Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Melankia, die düstere Schattentochter

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (5)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 10 „Die Freundin des Teufels“ und zeige zwei von 12 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

»Eule im Mondlicht«, aus "Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

»Eule im Mondlicht«, aus „Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Die Geschichte von Eugenius, Eugenia und der Freundin des Teufels

Als Melankia den Bruder Eugenius, von dem sie annahm, daß es ein Mann war, häufiger besuchte und sah, daß der Körper des Jünglings sehr elegant war und schön, entbrannte sie in heftiger Liebe zu ihm, und sie begann, eifrig darüber nachzudenken, wie sie sich vielleicht mit ihm vereinigen könnte. Sie schützte also Schwäche vor, schickte nach ihm, damit der Bruder Eugenius zu ihr kam und sich dazu herabließ, sie zu untersuchen. Als der gekommen war, eröffnete sie ihm, wie heftig sie in Liebe zu ihm entbrannt und in fleischlicher Begierde zu ihm erhitzt sei, und sie bat ihn, sein Fleisch mit dem ihren zu mischen, und ohne zu zögern griff sie nach ihm, umarmte ihn, küsste ihn und forderte ihn auf, das Verbrechen zu begehen.

Bruder Eugenius fuhr auf und erwiderte: „Zu Recht werdet Ihr Melankia, die Schwarze, genannt, denn Ihr seid voll von Schwärze und werdet daher eben auch die niederträchtige Schwärze genannt und die düstere Schattentochter, die Freundin des Teufels, diejenige, die zur Befleckung führt, die Hefe der Wollust, die Schwester ständiger Furcht und die Tochter des ewigen Todes.“ Als Melankia sich ihrer bösen Absicht betrogen sah, fürchtete sie, daß das Verbrechen öffentlich gemacht würde, und sie wollte dem vorbeugen. Sie begann zu rufen, daß Eugenius sie vergewaltigen wollte.

Sie ging also zu Philippus, dem Präfekten, beklagte sich und sagte: „Jener bösartige Christenjüngling ging in mein Haus, um mich zu verarzten, stürzte sich schamlos auf mich und wollte mich vergewaltigen. Und wenn nicht die Magd, die in der Schlafkammer war, mich von der Bedrängnis befreit hätte, hätte er mich zur Gefährtin seiner Wollust gemacht.“ Als der Präfekt das hörte geriet er in Zorn und schickte eine große Anzahl von Häschern aus, ließ Eugenius und seine Gefährten in eiserne Banden geschlagen, herbeiführen und legte den Tag fest, an dem sie den Tieren zum Fraß vorgeworfen werden sollten. Als sie ihm vorgeführt wurden, sagte er zu Eugenius: „Allerniederträchtigster, hat euch das euer Christus gelehrt, das Werk der Verderbnis zu vollbringen? Verheiratete Frauen in schamloser Niedertracht zu vergewaltigen?“

Mit abgewandtem Gesicht gab Eugenius zur Antwort, daß er nichts davon wüsste. „Unser Herr hat uns die Keuschheit gelehrt und hat uns dafür, daß wir in Keuschheit dienen, das ewige Leben versprochen. Wir können beweisen, daß diese Melankia ein falsches Zeugnis gegeben hat, aber es ist besser, wir leiden, als daß jene überführt bestraft wird und die Frucht unserer Geduld verdirbt. Möge aber jene noch herbeigeführt werden, die behauptet, daß sie Zeugin unseres Verbrechens ist, damit wir die Lügen, die aus ihrem Munde kommen, widerlegen können.“ Als diese herbeigeführt worden waren, stellte jene, die von ihrer Herrin für die Zeugenaussage vorbereitet worden war, sich ihr standhaft entgegen, weil sie gegen ihre Herrin aufbegehren wollte.

Aber als die anderen Mitglieder des Haushalts, die auf ähnliche Weise verderbt worden waren, gegen sie zeugten, sagte Eugenius: „Die Zeit des Sehweigens ist vorbei, und die Zeit zu sprechen ist gekommen. Ich will nicht, daß eine Schamlose, eine Christin eines Verbrechens bezichtigt und darüber jubelt. Damit aber die Lüge von der Wahrheit überwunden wird und die Weisheit die Bosheit besiegt, zeige ich die Wahrheit, nicht um mich damit zu brüsten, sondern um Gott zu rühmen. Und indem sie dies sagte, zerriss sie ihre Tunika und teilte sie vom Nacken den Rücken entlang und Vorne bis zum Gürtel und gab sich als Eugenia zu erkennen.

