleich langen Seiten. Gegenüberliegende Seiten sind parallel und gegenüberliegende Winkel gleich groß. Und was ist eine Eule mit einer Raute?

Miami Vice – ein Videoclip in 111 Episoden

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (7 und Schluss)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 6 »Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett« und zeige zwei von 8 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

»Sonny 'Ray Ban' Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

»Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Wie Sonny „Ray Ban“ Crockett in den 1980er Jahren
eine kleine Moderevolution auslöste

Der Serien-Freak bin ich nicht gerade, aber bei der US-Amerikanischen Fernsehserie „Miami Vice“ in den 1980er Jahren mit den obercoolen Fahndern James „Sonny“ Crockett (Don Johnson) und Ricardo „Rico“ Tubbs (Phillip Michael Thomas) habe ich kaum eine Folge verpasst. Die beiden versuchten jeweils eine dreiviertel Stunde lang im Glamour- und Drogen-Mekka von Miami in schicken Autos, mit schönen Frauen und in Markenklamotten für Recht und Ordnung zu sorgen. Sie jagten vor allem Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher in und um Miami herum. Die Serie wurde durch den bahnbrechenden Look, ihren von aktuellen Rocksongs geprägten Soundtrack und die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich harten Darstellungen von Gewalt zur stilprägenden und populärsten Serie der 1980er Jahre.

Zum Team des „Miami Vice Police Squad“ gehören neben den verdeckt arbeitenden Ermittlern Crockett und Tubbs, ihr Chef Martin Castillo (Edward James Olmos), ihnen zur Seite standen Gina Calabrese (Saundra Santiago) und Trudy Joplin  (Olivia Brown). In den ersten Folgen hat Gina noch eine Affäre mit ihrem Kollegen Sonny. Was heute Standard in den Krimis ist, die privaten Probleme der Protagonisten neben den beruflichen Fällen zu zeigen, war damals völlig neu. Stanley Switek (Michael Talbott) und Larry Zito (John Diehl) observierten die kriminelle Szene mit einem Fahrzeug, das zur Schädlingsbekämpfung getarnt war – allerdings hatten sie auf dem Dach des Lieferwagens ein überdimensionales Insekt montiert (sic!). Und zum Schluss kann man als Teammitglied auch noch den Alligator „Elvis“ nennen, der als angekettetes Haustier auf der Segelyacht von Crockett lebte.

Die Filme waren eher im Stil der Videoclips gedreht, meistens untermalt mit der Musik von Jan Hammer; seine Titelmusik „Miami Vice Theme“ schaffte es auf Platz 1 der US-Singlecharts. Er spielte selbst auch in einigen Folgen mit. 1987 erreichte Hammers Titel „Crockett’s Theme“ in einigen Ländern Europas die Top 5. Während der Laufzeit der Serie zwischen 1984 und 1989 wurden in fünf Staffeln 111 Episoden produziert und drei reguläre Soundtrack-Alben mit diverser Musik aus „Miami Vice“ veröffentlicht.

Zahlreiche Rock-Größen traten in der Serie auf und trugen zum Soundtrack bei. Hier kann ich nur wenige nennen: Frank Zappa (als Drogendealer), Miles Davis (als Ex-Knacki), James Brown (als Sektenführer), Phil Collins (mit dem Song „Take me Home“ und der selbst in der Folge „Phils Tricks“ als skurriler Showmaster mitspielte). Sheena Easton spielte eine länger angelegte Rolle als Popstar, die sich in Sonny Crockett verliebt, ihn dann auch heiratet und schließlich ermordet wurde. Auch viele damals noch unbekannte Schauspieler traten als Gaststars auf, unter anderen Ben Stiller, Julia Roberts, Liam Neeson, Wesley Snipes, Helena Bonham Carter, Viggo Mortensen, Bruce Willis  und Melanie Griffith (die spätere Ehefrau von Don Johnson).

„Miami Vice“ löste in den 1980er Jahren eine kleine Moderevolution aus. Mit einmal trugen auch Männer pastellfarbene T-Shirts unter dem hellen Armani-Anzug und weiße Leder-Slipper ohne Socken. Damit man beim beidhändigen Halten des Revolvers mit gestreckten Armen auch die teure Rolex sah, wurden die Sakkoärmel hochgekrempelt – so wirkte das einfach besser. Diese Mode passte ideal zu den pastellfarbigen und weißen Fassaden des weltberühmten „Ocean Drive“ mit dem angrenzenden South Miami Beach und Art-déco-Viertel in Florida. Zu Sonny Crocketts Erscheinung gehörten neben dem weißen Ferrari Testarossa auch eine Vielzahl von Sonnenbrillen, wie zum Beispiel die Wayfarer von der Marke Ray Ban. Bei uns hieß er deshalb auch „Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett“. Als Reminiszenz hängt in meinem Kleiderschrank noch immer ein weißer Trenchcoat mit Miami Vice-Logo.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“).