[Quelle: „Protus und Hyacinthus“, aus: „Die Lombardische Heiligengeschichte“, ca. 1270]

"Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Vor 70 Jahren … Gerda

»Gerda auf der Schulbank«, "Erinnerungen – Ein Leben in Bildern": "Die ersten zehn Jahre": "Auf dem Schellenberg", © Archiv Friedhelm Denkeler

»Gerda auf der Schulbank«, „Erinnerungen – Ein Leben in Bildern“:
„Die ersten zehn Jahre“: „Auf dem Schellenberg“, © Archiv Friedhelm Denkeler

Den Augiasstall ausmisten

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (4)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 3 „Augiasstall“ und dem zu Grunde liegenden Film „Der Saustall“ und zeige zwei von 14 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Zu Bertrand Taverniers „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate), 1981

Zu Augias muss ich die griechische Mythologie oder besser gesagt Wikipedia bemühen: Der Sage nach bestand eine der zwölf legendären Aufgaben des Herakles, die er im Auftrag seines Vetters König Eurystheus zu vollbringen hatte, darin, die Rinderställe des Augias auszumisten, in denen die stattliche Anzahl von über 3000 Rindern gehalten worden sein soll. Eurystheus hatte Herakles diese immense Arbeit nicht nur einfach aufgetragen, sondern auch die Bedingung gestellt, dass Herakles damit binnen eines Tages fertig sein musste.

Die Ställe waren schon seit 30 Jahren nicht mehr gereinigt worden und das Ausmisten der Ställe galt deshalb als nicht durchführbar. Augias versprach Herakles dafür den zehnten Teil seiner Rinder, in der Gewissheit, dass niemand die Aufgabe in dieser kurzen Zeit je würde bewältigen können. Herakles erledigte die Aufgabe indem er die Fundamente des Stalls an einer Seite aufbrach und mit Hilfe eines Kanals das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios durch den Stall leitete und somit die Augiasställe säuberte. Augiasstall ist heute hauptsächlich eine sprichwörtliche Bezeichnung für einen unhaltbaren (politischen) Zustand.

Doch jetzt zum Film „Der Saustall“, der kürzlich bei ARTE in der Filmreihe „Ein Abend mit Bertrand Tavernier“ zu sehen war. ARTE fasste ihn wie folgt zusammen: Der Kolonialpolizist Lucien Cordier (Philippe Noiret) soll in dem kleinen Ort Bourkassa in Französisch-Westafrika im Jahre 1938 für Ordnung sorgen. In den Augen der anderen Weißen im Ort ist er allerdings nur eine Witzfigur ohne Autorität. Sogar seine Frau Huguette (Stéphane Audran) nennt ihn verächtlich einen Schwächling und betrügt ihn mit Nono (Eddy Mitchell), der sich bei ihr eingenistet hat.

Eines Tages glaubt Cordier, sich bei einem Vorgesetzten Rat holen zu müssen. Dieser Rat fällt recht drastisch aus und ebenso drastisch verfolgt ihn Cordier. Zwei Bordellbesitzer, die ihn lange lächerlich gemacht haben, müssen sich jetzt von ihm erniedrigen lassen. Dann erschießt er sie und wirft ihre Leichen in den Fluss. Mercaillou (Victor Garrivier), dessen Frau Rose Mercaillou (Isabelle Huppert) von Cordier im Bett getröstet wird, ist sein nächstes Opfer.

Und die Liste derer, die noch dran glauben sollen, ist damit keineswegs zu Ende. „Der Saustall“ ist eine rabenschwarze Komödie, eine hintergründige Satire auf eine heillose Welt, die nicht als Plädoyer für Selbstjustiz missverstanden werden darf. Es ist vielmehr die vehemente Attacke einer Gesellschaft, in der ein Mensch, der alle Missstände um sich herum beseitigen will, selbst zum Mörder wird. Tavernier hat einen Albtraum inszeniert – schrecklich schön und furchtbar komisch.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch weitere Artikel veröffentlichen.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Vor 40 Jahren … Schnee in Neukölln

»Winter in Neukölln«, Kirchhof Jerusalem und Neue Kirche V, Hermannstraße 84-90, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

»Winter in Neukölln«, Kirchhof Jerusalem und Neue Kirche V,
Hermannstraße 84-90, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

»Winter in Neukölln«, Kirchhof Jerusalem und Neue Kirche V, Hermannstraße 84-90, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

»Winter in Neukölln«, Kirchhof Jerusalem und Neue Kirche V,
Hermannstraße 84-90,Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Vor 70 Jahren … Gisela

»Gisela mit weißem Rollkragenpullover« aus: "Erinnerungen – Ein Leben in Bildern": "Die ersten zehn Jahre": "Grüße aus Lüdenscheid", © Archiv Friedhelm Denkeler 1949

»Gisela mit weißem Rollkragenpullover«
aus: „Erinnerungen – Ein Leben in Bildern“: „Die ersten zehn Jahre“: „Grüße aus Lüdenscheid“, © Archiv Friedhelm Denkeler 1949

Hat das Museum einen Sinn?

»Das Museum hat nur Sinn, wenn es höchste Qualität zeigt«, Joseph Beuys (Hinweisschild an der Berlinischen Galerie), Foto © Friedhelm Denkeler 2011

»Das Museum hat nur Sinn, wenn es höchste Qualität zeigt«, Joseph Beuys,
Hinweisschild an der Berlinischen Galerie, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Wunschtraum zu Weihnachten

»Weihnachten im Schnee«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

»Weihnachten im Schnee«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Ein Frohes Fest und ein

glückliches neues Jahr 2019

wünscht Friedhelm Denkeler

Monatsarchiv