»Sonny 'Ray Ban' Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

»Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Tagebuch einer Verlorenen

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (6)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 11 „Tagebuch einer Verlorenen“ und zeige zwei von 24 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Verbotene Filme", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Verbotene Filme“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Verbotene Filme aus den 1920er Jahren

In den 1920er Jahren entstanden Stummfilme, die auch heute noch Bestand haben: „Metropolis“ (Fritz Lang, 1927), „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ (F.W. Murnau, 1922), „Panzerkreuzer Potemkin“ (Sergei M. Eisenstein, Russland 1925), „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (Robert Wiene, 1920) oder „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ (Walter Ruttmann, 1927).

Aber es war auch die Zeit der staatlichen Filmzensur. Alle, meinen Photographien zugrunde liegenden Filme hatten Probleme damit. Die Maßnahmen gingen von Schnittauflagen bis zum vollständigen Aufführungsverbot. Die Vorgaben wurden mit dem Lichtspielgesetz vom 12. Mai 1920 geschaffen; es richtete sich insbesondere gegen Nacktdarstellungen und sexuelle Handlungen. Viel zu sehen gab es aber aus heutiger Sicht in den Filmen nicht.

Anita Berber war eine berühmte Tänzerin und Schauspielerin, die in Wien die „Tänze des Grauens, des Lasters und der Ekstase“ (1923) aufführte. Sie trat als eine der ersten Nackttänzerinnen auf und liebte Männer und Frauen. Anita Berber machte sich selbst zur Marke. Heute würde man von ihr als It-Girl sprechen, allerdings als eines mit Talent und Intelligenz.

Der Film „Tagebuch einer Verlorenen“ (G. W. Pabst, 1929) handelt von der jungen Thymian, die ein uneheliches Kind zur Welt bringt. Sie wird von ihrer Familie verstoßen und in ein Heim gesteckt. Dort kann sie den peinigenden Qualen der Heim-Oberen entkommen. Sie landet in einem großstädtischen Bordell. Eines Abends trifft sie plötzlich auf ihren Vater… Durch die rigorose Kürzung von 3132 auf 2001 Metern war der Film lange Zeit nur als verstümmelte Verleihkopie zu sehen.

„Frauennot – Frauenglück“ (Eduard Tissé, 1929) hat als Thema Geburt und Abtreibung. Der erste Teil besteht aus einer Spielhandlung über das Elend von Frauen, die ungewollt schwanger werden und die im dokumentarischen zweiten Teil heimlich eine illegale Abtreibung vornehmen lassen. Das war damals noch völlig verpönt; so gab es immer wieder Einwände gegen einzelne Szenen und die Gerichte mussten sich mehrfach mit dem Film beschäftigen.

Der Film „Aus eines Mannes Mädchenjahre“ (Karl Grune, 1919) folgt den Erinnerungen der anonymisierten Biografie von N. O. Body (Berlin, 1909). Der Film wurde aber, dem Geschmack der Zeit folgend, dramatisch überzeichnet. Ein ohne eindeutiges Geschlecht geborenes Kind wird vom Vater als Junge, später vom Onkel als Mädchen erzogen.

Im Filmdrama „Geschlecht in Fesseln“ (Wilhelm Dieterle, 1928) wird Franz Sommers Ehefrau Helene auf der Straße von einem Unbekannten bedrängt, im Handgemenge mit ihrem Mann stürzt dieser unglücklich und stirbt. Franz muss ins Gefängnis. Er lässt sich mit einem Mithäftling ein, sie mit ihrem neuen Arbeitgeber. Als sich die Eheleute nach Jahren in ihrer Wohnung wiedersehen, glauben sie nur an einen gemeinsamen Ausweg aus ihrer Schuld…

Der UFA-Film „Wege zu Kraft und Schönheit“ (Wilhelm Prager, 1925) feierte den vollkommenen Körper als Gegenstand kultischer Verehrung. Er nimmt dabei Bilder vorweg, die sich später in der rassistischen NS-Ästhetik wiederfinden. Um einem Verbot wegen zu gewagter Nacktheit zu entgehen, diente Prager die Kunst der Antike als ästhetisches Vorbild. Trotzdem gab es bereits im Jahr der Aufführung Eingriffe der Filmzensur.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch einen weiteren Artikel veröffentlichen.

"Verbotene Filme", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Verbotene Filme“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Melankia, die düstere Schattentochter

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (5)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 10 „Die Freundin des Teufels“ und zeige zwei von 12 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

»Eule im Mondlicht«, aus "Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

»Eule im Mondlicht«, aus „Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Die Geschichte von Eugenius, Eugenia und der Freundin des Teufels

Als Melankia den Bruder Eugenius, von dem sie annahm, daß es ein Mann war, häufiger besuchte und sah, daß der Körper des Jünglings sehr elegant war und schön, entbrannte sie in heftiger Liebe zu ihm, und sie begann, eifrig darüber nachzudenken, wie sie sich vielleicht mit ihm vereinigen könnte. Sie schützte also Schwäche vor, schickte nach ihm, damit der Bruder Eugenius zu ihr kam und sich dazu herabließ, sie zu untersuchen. Als der gekommen war, eröffnete sie ihm, wie heftig sie in Liebe zu ihm entbrannt und in fleischlicher Begierde zu ihm erhitzt sei, und sie bat ihn, sein Fleisch mit dem ihren zu mischen, und ohne zu zögern griff sie nach ihm, umarmte ihn, küsste ihn und forderte ihn auf, das Verbrechen zu begehen.

Bruder Eugenius fuhr auf und erwiderte: „Zu Recht werdet Ihr Melankia, die Schwarze, genannt, denn Ihr seid voll von Schwärze und werdet daher eben auch die niederträchtige Schwärze genannt und die düstere Schattentochter, die Freundin des Teufels, diejenige, die zur Befleckung führt, die Hefe der Wollust, die Schwester ständiger Furcht und die Tochter des ewigen Todes.“ Als Melankia sich ihrer bösen Absicht betrogen sah, fürchtete sie, daß das Verbrechen öffentlich gemacht würde, und sie wollte dem vorbeugen. Sie begann zu rufen, daß Eugenius sie vergewaltigen wollte.

Sie ging also zu Philippus, dem Präfekten, beklagte sich und sagte: „Jener bösartige Christenjüngling ging in mein Haus, um mich zu verarzten, stürzte sich schamlos auf mich und wollte mich vergewaltigen. Und wenn nicht die Magd, die in der Schlafkammer war, mich von der Bedrängnis befreit hätte, hätte er mich zur Gefährtin seiner Wollust gemacht.“ Als der Präfekt das hörte geriet er in Zorn und schickte eine große Anzahl von Häschern aus, ließ Eugenius und seine Gefährten in eiserne Banden geschlagen, herbeiführen und legte den Tag fest, an dem sie den Tieren zum Fraß vorgeworfen werden sollten. Als sie ihm vorgeführt wurden, sagte er zu Eugenius: „Allerniederträchtigster, hat euch das euer Christus gelehrt, das Werk der Verderbnis zu vollbringen? Verheiratete Frauen in schamloser Niedertracht zu vergewaltigen?“

Mit abgewandtem Gesicht gab Eugenius zur Antwort, daß er nichts davon wüsste. „Unser Herr hat uns die Keuschheit gelehrt und hat uns dafür, daß wir in Keuschheit dienen, das ewige Leben versprochen. Wir können beweisen, daß diese Melankia ein falsches Zeugnis gegeben hat, aber es ist besser, wir leiden, als daß jene überführt bestraft wird und die Frucht unserer Geduld verdirbt. Möge aber jene noch herbeigeführt werden, die behauptet, daß sie Zeugin unseres Verbrechens ist, damit wir die Lügen, die aus ihrem Munde kommen, widerlegen können.“ Als diese herbeigeführt worden waren, stellte jene, die von ihrer Herrin für die Zeugenaussage vorbereitet worden war, sich ihr standhaft entgegen, weil sie gegen ihre Herrin aufbegehren wollte.

Aber als die anderen Mitglieder des Haushalts, die auf ähnliche Weise verderbt worden waren, gegen sie zeugten, sagte Eugenius: „Die Zeit des Sehweigens ist vorbei, und die Zeit zu sprechen ist gekommen. Ich will nicht, daß eine Schamlose, eine Christin eines Verbrechens bezichtigt und darüber jubelt. Damit aber die Lüge von der Wahrheit überwunden wird und die Weisheit die Bosheit besiegt, zeige ich die Wahrheit, nicht um mich damit zu brüsten, sondern um Gott zu rühmen. Und indem sie dies sagte, zerriss sie ihre Tunika und teilte sie vom Nacken den Rücken entlang und Vorne bis zum Gürtel und gab sich als Eugenia zu erkennen.

[Quelle: „Protus und Hyacinthus“, aus: „Die Lombardische Heiligengeschichte“, ca. 1270]

"Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

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